Ich bin seit kurzem in einer Buchgruppe und bekomme dadurch außerhalb meiner sonstigen Bubbles Lesetipps, unter denen ich mir ein paar literarisch Anmutende aussuche. So kam ich zu "Trophäe" von Gaea Schoeters (2024). Ansonsten hätte ich keinen Roman über einen Mann gelesen, der in Afrika Tiere tot schießt; denn mir fehlt die frühere Bereitschaft, in abseitige Gedankenwelten einzutauchen. Außerdem hätte ich angenommen, dass in Ulrich Seidls Film Safari schon alles Abstoßende zur Großtierjagd gezeigt worden ist.
"Trophäe" taucht aber tiefer in die innere Logik des archaischen Tötens ein. Der Protagonist Hunter White (!) besitzt eine Jagdlizenz und darf nur Tiere schießen, die dem Fortbestand ihres Rudels im Wege stehen. Beispielsweise einen alten Nashornbullen, der sich nicht mehr vermehrt, aber die Jungtiere gefährdet. Zu Hunters Kick gehört, dass er sich selbst in große Gefahr begibt. Hunter gerät unter Anleitung seines befreundeten Jagdunternehmers tiefer in die verqueren Mechanismen des Kolonialismus. Die Jagd macht nicht vor Menschen halt, denn ihre hohen Gebühren verursachen die Hatz auf die geschäftsgefährdenden Wilderer. Dabei bleibt es nicht. Sein Jagdgeschick lässt Hunter in der Gunst des lokalen Stammes aufsteigen, bei dem das Jagen die Stationen im Leben eines Mannes definiert. Schließlich wird er aufgefordert, den Gotteswillen, eine Art Opferkult, zu erfüllen: Er soll einen jungen Jäger jagen.
Die 250 Seiten archaische Triebe lesen sich schnell und kurzweilig. Der Protagonist ist nicht so unsympathisch, als dass man bei der Lektüre so leidet wie hintenraus der Protagonist. Die inneren Monologe finde ich aufschlussreich, allerdings hätte ich an der entscheidenden Stelle gerne etwas mehr über Hunters Motivation erfahren. So ist es ein gelesener Fiebertraum, kundig, anschaulich und präzise formuliert. Dabei gibt es deutlich erkennbare Anlehen an das in der Danksagung erwähnte "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad. Bei dem, was letztlich vom Thema des Sterbens und des zum sterben Bringens bleibt, am Ende nicht viel mehr als ein gut gemachter Alptraum.