Liss liest die 17-jährige Sally auf einer Dorfstraße auf. Sally darf auf Liss' Bauernhof bleiben. Sie ist, wie sich viel später herausstellt, aus einer Therapie geflohen, aber tatsächlich wiegt der psychische Rucksack der 45-jährigen Liss noch schwerer. Die beiden einsamen Frauen sprechen kaum miteinander. Liss weiß Sallys Wutausbrüche nicht krumm zu nehmen und zeigt dem Stadtmädchen das Landleben. Sally kommt durch die einfachen Tätigkeiten auf dem Bauernhof und inmitten alter Birnensorten langsam zur Ruhe. Doch sie wird von ihren Eltern gesucht, die sie gründlich missverstehen. Sallys Willensstärke steht der Rückkehr in ihr altes Schulleben entgegen und rüttelt an Liss' innerer Mauer.
Alte Sorten ist zwölf Jahre später erschienen als Der Duft von Schokolade. Ewald Arenz wählt hier eine einfachere Sprache, die weniger Stimmung erzeugt. Der ganze Roman passiert weitgehend erst im letzten Drittel. Arenz macht vorher kaum Gebrauch von den naheliegenden Spannungselementen; Liss bleibt für mich lange rätselhaft, und die alten Birnensorten bekommen auch kein Gewicht, das die Handlung tragen würde. Hintenraus ist "Alte Sorten" aber eine sehr berührende Geschichte um Freundschaft, um die Fähigkeit des sich öffnen Könnens, unabhängig von Alter und anderen Lebensumständen, die einen trennen.