Macht das Sinn?

  • Ach, und da Tom und Ben den Thread eh schon geschreddert haben

    Tatsächlich habe ich ganz überwiegend ziemlich leistungsfähige und themenorientierte Beiträge geliefert, während Du das Thema mit Deinem komischen Touristenbeispiel in jeder denkbaren Hinsicht verfehlst. 8)

  • Ah ja.

    Dann bin ich mal wieder raus und lass Euch leistungsfähige und themenorientierte Beiträge um Gaspedale, Paartherapien und Stutenbissigkeit liefern, die gaaaaanz viel mit dem Thema zu tun haben :kratz2

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • Ironiedetektor im Eimer, liebe Dorrit?

    Die Ironie war aber schon gut versteckt.

    Vielleicht bin ich aber auch einfach nur allgemein zu müde - im direkten und übertragenen Sinn, es ist zu dunkel hier und zu kalt und zu social distanziert ... und überhaupt.


    Aber trotzdem: Macht Ihr mal ;)

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • So interessant Jürgens Ausführungen zu dieser Redewendung auch sind - ich würde einen größeren Betrag darauf setzen, dass der Ursprung diese "Sinn-machen"-Seuche nicht etymologisch, historisch oder ähnlich motiviert ist, sondern ganz einfach von Deppen ins Leben gerufen wurde, die sich intellektuell bestenfalls knapp oberhalb der Armutsgrenze bewegen und sich in Ermangelung anderer Talente durch dümmlich falsch benutzte Scheinanglizismen wichtigtun wollen. Neben diesem imho unsagbar dummen "Sinn machen" fallen mir spontan die ähnlich konstruierten Kotzreizerreger "Noch 10 Minuten zu gehen" oder "Damit bin ich fein" ein, wobei das Zweitgenannte nichts mit dem ähnlich klingenden Bewegungsablauf zu tun hat, sondern die verbleibende Spielzeit beschreiben soll. Nicht umsonst sind die beiden erstgenannten Beispiele erstmals bei Fußballübertragungen begegnet (Marcel Reif, Wolf Fuss), die dritte, als ich leichtsinnigerweise beim Frühstück das gleichnamige TV-Programm eingeschaltet hatte (Ingo Nommsen).

    Kurz: Etwas hat oder ergibt Sinn, und das mindestens seit Jahrzehnten. Und daran werden Gestalten, die das Unvermögen, ihre Muttersprache wenigstens ansatzweise zu beherrschen, durch dumme Eigenkreationen kaschieren wollen, nichts ändern. Außer vielleicht bei RTL- und BLIND-Konsumenten.

    Oder wie der geniale Wortakrobat Jochen Malmsheimer es mal formuliert hat: Früher war nicht alles besser; aber was früher gut war, wäre auch heute noch gut - wenn man es in Ruhe gelassen hätte.

  • :rofl Oh, Kaelo, jetzt kann ich nicht widerstehen und muss mich outen: Es war einer meiner Blogtexte, an der sich die Diskussion um das Sinn machen entspann (der verspätete Neujahrsgruß vom letzten Sonntag). Ich habe völlig blauäugig das Sinn machen für salonfähig gehalten, entsprechend fröhlich verwendet - und natürlich geändert, als meine Blogkollegen mich darauf hinwiesen.


    Dein Widerwille gegen das Sinn machen muss ungefähr dem ähneln, den ich beim Wort nichtsdestotrotz empfinde - seit Jahrzehnten im Gebrauch, und trotzdem von mir als grauenhaft falsch, falsch, falsch empfunden.


    Wie auch immer und um bei den dümmlich falsch benutzen Scheinanglizismen zu bleiben: Du machtest meinen Tag! :gimme5

  • … den ich beim Wort nichtsdestotrotz empfinde - seit Jahrzehnten im Gebrauch, und trotzdem von mir als grauenhaft falsch, falsch, falsch empfunden.

    So urteilst du über ein etabliertes Kofferwort?

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Erlebnis-Wanderungen Odenwald

    ASIN/ISBN: 386246752X


    "In der industriellen Tierhaltung ist jegliche Empathie für die sogenannten Nutztiere verloren gegangen."


    Rupert Ebner

    SZ Nr. 78, 6.4.2021, S. 15

  • Ihr könnt euch auf den Kopf stellen - "Sinn machen" wird sich in der Sprache etablieren und seinen Platz dort behaupten. Ist ja schon längst passiert. Sprache ist halt lebendig. Sie führt folglich ein Eigenleben, und vorschreiben zu wollen, was darin geht und was nicht, ist zweckloser, als einen Pubertierenden von etwas abhalten zu wollen, das er sich in den Kopf gesetzt hat.


    Nichtsdestotrotz :blume bevorzuge ich selbst das "Sinn ergeben" oder "Sinn haben". Es klingt in meinen Ohren etwas feiner. Und "nichtsdestotrotz" verwende ich für gewöhnlich gar nicht. Aber hier schien es mal richtig gut zu passen !;-)!!.

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Samuel Beckett (1906–1989)

    2 Mal editiert, zuletzt von Peter S. ()

  • "Sinn machen" wird sich in der Sprache etablieren und seinen Platz dort behaupten.

    Ich fürchte, du wirst Recht behalten. Ebenso wie sich "Handy" etabliert hat, oder Paparazzi, von denen die meisten weder die Einzahl kennen noch die Herkunft. Oder "in 2020" statt "im Jahr 2020", um auszudrücken, dass sich in diesem Jahr etwas ereignet hat.

  • Vielen Dank für die angeregte Diskussion, hat Spaß gemacht... Uuups: Spaß machen... geht denn das, kein Ding, kein Zustand, kein Gaspedal... :blume

    Aber auf meine These, dass "Sinn machen" den Prozess des Sinnaufbaus ausdrückt (wie es auch "Sinn ergeben" macht, aber dies mit finalem Akzent), wurde nicht ernsthaft eingegangen. Dass Deppen, die

    sich intellektuell bestenfalls knapp oberhalb der Armutsgrenze bewegen

    zur Verfeinerung unserer Sprache beitragen, kann einen schon zur Verzweiflung treiben. Aber vielleicht entwickelt sich die Sprache ja ganz anders, als Hänschen es sich so vorstellt (nämlich immanent, gemäß eigener Gesetzmäßigkeit: der Steigerung der Differenzierungsfähigkeit (=hat schon Jacob Grimm herausgefunden)). Wir würden uns vorsätzlich selbst verblöden und uns sogar unterhalb die intellektuelle Armutsgrenze katapultieren, wenn wir unsere Sprache auf den Stand von 1950 einfrören. :)

    Viele Grüße

    Jürgen

  • Spaß machen

    Nun, man kann Witze machen, man kann einen Spaß machen, man kann Spaßmacher sein, und Spaß kann sich tatsächlich entwickeln, kann entstehen und herbeigeführt werden - Spaß bezeichnet Situationen, Gefühlszustände, Erlebnisse. Ich vermute nicht, dass das einem fehlübertragenen Anglizismus entspringt, obwohl es "to make fun" ja gibt, aber es verhält sich tatsächlich ein wenig anders als beim Sinn oder Unterschied. Die macht man nicht, die ergeben sich.


    Wobei. Es sind, und das muss man auch mal sagen, handliche und starke Formulierungen, wenn man sie richtig einsetzt. Ich würde nicht so weit gehen, und jeden als Deppen bezeichnen, der sie verwendet, und literarisch sind sie - vor allem in Dialogen - durchaus ebenfalls hilfreich. Sie erlauben es, eine Figur mitteilen zu lassen, dass sie jetzt einen Umstand begriffen hat, ohne diese Figur direkt zu diskreditieren - beispielsweise. Da Literatur vor allem in Dialogen oder in inneren Monologen auch den sprachlichen Alltag spiegelt, wäre es dumm, sich der Verwendung solcher Formulierungen grundsätzlich zu verweigern.

  • Ich frage mich gerade, wann und vor allem wodurch das "Sinn machen" überhaupt hier herüber geschwappt ist. Mein Hauptverdächtiger:


    ASIN/ISBN: B00H03P4WY


    Stop Making Sense


    Ich erinnere mich außerdem, dass die erste Diskussion, die ich zu diesem Thema hatte, im Herbst 1990 stattfand. Da waren einige, die hier mitlesen und -diskutieren, noch gar nicht auf der Welt.

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Samuel Beckett (1906–1989)

  • fehlübertragenen Anglizismus

    So was gibt's eben nicht, jedes Fremdwort wird von der Empfängersprache verarbeitet, der Grammatik unterworfen, durchgenudelt und verwurstet. Wenn man die aufgenommenen Wörter wie Fabrik, Industrie, Telefon etc. etc. nimmt, dann haben die nicht mehr viel mit den Ursprungswörtern zu tun. Diese Anverwandlung ist der Normalfall. Wenn man diesen Vorgang in seiner Aktivität würdigt, dann liegt der Schluss nah, dass die Integration von Fremdwörtern ein Zeichen der Stärke und Lebendigkeit der Empfängersprache ist. Dies ist auch ein Vorgang, den die Sprache als System vollzieht, da greifen Mechanismen, die gehen nicht durch das Bewusstsein der Sprecher, deshalb ist auch die Lächerlichmachung von Sprechern, die die neuen Tendenzen der Sprache ausprobieren und letztlich in die Welt setzen, selbst eine lächerliche Attitüde. Die Sprachkritiker stellen die Wirklichkeit geradezu auf den Kopf: Nicht sie, sondern die "bildungsfernen" Schichten scheinen das Gespür für die Weiterentwicklung, und das heißt: Vervollkommnung unserer Sprache zu haben. Ich wiederhole das Beispiel: Mit sicheren Griff fischt sich die Mehrheit der Sprecher die Wörter mit lateinischen Wurzeln aus dem Englischen (dessen Wortschatz bekanntlich zu Zweidritteln aus altfranzösischen Wörtern besteht); schon aus diesem Herkunftsgrund ist der Begriff "Anglizismus" falsch, letztlich dient er so nur als Bezichtigungsbegriff.

    Aber ich glaube, es ist einfach schwierig, über Sprache zu diskutieren, weil sie uns so nah geht, und wir dabei in Bildern denken, die fest in uns verwurzelt sind. So ähnlich ist es ja auch bei der von den gebildeten Schichten zu verantwortenden "gendersensiblen" Sprachreform.