Was wird gesucht?

  • Wer sich fragt, was für Stoffe die Verlage mutmaßlich gerade suchen, findet auf der Webseite der Agentur Lianne Kolf eine spannende Zusammenstellung von Themen, die im Übrigen immer aktualisiert wird.


    Ich zitiere:


    Frauenaffine Stoffe, Upmarket

    Weibliche Protagonistin

    *30-55 Jahre alt

    *Single oder gebunden

    *Mit oder ohne Kinder

    *Darf arbeiten, aber nicht im Bereich Medien oder Musik

    *Darf Schwächen und Fehler haben

    Story

    *Spielt in der Gegenwart

    *Enthält eine ganz große Liebesgeschichte

    *Realistische zwischenmenschliche Konflikte mit Fallhöhe

    *Mögliche Handlungsorte

    *Städte mit bereisungswürdigem Lokalkolorit

    *Ländliches Idyll

    *Sehnsuchtsorte im Ausland, gern Italien

    *Berge und Meer


    Stil
    *Leichtfüßig, dabei emotional

    *Souverän, auch in der Beschreibung ernster Situationen

    *Nicht larmoyant!


    Spannung

    *Thriller mit Serienmörder

    *Krimis mit professionellen Ermittlern aus Deutschland, Österreich oder Schweiz

    *Ohne Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch (besonders nicht von männlichen Autoren)

    *Fokus auf Gewaltverbrechen oder Clan-Kriminalität

    *Bitte keine Finanz- /Wirtschaftskriminalität, Politthriller, Künstliche Intelligenz

    *Gern auch Lokalkrimis


    Zeitgeschichtlicher Roman (kein historischer Roman)

    Protagonistin
    *Keine Trümmerfrau!

    *Kann jedes Alter haben


    Story
    *Spielt ab Mitte 1945 bis 1965

    *Positiver Aufbruch in Deutschland

    *Große Emotion!

    *Positives Ende, muss aber kein klassische „Happy End“ sein


    Mögliche Themen
    *Frau ernährt die Familie; übernimmt die Rolle des Mannes und füllt sie aus

    *Marschallplan

    *Rückkehr aus Exil

    *Spätheimkehrer; damit verbundene Eheprobleme

    *Familientragödien

    *Schmieden von Auswanderungsplänen (ob umgesetzt oder nicht)

    *Emanzipation

    *Kein kalter Krieg

    *Keine 1968er


    Dark Academia/ Horror / Gothik

    Story
    *Weibliche Protagonistin

    *Subtiler Horror (kein Splatter oder Blood and Gore)

  • Besonders die Ausführungen zu Stil (z.B. "nicht larmoyant!") haben es mir angetan. Aber im Übrigen decke ich da wohl nix von ab.

    Literatur ist die angenehmste Art, die Realität zu ignorieren (Pessoa)

  • Es ist auf der einen Seite sehr aufschlussreich, auf der anderen eher entmutigend. Mir geht es so wie Beate. Ich sehe nur eine winzige Schnittmenge zu dem, was ich selbst konsumiere oder mir zutraue. Ich muss da noch weiter in mich gehen.

  • Nun, das wird gesucht. In diesem Bereich besteht echt Nachfrage, die Verlage bzw. Agenturen suchen solche Projekte, wenn sie gut gemacht sind. Das lässt sich leicht(er) verkaufen. Es wird vermutlich eine gute Startauflage bekommen. Das lohnt sich. Usw. usf. Das heißt aber nicht, dass nix Anderes mehr gemacht wird. Dass die Leute nur sowas lesen. Oder dass nur sowas eingekauft wird. Die Agentur macht es sich da ein bisschen einfach. Aber interessant ist die Einschätzung der Trends trotzdem.

  • Es ist auf der einen Seite sehr aufschlussreich, auf der anderen eher entmutigend. Mir geht es so wie Beate. Ich sehe nur eine winzige Schnittmenge zu dem, was ich selbst konsumiere oder mir zutraue. Ich muss da noch weiter in mich gehen.

    So auf den ersten Blick finde ich auch nicht so viele Überschneidungen. Aber mal gucken, vielleicht inspiriert es mich ja ein bisschen in diese Richtung ...

  • Nun, das wird gesucht. In diesem Bereich besteht echt Nachfrage, die Verlage bzw. Agenturen suchen solche Projekte, wenn sie gut gemacht sind. Das lässt sich leicht(er) verkaufen. Es wird vermutlich eine gute Startauflage bekommen. Das lohnt sich. Usw. usf. Das heißt aber nicht, dass nix Anderes mehr gemacht wird. Dass die Leute nur sowas lesen. Oder dass nur sowas eingekauft wird. Die Agentur macht es sich da ein bisschen einfach. Aber interessant ist die Einschätzung der Trends trotzdem.

    Das stimmt natürlich, andererseits macht diese Agentur sehr deutlich, dass man was Anderes gar nicht erst einschicken braucht. Das erspart mir natürlich den Ärger, anderseits fragt man sich, ob andere Agenturen bzw. Verlage ähnlich denken, es nur nicht so offen aussprechen.

  • Ich schreibe (bzw. schrieb) tatsächlich Upmarket-Frauenromane, meine Frauen sind in dieser Altersklasse. Aber das war's dann schon. Lianne Kolf wollte mich damals nicht haben, die Verlage bisher auch nicht.


    Zu larmoyant, meine Frauen, nehme ich an. Sie dürfen vom Schicksal gebeutelt sein, aber auf keinen Fall zu arg leiden. Und am besten steht gleich ein Mann parat, der sie heilt. Realitätsnah eben. ^^

  • Der Text, an dem ich gerade schreibe, fiele sogar in etlichen Punkten in die Bereiche, die angeblich gerade gefragt sind. Nur mit der "ganz großen Liebesgeschichte" kann ich nicht dienen. Liebe ja, aber nicht im ganz großen Stil.


    Eine Autorin, die das übrigens aktuell sehr gut trifft, ist Jojo Moyes. Ich habe gerade ihren neuen Roman "Zwischen Ende und Anfang" gehört, keine hohe Literatur, in vielen Punkten sogar die klassische Geschichte vom falschen Mann, der für den richtigen gehalten wird, und umgekehrt. Und viele Probleme. Das alles aber eher leicht und unterhaltsam geschrieben. Falls jemand Orientierung braucht, was damit gemeint ist.


    Und ich muss ehrlich sagen: Sie hat mich unterhalten.


    Ich bin weit davon entfernt, auf jemanden als "trivial" herunterzugucken, der dieses Handwerk gut beherrscht, und das tut Frau Moyes.

  • Hallo Silke,


    das habe ich nicht gelesen. Keins aus der Reihe. Aber zwei, drei andere von ihr. Und, ja, sie schreibt wirklich gut. Zumindest, soweit ich das aus der Übersetzung auf das Original rückschließen kann.

  • Ich kann mich noch erinnern, dass eine von Frau Kolfs Autorinnen die Ansage hatte, ihre Protagonistin dürfe auf keinen Fall älter als 39 sein. Das waren wohl auch andere Zeiten. Aber die Leserinnen werden auch älter.


    Meine beiden Werke hat eine andere Agentin vertreten – erfolglos. Die Manuskripte sind für Agentinnen verbrannt, nehme ich an. Oder? :/

  • Hallo,


    sehr interessant! Leider erfülle ich fast nichts davon und möchte es auch gar nicht.

    *Bitte keine Finanz- /Wirtschaftskriminalität, Politthriller, Künstliche Intelligenz

    *Gern auch Lokalkrimis

    Schade, denn gerade die erstgenannten Themen in meinem Zitat, sind die, die mich interessieren.

    Das mit den Lokalkrimis finde ich an sich wirklich gut, aber allmählich reicht es auch damit.


    Ich werde dann wohl weiter vor mich hin dümpeln, wenn ich es dann mal so nennen darf. Von dem, was gesucht wird, möchte ich selbst nichts oder nichts mehr lesen. Das, was nicht gesucht wird, interessiert mich sehr. Also nicht nur als Leser sondern auch als Schriftsteller.

    Eigentlich passt mal wieder alles, denn schon seit meiner Schulzeit habe ich immer andere Sachen bevorzugt als der Rest der Klasse. Allmählich mache ich mir ernsthafte Gedanken ...