Als Grund, KI-errechnet Bilder für Cover/Innen-Illustrationen oder Buchdesign zu verwenden, wird Budgetknappheit angegeben. Hier sitzen ausnahmsweise SPler und Herausgeber/Autoren bei Kleinst- und Kleinverlagen in einem Boot.
KI-errechnete Bilder - egal, ob das der übliche slop ist oder halbwegs okay zusammengeklaut wurde - bergen aber Probleme, u.a. dass man sie zeitnah ganz oder in Teilen auf anderen Publikationen findet, sie eine stupide Einheitlichkeit aufweisen (was das eigene Werk untergehen lässt bzw. allgemein zu Kaufmüdigkeit führt) und eben auf gestohlenen Werken beruht, deren Ersteller nicht honoriert wurden - sonst wäre KI ja nicht umsonst.
Ohne ins Detail zu gehen (dazu gibt es ja bereits Presse), beschreibt ein britischer Phantastiklektor hier sehr gut, was beim Genre-Coverdesign u.a. schief läuft: Xavier Lastra auf seinem The Emperor's Notepad: "The three or four types of indie fantasy covers" (lässt sich gut auf andere, nicht-phantastische Genres übetragen!).
Da ich auch grundsätzlich klamm bin, aber keine KI will, hab ich im Laufe der Zeit einige Quellen für gute und fair eingesetzte Kunst / Design aufgetan und ausprobiert, dank auch einer Menge Tipps aus der finnischen und deutschsprachigen Kulturszene. Vielleicht können wir hier ja ein kleines Brainstorming machen, sodass mehr Schreibende / Herausgebende KI umgehen können ohne arm zu werden. Nach dem Motto: Warning: This machine has no brain - use your own!
Zum Vergleich: die höchste Summe, die ich bislang zur Bildnutzung für ein Buchcover vorschiessen musste, waren € 120,-, bzw. € 150,- für Bildnutzung und Lettering/Coverdesign. Die höchste Summe für ein wie unten aufgeführt rekrutiertes Komplett-Design (Filmfestivalprogramm, farbig, 40 Seiten) waren € 1.500, die aber das Festival, nicht ich, zahlte.
Dabei hab ich mich anfangs selbst bei Anfragen gehörig ins Fettnäpfchen gesetzt (-> Ich kann nicht zahlen, aber deine Werke werden ja veröffentlicht, ist das nix? Nein, wenn jemand in seinem Beruf ja auch Geld verdienen möchte!). Gute Reaktionen bekomme ich auf:
- Ich weiß, dass ich nicht angemessen zahlen kann, aber ich bitte nur um einfache Abdruckrechte (z.B. wenn jemand seine Werke selbst in den SoMe bewirbt oder die Motive auf T-Shirts / Plakaten verkauft und sie bereits im Umlauf sind).
- Ich schätze selbstverständlich die Arbeit, aber mein Projekt hat kein Budget / ich bekomme für meinen Text selbst kein Honorar - ich zahle daher aus privater Tasche Betrag XY für nicht-exclusive Nutzung, wäre das okay?
Abgesehen von Datenbanken mit frei nutzbaren Bildern (Creative Commons), historischen Archivbildern, eigenen Bildern (wenn mans kann) oder denen von befreundeten Künstlern, die auch mal ein Auge zudrücken oder für ein paar Hundeleckerlies & Pub-Einladungen arbeiten, sind hier vllt. weniger offensichtliche Quellen / Möglichkeiten:
* Kunst- und Designhochschulen. Zumindest in Finnland müssen Grafikdesiger als Abschlussarbeit ein gedrucktes Medium vorlagen, und das müssen sie eben selbst bezahlen. Hier ist es win-win, wenn sich ein Projekt findet, das nicht fürs Design zahlen kann, aber den Druck finanziert / erledigt. Am besten die Bereichsleiter anschreiben, die wissen oft schon, wer von den Studis passen könnte. Vorteil: Da die Note davon abhängt, bekommt man automatisch gute Arbeit.
* Profis aus Ländern, in denen das Durchschnittseinkommen niedriger ist. (Ich denke hier an demokratische, europäische Länder, wo die Gesetzeslage ähnlich ist, nicht als Kolonialkonzept! :D.) Hier findet sich auch enormes Potential, ein anderer Blick und Leute, die wirklich Interesse an kulturellem Austausch haben. Z.B. arbeite ich mit Fotografen, Designer*innen (und Autoren) aus der Ukraine, Estland, Spanien und Kroatien zusammen. That said: Auch Künstler aus reicheren Ländern sind manchmal am Austausch interessiert, und erlauben durchaus freie Nutzung bei deutlich plaziertem Copyright.
* Inklusions- und Förderprojekte (salopp gesagt: die ehemaligen "Behindertenwerkstätten"). Hier finden sich ganz extrem innovative, atemberaubende, technisch perfekte Talente - eine autistische Down-Syndrome Zeichnerin / Malerin (Maria Tani, Helsinki), die ich angefragt hatte, stellte bereits in großen regulären Shows in u.a. London aus. Da aber die Entwicklung und Professionalisierung dieser Künstler gefördert wird (u.a. weil manche auch einen Vormund für die Geschäftsseite benötigen, den auch das jeweilige Projekt stellt), können die Nutzungsgebühren für die Werke sehr gering gehalten werden.
* Grafikdesigner, die auch Profi- oder Hobbyfotografen sind bzw. solche im Freundeskreis haben, sind oft für wenig Geld (oder besagte Kneipen/Café-Einladungen) bereit, die Bilder mit Profi-Photoshop / Lightroom zu bearbeiten, zu verfremden. Lassen die einen dabei sein, hat man auch einen kleinen Tick kreativer Eingabemöglichkeit. Vorteil: Die Bilder sind nicht aus Datenbanken, vllt. sogar analog geschossen und man kann gemeinsam Locations erkunden = man kann beim Shooting dabei sein und das Bild passt dann auch zum Text/Buch.
* Historische Museen und Stadtteilmuseen bieten ggfs. riesige Datenbanken mit historischem Bildmaterial (Fotos, Skizzen) an. Hierbei wird angegeben, ob jeweils das Urheberrecht frei ist oder nicht. Vorteil: Die Bilder wurden professionell eingescannt und sind bereits in Druckqualität herunterzuladen, zudem ohne noch extra anfragen zu müssen. Auch klar: die geforderte Kennzeichnung der Quelle = Museum/Archiv.
* Botschaften und Kulturvereine (British Councils, Goethe Institute im Ausland ...) können auch Kontakte vermitteln oder mit sehr viel Glück etwas sponsoren. Ich glaube, diese Gelder sind inzw. stark zusammengestrichen worden, aber als Anlaufpunkt imA immer noch brauchbar. Es braucht vielleicht etwas mehr Lust & Zeit, hier Anträge zu stellen und eben auch ein Projekt mit internationaler Komponente. p.s. Gerade fällt mir ein, dass nur Vereine unterstützt werden, da müsste also ein Partner gefunden werden. Diese Option verlangt sicherlich den größten Einsatz und hat die geringsten Chancen, aber bei Erfolg ist das Sponsoring auch höher.
* Zudem würde ich den no-brainer Soziale Medien nicht unterschätzen - hier also z.B. Gruppen und Projekte, die sich um ein Sachthema drehen (ein Genre, Historie, Archäologie, Wissenschaft, Technik, Handwerk etc.). Ich ha gute Erfahrung gemacht, dort einfach nach Kontakten zu fragen, und im Sinne eines gemeinsamen Nerd-tums bekommt man durchaus Hilfe. (Klar, nicht einfach mit der Bitte vorstellig werden, sondern eine Weile mitmachen, was bei Recherche eh anfällt.)
Musterverträge für all das o.g. findet man bei verdi, nach Kunst und Lit getrennt (wer weiß, wo man diese oder nach EU-Recht entsprechende auf Englisch findet: Ich bin über einen Tipp sehr dankbar!).
Die KI errechnet vielleicht auf einen Click zusammengeklaute Bilder, die sich sofort nutzen lassen, und alle o.g. Optionen verlangen etwas zeitliches Engagement und vllt. eine kleine Zahlung. Nichtsdestotrotz stecken wir ja auch Arbeit - bei Erwerb von Recherchematerial auch Geld - in unsere Texte, sodass wir hier nicht die Faulheit siegen lassen sollten. Das Budget ist jedenfalls kein Grund, sich KI Bildern zu bedienen.
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