Was mein Lieblingsgedicht ist? … äh …

  • Ich habe das auch gesehen. Sehr lustig.

    Und ich habe mich gefragt, was denn mein eigenes Lieblingsgedicht ist. Ich glaube, ich habe da einen ziemlich spießigen Geschmack. Ich finde eine Menge von den ganz klassischen Sachen gut, auch solche, die man in der Schule lernen muss, ohne wirklich emotional nachfühlen zu können, was das bedeutet.


    Den Herbsttag kann ich noch hersagen und ein bis zweimal im Jahr bekomme ich einen Anfall und lerne wieder was auswendig, um es dann nach ein paar Wochen leider wieder zu vergessen.

    Hat hier jemand ein Lieblingsgedicht?

    “Life presents us with enough fucked up opportunities to be evaluated, graded, and all the rest. Don’t do that in your hobby. Don’t attach your self worth to that shit. Michael Seguin

  • Heinz Erhard könnte ich auch sofort zitieren, darf ich aber aus urheberrechtlihen Gründen nicht. "Ein" Lieblingsgedicht habe ich nicht, sondern eher eine ganze Menge und je nach Zeit und Stimmung ist dann mal dieses, mal jenes vor. Aufsagen kann ich einige ganz, mehrere dann zumindest zitatweise. Zu den "Lieblings-Gedicht-Dichtern" gehören unter anderem: Mörike, Hesse, Gernhard, Erhardt, Kästner, Rückert, Fontane, Busch, Heym und noch eine ganze Reihe anderer.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • Ich konnte mal rund zwei Dutzend deutsche Balladen auswendig hersagen, Die Bürgschaft geht heute noch ruckfrei, dennoch habe ich kein Lieblingsgedicht anzubieten. Ebensowenig wie einen Lieblingsautor oder ein Lieblingsbuch.

    Es gab mal einen promovierten ÖVP-Landeshauptmann, in deutschen Landen auch Ministerpräsident genannt, der öffentlich verkündete, nur ein einziges literarisches Buch in seinem Leben zur Gänze gelesen zu haben: Der Schatz im Silbersee, von Karl May. Um ein Haar wäre er auch noch zur Bundespräsidentenwahl angetreten.

  • Lieber Sören,

    damit hättest Du Herrn Chrupalla aber nicht zum Freund, denn ihm ging es um DEUTSCHE Gedichte. Mit Poe machste da keene Punkte.

    Allerdings fiel dem Herrn auch kein deutsches Gedicht ein :auslach

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • Wenn ich eins nennen müsste, dann wäre es wohl Die Füße im Feuer von C.F. Meyer ... Ich habe in Schülerzeiten gern lange Gedichte auswendig gelernt und denke manchmal heute noch in Gedichtzeilen, etwa: Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin mit Linnen blendend weiß...", beim Tischdecken.


    Oder ist es doch der Prometheus von Goethe?

    ... Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

    Und meinen Herd, um dessen Glut du mich beneidest!

    (...)

    Ich dich ehren? Wofür? - Was für ein Rhythmus!


    Beeindruckend in seiner unaufgeregten Eleganz aber auch der kleine Zweizeiler, der als Appell auf Raststätten-Klos die Reisen meiner Kindheit begleitete: Ein Schmutzfink ist, wer nicht bedenkt, dass Sauberkeit nur Freude schenkt!

  • Erhard ist lustig gewesen, Morgenstern auch, aber der einzige Lüriker, der mich wirklich beeindruckt hat, ist Ernst Jandl*. Eines meiner Lieblingsgedichte von ihm ist "zweierlei handzeichen", in dem er sich vor einer Kirche bekreuzigt und vor einem Obstgarten bezwetschkigt. Aber tatsächlich wäre das einzige Gedicht, das ich auch noch halbwegs frei vortragen könnte, "Weihnachten" von Joseph von Eichendorff. Mit "Markt und Straßen stehn verlassen" begann für mehr als ein Dutzend Jahre meinerseits fast jede Bescherung.


    *Stimmt nicht ganz. Ich habe "Besternte Ernte" von Robert Gernhardt und F. W. Bernstein zigfach gelesen und war jedes Mal beeindruckt, amüsiert und irritiert.

  • Lieber Sören,

    damit hättest Du Herrn Chrupalla aber nicht zum Freund, denn ihm ging es um DEUTSCHE Gedichte. Mit Poe machste da keene Punkte.

    Allerdings fiel dem Herrn auch kein deutsches Gedicht ein :auslach

    Im Deutschen ist es leider deutlich schwieriger. Ich fand den "Erlkönig" ganz gut, aber mein Lieblingsgedicht ist es definitiv nicht. Daher hatte ich lieber "den Raben" erwähnt ...

  • Ich bin ganz d'accord mit dem Cherusker-Chrupalla: Heine ist der Größte (nach Goethe):


    Das ist der Teutoburger Wald,

    Den Tacitus beschrieben,

    Das ist der klassische Morast,

    Wo Varus stecken geblieben.


    Hier schlug ihn der Cheruskerfürst,

    Der Hermann, der edle Recke;

    Die deutsche Nationalität,

    Die siegte in diesem Drecke.

    (...)

    Wir blieben deutsch, wir sprechen deutsch,

    Wie wir es gesprochen haben;

    Der Esel heißt Esel, nicht asinus,

    Die Schwaben blieben Schwaben.

    8)

  • Die von der Schwäbischen Dichterschule haben zurückgeschlagen, obwohl da mancher Hieb doch recht sanft ausfiel:


    Laß uns eins zusammen bechern

    In dem Rittersaal geschwind,

    Eh uns einfällt, trotz'gen Zechern,

    Daß wir ew'ge Feinde sind!


    (Gustav Schwab)

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    ASIN/ISBN: 3831333580


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    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • Mein absoluter Lieblingsdichter ist Rilke, aber auch Erich Kästner und Mascha Kaléko finde ich wunderbar. Daraus aber ein einziges Lieblingsgedicht herauszufiltern, stellt mich vor eine unlösbare Herausforderung... Das hängt bei mir auch ganz stark von der Tagesform ab, was mich an einem Tag nur kurz die Verse überfliegen und "zur Kenntnis nehmen" lässt, treibt mir wenige Stunden später vielleicht dann doch Tränen in die lyrischen Augen. Umgekehrt geht das natürlich auch.

    Momentan ist es "Das Lied der Bildsäule", kurz davor "Prima Wetter".

  • „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“ ganz klar Hilde Domin und Rose Ausländer.


    Hilde habe ich mal besucht. Ist hier in unserem Blog nachzulesen.


    Und bei Harry Heine war ich auch, obwohl ich bei seinen Gedichten immer hin und hergerissen bin. Manche finde ich sowas von genial, andere dann wieder mehr als gewöhnlich. Aber er war ein un-gewöhnlicher Mensch und in der Summe bemerkenswert. Und was der zur AfD gesagt haben würde, kann man sich gut vorstellen, wenn man weiß, dass er ein Freund von Karl Marx war.


    Unterschätzt in ihrer Lyrik nach wie vor finde ich Emmy Hennings. Grund genug, auch ihrem Grab einen Besuch abzustatten - unter anderem.

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