Vor Jahrzehnten las ich "Bittersüße Schokolade" von Laura Esquivel, erinnere mich aber nur noch diffus daran, dass ich es sinnlich und auf irgendeine Art aufregend fand, wie dort Gefühle in kulinarischer Tätigkeit und den daraus entstehenden Düften Ausdruck finden. Nun statt Mexiko 1910 der Schauplatz Wien im Jahr 1890, achtzehn Jahre später (2007) von dem Deutschen Ewald Arenz veröffentlicht. Vorab möchte ich sagen, dass die heitere Leichtigkeit von "Der Duft von Schokolade" verblüffend den Werken älterer Wiener Schriftsteller wie Heimito von Doderer (1896-1966) ähnelt.
In diesem Tonfall las ich jedenfalls gerne die Geschichte von Er-Erzähler August. Der Soldat verlässt nach zwölf Jahren die Armee und, weil ihm die Dinge mehr passieren, als dass er aus eigenen Stücken handelt, hilft er ein paar Monate später in der Schokoladenfabrik seines Onkels. Im Sommer davor begegnet ihm die chuzpenreiche Elena, wie sich später herausstellt die Frau eines in Afrika stationierten Offiziers. Ihr geheimnisvolles Spiel zwischen Annäherung und Entwindung fasziniert August. Dabei spielt sein ausgeprägter Geruchssinn eine zunehmende Rolle, besonders als er die brachliegende Konfiserie seines Onkels im Besitz nimmt und sich von einem Mitarbeiter der Firma das Pralinemachen beibringen lässt. Der Tod von Elenas Mann wird bekannt und August mit seiner Schokolade berühmt, aber Elena verschwindet bei einem Brand in der Oper und wird für tot erklärt. Wie in vielen Amour fou-Geschichten gibt es noch eine verlässlichere Frau, die den Protagonisten wirklich liebt. August lernt die herzensgute und selbst nicht unfreche Louise kennen, versucht aber kaum, Elena zu vergessen.
So schön wie die Beschreibungen der Düfte sind, falls man sich als geruchsaffiner Mensch wie ich darauf einlassen kann und sie in ihrer Menge nicht als kitschig empfindet, Arenz hebt es sich als Twist fürs Finale auf, die olfaktorische Ebene mit der Liebesgeschichte zwingend zusammen zu bringen. Auch ging mir Augusts Aufstieg zum Star der Patisserie etwas zu schnell, obwohl ein Zufallstreffer dabei (etwas spät) erwähnt wird. Aber insgesamt habe ich das gerne gelesen, die Wendungen in der Geschichte sind gut mit den Figuren austariert, und die feine Sprache trägt die Schilderung ihres Innen- und Außenleben mit bemerkenswerter Leichtigkeit.
