Manuskript zu kurz?

  • Die erste Version meines Manuskripts "Das Inferno 2.0" (Arbeitstitel) ist fertig, auch die erste Überarbeitung ist abgeschlossen. Momentan stecke ich gerade in der zweiten Überarbeitung. Zu den speziellen Problemen dabei schreibe ich am besten einen eigenen Post.


    Thematisch geht es um eine Nacherzählung von Dante Alighieris Inferno. Genauer: Ein heutiger Ich-Erzähler macht wieder einmal eine Reise durch die Hölle, geführt wird er dabei vom Meister Dante persönlich. (Dante wurde seinerzeit vom Antiken Dichter Vergil durch die Hölle geführt, insofern findet sich auch dieses Element bereits im Original - nur Dante hat die Rolle gewechselt.) Geschrieben ist das ganze im Stil eines Thrillers und der Inhalt ist auch durch Thriller-Elemente angereichert.


    Das spezielle "Problem" (ist es eigentlich eins?), das ich hier ansprechen möchte, ist der Umfang: Ich komme auf ca. 160 Standardseiten. Und meine Überarbeitungen führen eher zu Kürzungen.

    Ist der geringe Umfang ein Problem? Ein typischer Thriller hat ja ca. 400 Seiten Umfang.

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Samuel Beckett (1906–1989)

  • Das ist tatsächlich sehr kurz. Es gibt Romane, die so schmal und erfolgreich sind, aber das Gardemaß ist ein anderes, vor allem bei Genreliteratur. Die Leute gehen auch nicht oder nur ausnahmsweise für einen Film ins Kino, der nur fünfzig Minuten lang ist. Achtzig sollten es schon mindestens sein. Also 250 Seiten, plusminus (eher plus). Aber wenn die vorliegenden 160 bahnbrechend sind, kann man es natürlich trotzdem versuchen. Das kann man immer.

  • Es gibt solch kurze Bücher, von Ferdinand von Schirach z.B., aber ich würde behaupten, dass das dann geht, wenn man schon einen Namen hat , jedenfalls im Normalfall. Dein Buch müsste schon bahnbrechend sein, wie Tom schrieb.
    Ein normaler Heftroman hat ca. 100 Normseiten, eine Kurzromance, wie sie z.B. HarperCollins im Viererpack in Broschürenform vertreibt, ca. 150. Das wäre dann schon der Umfang deines Romans, wenn er, wie du schreibst, durch das Überarbeiten eher noch kürzer wird.

  • Ich kann leider so überhaupt gar nichts Konstruktives dazu beitragen, obwohl ich das Problem nur zu gut kenne. Meine Romane sind IMMER viel zu kurz. Es ist zum Verzweifeln. Und wenn dein Text, Peter, jetzt noch zu kurz ist, dann kann man da - befürchte ich - auch nichts mehr retten.

  • Ich kann leider so überhaupt gar nichts Konstruktives dazu beitragen, obwohl ich das Problem nur zu gut kenne. Meine Romane sind IMMER viel zu kurz. Es ist zum Verzweifeln. …

    Nenn' sie Novelle und mach es wie die Holländer: Verkauf sie im Pack - zwei, drei für einen … 8-)

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Räuber und Räuberbanden im deutschsprachigen Raum

    ASIN/ISBN: 3955402649


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • Tom vielen Dank für die klare Ansage. Damit kann ich etwas anfangen.

    Broxi ich arbeite schon stark an einem zusätzlichen Handlungsstrang, weil das Original für sich genommen eh zu langweilig wäre. Von dem ist schon einiges drin; für 90 Seiten wird das, was eventuell noch hinzukommt, nicht reichen.

    Shoogar auf deinen Vorschlag wird es wohl hinauslaufen. In der Tat habe ich auch schon einen (groben) Plot für alle drei Teile. Dummerweise war es mein bisheriger Plan, erst einmal den ersten Teil zu schreiben und den zu veröffentlichen. Bei Erfolg wollte ich dann weitermachen, bei Misserfolg zurück zu meinen Leisten kehren und den nächsten Sachtitel schreiben (habe gerade erfolgreich ein Sachbuch veröffentlicht und guten Kontakt zu "meinem" Verlag, der aber leider keine fiktionale Literatur herausgibt). Jetzt noch mehr Zeit investieren ... Zumal das nächste Sachthema schon am Start ist und darauf wartet, geschrieben zu werden. Kommt noch hinzu, dass 2021 Dantejahr ist (700er Todestag). Das hätte so gut gepasst :heul.

    tortitch hallo Leidensgenosse :wink2. Nun ja, wie oben beschrieben gibt es schon einen Ausweg. - Wenn der nur nicht so verdammt mühsam und zeitaufwendig wäre.

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Samuel Beckett (1906–1989)

  • Horst-Dieter Novelle? Ginge das? Aber für ein Pack sieht es schlecht aus. Ich habe nur das eine Manuskript. Gibt es wirklich Verlage, die solch eine (und leider nur eine) Novelle annähmen?


    Ach ja, zum Thema "herausragend": Ich bin schon froh, wenn es einfach nur "gut" wird.

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Samuel Beckett (1906–1989)

  • Ich hatte für Bastei mal eine Gruselnovelle, die im Rahmen der "Gespensterkrimis" erscheinen sollte. Die war gemäß der Vorgaben vom Verlag ebenfalls zu kurz. Um das zu ändern, habe ich ein paar Seiten vor dem bisherigen Geschichtenanfang eingefügt, dazu ein paar existierende Szenen erweitert sowie einen kleinen Subplot hinzufügt. Das sind die üblichen Maßnahmen in solch einem Fall.

  • Kommt noch hinzu, dass 2021 Dantejahr ist (700er Todestag). Das hätte so gut gepasst.

    Das ist natürlich ein Argument. Ist jetzt aber für einen Verlag auch schon ein bisschen spät. Oder wolltest du das im SP machen? Dort gibt es natürlich jede Menge kürzerer Romane.

  • Zitat
    Zitat von Peter S. Kommt noch hinzu, dass 2021 Dantejahr ist (700er Todestag). Das hätte so gut gepasst.


    Das ist natürlich ein Argument. Ist jetzt aber für einen Verlag auch schon ein bisschen spät. Oder wolltest du das im SP machen? Dort gibt es natürlich jede Menge kürzerer Romane.

    Ach du je, brauchen die Verlage im fiktionalen Bereich so lange? Ihr merkt schon, ich bin in diesem Bereich ein echter Neuling. Self Publishing wäre für mich nur die allerletzte Notlösung.

    Na denn ist ja auch egal und ich kann das Ganze auf länger anlegen.

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    Samuel Beckett (1906–1989)

  • Horst-Dieter Novelle? Ginge das? Aber für ein Pack sieht es schlecht aus. Ich habe nur das eine Manuskript. Gibt es wirklich Verlage, die solch eine (und leider nur eine) Novelle annähmen?


    Ach ja, zum Thema "herausragend": Ich bin schon froh, wenn es einfach nur "gut" wird.

    die gibt es, aber nicht wie Sand am Meer. Vermutlich kommen die großen Verlage eher nicht in Frage aber im Bereich der mittleren kann man mal schauen. ich empfehle einen Blick den Katalog Es geht um das Buch zu werfen. Die dort vertretenen Verlage machen auch Sachen jenseits der Norm.

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    Horst-Dieter Radke: Räuber und Räuberbanden im deutschsprachigen Raum

    ASIN/ISBN: 3955402649


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • Die dortigen Kleinverlage sind natürlich nicht für Bestseller-Träume geeignet.

    Dem würde ich widersprechen wollen. Da sind ein paar Verlage bei, die schon veritable Bestseller hatten. Und Namen wie Wagenbach, Verbrecher-Verlag und viele andere, die sich wirklich gut auf Verträgen machen.

  • Zitat von Peter S.



    Die dortigen Kleinverlage sind natürlich nicht für Bestseller-Träume geeignet.

    Dem würde ich widersprechen wollen. Da sind ein paar Verlage bei, die schon veritable Bestseller hatten. Und Namen wie Wagenbach, Verbrecher-Verlag und viele andere, die sich wirklich gut auf Verträgen machen.

    Na dann - Umso besser!


    Horst-Dieter : Du bist mein Held des Tages. Vielen Dank!

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    Samuel Beckett (1906–1989)

  • Hallo Peter,


    ich kann eigentlich nur noch beitragen, dass ich das Problem eher genau andersrum habe. Mein erstes Manuskript hat etwa 700 Normseiten, die Fortsetzung ist sogar noch länger :kratz2

    Da ich Dantes Inferno noch nicht gelesen habe kann ich auch nur generelle Sachen aufzählen, die man vielleicht machen könnte:

    - Eine Figur (neu einbringen ist vielleicht doof, wenn du ja eine Vorlage hast) näher beleuchten oder mit ihr einen Handlungsstrang aufbauen

    - ich persönlich steh total auf kurze Absätze, in denen man etwas über die Vergangenheit von Figuren erfährt (was sie vielleicht so erlebt oder durchgestanden haben, was sie so macht, wie sie sind)

    - die Geschichte weiterspinnen - ich finde, manche Bücher sind so geschrieben, dass ich eigentlich wissen will, was danach passiert

    - Erklärungen oder Gedanken der Hauptfigur -natürlich je nach Erzählweise- einfügen; du schreibst vielleicht kein Fantasy, aber als Beispiel will ich nur Tolkien anführen, der auf den ersten Seiten von Herr der Ringe erst mal die Volksgeschichte der Hobbits erzählt

    - einen kleinen Handlungsstrang einbauen, der den Protagonisten vielleicht auf einen Umweg führt (ganz nach dem Motto "Oh nein hier ist der Fels eingestürzt, wir müssen uns wohl einen anderen Weg suchen!") ; das muss allerdings gut gemacht sein, sonst wirkt es auch wie ein Filler - und NIEMAND mag Filler

    - Gespräche - ich kann Dialoge zwar gar nicht schreiben (hört sich immer an wie so ein Grundschul-Theaterstück) aber es kann viel Platz verbrauchen


    So, jetzt fällt mir nix mehr ein. Vielleicht hilft das ein bisschen. :saint:

    Ganz liebe Grüße,

    Caro

  • Hallo Caro,


    danke für die vielen Tipps :dhoch.


    Es werden vor allem die Gespräche sein. Davon fehlen sowieso noch einige - besonders in der zweiten Hälfte ist das Manuskript noch viel zu sehr "Reisebeschreibung". Mehr dazu schreibe ich am besten mal in einem eigenen Post dazu.

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    Samuel Beckett (1906–1989)