Schließlich heißt es ja auch "die" Literatur. Aber wie ich soeben gelernt habe, war der erste namentlich bekannte Mensch, der sich als Autor betätigte, eine Frau. Wiki schreibt missverständlich: "Als erste historisch bekannte Autorin, deren Werke schriftlich überliefert sind, gilt sie heute als bedeutendste Frauengestalt ihres Jahrtausends." (Gemeint ist das 3. Jahrtausend v. Chr.) Die Geschichte der Literatur beginnt also mit einer Frau. Vielleicht was das anderen schon bekannt - dann freue ich mich über Infos, die nicht bei Wiki stehen.
Diese Enheduanna war die Tochter Sargons von Akkad, und der hat immerhin das erste Imperium der Weltgeschichte begründet.
Literatur ist weiblich.
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und der hat immerhin das erste Imperium der Weltgeschichte begründet.
Es gibt keine gute Nachricht über Frauen, in der nicht noch irgendwo erwähnt wird, dass irgendein Mann größeres geleistet hat.

(Just kiddin' (Aber es hat einen wahren Kern))
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Aus meiner Sicht ist es die größere Leistung, "die Mutter aller Autoren zu sein".
Den letzten Satz hatte ich nur angefügt, weil ich Enheduanna erst über Sargon kennengelernt habe. Ich schreibe halt gerade über den Alten Orient. Und der war bei vielen Dingen "der Erste". 
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Es muss aber "Autorinnen und Autoren" heißen, Du Macho!

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Die ganze Geschichte Mesopotamiens ist ein tolles Rabbit hole. Die erste Großstadt Uruk, die Erfindung der ersten Schrift (Keiöschrift), der Ursprung biblischer Erzählungen, warum Babylon (zu unrecht) verteufelt wurde ...
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Die ganze Geschichte Mesopotamiens ist ein tolles Rabbit hole. Die erste Großstadt Uruk, die Erfindung der ersten Schrift (Keiöschrift), der Ursprung biblischer Erzählungen, warum Babylon (zu unrecht) verteufelt wurde ...
Die "erste Großstadt" und die "erste Schrift" sind nicht eindeutig auf Mesopotamien und Ur zu verorten. Im Indusdelta gab es zur gleichen Zeit eine ähnlich starke Kultur (Mohenjo-Daro und vor allem Harappa, das bereits um 2500 v.Chr. eine Einwohnerzahl von 40.000 aufgewiesen haben soll). Auch eine Schrift gab es in dieser Kultur, die allerdings noch nicht entziffert ist. Ausgrabungen und Erforschungen in diesem Bereich haben jedoch erst spät begonnen, weshalb die Kulturen in Mesopotamien populärer (und vermutlich auch besser erforscht) sind.
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Sehr Interessant, aber es geht um Uruk, nicht Ur, das 3000 bis 3300vC 40-50.000 Einwohner hatte.
Was (neu entdeckte) alte Zivilisationen angeht, muss ich wieder "Anfänge" von Graeber und Wengrow erwähnen.Da hatte ich nicht genau hingeschaut, ich bitte um Nachsicht.
Danke für den Buchtipp
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Gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Kleine, wenn auch niedrig angesiedelte Freude, dass ich ganz ausnahmsweise mal ein Faktum mehr hatte.
Das Buch ist für mich das erkenntnisreichste der letzten Jahre. Es ist nicht ganz vermessen zu sagen, dass aufgrund seiner Inhalte die Geschichte früher Gesellschaften umgeschrieben werden muss. -
Den Spruch "dass Geschichte um- oder neu geschrieben werden muss" halte ich für den unerträglichsten des letzten jahrhunderts.
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Den Spruch "dass Geschichte um- oder neu geschrieben werden muss" halte ich für den unerträglichsten des letzten jahrhunderts.
Hier ist der fast einmalige Fall, wo der Spruch etwas Berechtigung hat, zB weil der Eurozentrismus überwunden wird. Hier ein kleiner Beleg.
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Das Geschichtsdarstellungen ständig optimiert werden müssen dank neuerer und fortlaufender Forschungen ist selbstverständlich. Ein Neu- und Umschreiben ist nur in seltenen Fällen angebracht und auch da meist noch in Details zu kritisieren. Der Begriff wird aber inflationär gebraucht.
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Hier geht es nicht um Details, und dass das eine von vielen oft deppert gebrauchten Floskeln ist, steht außer Frage.
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Sehr gern schweife ich mit ab, weil mich das Thema so interessiert. Und es ist immer interessanter, sich mit anderen auszutauschen, als allein zu schreiben. Aus dem Entwurf für das Vorwort zu meinem Buch über den Alten Orient möchte ich ein paar Gedanken beisteuern, zu den Punkten "Umschreiben der Geschichte", "Eurozentrismus" und "andere frühe Hochkulturen auf der Welt". Im nächsten Beitrag füge ich dann noch etwas anderes ein.
"Dieses Buch beschreibt den Alten Orient als Wiege der Zivilisation. Wie ist das gemeint? Was bedeutet Zivilisation? Und entstand die nicht auch woanders als im Orient?
„Civis“ bedeutet auf Lateinisch Städter oder Bürger. Der Begriff setzt voraus, dass der Mensch nicht als Jäger und Sammler lebt, sondern sesshaft ist. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich unsere Vorfahren zum erstem Mal im Alten Orient dauerhaft nieder. Man nennt diesen langen Prozess auch Neolithisierung: den Beginn der Jungsteinzeit. Dabei wendet sich der Mensch vom ständigen Umherziehen ab. Der Nomade wird langsam zum Hirten und Bauern.
Dazu erweist sich der sogenannte Fruchtbare Halbmond als geeignet. Das ist ein Gebiet in Form einer Mondsichel nördlich der Arabischen Halbinsel. Sie reicht vom Persischen Golf im Süden des heutigen Irak über die Landschaft um Euphrat und Tigris, erstreckt sich weiter über den Norden Syriens und führt bis zur Levante, der Küste des Östlichen Mittelmeers. (Ägypten zählt man in der Regel nicht mehr zum Vorderen Orient. Damit beschäftigt sich die Ägyptologie, eine ganz eigene Wissenschaft.)
Dieser Fruchtbare Halbmond ist eine Art Entwicklungslabor der Menschheit. Hier entstehen die ersten Städter und Bürger, hier beginnt die Urbanisierung. Überhaupt macht die Menschheit auf diesem Flecken der Erde zum ersten Mal eine ganze Reihe von Entwicklungsschritten: Außer dass der Homo Sapiens hier mit Ackerbau und Viehzucht beginnt und die ersten Siedlungen errichtet, entwickelt er hier auch zum ersten Mal die Schrift und vieles Weitere mehr.
Dieses Buch möchte nicht die Leistungen anderer früher Hochkulturen schmälern, etwa in China, Indien oder Peru, sondern den Blick auf Folgendes lenken: Die europäische Kultur und Geschichte leitet sich aus der orientalischen ab. Pracht und Größe der europäischen Antike sind ohne den Alten Orient nicht denkbar.
So gibt es auch die griechische Mythologie wieder: Der Kontinent Europa entsteht durch die Entführung einer Prinzessin aus dem heutigen Libanon. Ihr Name ist „Europa“, und Zeus verliebt sich in diese wunderschöne Phönizierin. Er verwandelt sich in einen prächtigen weißen Stier, legt sich vor die Prinzessin und wartet, bis Europa sich auf seinen Rücken setzt. Der Gott springt auf, rast davon, stürzt sich ins Meer und schwimmt bis ans Gestade Kretas. Hier verwandelt er sich wieder in einen Menschen und lebt mit der Prinzessin auf dem neuen Erdteil, der so heißen soll wie die Entführte: Europa nämlich.
In dieser Sagte steckt viel Wahres. Entdecken wir also gemeinsam die Wurzeln Europas und der menschlichen Zivilisation.
Zuvor noch ein Hinweis auf den Begriff „Orient“: Der bedeutende Literaturtheoretiker Edward Said kritisiert in seinem Werk „Orientalismus“ von 1978 einen eurozentrischen, westlichen Blick auf die Gesellschaften des Nahen Ostens. In der Tat betrachtet man den Orient aus europäischer Perspektive, nämlich als Region der aufgehenden Sonne oder Morgenland. Das tut man mit dem Begriff „Naher Osten“ allerdings auch. Wenn dieses Buch vom „Alten Orient“ spricht, dann tut es das voller Bewunderung für die Region. Laut Wittgenstein schafft der Gebrauch der Sprache ihre Bedeutung."
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In diesem Beitrag geht es mir noch um den Begriff "prähistorisch". Der hat ja eine gewisse Arroganz. Aber man bezeichnet tatsächlich die Zeit vor Uruk als Vorgeschichte. Dazu zwei Zitate:
"Jungsteinzeit (etwa 9500 bis 6000 v. Chr.) - Die neolithische „Revolution“
Eine Revolution stellt man sich als Umsturz vor: plötzlich und rapide. Der Wandel von der Mittel- zur Jungsteinzeit im Fruchtbaren Halbmond erstreckt sich jedoch über Jahrtausende. Er setzt ungefähr um 9.500 v. Chr. ein. Aus dieser Zeit stammt eine steinzeitliche Anlage im heute türkischen Teil Mesopotamiens, zwischen Euphrat und Tigris, an der syrischen Grenze. Ihr Name ist Göbekli Tepe. Auf Türkisch bedeutet das „Bauchiger Hügel“.
Jäger und Sammler in Hochform: Göbekli Tepe
Als der Archäologe Klaus Schmidt 1994 in Anatolien entdeckt, dass sich unter der Oberfläche eines Hügels Bruchstücke von Pfeilern aus der Steinzeit befinden, mündet das in eine Sensation. Wie sich herausstellt, ist die Anlage rund 11.000 Jahre alt. Hier finden sich Steinpfeiler in T-Form, die bis zu 5,50 Meter hoch und mehrere Tonnen schwer sind. In den Stein sind Tiere gehauen: zentnerschwere Vogelköpfe und Reliefs von Füchsen, Schlangen und Wildschweinen. Das tun Menschen 5.000 Jahre, bevor sich in Mesopotamien die erste Stadt gründet, und 7.000 Jahre vor dem Bau der Pyramiden in Ägypten.
Es sind Jäger und Sammler, die das vollbracht haben. Mit der Entdeckung von Göbekli Tepe ist die bis dahin herrschende Theorie überholt: Erst der sesshafte Bauer habe Häuser und Tempel errichtet. Die Voraussetzung für die neolithische Revolution seien Ackerbau und Viehzucht.
Die überwiegende Annahme ist, dass es sich bei Göbekli Tepe um eine steinzeitliche Kultanlage handelt. Sie setzt voraus, dass die Jäger und Sammler vor 11.000 Jahren in der Lage sind, sich zu organisieren und komplexe Vorhaben abzusprechen. Allein schon die Verköstigung der vielen Arbeiter ist eine logistische Leistung, zu einer Zeit, als der Mensch keine Keramik kennt. Schließlich muss man die Nahrung von der Zubereitung zu den Erbauern transportieren.
Etliche Clans müssen zusammengearbeitet haben, um die Steinkolosse aus den Felsen zu brechen, sie zu behauen und bis zur Anlage zu transportieren. Und zu dieser Zeit haben die Menschen für die Bearbeitung nichts, was härter ist als Stein. Nicht einmal die experimentelle Archäologie um Klaus Schmidt von heute ist in der Lage, die enormen Steinquader einigermaßen schnell von einem Ort zum anderen zu bewegen, wenn sie die damals verfügbaren Mittel benutzt."
"Der Name Uruk markiert eine Art Scharnier: Diese Stadt am Euphrat rund 300 Kilometer südlich des heutigen Bagdad ist seit der frühen Obed-Zeit besiedelt, gibt aber gleichzeitig der folgenden Epoche den Namen – der Uruk-Zeit. Sie gilt als Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. In dieser Phase im 4. Jahrtausend v. Chr. und um diesen Ort im südlichen Mesopotamien entstehen zum ersten Mal Gesellschaften, die von Städten und (Stadt-)Staaten geprägt sind. Sie funktionieren nach dem selben Prinzip wie wir heute, nämlich der arbeitsteiligen Wirtschaft, ausgerichtet auf Massenproduktion. Hier erfindet der Mensch außerdem die Schrift.
Diese Entwicklungen sind so bedeutsam – namentlich die Schrift –, dass die Uruk-Zeit als Übergang von Prähistorie zu Historie bezeichnet wird. Das mag arrogant gegenüber den Menschen vor dieser Epoche sein, aber wir heutigen Menschen definieren uns so stark über Urbanisierung und Schrift, dass wir die Zeit davor gern als „Vorgeschichte“ bezeichnen möchten, weniger offensichtlich auch als „Urgeschichte“. Wenn man bedenkt, zu welch außergewöhnlichen Leistungen zum Beispiel die Jäger und Sammler von Göbekli Tepe imstande sind, erscheint es ungerecht, sie von der „Geschichte“ auszuschließen. Trotzdem wechselt dieses Buch beim Namen Uruk den Abschnitt und bittet die „prähistorischen“ Menschen im Alten Orient um Nachsicht.
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Wegen der Bedeutung der Wertung sei noch einmal wiederholt: Im Mesopotamien der frühen Sumerer sehen viele überhaupt erst den Beginn der menschlichen „Geschichte“, im Gegensatz zur Vorgeschichte oder Prähistorie. Man kann das mit guten Gründen ganz anders bewerten. Die meisten Sprachen im Afrika südlich der Sahara zum Beispiel haben keine eigene Schrift. Sie wurden von Händlern und religiösen Missionen in arabische und lateinische Schrift übertragen. In den meisten Ländern Subsahara-Afrikas gelten die ehemaligen Kolonialsprachen Englisch, Französisch und Portugiesisch als Amtssprachen. Sollte man also meinen, die Geschichte Schwarz-Afrikas beginne erst mit der Kolonialisierung? Natürlich nicht.
Andererseits sind Urbanisierung und Schrift so prägend für die menschliche Zivilisation, dass man in dieser Entwicklung einen einschneidenden Wechsel in der Geschichte sehen kann. (...)