Viel lässt sich darüber lesen, wie eine Szene aufzubauen ist. Mich würde mal interessieren: Wie kategorisch verfolgen eure Figuren in jeder Szene ein Ziel, wie kategorisch betreibt ihr den Spannungsaufbau pro Szene? Ich spüre meistens eher psychologischen Themen nach; fast immer feile ich an irgendwelchen Entwicklungs-/Transformationsgeschichten. Und hinzu kommt das Intuitive beim Schreiben. Will sagen: In den oben genannten Kriterien bekomme ich wahrscheinlich in vielen Fällen eine Vier minus. Ob das zwangsläufig massiv auf Kosten der Spannung geht?
Szenenaufbau und Szenenziel
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Ich achte darauf, dass meine Szenen immer einen Wandel hervorbringen oder eine Neuerung, oder eine Frage aufwerfen.
Ich weiß nicht, es ist schwer in Worte zu fassen ... Und kommt wohl auch irgendwie intuitiv.
Es ist jedenfalls so: Wenn ich die Szene auch verlustlos streichen könnte, dann hat sie in meinem Roman nichts verloren.
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Das holt mich sehr viel besser ab ...
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Szenen, die rein intuitiv - sozusagen aus dem Bauch oder einer Stimmung heraus - entstanden sind, werden von mit etwas Abstand (ein bis wenige Tag/e) noch einmal durchgesehen. Dabei stelle ich mir die Fragen, ob auch die Leser dieser Intuition folgen können - ob die Szene an die folgende oder eine vorangegangene anknüpft - ob sie an der richtigen Stelle steht - ob sie vollständig ist. Oft wird solch eine Szene dann überarbeitet, an eine andere Szene angebunden, manchmal verschoben, in seltenen Fällen komplett wieder gelöscht und noch viel seltener so stehen gelassen, wie sie ursprünglich geschrieben wurde.
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Am Rande: Mir ist neulich aufgefallen, dass ich als Leser diese Spannung zweiter Art sehr mag: Es wird früh verraten, was geschehen wird, und die Spannung erwächst aus der Frage wie zum Kuckuck es dazu kommen kann.
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Szenen betrachte ich nicht als lineare Abfolge, die am Ende das Band ergeben, das zum Bogen gespannt ist. Ich sehe das eher zweidimensional, mindestens. Ich will ein Bild malen, keine bunte Linie.
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Die Frage klingt gradlinig, ist aber erstaunlich schwer zu beantworten.
Ich bin eine extreme Planerin und gehe nach Sullivans Prinzip 'Form Follows Function' (auch, wenn er das auf Architektur bezog).
Da ziehe ich alles erstmal über Thema, Setting, Motiv und damit zusammenhängend einen passenden / sich daraus ergebenden Konflikt auf, noch bevor ich eine Figur entworfen habe, die mit diesem Konflikt umgehen muss.
So wird der Plot danach konstruiert, wie / in welche Richtung ich das Thema entwickeln will. Die Figur folgt der Plotlogik, ihre eigene Logik ist Zusatz, individuelle Ausprägung. Allerdings plane ich auch Figuren nach der Art, wie ich den Plot entwickle, also folgt die Entwicklung der Figur dem, was Setting und Thema diktieren (was mir unter den gegebenen Umständen als emotional / psychologisch folgerichtig erscheint).
Und einzelne Szenen sind dasselbe im Kleinen. Jede Szene sollte günstigenfalls eine kleine oder umfassende Veränderung beeinhalten, aber forcieren würde ich das nicht - wenn ich meine, die Figur brauchte mehr Zeit, kann das auch mehrere Szenen / Kapitel überspannen. Ich versuche allerdings, keine Momente / Entwicklungen zu doppeln, damit sich alles voran entwickeln kann (Ausnahme: bewusste Spiegelszenen mit dezent anderen Details, um das Seltsame / Weirde auszulösen.)
Da die Figuren dem Plot folgen, nicht der Plot den Figuren, hab ich keine Probleme mit Sich-verselbständigen Entwicklungen. Sondern eher mit folgerichtigen Chronologien = Anordnung der Segemente. (Ich schreibe sehr selten chronologisch, und splice oft beim Killen von Redundanzen.)
Ich fürchte, das klingt verquaster, als es sich für mich anfühlt.

Zur Hilfe lese ich keine Ratgeber, sondern eher Deskriptives, um Techniken & Prinzipien besser zu verstehen. Ich befürchte oft, Ratgeber laufen zu stark über die potenzielle, erwartete Wirkung (beim Leser) anstatt über das Gerüst = zäumen das Pferd von hinten auf.
Meine vier einzigen Stützen sind:- Ein britisches Stil-Booklet für Journalisten mit 1. Auflage aus den 1910ern, das immer noch im Druck ist.
- James Wood: How Fiction Works / Die Kunst des Erzählens
- Jeff VanderMeer: The Wonderbook
- Der Blog eines spanisch-britischen Phantastiklektors (extrem unterhaltsam!): The Emperor's Notebook
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Vielen Dank euch allen für die spannenden Einblicke in den Schaffensprozess und dir, Katla, auch für die Buchtipps! Gar nicht verquast, deine Ausführungen...
Ich stecke immer in dem Dilemma, dass zu viel Planung darin endet, dass sich Szenen mechanisch und etwas leblos lesen. Da komm ich irgendwie nicht raus... Flow trotz Planung, das ist mein (Szenen?)Ziel 😏
Ich bleib da dran.
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Hallo Antje,
ich achte darauf, dass jede Szene eine bestimmte Funktion hat. Sie muss nicht zwangsläufig dazu beitragen, die Handlung voranzutreiben oder eine Frage aufwerfen oder dgl. Es genügt mir schon, wenn sie einzelne Figuren in einer bestimmten Form zeichnet.
Ich finde, es kommt auch darauf an, ob man handlungsgetriebene Bücher schreibt oder solche, bei denen die Figuren im Vordergrund stehen. Für Bücher, in denen es primär darum geht, die Handlung voranzutreiben, dürften andere Regeln gelten, als ich sie für mich anwende. Ich hoffe, ich konnte noch irgendetwas zu den Antworten ergänzen, die Du schon bekommen hast.