Lateiner für literarischen Segen gesucht …

  • Ein herzliches Hallöchen an alle Lateiner,

    da ich mein Antoniusfeuer wieder entzündet habe bzw. mitten in den Überarbeitungen stecke, bin ich auf ein Problem bei den von mir verwendeten lateinischen Sprüchen gestoßen. Stimmen die jeweiligen Google-Übersetzungen mit dem betreffenden lateinischen Text überein oder gibt es da Fallstricke ähnlich wie bei tätowierten chinesischen Schriftzeichen? Deshalb bitte ich die Lateiner unter Euch einen prüfenden Blick einschließlich berichtigender Kommentare auf folgende Texte zu werfen:


    »Exite, spiritus immunde, et cedite spiritui sancto.« = »Fahre aus, du unreiner Geist, und gib Raum dem Heiligen Geist.«


    Inquisitores heretice pravitatis, = Verfolger ketzerischer Verderbtheit


    domini canes = Hunde des Herrn


    Quis prodest? = Wem nützt es?


    Prodest Domino = Es nützt dem Herrn.


    Crimen exceptum = Ausnahmeverbrechen


    Investigabiles viae Domini = Die Wege des Herrn sind nachvollziehbar.


    »horrendissimus ululatus« = das Schmerzgebrüll


    cum intolerabili cruciatu« = unter unerträglicher Kreuzesqual leiden


    Chorea sancti Viti = die Tanzwut


    unctio infirmorum = letzte Ölung?


    »Qui gladium acceperit gladio peribit.« = »Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen!«


    Subvenite sancti Dei = Kommt herzu, ihr Heiligen Gottes,


    »Noctem quietam et finem perfectum concedat nobis Dominus omnipotens.« = » Eine ruhige Nacht und ein perfekter Abschluss. Möge der allmächtige Herr uns gewähren.



    Ich bedanke mich ganz herzlich für Eure Mühe im Voraus.


    Liebe Grüße

    Frank

  • Hallo Frank62 ,


    ich hab zwar ein Großes Latinum, aber das ist leider zu lange her, um mir Korrekturen oder gar Übersetzungen zuzutrauen. Wenn du feststehende bzw. tatsächlich existierende Begriffe oder Redewendungen hast, rate ich dazu, diese mal nachzuschlagen. Wiki ist mit Vorsicht zu genießen, aber dort kannst du ja zur Überprüfung dann den Zitatlinks folgen. Z. B.

    unctio infirmorum = letzte Ölung?

    Wikipedia sagt:

    Petrus Lombardus sprach von unctio in extremis („Salbung in den letzten [Augenblicken des Lebens]“), Albertus Magnus von unctio exeuntium („Salbung der Sterbenden“). Erst im 20. Jahrhundert setzte sich die Bezeichnung unctio infirmorum („Salbung der Kranken“) durch, die den aus der Tradition der Alten und der frühmittelalterlichen Kirche bekannten Zeugnissen wie auch den heute noch verwendeten liturgischen Texten mehr entspricht.[9]

    Crimen exceptum = Ausnahmeverbrechen

    Ich würde zudem drauf achten, ob du auch Konzepte verwendest, die in deine Epoche passen und keine modernen Sachverhalte / Sichtweisen einfach nur ins Latein übersetzt. Hier z. B. würde ich genauer nachschauen (was nicht heißt, dass es inkorrekt wäre, es klingt für mich nur sehr modern).


    Es gibt online auch die Vulgata im Original mit jeweils gegenübergestellten deutschen Übersetzungen, man kann auf solchen Seiten auch Begriffsuche laufen lassen, sodass du direkt auf dein Motiv weitergeleitet wirst. Sowas kann grad mit deinem Verwendungszweck auch gut für Sätze sein, die gar nicht direkt als Bibelzitat gedacht sind. Vielleicht gibt es ähnliches auch für den Malleus maleficarum.


    Google - oder in diesem Fall auch DeepL - translates sind sehr unsicher und oft Quark.


    Aber vielleicht kann ja auch einfach jemand hier richtig Latein ... :S

    Herzliche Grüße,

    Katla

  • Hallo,

    ich bin schon gleich über das hier gestolpert: Quis prodest? = Wem nützt es?

    "Quis" ist Nominativ (=wer?), somit muss es "cui" heißen (= Dativ, also "wem?")


    Mir ist noch nicht ganz klar geworden:

    Du hast deutsche Sätze ins Lateinische übersetzen wollen - das sind keine Lateinischen Sprüche, für die du die bestmöglichen deutschen Entsprechungen suchst?!


    Ansonsten hätte ich tatsächlich auch nur den Hinweis: Automatische Übersetzungshilfen sind tatsächlich oftmals "Quark" und nicht hilfreich, wenn man die Sprache nicht selbst gut kann und mit seinem eigenen Sprachgefühl verifizieren kann, ob die vorgeschlagene Übersetzung richtig sein könnte. Auch dann muss man immer woanders gegenchecken.

    Ich würde evtl. etwas Geld investieren (wenn die Sache wichtig für dein Buch ist) und einen Lateinlehrer engagieren, der sich da dran macht. Aber auch der wird vermutlich bei neumodischen Begriffen nicht "entscheiden" können, ob das richtig wäre. Im Vatikan gibt es ja auch entsprechende Stellen, die neue Begriffe ins Lateinische übertragen. Vielleicht gibt es da Wörterbücher für.


    Viel Erfolg!

  • Hallo Katla,


    vielen Dank für Deinen konstruktiven Hinweis (unctio exeuntium = „Salbung der Sterbenden“). Genau um diese zeitlichen Zusammenhänge / Logikfehler ging es mir. Da mein Antoniusfeuer auf das Jahr 1496 "datiert" ist, möchte ich moderne lateinische Phrasen weitestgehend vermeiden.

    Ich habe mal VULGATA ONLINE angeklickt, aber da muss man sich wohl erst registrieren lassen?

    Zum Thema Latein, hätte ich mal eine allgemeine Frage: Mir ist die stetige Kleinschreibung lateinischer Wörter aufgefallen, gilt die Großschreibung nur am Anfang eines Satzes?



    Ansonsten nochmals vielen Dank und alles Gute für Deine literarischen Projekte.



    Liebe Grüße,


    Frank

  • Hallo Claudia,

    ich wollte nicht die lateinische Phrase "Cui Bono – wem zum Vorteil – wem nützt es) verwenden. Dein fachlich fundierter Einwand "cui prodest = wem nutzt es", hilft mir da bedeutend weiter.

    Um einen Irrtum aufzuklären – ich "übersetze" keine deutschen Phrasen ins Lateinische, sondern möchte in meinem historischen Roman lateinische Sprüche einbauen, deren deutsche, sinngemäße Übersetzung ich im Text erklärend einbaue, um dem Leser unnötiges Googeln zu ersparen.

    Nochmals vielen Dank für Deine Mühe und auch Dir alles Gute für Deine literarischen Projekte.



    Liebe Grüße,

    Frank

  • Ich habe mal VULGATA ONLINE angeklickt, aber da muss man sich wohl erst registrieren lassen?

    Hallo Frank,


    es gibt doch ganz sicher mehr als eine? Nur mit Registrierung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    Sorry, ich suche gewohnheitsmässig alles auf Englisch, also hatte ich damals eine entsprechende Kombi.

    Zum Thema Latein, hätte ich mal eine allgemeine Frage: Mir ist die stetige Kleinschreibung lateinischer Wörter aufgefallen, gilt die Großschreibung nur am Anfang eines Satzes?

    Und außer Eigennamen sowie meine ich - das aber bitte unbedingt noch mal prüfen - bei Titeln und teils feststehenden Konzepten, dort aber ggfs. nur das erste Wort von zweien oder dreien.


    Auch, wenn ich den Fehler nicht sah, zuckten mir auch schon die Finger, etwas zu den Fällen, Geschlechtern = Deklinationen zu schreiben. Das Adjektiv muss z.B. denselben Fall wie das Substantiv haben, und wenn das eine gebeugt wird, muss es mit den andren entsprechend passieren, hier dann auf Genus achten und nicht einfach alles analog. Auch würd ich mal einen Blick auf den Satzbau werfen (seriös wirkende Onlinewörterbücher, die auch Deklinationstabellen anbeiten), soweit ich mich erinnere, ist der ganz wesentlich unfreier als der deutsche und da gibt es bestimmte Reihenfolgen von Wortarten, Namen, SVO und so. Ich weiß aber nicht mehr, wie genau. Google ist ja nur noch eingeschränkt zu gebrauchen, weil alles Werbung ist, aber vllt. mal über Google Scholar gehen.


    Ich spiele mal Devil's Advocate, okay? :evil Du willst Begriffe, die du dir teils selbst überlegt hast, ins Lateinische übersetzen? Wofür genau?

    Klar, vielleicht möchtest du einen Buchtitel, oder ein Traktat oder so. Aber wenn du etwas nicht weißt bzw. ohne Unterstützung verstehst, geht es deinen Lesern genauso. Dann musst du also deine übersetzten Begriffe / Sätze mit einer Fußnote versehen und doch wieder im Deutschen angeben. Ist dein Buch in einem Genre / Stil, in dem deine Leser das schätzen, oder fühlen die sich rausgerissen?


    Dann kann sowas Fragen aufwerfen: Angenommen, du schreibst ganz regulär auf Deutsch einen Dialog, wie sich meinetwegen ein Mönch mit einem Inquisitor unterhält. Der wird ja im Buch auf Deutsch dort stehen (egal, in welcher Sprache die sich laut Erzähler unterhalten sollen), weil du nicht 3 Seiten Latein in einem Unterhaltungsroman willst - und dann setzt du einen Satz Latein rein? Was bedeutet das? Unterhalten die sich - also auf Erzählebene - die ganze Zeit auf Deutsch oder die ganze Zeit (obwohl alles auf Deutsch dort steht) auf Latein? Falls Letzteres, wäre es unlogisch, nur einen Teil / einen Satz aus einer Unterhaltung auf Latein zu schreiben.


    Weißt du, wie die Alltagssprache unter Kirchenleuten war?


    Klar, wenn dein Begriff ein Buchtitel, ein Aufsatz oder so betiteln soll, wäre das Latein angemessen. Einfach so zwischendurch, nur, damit mal was lateinisch klingt, könnte beim Leser ungünstige Fragen aufwerfen oder stören.


    Da würd ich - wenn es Latein sein muss - ein paar Tage drauf verwenden, ich weiß noch, dass ich einen fiktionalen Buchtitel und eine Bulle wollte, und das dauerte ewig, bis ich sicher war. Zur Not reale Bücher, Bullen, Schriften suchen, bei denen du nur ein einziges Wort austauschen und korrekt deklinieren musst.


    Vielen Dank, dir auch viel Erfolg und viel Spaß, herzlichst,

    Katla

  • Hallo Katla,



    ich bedanke mich erst einmal ganz herzlich für Deine äußerst umfangreiche und konstruktive Antwort.



    "Du willst Begriffe, die du dir teils selbst überlegt hast, ins Lateinische übersetzen?" Gott bewahre - ich habe nur passende Sprüche / Phrasen aus dem Internet entnommen, die ich dann einigermaßen sinnvoll in meinen Roman eingebaut habe - so hoffe ich. Wichtig wären für mich die beiden Kapitel-Überschriften:



    Cui prodest? (= Wem nutzt es?)



    Prodest Domino (= Es nutzt dem Herrn)




    Ansonsten hoffe / baue ich darauf, das die bei Google zu findenden / veröffentlichten lateinischen Sprüche / Phrasen richtig sind bzw. dem lateinischen Laien nicht gleich unangenehm ins Auge springen. Für mich sind diese Recherchen immer ein spannendes Abenteuer bei dem die ein oder andere Info in meiner Festplatte hängenbleibt.



    Also nochmals vielen Dank vom Amateur-Lateiner.




    Liebe Grüße,



    Frank

  • ich habe nur passende Sprüche / Phrasen aus dem Internet entnommen

    Hallo Frank,


    gern geschehen - aber was meinst du damit? Sind das historische Quellen (open source, Faksimile) oder meinst du AI-translations?

    Für mich sind diese Recherchen immer ein spannendes Abenteuer

    Google ist keine Recherche, es kann nur auf Texte / Bücher verweisen - bitte Vorsicht.


    Herzlichst, Katla

  • Mein Latinum liegt auch schon über 20 Jahre zurück, weshalb ich mich an so etwas nicht heranwagen würde. Aber selbst vor 20 Jahren hätte ich das wahrscheinlich nicht getan, denn Latein ist schon ein ziemlich verzwickte Sprache mit vielen, vielen Hürden und Fallstricken.


    Mir fällt dazu gerade ein Roman vom großen Stephen King ein. Selbst der ist vor diesen Fehlern nicht gefeit. Keine Ahnung, warum so jemand, der einen ganzen riesigen Verlag samt Korrektor und Lektorat hinter sich stehen hat, so etwas Peinliches nicht vermeidet.


    Zitat

    ‘He said, “I haven’t heard of it and don’t want to hear of it.” And now, for the first time, he sends a zwischen gehen – an emissary – because he has had an accident. I would have said he had no one in the world he could trust with such an errand. But here you are. A boy on a bicycle.’


    King, Stephen. Fairy Tale (English Edition) (p. 96). (Function). Kindle Edition.

    Zur Erklärung: Ein "emissary" ist eine Art "Abgesandter", und wie wir hier alle wissen "zwischen gehen" ist noch nicht einmal ein Substantiv.


    Ich habe zwar in der Vergangenheit auch schon Latein, Französisch, Italienisch und Tschechisch verwendet, aber das waren dann Bibelstellen oder kirchliche Ausdrücke oder einzelne Wörter (sorgsam von Muttersprachlern geprüft) keine Übersetzungen meines eigenen Textes. Zum Beispiel ein Gebet im Mittelalter - das wäre vor Luther wohl auf Latein gewesen, statt auf Deutsch, aber das deute ich dann nur an mir ein, höchstens zwei Zeilen. Usw.


    Generell wäre ich vorsichtig mit der Verwendung von Fremdsprachlichem, weil es den Redefluss massiv stören kann, wenn der Leser Passagen nicht versteht, oder nachschlagen muss (man denke an "Der Name der Rose" :) ). Bzw. eine Umschreibung des soeben gesagten kann den Redefluss unterbrechen oder verlangsamen, was ja auch nicht wirklich hilfreich ist. Höchstens mal ein, zwei einzeln stehende Begriffe, die zur Charakterisierung des Sprechers dienen, aber dann wirklich super vorsichtig und gemäßigt. Ich habe mal ein Buch vor gar nicht allzu langer Zeit gelesen, das spielte im Mittelalter im klösterlichen Umfeld, das hatte ganze 100 Fußnoten. Das war totaler Schrott. Mal abgesehen davon, dass ich nicht nachschlagen möchte, was ein Begriff bedeutet, fühlte ich mich auch bevormundet als Leserin, denn manche Dinge waren mir sehr wohl geläufig, und ich hatte der Gefühl, der Autor wollte mich dennoch belehren.


    Soll unbedingt Latein verwendet werden, würde ich in einem Lateinforum checken lassen. Mir fällt spontan Reddit ein, da gibt es bestimmt so etwas, aber ich bin mir sicher, es gibt so einige Anlaufstellen für solche Anfragen.

  • Hallo Silke,


    ich danke Dir für Deine umfangreichen Ausführungen – vor allem für den Tipp: Reddit.


    Mein Latein-Exkurs beschränkt sich auf die von mir angeführten spärlich verwendeten Beispiele, die in der Regel auch locker erklärend eingefügt werden, so dass der Leser nicht erst die Fußnoten oder das Glossar studieren muss.


    Eigene Ideen oder Texte in Latein zu verfassen habe ich nicht vor bzw. baue ich veröffentlichte Latein-Sprüche / Phrasen ein. Ich hatte das schon mal mit der Sprache Mayathan in meinem ersten Roman gemacht. Dort habe ich um die verwendeten Phrasen herum eine Story erdacht bzw. diese in die Handlung eingefügt.


    Bei meinen Latein-Recherchen ist mir aber aufgefallen, dass sich um die Fernsehserie „Supernatural“ eine breite Fan-Base mit Latein beschäftigt. Ich kenne diese Serie zwar nicht und habe auch nicht vor dieses Versäumnis aufzuholen, finde diese Tatsache aber trotzdem sehr interessant.


    Also nochmals vielen Dank für Deinen Beitrag und alles Gute für Deinen nächsten historischen Ausflug. Gibt es da bald erste Infos?


    Man liest sich.


    Frank

  • Mein Großes Latinum ist auch schon ziemlich lange her. Ich habe aber meine Lateinkenntnisse noch einmal für die Dissertation hervorgeholt. Das war damals erst 10 Jahre nach dem Abi und es ging an sich nur um Bibellatein, außerdem hatte ich ja eine deutsche Bibelübersetzung, mit der ich das Original immer vergleichen konnte. Hmmm. Klingt verwirrend: Ich musste eine mittelhochdeutsche Textsammlung, die viel aus dem NT übernommen hatte, mit dem Original vergleichen. Dafür habe ich Latein gebraucht.


    Trotzdem habe ich damals einen Freund, der als Theologe und Psalmenforscher wirklich sehr, sehr fit in Latein war/ist, gebeten, mir zu helfen. Wir sind also die entsprechenden Textabschnitte gemeinsam durchgegangen, zusammen haben wir einen Nachmittag gebraucht für etwas, das mich alleine vermutlich mehrere Tage gekostet hätte.


    Aus dieser Erfahrung heraus wäre das mein Tipp für Dich: Wenn Du eine theologische Fakultät in der Nähe hast, mach doch da mal einen Aushang, ob einer der Studenten oder Assistenten Dir vielleicht helfen könnten. Viele Theologen sehen Latein zwar auch nur als notwendiges Übel an, aber alle, die sich wissenschaftlich mit biblischen Texten beschäftigen, sollten ziemlich gut in Latein sein.


    Viel Erfolg!