Breitenwirkung

  • Hallöle,


    Absage von Agentur ist soeben eingetrudelt. Liest sich wie eine Standardabsage, die mich davon überzeugen will, dass es nicht an mir liegt, sondern an ihnen und am Markt.


    Dabei fällt jedoch das Wort "fehlende Breitenwirkung". Jetzt frage ich mich, wie ein autobiographischer historischer Frauenroman keine Breitenwirkung hat, wenn doch der Markt voll ist damit?


    Mögliche Erklärungen: Entweder ist die Dame zu unbekannt oder der Markt übersättigt. Oder gibt es noch eine andere Erklärung? Ich weigere mich zu glauben, dass das Leben der Dame nicht interessant genug war, denn sie hatte diverse teils skandalöse Ehen, kämpfte eigenhändig Schlachten in einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Krieg und wurde am Ende von ihrem Cousin übertrumpft (findet aber in meiner Geschichte am Ende die Wahre Liebe).


    Also - bitte, verlegte Autoren oder auch jeder andere, der den Markt besser versteht als ich: Was ist Breitenwirkung, und wie erreiche ich die? Oder nehme ich das jetzt alles zu ernst oder es ist wirklich nur eine Standardabsage, auf die ich nichts geben darf?

  • Das ist natürlich doof. Tut mir leid.

    Kopf hoch und weitermachen.

    Die "fehlende Breitenwirkung" könnte an der Spielzeit des Romans liegen?

    Was mir auffällt: die meisten Historienromane werden als Reihe aufgelegt - und sind vermutlich von Anfang an als solche konzipiert. Vielleicht hat es ein Einzelband da schwer, wenn es nicht um die derzeit beliebten Familiensagas geht?

    Am Ende kann man hier nur spekulieren. An Deiner Stelle: frag doch bei der Agentur nach, was genau die meinen.

  • In Standardabsagen von Verlagen steht etwas wie "der Titel passt nicht in unser Programm" oder "unser Programm ist mit Hausautoren ausgelastet", und beides ist eine Standardlüge. Würden die Begründungen der Wahrheit entsprechen, stünde in solchen Absagen meistens etwas, das die Einsender der Manuskripte starker Suizidgefährdung aussetzen würde. ;) Was ich damit sagen will, Silke: Die (und vermutlich auch die Agenturen) schreiben etwas, das erstens verhindert, dass es Stress gibt und das zweitens Diskussionen vermeidet. Wenn Dir die Agentur schreibt, dass der Text potentiell nicht genug "Breitenwirkung" entfalten kann, dann ist das ein Argument, dem Du unmöglich beikommen kannst, und genau das ist möglicherweise die Absicht dahinter. Man möchte das Projekt aus irgendwelchen Gründen nicht vertreten, ist vielleicht ausgelastet, hat Konkurrenz im eigenen Haus, vielleicht finden Sie's auch einfach nicht gut, sehen die Trends woanders, mögen den Plot nicht (...), aber all das will und kann man mit Dir nicht diskutieren, also bekommst Du ein Argument, gegen das Du nicht angehen kannst. Ich wage zu bezweifeln, dass sich die Breitenwirkung eines Romanprojekts wirklich antizipieren lässt. Andererseits ist natürlich auch denkbar, dass sie sich wirklich Gedanken über etwaige Zielgruppen gemacht haben und kein Potential mehr sehen, aber ich halte es für wahrscheinlicher, dass es darum geht, Diskussionen zu vermeiden.


    Allerdings:

    ein autobiographischer historischer Frauenroman

    Wirklich autobiografisch? :huh: Das Präfix steht für "selbst".

  • Allerdings:

    Wirklich autobiografisch? :huh: Das Präfix steht für "selbst".

    Ups! Sowas passiert, wenn einem die Lasagne im Ofen nicht verbrutzeln darf. :rolleyes:


    Aber ansonsten: In der Absage sind eine Reihe von Begründungen, wie folgt:

    - Der Markt ist heftig umkämpft

    - Die wirtschaftliche Lage ist angespannt

    - fehlende Breitenwirkung

    - wir sind ausgelastet mit den Autoren, die wir bereits unter Vertrag haben


    Da sie sich so dolle entschuldigen und so höflich, denke ich auch, dass es ein Standardgewäsch ist. Ich hatte nur kurzzeitig Panik, dass ich völlig am Markt vorbei schreibe. Das wäre ja auch fatal für alle Folgeprojekte, denn wie soll ich denn nun wissen, was die breite Masse lesen will? Aber deine Antwort beruhigt mich, danke.


    Um ganz ehrlich zu sein, so schlimm ist die Absage auch nicht. Ich weiß, ich kann das Manuskript noch verbessern. Mein neuestes Projekt ist handwerklich so viel besser. Solange ich nicht vergesse, die breite Masse anzusprechen. ?!?

  • Solange ich nicht vergesse, die breite Masse anzusprechen

    Na ja, biografische historische Frauenromane können für die breite Masse interessant sein, wenn die Geschichte (besonders) spannend und/oder originell und/oder besonders ergreifend erzählt ist. Die Lebensgeschichte einer nicht so bekannten weiblichen Person, die eine gewisse historische Bedeutung hat, ist an und für sich nicht unbedingt besonders interessant; sie muss also abseits der üblichen Schicksalssachen etwas anbieten können, das sie interessant macht. Dann kann sie Breitenwirkung erzielen.

  • Dann kann sie Breitenwirkung erzielen.

    Ja, das ist jetzt schwer zu beurteilen, ohne dass ich das Expose an dieser Stelle veröffentliche. Mich hat ihre Lebensgeschichte jedenfalls genug gepackt, dass ich mich monatelang für sie auf den Hosenboden gesetzt habe. Ich habe mit Absicht nicht die fünfhundertste Version der Eleanor von Aquitanien geschrieben, weil ich mir mit meinem jugendlichen Leichtsinn gedacht habe, dass das mal was ganz Anderes ist. Aber eine Absage macht ja noch keinen Sommer. Man muss weiter hoffen. Ablehnungen gehören zum Business, wie du mir bereits einmal gesagt hast.

  • Aber eine Absage macht ja noch keinen Sommer.

    Was schade ist, weil sonst sehr viel häufiger Sommer wäre. ;)


    Aber, ja, so ist es. Absagen gehören zum Berufsalltag. Das hört auch nie auf, ganz egal, wie professionell man schon ist oder sich fühlt. 8)

  • Aber ansonsten: In der Absage sind eine Reihe von Begründungen, wie folgt:

    - Der Markt ist heftig umkämpft

    - Die wirtschaftliche Lage ist angespannt

    - fehlende Breitenwirkung

    - wir sind ausgelastet mit den Autoren, die wir bereits unter Vertrag habe

    Das sind alles Begründungen aus einer Absage?


    Ich denke mir immer, wenn es eine Standardabsage ist, würde doch ein Satz reichen wie "der Titel passt aktuell nicht in unser Programm", oder eben das mit der Auslastung durch andere Autoren. Mich wundert es, dass die sich dann noch die Mühe machen, da mehrere Argumente vorzutragen.

  • Hallöle,


    Absage von Agentur ist soeben eingetrudelt. Liest sich wie eine Standardabsage, die mich davon überzeugen will, dass es nicht an mir liegt, sondern an ihnen und am Markt.


    Tröste dich. Bekam heute auch die x-te Absage, diesmal mit der Begründung "umkämpfter Markt", Autor zu unbekannt, Markt nicht vorhanden. Die Liste der angeschriebenen Agenturen und Verlagen umfasst in meinem Fall mittlerweile zwei A4 Seiten, nur 1/4 davon hat überhaupt geantwortet.



    Unter Breitenwirkung verstehe ich so etwas wie ein vorhandenes Publikum, dass von deinem Buch angesprochen werden sollte. Kann sein, dass ich hier auf dem Holzweg gehe, würde mich heute auch nicht mehr wundern...halte das fünfte Glas Scotch in den Händen, hilft heute leider nicht wirklich. *Hicks*



    Bleib optimistisch, meine Vorredner haben bereits alles gesagt, ich kann dir nur Blumen zur Aufmunterung schicken:blume

  • Hallo liebe Silke,

    Du verlierst ja nichts, wenn Du versuchst nachzufragen. Meiner Erfahrung nach aber bitte nicht schriftlich, sondern nur telefonisch. Versuche, den Absender der Absage persönlich zu erreichen, stelle gleich zu Beginn klar, dass Du die Absage akzeptierst und nicht "nachkarren" willst!! Bitte ganz konkret um Aufklärung, was mit dem Argument der fehlenden Breitenwirkung gemeint sei, da Du Dich selbstverständlich gerne literarisch weiterentwickeln möchtest ...

    Was kann passieren? Entweder Du bekommst niemanden an die Strippe. Oder Du erhälst nur Wischi-Waschi-Anworten. Dann weißt Du wenigstens, dass Du die Absage unter "Standardabsage" ablegen kannst. Oder aber Du erhältst (vielleicht für Deine weitere Tätigkeit) wertvolle Hinweise, woran es wirklich gelegen hat.

    Ich persönlich war bereits mehrfach positiv überrascht, wie sich solche Gespräche konstruktiv entwickelten.

  • Hallo liebe Cordula!


    Da hast du sicherlich Recht. Als Nummer 1 bei einer renommierten Agentur nach Sichtung des gesamten Manuskripts durchgefallen ist, habe ich nachgefragt und fand die Antwort sehr erhellend. Das war allerdings nach Sichtung des gesamten Manuskripts und der Beauftragung eines Gutachters durch die Agentur. Ich wusste also, dass die schon Zeit und Geld in mich investiert hatten.


    In diesem Fall jedoch bevorzuge ich es, es dabei zu belassen, und das sage ich jetzt nicht, weil ich eine feige Sau bin, wenn es ums Telefonieren geht. Die Fülle an "Begründungen" in der Absage nach Einsendung von Expose und Leseprobe (und nicht Gesamtmanuskript) lässt vermuten, dass ich mit Pauken und Trompeten durchgerasselt bin. Und vielleicht auch gar nicht so verwunderlich. Immerhin gab es eine Absage, ist ja auch nicht so gängig.


    Tatsächlich ist es so, dass ich mit diesem Manuskript selbst nicht ganz zufrieden bin und gerade überlege, mit Nummer 3 an den Start zu gehen, wenn dieses fertig ist, statt Nummer 2 weiter durch die Agenturen zu zerren. Handwerklich habe ich in den letzten Monaten so einiges dazu gelernt (Charaktertiefe, Spannungsbogen, Szenenaufbau, usw.), weshalb ich mir mehr Chancen ausrechne mit einem ganz neuen Text. Der alte sollte vielleicht noch einmal zurück ans Reißbrett.

  • Hallo Silke,


    da ich dieses Jahr schon auf Jobsuche war, kann ich auch noch etwas beisteuern: Wenn eine Absage kam, habe ich mir immer gesagt, dass ich absichtlich keine perfekte Bewerbung geschickt habe, weil es bessere Angebote gibt 8). Weil nämlich ähnliche Sätze drin standen wie in deiner Agenturabsage, oder weil "jemand noch besser geeignet" gewesen sei als ich. Da steht wohl die Befürchtung im Raum, dass sich jemand diskriminiert fühlen und gegen sie vorgehen könnte , daher das ganze Larifari. Einmal habe ich telefonisch nach dem Grund gefragt und die haben vor lauter Stottern kein wirkliches Argument vorgebracht. Inzwischen bin ich versorgt (im Gegensatz zum Schreiben, da bin ich allerdings auch ganz bescheiden unterwegs und es darf sich alles entwickeln).


    Also hocherhobenen Hauptes auf die nächste Runde vorbereiten :)

  • Ja, Absagen von Behörden und großen Unternehmen sind seit Jahren ein Standardgewäsch - wegen Angst vor Klagen. Weshalb man da immer das Gefühl hat, man wäre Nr. zwei auf der Liste gewesen.
    Der Vergleich ist vielleicht gar nicht so schlecht. Agenturen sparen sich dadurch wahrscheinlich wirklich endlose Diskussionen, die sofort kämen, wenn ein konkreter Punkt genannt würde.


    Silke: Wenn du selbst das Gefühl hast, dass das Manuskript nicht ganz ausgereift war, hast du deine Antwort ja eigentlich schon.

  • Ich finde grundsätzlich die Diskrepanz schwer auszuhalten. Auf der einen Seite fühle ich mich winzig klein, weil ich einer von 100 Billionen bin, der der Agentur was auf den Tisch packt. Auf der anderen Seite denke ich, dass ich es doch bin, der die produktive Leistung erbringt. Und manche Agenturen schreiben auf die Homepage, man möge es als Absage betrachten, wenn man kein Antwort bekommt. Nicht mal ein Antwort! Schon a bisserl respektlos. Gern träum ich davon, diesen Agenturen eine Mail zu schreiben: “Wenn Sie in den nächsten acht Wochen kein Manuskript bekommen, dann betrachten Sie das als Absage.”

    P.S.

    Am Anfang des Jahres habe ich von mir aus einen Agenturvertrag gekündigt. Da kam ich mir fast ein bisschen größenwahnsinnig vor.

  • Schon a bisserl respektlos.

    Na ja, ein bisschen respektlos ist auch, was den Agenturen (und Verlagen) so zugeschickt wird. Ich habe mir das schon mehrfach angeschaut, und es ist teilweise wirklich haarsträubend. Selbst der Aufwand, die Fotokopie einer Formablehnung in einen Umschlag zu stecken, zu etikettieren und zu frankieren, ist da unangemessen. Es werden grausige, ausdrucksschwache, dämliche, unlesbare, katastrophale Texte versendet, handschriftliche Traktate, totaler Blödsinn, Texte in unbekannten Fremdsprachen, wirklich wahnsinniger Mist. Es ist nicht respektlos, darauf nicht zu antworten. Es dient dem Selbstschutz. Sie schreiben ja nicht, dass sie dadurch absagen, dass sie nicht antworten. Sie schreiben, dass es auch eine Absage ist, wenn sie nicht antworten.