Die Menschen in Berlin glauben, sie träumten noch, als sie frühmorgen Elefanten begegnen, die durch die Spree schwimmen oder als ganze Herde in den Straßenverkehr eingreifen. Der Roman folgt dem allgemeinen Erstaunen zunächst aus drei Perspektiven: der eines Stadtstreichers, der des Bundeskanzlers Hans Christian Winkler und der von dessen populistischen Widersacher Holger Fuchs. Dann bleibt Gaea Schoeters Besteseller Das Geschenk jedoch bis zum Ende bei dem Bundeskanzler, dem die Aufgabe zufällt, sich um das Problem zu kümmern. Es stellt sich heraus, dass sich tatsächlich 20.0000 Elefanten in der Stadt befinden. Der Präsident von Botswana bekennt sich dazu, Deutschland dieses "Geschenk" als Revanche für ein Gesetz gemacht zu haben, das den Elfenbeinhandel unterbinden soll, aber Botswana durch nun ausbleibende Jagdeinnahmen schadet. Die Elefanten brauchen irre viel zu fressen, verdauen nur die Hälfte und bringen invasive Samen mit, sodass sich schnell ein noch nie dagewesenes Problemgemengelage ergibt. Kanzler Winkler schmiert in Umfragen gegenüber Fuchs ab, er muss handeln, aber alle Optionen scheitern an den Restriktionen von Tierschutz, an der Intelligenz der Tiere oder der Unverträglichkeit von Panzern in einer Großstadt. Schließlich ernennt er die umtriebige Parteifreundin Hannelore Hartmann zur "Ministerin für Elefantenangelegenheiten", die den Elefantenkot als Superdünger zum Exportschlager macht.
Das fantastische Element, wie die Elefanten nach Berlin gekommen sind, bleibt unerklärt. Dies nimmt man Schoeters jedoch gerne ab, denn sie erzählt das kuriose Geschehen mit elefantenkundiger Selbstverständlich- und bemerkenswerter Anschaulichkeit. Schwer tat ich mich allerdings mit der Perspektive des drögen Bundeskanzlers. Seine Durchschnittlichkeit als Politiker, der im Grunde nur wiedergewählt werden will und dafür allerhand Machtinteressen ausbalancieren muss, erzeugt keinen rechten Spannungsbogen. Der klimapolitische Konflikt, auf den die Geschichte hinausläuft, kommt erst spät; und ich bin mir nicht sicher, ob dieser Twist sachlich ganz aufgeht. Der Roman ist trotz seines Themas nicht als Satire geschrieben. Den lakonischen Tonfall in der zweiten Hälfte, wo es weitgehend nur noch um politische Ränkespiele geht, finde ich eher ermüdend. Ein toll beginnender Roman mit sehr lustigen, gut verteilten Details, aber letztlich nur auf der buchstäblichen Ebene elefantös.