Dichten wie der Natz, der Ringel – Ausschreibung für einen interessanten Wettbewerb

  • Der Ringelnatz Joachim, der eigentlich Bötticher hieß, ist noch heute für seine skurrile Lyrik berühmt. Ringelnatz war aber nicht nur einer von denen, die still in ihrer Stube vor sich hindichten, sondern er war unterwegs - auf Achse, wie man später sagte – und brachte seine Lyrik so als eine Art Entertainer unters Volk. Dabei dichtete er auch über Städte, durch die er kam und veröffentlichte diese Lyrik als "Reisebriefe eines Artisten" 1927 in Buchform.


    Seine Geburtsstadt Wurzen schreibt diesen Wettbewerb aus, und sucht DichterInnen, die es dem Bötticher aka Ringelnatz Joachim nachmachen. Die Ausschreibung ist hier zu finden.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Zur Motivation das letzte von Ringelnatz Reisebriefen:


    Antwort an einen Kollegen


    Ob du Artist, ob du Franz Liszt,

    Ein Christ, ein Mist, ein sonst was bist, –

    Bezweifle es. Und dir zum Heil

    Bezweifle auch das Gegenteil.


    Was dir die Ideale nimmt,

    Der Satz: daß nichts, was zutrifft, trifft,

    (Ein Satz, der darum selbst nicht stimmt)

    Ist nur für Überlegne Gift.


    Doch hüte dich, an diesen Satz

    Zu glauben, gar ihn zu betonen.

    Freu dich an Hatz und Schmatz und Spatz.

    An Unzucht oder Kaffeebohnen.


    Doch sollte etwas in dir wohnen,

    Bewirkend, daß du mich verstehst

    Und lachst und dankbar weitergehst

    Und dennoch etwas Beßres weißt,

    Dann glaub’ ich, daß du richtig reist.

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Ich probiere schon seit Tagen an einem Gedicht über Lauda herum, bekomme aber noch keinen Bezug zum Natz. Na, vielleicht klappts noch bis Anfang Dezember November.

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


    2 Mal editiert, zuletzt von Horst-Dieter ()

  • Bin ich der Dritte? Ich komme gerne dazu, aber erst wenn ih habe fertig. Das sollte allerdings spätestens im Laufe der nächsten Woche der Fall sein.

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Update Ausschreibung🙂

    "Kringel ala Ringel" - Reimen im Stil von Ringelnatz.

    Inzwischen gab es ja eine Rundmail an alle Beteiligten. Wer gewonnen hat und so … und was mit den übrigen einSendungen passiert. Da passiert ja noch einiges: aber mich interessiert nun natürlich was ihr zwei eingesendet habt? Ich stelle mal meinen Beitrag hier rein mitsamt ein Bild was ich im Stil von Ringelnatz gezeichnet habe


    Hinweis: es gibt hier in Hannover die Eilenriede, die Tiefenriede und die Strangeriede. Das sind drei große Stadtwälder, das nur zum Verständnis…



    Ringelschwatziergang


    Dicht bei Hannover lebt das EilenRind

    den Schoß voll ungeborener Veilchen

    Es atmet schwer und nebelblind

    und wartet noch ein Weilchen


    Ein wildes, weißes Buschwindross

    reißt sich in dieser Märznacht los

    (seit über tausend Jahren)

    und trabt geschwind zum EilenRind,

    den Frühling in den Haaren


    In dieser Nacht gebiert das Rind

    Auf kühler, klammer Erde

    im fahlen Licht und gut gestimmt

    Die Buschwindrösschenherde


    Die Bäum*in rauscht zur Försterin:

    „Ich hab dich ja so gernˋchen!“

    Weitab im Rathaus aktenschön

    blühen viele Gendersternchen.


    Die Stadt bleibt heute menschenleer

    man glotzt nur auf das Sternenmeer - versprengt in weiße Teilchen

    Man geht, Frau steht, und träumt und säumt

    und wartet noch ein Weilchen


    Ein Mann fragt schüchtern eine Frau:

    „Woll´n wir zum Scilla-Feste ziehn?“

    Sie folgt ihm taumelnd nach dorthin

    Im März sind alle Berge blau


    Am Rand des Tages – bunt gelackt

    liegt eine Dicke, schwitternackt

    Sie stellt sich vor als "Nana"

    und eine unsichtbare Frau erwidert leis im Asphaltgrau:

    „Gestatten: Blume, Anna.“


    Das TiefenRind steht stumm. Es schweigt

    aus ringelschwäz´gem Grunde.

    Die Tiefe seiner Seele neigt

    sich gern zur blauen Stunde


    Das StrangenRind hingegen streckt

    den Hals aus hundert Zweigen

    In Richtung Stadt und äugt und leckt

    und wiederkäut das Schweigen

  • schade… Ich habe mir vor einigen Wochen mal das Video angeschaut. Es hat jemand gewonnen der 40 Gedichte (so meine ich mich zu erinnern) eingesendet hat und ich meine sogar das es der Dichter Peter Wawerzinek war.

    Es gibt nichts schriftliches darüber nur ein Video, das über eine halbe Stunde geht und ich finde nicht mehr die Stelle, wo das gesagt wurde. Sie haben den Link per Mail verschickt. Müsste ich in meinem E-Mail Verteiler suchen wenn es dich interessiert…


  • Ein gelungenes Ringel-Gedicht, finde ich. Vor allem die Gendersterne und -sterninnen gefallen mir gut.

    Die Zeichnung finde ich auch sehr schön.


    Hier ist meins (hat leider auch nicht gewonnen):


    Genatzte Kringel


    Oh wie schön sind Meer und Küste,

    Doch in Münster gibt’s das nicht.

    Klarals ob ich das nicht wüsste!

    Dafür gibt‘s ein Amtsgericht.


    Dort ging ich hin und ließ mich scheiden –

    Der Typ hat mich zu sehr vernatzt,

    Das konnte ich nun gar nicht leiden.

    Ich wollte besseren Ersatz.


    Am Schlosse wimmelten Studenten,

    Danach stand mir grad nicht der Sinn,

    Doch auf dem Aasee schwammen Enten,

    Der Wunsch nach Aussicht zog mich hin.


    Ich ging entlang der Promenade.

    Wohl hundert Radler fuhr‘n vorbei.

    Ich hab kein Rad und fand das schade.

    Im Rucksack war noch Brot mit Ei.


    Auf den weiten Seeterrassen

    Fanden viele Menschen Platz.

    Hab mich nieder dort gelassen.

    Der neben mir las Ringelnatz.


    Er las und grinste wie ein Schlingel.

    Ich bot ihm meine Plätzchen an

    Und sagte: „Selbstgenatzte Kringel!“

    Er sprach: „Die nehm‘ ich gerne an.“


    Es kam, wie’s manchmal so geschieht,

    Wenn gleiche Seelen sich erheben:

    Wir spürten großen Appetit

    Auf die Liebe und das Leben.