Die Sache mit dem Überarbeiten

  • Für alle, die den NaNoWriNo ausprobieren wollen, gibt es im März und Juli das CampNaNoWriMo mit der Möglichkeit, die Zielzahl an Wörtern selbst zu bestimmen. Ich mache immer mit, weil ich diesen sanften Druck brauche, um jeden Tag zu schreiben. Außerdem mag ich das Gemeinschaftsgefühl und die grafische Aufbereitung auf der NaNo-Seite: eine ansteigende Linie, an der entlang ich schreibe bzw. meine Zahl eintrage. Noch besser ist es - wie Dorrit schreibt -, sich dafür Gleichgesinnte zu suchen und sich jeden Tag auszutauschen.


    Die NaNo-Seite ist jetzt auch flexibler als früher, jeder könnte auch außerhalb der offiziellen Veranstaltungen ein Projekt eintragen und sich selbst messen.


    Zum Papier: Ich mache das auch, aber beim Roman eher selten. Ich wechsle jedoch regelmäßig das Format. Normalerweise schreibe ich in Scrivener, aber ich kopiere immer wieder einzelne Szenen in Word, arbeite dort weiter und kopiere zurück. Per Hand, und ich ändere meistens auch die Schrift. Die andere Optik wirkt bei mir Wunder.

  • Vielleicht sollten wir mal die Aktion starten "Schreib in 42 Tagen deinen verdammten Roman", beginnend immer am 1. April. Startgebühr: 42 Cent. Wer am Ende einen Roman mit mindestens 42 Normseiten Umfang vorweist, bekommt eine Ur-Kunde.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • Und wie sind die Ergebnisse? Entsteht dabei auch etwas, an und/oder mit dem man gut weiterarbeiten kann?

    Eben das habe ich ja versucht zu sagen, keine Ahnung, ob ich mich so missverständlich ausgedrückt habe: Es funktioniert gut, um in einen Fluss zu kommen.

    Ich hatte vor November 2019 ca. 3 Kapitel für das Adane-Buch fertig und habe dann beim NaNo 2019 die Geschichte einmal durcherzählt. Daran habe ich dann im letzten Jahr gearbeitet und überarbeitet. Es gab einige Szenen, die schon richtig gut waren, es gab einige Abschnitte, die überhaupt nicht gingen und trotzdem gut und nützlich waren, weil sie mir eine Richtung angezeigt haben (in meinem Fall war es ja so, dass ich aus einer Menge "Rohstoff" wählen musste, was ich wie erzählen will).


    Klar hätte ich mich dem Roman bzw. der weiteren Arbeit auch anders nähern können (was ja aufgrund diverser Umstände zu der Zeit nicht einfach war), aber für mich war es zu der Zeit ziemlich gut, eben einmal komplett durch den Stoff zu kommen, um mich an dem, was ich da geschrieben habe, entlanghangeln zu können. Das hat mir im letzten Jahr wirklich sehr geholfen, den Roman fertig schreiben zu können, weil etwas da war, an dem ich weitermachen/rumpuzzeln konnte. Es hatte dann ein bisschen was von der Methode "Bildhauer" - nämlich aus einem Granitblock mit feinem Werkzeug Details herausschlagen. Aber immerhin hatte ich nach dem NaNo einen Granitblock.


    Sicher gibt es da ganz unterschiedliche Arbeitsweisen, und ich bin ja jetzt auch nicht die mit fünf Romanen Erfahrung im Hintergrund. Ich würde sicher wieder am NaNo mitschreiben, wenn es für ein Projekt gerade Zeit ist, viel "Rohstoff" zu schaffen. Was natürlich theoretisch auch ohne NaNo ginge, aber der funktioniert halt besser als sich allein im kleinen Kämmerchen zu motivieren.


    Ich lese ja z.Zt. Face to Face - Gespräche von Thomas David mit diversen literarischen Größen - mit großem Vergnügen. U.a. Philip Roth, der sagte, die erste Fassung eines Buches mache überhaupt keinen Spaß zu schreiben, sei unscharf. Er schrieb seine Bücher offensichtlich vier, fünf Mal um und bei jeder Fassung wurde es schärfer und klarer. Und für eben diese erste Fassung ist der NaNo gut, würde ich sagen, weil man da in guter Gesellschaft ist, wenn man diesen mühseligen ersten Entwurf schreibt.

    Aber wie gesagt, es gibt da sicher sehr unterschiedliche Arbeitsweisen.

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • Tom : Bei mir ja, aber ich unterwerfe mich nicht sklavisch dem Wortziel, und ich würde nie im Leben 50.000 Wörter schaffen. 35.000 war mein bestes (und brauchbares) Ergebnis, und zwischen 15.000 und 25.000 liegt ein realistisches Ziel, bei dem ich mir auch mal Aussetzer zwischendurch leisten kann. Damit bin ich zufrieden, weil jedes Wort eins mehr ist, als ich sonst zu Papier brächte.


    Ich schaffe es, in der Zeit und unter dem Druck intuitiver zu schreiben, meine Figuren agieren zu lassen, ohne sie zu sehr zu lenken. Bei meinem Topergebnis wusste ich vorher ziemlich genau, welche Szene(n) ich schreiben will, und war Teil einer superaktiven Gruppe.

  • Ja, für mich auch. Ich schaffe das ohne Druck nie. Und ich habe auch im NaNo-Monat immer einen oder mehrere Tage, an denen ich einfach nicht schreiben kann. Dann hechle ich nicht auf Gedeih und Verderb hinterher, sondern sage mir genau das: Jedes Wort ist eins mehr, als ich ohne diese Übung hätte.


    Ich schaffe das Rohmaterialsammeln, das Dorrit beschreibt, nicht so gut. Und ich sehe dabei auch die Gefahr, dass nicht mehr meine Figuren denken und handeln, sondern ich. Den richtigen Weg findet jeder selbst.