Hat dieser Stoff Chancen bei einem Verlag?

  • Guten Tag,


    ich bin seit letztem Herbst Mitglied bei den 42er Autoren und lese gerne die Beiträge, bin aber ansonsten nicht sehr aktiv.


    Mir brennt eine Frage unter den Nägeln. Vielleicht kann mir ja hier jemand eine Einschätzung oder einen Tipp geben. Das würde mir weiterhelfen.


    Momentan überarbeite ich meinen dritten Roman. Die Bücher eins und zwei habe ich im Selfpublishing veröffentlicht. Das war einfacher und nicht so langwierig. Ich hatte ein paar Verlage angeschrieben, aber nichts mehr von ihnen gehört.


    Für das neue Buch will ich ernsthaft einen Verlag suchen. Ich bin mir aber ganz und gar unsicher, ob ich da Chancen habe. Es handelt sich um eine Komödie, die kurzweilig, (hoffentlich) amüsant und ein wenig romantisch ist. Weil ich mich so gar nicht auskenne, was von Verlagen angenommen oder gesucht wird, würde es mich interessieren, was andere Autoren dazu sagen.


    Hier eine kurze Inhaltsangabe der Geschichte:


    Der achtzigjährige Ernst wird von seiner gleichaltrigen Frau Johanna verlassen. Ernst ist mürrisch und lethargisch, er will nichts mehr vom Leben wissen und genau das wirft Johanna ihm vor. Sie fordert ihren Ehemann zu einem Spiel auf. Er soll sich mit verschiedenen Kunstformen beschäftigen, erst dann kommt sie zu ihm zurück. Sie will ihn so zurück ins Leben führen.


    Ernst lässt sich widerwillig darauf ein. Zusammen mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Theo begibt er sich auf eine wilde Reise durch die Frankfurter Kunstszene. Mit den zwei Brüdern prallen Welten aufeinander. Da ist der gesetzte und rechtschaffende Ernst und sein Bruder Theo, selbst Künstler, ein Chaot mit einer Vorliebe für Bourbon. Sie zanken und sticheln, raufen sich aber trotz der ständigen Streitereien immer wieder zusammen.


    Während Ernst um die Liebe seiner Frau kämpft, lässt er ihr gemeinsames Leben gedanklich Revue passieren. Er erinnert sich an sein Leben mit Johanna. Von den Anfängen ihrer Beziehung über die Ehejahre bis zum Ruhestand. Da waren Höhen und Tiefen und ob Johanna jetzt zu ihm zurückkommt, bleibt abzuwarten.


    Was meint ihr dazu? Hat so eine Story Chancen bei Verlagen? Was macht mehr Sinn: Direkt Verlage anzuschreiben oder besser Literaturagenturen? Und hat man bei Verlagen einen schwereren Stand, wenn man bereits im Selfpublishing veröffentlicht hat?



    Vielen Dank schonmal!


    Matthias

  • Ich bin kein Experte, aber bei einigen Verlagen steht auf der Homepage, welche Art Geschichten sie suchen. Im Prinzip musst du dir nur den Backkatalog ansehen.

    Grundstätzlich ist die Art deiner Geschichte momentan zumindest nicht die schlechteste Wahl. Spätestens seit "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" sind auch ältere Menschen als Protagonisten salonfähig. Der Buchspazierer ist ein weiteres Beispiel. Auch grummelige ältere Herren sind gefragt, siehe die Buch-Verfilmung mit Tom Hanks "Ein Mann namens Otto".

    Mein erster Roman ist auch so eine tragikomische Geschichte über einen älteren Herren und wurde durchweg positiv aufgenommen. Allerdings habe ich sie auch im Self Publishing rausgebracht und kann deshalb nichts zu den Verlagsgesuchen sagen.


    Bei Agenturen ist es mindestens genauso schwierig (wenn nicht gar schwieriger) unterzukommen.


    Je nachdem, wie deine beiden ersten Bücher ausgefallen sind (von den Bewertungen und Verkaufszahlen), wirst du es schwerer oder leichter bei Verlagen haben. Aber es ist schwierig auf deine Fragen pauschale Antworten zu finden.

    Ich würde sagen: Versuch macht kluch ... (oder so)


    Gibt es einen bestimmten Grund, weshalb du ausgerechnet jetzt und mit dieser Geschichte zu einem Verlag willst?

  • Hallo Matthias,


    was die Verlage wollen, wissen am Ende nur die Verlage (und die wissen es oftmals selbst nicht).

    Stelle dir selbst die Fragen:


    • Mit welchen Büchern der letzten Jahre ist der Stoff vergleichbar (nicht das eigene Licht unter den Scheffel stellen)
    • Wer ist die Zielgruppe? (Leser von ...)
    • Was macht meine Geschichte einzigartig und besonders, und zwar so sehr, dass man sie einfach lesen MUSS?


    Viel Glück und Erfolg. Stecke ja gerade selbst in dieser Mühle.


    Silke

  • Hallo Matthias,


    wie alle hier: Ich wüsste auch gern, wie und womit man Verlage überzeugen kann :kratz2

    Es gehört meist auch eine Portion Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort präsent zu sein.


    Was macht mehr Sinn: Direkt Verlage anzuschreiben oder besser Literaturagenturen?

    Im Grunde nimmt es sich nicht viel. Allerdings: Wenn Du einmal selbst Verlage angeschrieben hast, nimmt Dich keine Agentur mehr, weil der Stoff ja schon abgelehnt wurde. Deshalb ist es üblich, es erst bei Agenturen zu versuchen, wenn man in große Verlage will. Und nur, wenn da gar nichts passiert, kann man es selbst (bei eher kleineren Verlagen) versuchen.


    Schwierig ist es in jedem Fall - ich hatte für meinen Roman "Der Äthiopier" es so "nach Lehrbuch" versucht: Erst Agenturen angeschrieben, dann selbst Verlage. Insgesamt ca. 80 E-Mails verschickt. Nur von einem Drittel etwa überhaupt Antwort bekommen. Dann hatte ich einen Agenten, der das Manuskript aber auch nicht unterbekam. Schließlich habe ich das Buch selbst herausgebraucht und dann kam ein Verlag auf mich zu und wollte es haben - nachdem ich drei Jahre lang vergeblich versucht hatte, es an einen Verlag zu bringen.


    Insofern: Selfpublishing muss kein Ausschlusskriterium für Verlage sein. Es ist gerade auch sehr viel im Umbruch - so dass sich manche Sachen auch gar nicht mehr so genau sagen lassen.


    Viel Glück wünsche ich Dir.

  • Mmh. Für mich hört sich der Plot eher willkürlich und zusammengepuzzelt an, und ein bisschen flach, als wäre die Trennung des alten Paars nur rangeflanscht, um eine Geschichte über die Frankfurter Kunstszene schreiben zu können, und die interessiert außerhalb von Frankfurt vermutlich nicht so irre viele Leute. Und, ja, auch sehr alte Leute (zu denen man spätestens ab achtzig zählt) taugen durchaus als Romanprotagonisten, aber sehr eingeschränkt, und der hier schon genannte "Der Hundertjährige ..." ist ja eine Krimikomödie, in der die Titelfigur nur eine große Nebenrolle spielt, während das restliche Personal jünger ist. Der Roman funktionierte vor allem ob seiner Skurrilität gut, was aber nicht heißt, das Hundertjährige grundsätzlich tolles Romanpersonal sind. Sind sie eher nicht.

    In der Hauptsache aber: Die Plotskizze enthält eigentlich nichts, das mein Interesse weckt. Zwei alte Leute trennen sich, dann wird ihre Vorgeschichte erzählt, eingebettet als Rückblenden in eine Brüdergeschichte, bei der es um Kunst geht. Da ist kein Fleisch dran. Was ist der Pitch? Warum soll ich mich für diese Leute interessieren? Warum ist das mit der Kunst so wichtig? Und was ist spannend/originell/interessant/lesenswert gerade an dieser Geschichte, an diesen Leuten?

  • Zu der Liste der Bücher, deren Protagonisten Senioren sind, könnte ich noch hinzufügen: Lionel Shriver, Lass und doch noch etwas bleiben.

    Dabei geht es um ein Ehepaar, das in der Mitte Ihrer 50er den Pakt schließt, gemeinsam am Abend des 80. Geburtstags der Ehefrau Selbstmord zu begehen (um dem National Health Service nicht zu sehr auf der Tasche zu liegen, um der Demenz zu entgehen etc.). Das klingt ein bisschen wie "Harold an Maud". Es werden aber in dem Buch x Varianten des "letzten Abends" und der jeweiligen Konsequenzen durchgespielt.

    Ich hatte erst gedacht, das sei so ein Buch, das ich nach dem ersten Lesen wieder aussortieren würde, aber dann habe ich es das erste Mal gelesen und werde es NICHT aussortieren, sondern es wieder lesen. Ein Buch, bei dem man auch viel übers Schreiben lernen kann.

    Aber ich schweife ab: Tatsächlich glaube ich, dass Senioren als Protagonisten ein Trend werden könnten, da die Generation der Vielleser allmählich ins Alter kommt.


    Nachbemerkung: Das Original von "Ein Mann namens Otto", ist übrigens der schwedische Film "Ein Mann namens Ove" nach dem Roman von Frederik Backman. Ich würde den schwedischen Film noch eher empfehlen als das amerikanische Remake! Einfach auch, weil Rolf Lassgård in der Rolle des Ove großartig ist. Aber amerikanische Remakes gibt es eigentlich immer nur von erfolgreichen Stoffen!

    Literatur ist die angenehmste Art, die Realität zu ignorieren (Pessoa)

  • Hallo Matthias,


    mein erstes Gefühl sagt mir, dass die Geschichte Potenzial haben könnte. Humor und direkt aus dem Leben wird doch immer wieder verlegt. Welche Verlage das sind, wirst Du wohl mühsam recherchieren müssen.
    Und wie bereits erwähnt wurde: erst die Agenturen, abwarten und dann mit den Verlagen weitermachen. Andersherum macht es keinen Sinn. Oder die Agenturen außen vor lassen.
    Jeder Verlag gibt da seine Wünsche genau bekannt, wenn man unter Manuskripteinsendungen schaut oder im Verlagsprogramm hineinsieht.


    Wichtig ist am Ende, wie gut die Charaktere ausgearbeitet wurden und eben der Inhalt. Ansonsten klingt es gut.


    Viel Glück!

  • Hallo Matthias,


    ich finde es immer super, wenn Schreibende bei Verlagen unterkommen möchten, von daher drücke ich dir ganz fest die Daumen!


    Hier meine 5 Cents, selbstverständlich auch nur persönliche Einschätzung aus der absoluten Peripherie (Klein- und Kleinstverlage, kein SP, ein Publikumsverlag, aber dort Essay, kein eigenes Buch).

    Deine Frage zielt vielleicht etwas mehr in Richtung große Publikumsverlage, aber es gibt ja unzählige Klein- und Kleinstverlage, die auch teils wunderschöne Bücher herausbringen, also auch mit gutem Lektorat und Korrektorat, keinen KI-Covern. Dort würde ich mich an deiner Stelle umschauen, dann benötigst du auch keine Agenturen.


    Wie Silke sagte, guck doch mal, ob du Vergleichbares auf dem Markt (da ruhig große Verlage) finden kannst, und dann hast du eine Handvoll Stichworte, worin sich dein Buch ähnelt, und wo andererseits dein besonderer Ansatz / Dreh liegt = Alleinstellungsmerkmal.


    Ich finde betagte Protagonisten auch wunderbar, das gibt es viel zu selten, dabei sollte das durchaus zahlenmässig eine relevante Zielgruppe sein.

    Da würde ich raten, dir die Zeit zu nehmen und die Programme von passenden kleinen Verlagen genau anzuschauen, ggfs. auch - wenns vielversprechend aussieht - das eine oder andere eBook von denen anschaffen, um zu sehen, ob dein Tonfall deren Geschmack trifft. Da nimm dir ruhig ein gutes halbes Jahr (ggfs. länger), diese Vorarbeit zahlt sich imA aber aus, denn von Quasi-Blindeinsendungen verstopfen nur die Posteingänge und das erschwert dann für alle den Zugang.


    Mir fallen spontan als mögliche Referenzen ein:
    Arto Paasilinna: Das Jahr des Hasen (kein betagter Prota, aber radikal experimentelle Lebensveränderung, auch mit Tragik & Humor)

    Arto Paasilinna: Der wunderbare Massenselbstmord (dito; es gibt auch ältere Protas und ich glaube auch eine kleine Liebesgeschichte)

    Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. (Deutlich betagter, senil-renitenter Prota, ich fand das Buch leider extrem langatmig und habs abgebrochen - auch wenn ich weiß, dass dieser Stil Absicht war-, aber Idee & Plot sind ganz wunderbar. Ohne Romantik allerdings.)

    Auch als Graphic Novel und Animationsfilm:

    Jaroslav Rudiš: Alois Nebel. Leben nach Fahrplan, 2011 als Alois Nebel verfilmt, Regie: Tomás Lunák. Hier geht es um neue, ungeplante Liebe im Rentenalter, sehr schön und unkitschig gemacht. Fette Empfehlung.


    Nur ein spontaner Einruck, wenn das mal ein Pitch wird:

    Der achtzigjährige Ernst wird von seiner gleichaltrigen Frau Johanna verlassen. Ernst ist mürrisch und lethargisch, er will nichts mehr vom Leben wissen und genau das wirft Johanna ihm vor. Sie fordert ihren Ehemann zu einem Spiel auf. Er soll sich mit verschiedenen Kunstformen beschäftigen, erst dann kommt sie zu ihm zurück. Sie will ihn so zurück ins Leben führen.


    Ernst lässt sich widerwillig darauf ein. Zusammen mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Theo begibt er sich auf eine wilde Reise durch die Frankfurter Kunstszene. Mit den zwei Brüdern prallen Welten aufeinander. Da ist der gesetzte und rechtschaffende Ernst und sein Bruder Theo, selbst Künstler, ein Chaot mit einer Vorliebe für Bourbon. Sie zanken und sticheln, raufen sich aber trotz der ständigen Streitereien immer wieder zusammen.


    Während Ernst um die Liebe seiner Frau kämpft, lässt er ihr gemeinsames Leben gedanklich Revue passieren. Er erinnert sich an sein Leben mit Johanna. Von den Anfängen ihrer Beziehung über die Ehejahre bis zum Ruhestand. Da waren Höhen und Tiefen und ob Johanna jetzt zu ihm zurückkommt, bleibt abzuwarten.

    BIs zum Fetten geht der Drall vorwärts, sehr dynamisch, gute Ausgangslage und Spannung, gut strukturiert. Dort, wo ich nun irgendeinen Dreh- und Angelpunkt erwarte, bzw. etwas Unerwartetes, das nun für mein bisheriges Lesen belohnen würde, kommt bei dir aber Stillstand, und imA schlimmer, der Rückwärtsgang. Erinnerungen, Reminiszenzen und Überlegungen anstelle von Entwicklung / faktischer äußerer oder innerer Handlung können Leser aus dem Text werfen, zumal du am Anfang des Buches sicher auch bereits Rückblicke hast (um den Lesern deutlich zu machen, warum die Ehefrau genervt zu diesen Mitteln greift), das würde ich nicht wiederholen und nicht vertiefen, zumindest nicht so spät im Buch.

    Plottechnisch fehlt mir hier der wesentlichste Teil des Romans und mir ist nicht klar, inwieweit der Rest zuende führt, was du imA so wunderbar aufgebaut hast. Das Ganze sollte (denke ich) auf eine Entwicklung beim Prota abzielen: Unerwartete Situation, wie geht er damit um (das hast du alles), aber dann: Was macht das mit ihm? Welche Entwicklung löst das bei ihm aus und wozu führt das praktisch gesehen?


    Und offene Enden sind ja durchaus fein, aber es sollte nicht in sämtliche Richtungen offen sein, sondern ein, zwei als Möglichkeit andeuten; an sich würde ich das allerdings bei deinem Genre eh überdenken. Ggfs. eher Happy End mit Hindernissen, weil du mit einer "Belohnung" aufwarten solltest. Das Fette klingt imA momentan nach einem noch nicht gut ausgearbeiteten Abschluss dessen, was du so schön vorbereitet hast. Und bei einem Pitch an einen Verlag auf keinen Fall einen Cliffhanger bringen - die müssen wissen, wie du das Buch beendest. Dieser Hinweis ist sogar auf Infoseiten zu Verlagseinreichungen zu finden.


    Das wie gesagt auch ohne Publikumsverlag im Hintergrund, aber vielleicht kannst du ja was damit anfangen. Viel Erfolg!

  • Während Ernst um die Liebe seiner Frau kämpft, lässt er ihr gemeinsames Leben gedanklich Revue passieren. Er erinnert sich an sein Leben mit Johanna. Von den Anfängen ihrer Beziehung über die Ehejahre bis zum Ruhestand. Da waren Höhen und Tiefen und ob Johanna jetzt zu ihm zurückkommt, bleibt abzuwarten.


    Ich würde vorschlagen, er erlebt sein Coming Out und verliebt sich in seinen Bruder. (Spaß)


    Ich sehe das auch wie Katla, den Anfang fand ich kreativ und spannend ... aber dann fehlte der Biss.

    Obwohl, wenn man über die Sprachgewalt eines John Updikes verfügen würde, den Leser allein durch sorgsam ausgewählte Formulierungen bei der Stange halten könnte, genug kleine Geschichten zu erzählen hat, wäre auch dieser Schluss deiner Romanidee eine Möglichkeit. Manche von Updikes Romanen, nicht die Rabbit Serie, bestehen ausschließlich aus dem, was dir da vorschwebt. (Ernst)

  • Herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten. Das hilft mir weiter und macht mir auch ein wenig Mut, dass zumindest die alten Protagonisten und die Handlung gar nicht so verkehrt sind.


    Ich beginne gerade jetzt mit der Verlagssuche, weil die Erzählung geschrieben ist und ich mir nun Gedanken zur Veröffentlichung mache. Meine Erfahrungen mit dem Selfpublishing waren ziemlich ernüchternd. Es fehlt einfach die Sichtbarkeit, meine Bücher haben sich nur sehr schleppend verkauft. Als Autor will man doch gelesen werden. Deswegen nun der Versuch bei Verlagen.


    Danke für den Tipp erst Agenturen anzuschreiben und dann Verlage. Das habe ich so nicht gewusst. Danke auch für den Ratschlag Vergleichsliteratur bei Verlagen zu recherchieren. Ich werde es angehen, das wird viel Arbeit 😊 Vielleicht habe ich ja die Portion Glück…


    Tom: Gute Frage, warum man sich für meine Protagonisten interessieren sollte. Ich denke, eine achtzigjährige Frau, die Ihren Mann verlässt ist doch schon nicht uninteressant. Ernst verschließt sich vor dem Leben und ich denke vor diesem Hintergrund ist die Kunst ein Tor zur Empfindsamkeit. Eine gute Möglichkeit sich wieder auf das Leben einzulassen. Ich habe mir das symbolisch gedacht und hoffe, dass es stimmig ist. Etwas unsicher bin ich selbst…


    Danke auch für die Kritik zum Pitch. Ich werde mir den letzten Abschnitt nocheinmal vornehmen und Eure Ideen / Vorschläge versuchen umzusetzen.



    Matthias

  • Aus meinen sehr bescheidenen Erfahrungen im Kontakt mit Verlagen:


    Das ist mir nicht strukturiert genug. Kann die "Tour durch die Frankfurter Kunstszene" nicht aus fünf Schritten bestehen? Fünf Galerien oder fünf Ausstellungen oder fünf Künstlergruppen oder so? Es gehen natürlich aus sechs oder vier. Und außerdem müsste Ernst wohl eine Frau sein, weil Männer ja bekanntermmaßen nicht lesen, sondern nur Fußball gucken. Daher werden ja auch nur "frauenaffine Stoffe, upmarket, weibliche Protagonistin" gesucht.


    Ansonsten finde ich die Idee schön und ich persönlich würde es vermutlich sehr gerne lesen. Meckernde alte Typen, die das Leben endlich entdecken, gefallen mir. Magst du nicht mal was in das Unterforum Besprechungstexte stellen?

    "I spent a great deal of my life being ignored. I was always very happy that way. Being ignored is a great privilege." Saul Leiter

  • Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Glück bei der Suche nach einem guten Verlag.

    Ich schreibe auch gerade ein Buch, das ich veröffentlichen werde.

    An Verlage denke ich gar nicht.

    Der Markt hat sich durch die Digitalisierung geändert.

    Mich würde auch interessieren,wie viele Prozente der Autoren, bei einem Verlag unterkommen.

  • Guten Morgen,


    ich glaube die Erzählung ist nicht so unstrukturiert, wie es jetzt klingt. Ernst muss sich mit Kunst auseinandersetzen, und zwar mit zehn Kunstformen. Von der Bildhauerei über die Fotografie bis zur Performance. Daran arbeitet er sich ab und daran hangelt sich der Handlungsverlauf entlang.


    Ich würde gerne einen Teil des Textes in das Unterforum Besprechungstexte stellen. Vielleicht die ersten Kapitel? Ich vermute die gesamte Erzählung ist zu lang. Wie funktioniert das denn? Wie läuft das ab? Ich könnte Ende der Woche etwas hochladen. BIn gerade wieder am überarbeiten...


    Mit einer weiblichen Protagonistin kann ich nicht dienen, da müsste ich die ganze Story über den Haufen werfen. Aber Ernst ist zumindest kein Fußballfan:)


    VG Matthias

  • Um einen Text als Besprechungstext einzustellen, wendest Du Dich am besten an den Moderator für die BTs, Jo Off, der sie dann einstellt. Die Texte werden dann jeweils zum Wochenende eingestellt und dann besprochen. Du kannst dann im Vorfeld auch Fragen formulieren, welche Aspekte für Dich für ein Feedback wichtig sind.

    Gerade steht der Text "Blindflug - Im Karton". Vielleicht hilft es Dir, dass Du da mal die Diskussion mitverfolgt (damit.Du schauen kannst, ob Dir das weiterhilft).

    Literatur ist die angenehmste Art, die Realität zu ignorieren (Pessoa)

  • Zitat

    Es fehlt einfach die Sichtbarkeit, meine Bücher haben sich nur sehr schleppend verkauft. Als Autor will man doch gelesen werden. Deswegen nun der Versuch bei Verlagen.


    Grundvoraussetzung, ob mit oder ohne Verlag, ist eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen. Die definierte Zielgruppe und ihr geschätztes Potential wiederum sind ausschlaggebende Kriterien, um bei einer Agentur oder einem Verlag unterzukommen.


    Gerade, da ich ebenfalls einen tragikomischen Roman mit älterem Protagonisten veröffentlicht habe, kenne ich diese Zwickmühle. Die Geschichte wurde nahezu durchweg positiv bewertet, aber eben nur von denen, die sie aus irgendeinem Grund gelesen haben. Die Zielgruppe war nicht groß genug bzw. hat sie nie so richtig existiert, weil der Roman schwer in ein Genre einzourdnen ist.

    Es geht bei mir sogar noch einen Schritt weiter: Unter anderem Pseudonym habe ich in einer völlig anderen Sparte (auch wieder ohne Verlag) veröffentlicht und, siehe da: Das komplette Gegenteil ist eingetreten. Die Geschichte ging, verglichen mit der anderen, weg wie warme Semmeln.

    Warum? Es gibt einen großen Markt und entsprechend viel Nachfrage. Natürlich musste ich hier und da auch etwas in Marketing investieren, um gesehen/gelesen zu werden. Dennoch ist der Unterschied signifikant.


    Lange Rede usw.: Ohne die entsprechende Zielgruppe ist es zwar nicht unmöglich eine größere Leserschaft zu gewinnen, aber ziemlich schwierig.

    Agenturen und Verlage bewerten am Ende auch nur die Vermarktbarkeit. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.)


    Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele wirkliche gute Geschichten ein Schattendasein fristen müssen, nur weil sie nicht marktkonform sind. Schade, aber leider die Regel.

  • magico: Über eine Zielgruppe / einen Markt habe ich mir bisher keinerlei Gedanken gemacht. Ich hatte mal irgendwo gehört, dass man das Buch schreiben sollte, das man selbst gerne lesen würde. Nun ja, ich würde meine Bücher lesen. Aber das ist bei der breiten Masse wohl nicht der Fall... Ich beginne jetzt damit mir Gedanken über die Verwertbarkeit zu machen. Wahrscheinlich reichlich spät :-) Danke Dir für den Input!

  • Ich hatte mal irgendwo gehört, dass man das Buch schreiben sollte, das man selbst gerne lesen würde.

    Der Urheber dieses oft kolportierten sinngemäßen Zitats ist Stephen King ("Write the book you want to read") und es entstammt seinen "8 Regeln, um ein Weltklasseautor zu werden", die wiederum seinen Memoiren entnommen sind. Fragt sich, ob King so erfolgreich wurde, weil er diese Regeln befolgt hat, oder ob er sozusagen in der Nachbetrachtung festgestellt hat, dass sich diese Aspekte aus seiner Tätigkeit ableiten lassen, ohne dass er sie währenddessen bewusst wahrgenommen und also beachtet hätte. Nach meiner Erfahrung ist es nämlich oft genau so: Leute versuchen, Erfolg zu erklären, und kommen dann zu solchen Schlussfolgerungen. Hätten sie diese von Beginn an formuliert und ausgedruckt an die Wand gehängt und täglich heruntergebetet, bevor es losging, würde möglicherweise heute niemand ihre Namen kennen. Man weiß es nicht.


    Toni Morrison wird dieses Zitat übrigens auch zugeschrieben.


    Aber das funktioniert natürlich nur dann (möglicherweise) gut, wenn Du einen Mainstreamgeschmack hast. Ich würde King auch nicht als Weltklasseautor bezeichnen, wenn es um die Qualität seiner Schreibe geht, was aber hier nicht der Fall ist, also lasse ich das. Er ist jedenfalls einer der erfolgreichsten der Welt. Den LitNob wird er aber nicht kriegen. Den kriegt man allerdings auch nicht für Schreibqualität, was auch immer das ist.


    So oder so. Ich schreibe auch Texte, die ich selbst gerne lesen würde. Tatsächlich lese ich meine Texte sogar ausgesprochen gerne. Das liegt allerdings vermutlich in der Hauptsache daran, dass sie eben von mir sind. Ich weiß nicht, ob ich sie gerne lesen würde, wenn sie von einer anderen Person wären (von den Autoren, mit denen ich verglichen werde, mag ich ein paar, aber die meisten nicht). Auf dieses Gedankenspiel gibt es keine Antwort. Aber auf die Frage, für wen man schreibt, durchaus. Je "spezieller" man selbst ist, umso spezieller wird auch die vermeintliche Zielgruppe, wenn man der von Dir zitierten Regel folgt. Wenn Du Bücher schreibst, die Du selbst magst, werden auch nur Leute diese Bücher kaufen, die Dir ähneln, die ähnliche Dinge mögen. Wenn es von dieser Gruppe nicht sehr viele gibt, wirst Du keinen großen Erfolg haben. So einfach wäre dann die Antwort auf die Frage, ob diese Regel immer sinnvoll ist.


    Aber unabhängig davon darf man sich tatsächlich fragen: Wer würde das lesen wollen? Das ist zweifelsohne eine der ersten Fragen, die sich und Dir alle Verwerter stellen. Die Antwort "Leute wie ich" ist da nicht immer optimal. 8)


    Edit: Ich würde diese Regel also verneinen und stattdessen diese aufstellen: Wenn Du Erfolg haben willst, dann schreibe Bücher, die viele Leute lesen wollen würden. ;)

  • Matthias1981 Es ist nicht so, dass dein Plot keine Zielgruppe hat. Der demografische Trend macht auch vor Vielleserinnen und -lesern nicht halt, die sicher gerne mal Geschichten lesen, in denen die Hauptfiguren nicht nur jung, superschön und mega-erfolgreich sind.

    Auch die Kunstszene ist ja nicht unbedingt klein. Nur sehr zersplittert. Einige mögen die großen Werke, die alle kennen (von da Vinci, van Gogh, Friedrich etc.), andere die kontroversen (von Beuys, Cattelan, Malewitsch usw.) und wiederum die nächsten ganz etwas anderes, wie Rentmeisters Klo voll Nutella.

    Aber alle eint, dass sie die Kunst (in ihrem Sinne) mögen.

    Wie du diese Gruppen unter einen Hut bekommen willst, ist allerdings eine deiner Aufgaben. Ich wünsche dir dabei jedenfalls viel Erfolg!


    (Das erinnert mich daran, dass ich mal eine kleine Parodie auf die Definition von Kunst geschrieben habe. Muss ich mal wieder rauskramen.)