"Das ist ja völlig bescheuert", lachte sie.

  • "Du spinnst!", lachte sie. Das hat eine ganz andere Dynamik und Dramaturgie als: "Du spinnst!" Sie lachte. Es passiert hier nicht mehr gleichzeitig. Und dass "lachte sie" auch das "sagte sie" enthält, versteht jeder Mensch.

    Nicht alles zu genau nehmen. Wir sind Schriftsteller und -innen, keine Grammatikweltmeisterkandidaten und -innen. Wir dürfen Sprache so verwenden, wie es uns zupass kommt.

  • Man kann nichts lachen oder kichern. Man kann kichern oder lachen. Und man kann etwas lachend sagen oder im Anschluss ans Gesagte lachen. Gab erst neulich eine solche Diskussion in einem anderen Forum. Die Mehrheit war sich darüber einig, dass es besser ist derartige Phrasen besser nicht einzusetzen.

  • Man kann so vieles nicht, beispielsweise autofahren (oder Auto fahren, je nach Rechtschreibneigung). Man kann im Auto (mit)fahren, man kann ein Auto fahren (steuern), aber die Formulierung ist eigentlich unvollständig und ungenau. Trotzdem weiß jeder, was gemeint ist.


    Dass die Person etwas sagt, vermitteln bereits die Anführungszeichen, es ist ja ein Stück Dialog. Dass die Person es aber nicht nur sagt, sondern lachend sagt, dass sich also das Sprechen und die amüsierte Reaktion vermischen, und nicht aufeinander folgen, ergibt sich dann sehr treffgenau aus der Verwendung des Verbs „lachen“ in der Inquit-Formel. Dagegen zu argumentieren, das ist nichts weiter als besserwisserische Spaßbremserei, und hat mit Literatur nichts zu tun. 8)

  • Noch ein paar Fundstücke auf die Schnelle:


    Kafka (Amerika) : »Mir auch nicht«, sagte der Student und lachte.


    Grass (Katz und Maus) :

    Mahlke nickte, wenn ich einen Punkt machte, ließ manchmal den Unterkiefer fallen, lachte grundlos, sprudelte über: »War doll gestern mit der kleinen Pokriefke.


    Hugo Maria Kritz (Die Bar zum Siebenten Himmel) :

    "Eigensinniges Kind", lachte er kopfschüttelnd.


    Maria Janitschek (Mimikry) :

    "Ich muss dich umbringen", lachte er konvulsivisch, "damit ich Ruhe vor dir habe."


    :/

  • Sehr hilfreicher Text, FrauKlein! Ich streiche die Segel - obwohl ich nach wie vor finde, dass lachen und sprechen mehr oder weniger gleichzeitig oder einander abwechselnd möglich sind, und dass die Dynamik beim "lachte sie" eine deutlich andere ist als bei allen anderen Varianten.


    Allerdings bin ich kurz nach meinem letzten Posting hier beim Bearbeiten meines aktuellen Manuskripts auf diese Korrektur meines Lektors gestoßen:


    pasted-from-clipboard.png

  • Wow, ich bin ganz hin und weg bezüglich dieser Diskussion.


    Die Sache ist nämlich die: Mir stößt es beim Lesen immer wieder auf. Ich finde einfach, "lachen" ist kein Wort der Äußerung. Und ich stolpere dann jedes Mal darüber und ärgere mich. Es ist nicht so, dass es mir nicht selbst beim Schreiben immer wieder rausflutscht, aber bei der Überarbeitung muss es dann eben weichen. Andererseits sehe ich es immer wieder in publizierten Werken. Daher also meine Verwirrung.


    Sehr spannend ist der Artikel, den du, FrauKlein , geteilt hast. Wieder so einiges dazu gelernt! Danke dafür.


  • Die Sache ist nämlich die: Mir stößt es beim Lesen immer wieder auf. Ich finde einfach, "lachen" ist kein Wort der Äußerung.

    Worte können unterschiedlich genutzt werden, durchaus auch gegen die Bedeutung, die den Worten innenwohnen. Man kann sie "umdeuten". Ob das immer sinnvoll ist, ist eine andere Frage, aber es ist möglich. Der von Frau Klein verlinkte Artikel ist gut und hilfreich und eine brauchbare Wegleitung für SchriftstellerInnen, keinesfalls alleingültig.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Ich finde das auch einen guten Link. Meine eigene Vorgehensweise ganz grob - Inquits weglassen, wenn es irgendwie geht und wenn man sowieso weiß, wer spricht.

    Wenn das nicht geht - "sagte" immer nur "sagte". Vielleicht ganz gelegentlich mal "fragte" oder "antwortete". Aber wenig und selten und dosiert. Wenn schon direkte Rede, dann steht das gesprochene Wort im Vordergrund, nicht die Beschreibung der Szenerie.


    Jedoch -


    Der Text im Link beginnt mit einem schönen Beispiel über Erdbeeren. Klar mögen alle Leute lieber reife, rote Erdbeeren. Trotzdem ist es natürlich erlaubt, gewohnte Pfade zu verlassen. Grüne Erdbeeren kann man zum Beispiel ganz gut einlegen, habe ich mir sagen lassen.

    “Life presents us with enough fucked up opportunities to be evaluated, graded, and all the rest. Don’t do that in your hobby. Don’t attach your self worth to that shit. Michael Seguin

  • Grüne Erdbeeren kann man zum Beispiel ganz gut einlegen, habe ich mir sagen lassen.

    Als dicht an der Beleidigung habe ich die damit verbundenen Anmerkungen zum "unausgereiften Schreiben" empfunden. 8) Oder die Hinweise auf die Statistik überhaupt. Wenn wir alle täten, was 95 % der Leser erwarten, könnten 95 % von uns wiederum ganz mit dem Schreiben aufhören. Das allerdings hört sich wie eine ganz eigenartige Anfängerargumentation an, und jetzt bin ich verwirrt.


    Ich verwende viele Kursive, und ich baue ständig meterlange Neologismen, knechte Namen in Adjektivform, gehe sowieso großzügig mit Adjektiven um, außerdem sind viele meiner Sätze absatzlang. Macht "man" alles nicht. Aber das sind keine grünen Erdbeeren. Das sind besonders süße Früchte, die man nur in meinem Garten ernten kann.

  • Ich finde das auch einen guten Link. Meine eigene Vorgehensweise ganz grob - Inquits weglassen, wenn es irgendwie geht und wenn man sowieso weiß, wer spricht.

    Ich habe in meiner dritten Novelle in "Indras Irrtum" (IL-Verlag, Basel, 2010 - inzwischen vergriffen) komplett darauf verzichtet. Es gibt nur Dialoge und die auch noch ohne Anführungszeichen. Da ich mir unsicher war, ob das funktioniert, habe ich es vorher ausgetestet an Personen mit unterschiedlichen Lesegewohnheiten. Das Weglassen der Anführungszeichen wurde von vielen kritisiert - keine einzige Stimme kam aber dazu, dass der Text ohne Inquits nicht verständlich wäre. Es geht also sogar radikal. Als allgemeingültige Empfehlung möchte ich meinen Versuch trotzdem nicht sehen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Der gute Michael Lohmann. Jede Lektorin, jeder Lektor kann das alles nachvollziehen. Danke für den Link, Frau Klein! :dhoch


    Niemand muss sich beim Schreiben an starre Regeln halten. Aber meiner (Lektorinnen-)Erfahrung nach treten solche Klassiker meistens gesammelt auf, begleitet von schrägen Perspektiven, selbstständig handelnden Körperteilen, Bezugsfehlern etc. Nur wer sein Handwerkszeug beherrscht, kann sich elegant über Regeln hinwegsetzen. Und: Ihr hier, die Profis allen voran, seid keineswegs repräsentativ.

  • Ich hol das hier nochmal hoch, da ich gestern beim Schreiben darüber gestolpert bin:


    »Ich hab‘ gesündigt in Gedanken, Worten und Werken. Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld«, flüsterte sie und...


    oder:


    »Ich hab‘ gesündigt in Gedanken, Worten und Werken. Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld«, sagte sie leise und...



    Prinzipiell würde ich gern auf das Flüstern verzichten, aber leise sagen scheint mir nicht dasselbe zu sein. Stilistisch stört mich das profane Flüstern aber durchaus. Wie verfahrt ihr, wenn eure Figuren nun mal, naja, flüstern?