• Ihr Lieben,

    ich muss mal meinen Frust und meine Wut ablassen. Heute Nachmittag schrieb mir eine Bekannte, sie liege mit Corona im Bett. Ich hab Blümchen gekauft und bin zu ihr gefahren. Ihr Mann machte auf und auf meine Frage hin, ob ich was einkaufen solle, weil sie ja nun alle in Quarantäne sind erfahre ich: nö, er ist seit drei Tagen nicht mehr in Quarantäne. Meine Bekannte habe sich halt erst am Donnerstag testen lassen.

    Sie war die ganze Zeit über arbeiten und ganz normal draußen.:bonk

    Am liebsten hätte ich die Blumen wieder mitgenommen. Wegen solcher Leute müssen wir nun alle wieder in den Lockdown. :wut

    Was ich auch nicht verstehe: als mein Vater positiv getestet wurde, waren wir SOFORT in Quarantäne und mussten SOFORT vom Gesundheitsamt angeordnet zum Testzentrum fahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei ihr anders war.

    Danke fürs Zuhören.

  • Meine Nachbarn haben auch gestern noch eine riesige Party gefeiert. Hat durch den ganzen Hof geschallt. Als ob nix wäre.

    Da kann man nicht viel machen, oder man wird noch ganz blöd im Kopf. Leider kommen die Behörden schon jetzt kaum noch hinterher. Wir können nur alle an unsere eigene Vernunft appellieren und mit gutem Beispiel voran gehen.

  • An der Uniklinik bei uns in der Nähe müssen positiv getestete Pfleger weiterhin zur Arbeit. Das weiß ich von einer Krankenschwester, die dort arbeitet. Und das ist in vielen Kliniken so, stand ja auch zwischendurch mal in der Presse.

    Ich gehöre zu den Leuten, die die ganzen Monate über sehr achtsam mit Kontakten waren, weil es mir wichtig ist, andere zu schützen.

    Ich kann aber nachvollziehen, dass am Sinn der Maßnahmen gezweifelt wird, wenn positiv Getestete mit Kranken arbeiten dürfen. Man kann nur hoffen, dass daraus mal gelernt wird, denn dass es an Pflegekräften mangelt, ist ja (leider) nichts Neues.


    Bei Bekannten von uns hatte das jüngste Kind Kontakt zu einem positiv getesteten Kind aus dem Kindergarten. Das Kind und die Eltern mussten in Quarantäne, die beiden Geschwisterkinder nicht. ?!?Allerdings sind da dann alle in Quarantäne geblieben. Aber so werden das nicht alle Familien gehändelt haben ...


    Und ich kenne auch einige, die die typischen Symptome hatten und nicht getestet worden sind. Entsprechend haben die dann aber auch keine Anordnung zur Quarantäne bekommen (ich hatte zu den Personen keinen Kontakt, aber sonst hätte ich mich notfalls freiwillig testen lassen, da ich einige Risikopatienten in der Familie habe).


    Und Silke Porath ich hoffe dein Papa hat sich gut erholt?

  • Kiana, mein Vater war symptomlos, läuft aber jetzt wie ein Roboter... er fuhr im Frühjahr noch hunderte Kilometer mit dem Rad; er hat Gedächtnisprobleme, schnauft wie eine Dampflok und die Nierenwerte sind unter aller Sau.

    Mein Mann ist Franzose und wenn wir deren Nachrichten mit unseren vergleichen... boah.

    Und dann hatte ich heute den Auftrag für die örtliche Käsepresse, Halloweenkids zu fotografieren. Ich habe nach drei Stunden exakt eine Familie gesehen. Kinder ungeschminkt. Eltern auf RTL2-Niveau unterwegs. Ich habe nicht angehalten. Reportage fällt aus und damit mal wieder ein bisschen der Kohle, die mir seit März empfindlich fehlt

  • Kopf hoch!:)



    Basti und ich sind geschäftlich immer noch quer durch die Republik unterwegs, an uns geht der Virus laut Beschränkungen ja nicht. Wir haben seit Dez. letzten Jahres nicht einen Tag Urlaub oder Kurzarbeit gehabt, oder auch nur im Traum an Pausieren denken können. X/


    Unser AG kümmert sich so gut es geht um unseren Schutz, aber meistens scheitert es ja an den anderen Mitmenschen im Umfeld. Abgesehen von den Geschäftsreisen wurde bei uns alles eingestellt, was nur irgendein Risiko enthält und dennoch erwischt es einen Kollegen nach dem anderen.:(


    Uns hat niemand beklatscht, wir haben keinen zusätzlichen Cent, sondern Überstunden zu sehen bekommen. Gesellschaftlich komplett isoliert und jetzt auch noch voneinander getrennt, weil wir aus zwei verschiedenen Haushalten kommen und Rücksicht auf unser Umfeld nehmen.:/


    Im Bekanntenkreis habe ich ein paar gesundheitliche und wirtschaftliche Corona Opfer, viele von ersteren kämpfen immer noch mit körperlichen Beschwerden. Wenn ich dann die selbsternannten "Querdenker" sehe, bekomme ich einen Hals vom Ausmaß einer Keksdose, diese "Lebewesen" sind mit einer der Gründe, warum der ganze Spuk nun von vorne los gehtX(.



    Ich wünsche euch allen ganz viel Gesundheit, bleibt wenn ihr könnt, zuhause und vor allem, bleibt bitte Gesund:blume:blume


    Herzliche Grüße von GreenHorn & Freund

  • Man sollte sich nicht so sehr von Einzelfällen und Einzelmeldungen unterkriegen lassen. Es gibt meiner Überzeugung nach weit, weit, weit mehr recht vernünftig agierende Menschen da draußen als "Querdenker", egoistische Arschlöcher oder, und das sind die schlimmsten, solche Leute, die andere ermahnen, aber im eigenen Umfeld nachlässig agieren. Man sollte sich möglicherweise auch nicht von Begriffen wie "Hotspots" dazu verleiten lassen, hinter den Zahlen immer einzelne Mistmaden zu suchen; ich kenne nicht wenige Leute, die sich äußerst vernünftig verhalten, zu einem Gutteil qua Beruf - ich habe ja mit der Pflege zu tun -, die sich aber dennoch infiziert haben. Wir sind in einer verdammten Pandemie, in einer Sondersituation, und das ändert sich nicht durch die Nachrichtenlage, durch das Geschrei einzelner, durch "Gefällt mir"-Klicks an der falschen oder der vermeintlich richtigen Stelle, sondern es muss einfach bestmöglich überstanden werden. Und dazu gehört m.E. auch, dass man nicht ständig den Blues bekommt, wenn es krasses Fehlverhalten gibt oder die besonders mental Schallgedämpften schon wieder Hefe, Klopapier und Nudeln horten, sondern auch im Blick behält, dass es ganz überwiegend einen bewundernswerten Umgang mit der Situation gibt, und sehr, sehr viel Solidarität. Wozu auch Angebote wie Patreon gehören, die sich jene unter uns, die wirtschaftlich besonders leiden, mal anschauen sollten.

  • Kiana, mein Vater war symptomlos, läuft aber jetzt wie ein Roboter... er fuhr im Frühjahr noch hunderte Kilometer mit dem Rad; er hat Gedächtnisprobleme, schnauft wie eine Dampflok und die Nierenwerte sind unter aller Sau.

    Mein Mann ist Franzose und wenn wir deren Nachrichten mit unseren vergleichen... boah.

    Das ist übel mit den Beschwerden, die dein Papa hat. Ich hoffe, dass er sich wieder vollständig erholt.

  • Es gibt meiner Überzeugung nach weit, weit, weit mehr recht vernünftig agierende Menschen da draußen als "Querdenker", egoistische Arschlöcher oder, und das sind die schlimmsten, solche Leute, die andere ermahnen, aber im eigenen Umfeld nachlässig agieren.

    Aber um genau diese Minderheit geht es aktuell doch. Zu viele schnallen es einfach nicht, dass wir mitten in einer Pandemie stecken, in einer absoluten Ausnahmesituation also, wie sie in einem Jahrhundert vielleicht ein oder zweimal vorkommt, dass es eben nicht um eine Art besonders fieser Grippe geht, die aber, wie sonst auch, im nächsten Frühjahr schon von alleine verschwinden wird oder dass eines Tages die Kirchenglocken läuten werden, die Menschen sich freudentrunken um den Hals fallen und ausrufen: „Der Krieg ist aus!“ Oder ins Akutdeutsche übersetzt: „Der Impfstoff ist da!“.


    Wenn nur einer von zehn ein „Querdenker“, ein egoistisches Arschloch oder einer der freundlichen Sorglosen ist, die im Bus mal kurz die Maske runterziehen, um ins Smartphone zu trompeten, dass sie in zehn Minuten zu Hause sein werden und während dieser zehn Minuten detailliert den banalen Quark auflisten, mit dem sie zehn Minuten später ihre bessere Hälfte auch en direct langweilen könnten, dann reicht das aus, um die Pandemie munter am Laufen zu halten. Oder die glauben, mit zig Gästen den zwanzigsten Geburtstag ihrer Tochter feiern zu müssen, weil man ja nur einmal im Leben zwanzig wird. Oder die unablässig das Mantra herunterbeten, wegen dieses blöden Virus könne man ja nicht aufhören zu leben. Ich bitte dann die Betreffenden, das auch den Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser zu erklären.

    Und dann gibt es noch die, die besorgt sind, nicht um sich, nein, nein, ganz altruistisch und muttertheresamäßig um andere, um die Alten und die Risikogruppen, die es zu „schützen“ gelte, und die in Wirklichkeit das Wegsperren dieser Gruppen meinen. Oder die das Tragen einer Maske als einen gravierenden Eingriff in ihre persönlichen Freiheitsrechte empfinden, das aber nur selten einmal laut sagen und sich stattdessen um die “armen Kinder“ sorgen, die vom Maskentragen für den Rest ihres Lebens traumatisiert sind, wofür ich selbst bislang nicht den geringsten Anhaltspunkt gefunden habe, für das Gegenteil hingegen schon. Und dann frage ich mich, was diese besorgten Heuchler den Kriegs- und Nachkriegskindern zu sagen hätten, den während der Bombennächte Geborenen, denen, die die beiden folgenden Hungerwinter überlebt haben, die aufgewachsen sind in zerstörten Städten, die nicht anders ausgesehen haben wie das heutige Aleppo, ja, was hätten sie diesen Kindern von damals zu sagen, die die Alten von heute sind, die, die sie am Liebsten eher heute als morgen auf die Eisscholle setzen würden.

    Weil, ja ... das Leben muss halt weitergehen.


    Zweifellos ist es so, dass die Mehrzahl der Menschen verantwortungsvoll mit den Herausforderungen und Einschränkungen umgeht, mit denen wir alle, ohne jede Ausnahme, konfrontiert werden. Aber das reicht eben nicht. Wir könnten jetzt noch dieselben Fallzahlen wie im Sommer haben, wenn da nicht so viele Menschen gemeint hätten, und viele meinen es noch immer, es sei jetzt einfach mal genug mit dem Virus, und die daraufhin wider alle Logik und Vernunft für sich Sonderrechte geltend gemacht haben, mit dem Resultat, das jetzt wieder alle in den Panikmodus wechseln lässt.


    Natürlich gilt es, die Pandemie bestmöglich zu überstehen, sich nicht von jeder Einzelmeldung runterziehen zu lassen. Und jedes Mal, wenn ich versuche, mir das klarzumachen, stelle ich mir dennoch die Frage, um wie viel leichter es für uns alle wäre, gäbe es nicht die Egoisten, die Besserwisser und die Sorglosen, die die Anstrengungen der Mehrheit fortwährend sabotieren.


    Doch, ich bin wütend. Zu oft und zu sehr.


    Herzlich Grüße,


    Jürgen

  • Aber um genau diese Minderheit geht es aktuell doch.

    Ich fürchte, man muss in jeder Situation mit Gruppen leben, die sich etwas verweigern, das eigentlich Konsens zu sein scheint, und es kommt mir vereinfachend vor, die "Schuldigen" für die derzeitige Entwicklung (nur) dort zu suchen. Man macht sich außerdem die gleiche Verallgemeinerung und Vereinfachung zu eigen, die dem Verhalten solcher Gruppen zugrundezuliegen scheint.


    Nach allem, was ich weiß, verstanden zu haben meine und hier in meinen eigenen Worten wiederhole, gibt es fraglos diese Spots, diese Superspreader, diese Events, von denen einiges ausgeht. Aber es gibt auch Infektionsgeschehen abseits dieser Exponenten, und auch dieses Infektionsgeschehen entwickelt sich gerade exponentiell. Ich meine nicht, dass die übliche, tägliche und nahezu unvermeidliche Infektion, die gerade jetzt, im Herbst, leichteres Spiel hat, einen deutlich geringeren Anteil am Geschehen hat als das, was die erwähnten Minderheiten tun oder auslösen. So, wie diese Leute nach Sündenböcken suchen, verhalten wir uns aber auch, wenn sie für den gesamten Coronafrust verantwortlich machen. Ich will damit nicht sagen, dass das keine verantwortungslosen Arschlöcher sind, ich möchte nur davor warnen, sich alleine auf diese Leute zu kaprizieren. Oder alle Hoffnung darauf zu setzen, dass ihre erfolgreiche Einschränkung das Ende der Pandemie einläutet. Das wird es nämlich nicht tun.


    Ich balle auch die Faust in der Tasche, wenn jemand morgens in die Tanke kommt und sich gerade mal verschämt den T-Shirt-Kragen über den Mund zieht, wenn sich die Kids zum abendlichen Saufen im Park zwei Blöcke weiter treffen oder in der Kneipe neben der meines Freundes, der seit Monaten kämpft, aber jede verdammte Regel einhält, Partys gefeiert werden, und manchmal hole ich die Faust auch aus der Tasche, mache das Maul auf, ventiliere meine Wut, denn natürlich machen mich diese Leute auch wütend. Aber sie tragen nicht die alleinige Schuld. Und sie sind auch nicht verantwortlich dafür, dass das Scheißding immer noch unterwegs ist.


    Was ich sagen will. Das ist Schwarzweißmalerei.

  • Ich habe gerade die Lektüre "Nemesis" von Philip Roth beendet und es gab einige krasse Parallelen. Tauscht man die Jahreszahl 1944 durch 2020 und den Begriff Polio durch Corona, schwupps befinden wir uns mitten in unseren aktuellen Ängsten, unserer Hilflosigkeit und ausreichend Schuldzuweisungen. Irgendwie gruselig. Gestern in unserem Lieblingsrestaurant tat es sehr weh zu sehen, dass die schließen müssen, obwohl alles gut funktioniert, im Gegensatz zu einigen Fleischereien im Land.


    Liebe Silke, hattest du nicht über die solidarisch-unentwegten Besucher des nachgeholten Krämermarkts auf dem Balinger Messegelände in der Zeitung berichtet? Orientieren wir uns an den guten Beispielen ...


    @ wenn mir jemand eine Künstlerkasse o.ä. nennen kann, zwecks Spende, würde ich mich freuen. Trotz betriebsbedingter Kündigung im Frühjahr habe ich das Glück, wieder in Lohn und Brot zu stehen, und Comedy/Kabarettsendungen sei Dank den Humor behalte ich auch den Humor.

  • Liebe Silke, hattest du nicht über die solidarisch-unentwegten Besucher des nachgeholten Krämermarkts auf dem Balinger Messegelände in der Zeitung berichtet? Orientieren wir uns an den guten Beispielen ...

    Hey, bist Du wieder da? Wie schön!

    Ja, darüber habe ich berichtet. Und gestern hätte ich Kinder finden sollen, die Halloweentechnisch um die Häuser ziehen. Da waren KEINE, und das hat mich absolut gefreut. Die einzigen, die ich gesehen habe, waren unmaskierte Kinder samt Eltern, welche ich aus der Nachhilfe kenne und die... ähäm... bildungsfern unterwegs sind.

    Tom: ich habe mit Patreon angeschaut. Ich denke allerdings, dass sowas in Deutschland nicht funktioniert, zumindest nicht in unserem Metier.

  • Natürlich wird das Pandemiegeschehen nicht ausschließlich von den Egoismen einer Minderheit getrieben. Da gibt es zum Beispiel die Seniorin, die nach einem Krankenhausaufenthalt wieder in ihr Pflegeheim zurückkehrt, trotz negativ ausgefallenem Coronatest tatsächlich aber mit Corona infiziert ist, im Heim unverzüglich ihre unmittelbare Mitbewohnerin sowie vier Pflegekräfte ansteckt, von denen zwei als Mitglieder einer Fahrgemeinschaft weitere Personen infizieren, von denen eine auf einer Beerdigung wieder andere Menschen ansteckt ... und so zieht das Virus weiter seine Kreise.

    Aber das Beispiel macht auch deutlich, warum es auf jeden Einzelnen ankommt. Niemand kann sich aus seiner Verantwortung herausreden. Und es sind ja nicht nur die Coronalleugner und die Egoisten. Seit dem Sommer beobachte ich bei vielen Menschen eine zunehmende Ungeduld und Sorglosigkeit im Umgang mit dem Virus, auch in meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis und sogar innerhalb der Familie. Das sind alles liebe, freundliche, hilfsbereite und ansonsten verantwortungsvolle Menschen. Keine Verschwörungstheoretiker und Coronaleugner. Aber seit einiger Zeit verhalten sich etliche dieser Menschen so, als könnten sie mit dem Virus verhandeln.

    „Also, Virus, du hattest genug Spaß. Deshalb hältst du dich jetzt mal für die Dauer der Geburtstagsfeier etwas zurück. Sagen wir bis acht Uhr. Okay?“

    „Einverstanden“, sagt das Virus. „Bis acht also. Aber keine Minute länger.“


    Das entspricht dem magischen Denken eines Vierjährigen. Aber wir reden ja hier von erwachsenen Menschen, die in immer größerer Anzahl so empfinden und entsprechend handeln. Ich sehe nicht, inwiefern das etwas mit Schwarzweißdenken zu tun hätte. Aber es ist eine Tatsache, dass manche Menschen das Pandemiegeschehen deutlich stärker treiben als andere, einerlei aus welchen Gründen, und ob ihnen das, was aus ihrem Verhalten folgt, gleichgültig ist oder nicht. Das ist die Feststellung einer Tatsache. Nicht mehr und nicht weniger.

    Die aktuellen Zahlen fallen ja nicht vom Himmel. Seit dem Sommer haben Mediziner und Pfleger vor einer Situation wie der jetzigen gewarnt. Das Beispiel Taiwan zeigt, dass es auch anders geht. Taiwan ist seit fast zehn Monaten coronafrei. Das wird ja wohl kaum am Wetter dort liegen oder am landestypischen Essen.

    Und auf der Südhalbkugel, speziell in Australien, ist die diesjährige Grippesaison de facto ausgefallen. Epidemiologen erklären das mit dem Tragen von Masken, dem Einhalten von Abstandsregeln und überhaupt dem vorsichtigeren Verhalten einer Mehrheit der Menschen, was im Vergleich mit den Vorjahren die Verbreitung von Influenzaviren deutlich eingeschränkt hätte. Und weil sich die Menschen dort dennoch mit SARS-CoV-2 infizieren, zeigt es gleichzeitig, dass dieses Virus deutlich virulenter ist als die Influenzaviren.


    Herbst hin, Winter her, es sind keine Fatalitäten, welche die Pandemie maßgeblich treiben. Wir tun das.


    Herzliche Grüße,


    Jürgen

  • Ich habe heute mit einem Freund gesprochen, der in New Jersey lebt und im September für ein paar Tage bei seinen Eltern in Deutschland war. Er sagt, er war sehr überrascht, wie unvorsichtig die Leute in Deutschland seien. In Ami-Land sei man sehr viel vorsichtiger als in Deutschland. Jedenfalls meinte er, ihn würde überhaupt nicht wundern, dass die Zahlen hier so in die Höhe gegangen sind. Er sagt, dort wäre viel mehr möglich, weil Restaurants, Fitnesstudios etc. viel mehr darauf achten, dass sie nur eine gewisse Anzahl an Leuten reinlassen, so dass immer genug Abstand herrscht. Dass sie dort insgesamt viel disziplinierter sind. Das fand ich sehr interessant.


    Deshalb hat er auch nicht die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich ihm erzählte, dass ich einen Flug nach Äthiopien gebucht habe. Ich musste nicht einmal ausführlich begründen, warum ich mich jetzt so entschieden habe. - Ich habe das gemacht, weil ich einen ganzen Winter hier in Berlin weitgehend eingesperrt nicht aushalte. Weil ich das Adane-Buch jetzt fertighabe (bis auf das letzte Kapitel, aber bis ich fliege, ist das auch fertig) und mit ihm daran arbeiten muss, damit es rund wird und ich damit nicht warten kann, bis Corona irgendwann vielleicht vorbei ist. Weil Adane jetzt Zeit hat und wenn Corona vorbei ist, nicht mehr. Weil dort die Sonne scheint und es warm ist und man viel besser Abstand halten kann, wenn man den ganzen Tag draußen sein kann. Weil die Zahlen dort niedriger sind als hier und die Leute mit der Erfahrung von Ebola und ähnlich üblen Krankheiten vermutlich ziemlich brav Masken tragen und so, weil sie einfach glauben, dass es besser für die Gesundheit ist, wenn Verantwortliche das sagen. Sie kämen nicht auf die Idee, sich deswegen über mangelnde Freiheit zu beklagen.


    Das ist meine Strategie für den Umgang mit der Pandemie. Ich bin extrem vorsichtig, treffe so gut wie niemanden mehr, weil ich das Virus nicht dort einschleppen will. Selbst wenn ich mir um mich selbst vergleichsweise wenig Sorgen mache (vielleicht auch nur, weil ich mich jünger und gesünder und unverwundbarer fühle als ich bin), will ich das vor allem nirgends hinschleppen und Schuld sein, wenn jemand anders es bekommt.


    Und ich blende ziemlich viel aus. Partys, große Treffen, etc. registriere ich am Rande, aber ich versuche, das alles nicht zu bewerten. Ich habe keine Energie, um mich aufzuregen. Ich bin traurig für die Restaurants, die jetzt wieder schließen müssen und denke auch, dass das nicht die glücklichste Entscheidung war. Traurig für die Künstler und alle in der Veranstaltungsbranche Tätigen, für die es weiterhin nicht gut aussieht. Aber ich freue mich, wenn Freunde aus eben diesen Branchen ihren Mut und ihre Gelassenheit behalten. Es hat so wenig Sinn, sich der Frustration hinzugeben.


    Ich wünsche Euch allen Gelassenheit und gute Strategien.

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • Ich habe heute mit einem Freund gesprochen, der in New Jersey lebt und im September für ein paar Tage bei seinen Eltern in Deutschland war. Er sagt, er war sehr überrascht, wie unvorsichtig die Leute in Deutschland seien. In Ami-Land sei man sehr viel vorsichtiger als in Deutschland. Jedenfalls meinte er, ihn würde überhaupt nicht wundern, dass die Zahlen hier so in die Höhe gegangen sind. Er sagt, dort wäre viel mehr möglich, weil Restaurants, Fitnesstudios etc. viel mehr darauf achten, dass sie nur eine gewisse Anzahl an Leuten reinlassen, so dass immer genug Abstand herrscht. Dass sie dort insgesamt viel disziplinierter sind. Das fand ich sehr interessant.

    Von welchem Amiland redet der? Von dem, in dem der amtierende Präsdient eine breite Coronaspur hinter sich herzieht?

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    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Ja, genau von dem. Die "normalen" Leute scheinen da jedenfalls disziplinierter zu sein. Vielleicht als Gegengewicht... :achsel

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • Ja, genau von dem. Die "normalen" Leute scheinen da jedenfalls disziplinierter zu sein. Vielleicht als Gegengewicht... :achsel

    Die normalen Leute sind auch hier disziplinierter. Es ist immer so eine Sache, ob man seinen persönlichen, beschränkten Eindruck "generalisiert", oder ob man versucht, die tatsächliche Situation einigermaßen in den Blick zu bekommen. In der Liste mit den Neuinfektionen und den Todesfällen durch Corona stehen die USA ganz oben, Deutschland kommt erst ganz weit dahinter.

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

    Einmal editiert, zuletzt von Horst-Dieter ()

  • Ich habe kürzlich mit einem Freund telefoniert, der derzeit in L. A. lebt. So, wie ich ihn verstanden habe, gehen die Leute dort eher nachlässig mit der Situation um. Eine Bekannte aus New York erzählte mir allerdings das genaue Gegenteil, wobei N. Y. schon ein Sonderfall ist, in vielerlei Hinsicht. Ich werde gleich mal einen Freund aus Boise, Idaho anpingen und den befragen. Der gehört gleich mehreren Risikogruppen an.

  • Die normalen Leute sind auch hier disziplinierter. Es ist immer so eine Sache, ob man seinen persönlichen, beschränkten Eindruck "generalisiert", oder ob man versucht, die tatsächliche Situation einigermaßen in den Blick zu bekommen. In der Liste mit den Neuinfektionen und den Todesfällen durch Corona stehen die USA ganz oben, Deutschland kommt erst ganz weit dahinter.

    HD, warum so angefressen? Ich habe lediglich seinen Eindruck wiedergegeben, den er im Vergleich beider Länder in den Dingen hatte, die ihn betrafen: Restaurants, Fitnessstudios, etc. Das könnte man auch einfach mal so stehen lassen als einen persönlichen Eindruck von jemandem, der nun gerade beides gesehen hat. Und ich kann zumindest für mich auch sagen, dass ich dieser Tage wieder merke, wie Leute auf der Straße Bögen umeinander machen oder auch im Supermarkt wieder mehr ausweichen. Die Tatsache, dass mir das jetzt gerade wieder verstärkt auffällt, bedeutet, dass das in den letzten Wochen/Montaten wohl eher weniger passiert ist. Was die Beobachtung meines Freundes über die Nachlässigkeit in Deutschland unterstreichen würde.


    Und möglicherweise ist da ja etwas dran: Weil eben die Zahlen in Amerika so hoch sind, nehmen "normale Leute" es im Alltag ernster. Während bei uns die Tatsache, dass es ja eigentlich zwischenzeitlich ganz gut aussah, zu mehr Nachlässigkeit führt. Wie gesagt, es ist nur eine Möglichkeit oder Idee, die ich nicht generalisiere.


    @ Tom: Ja, vielleicht ist NY ein Sonderfall, dieser Freund lebt nur eine halbe Stunde von Manhattan entfernt. Und vielleicht sitzt der Schock vom Frühjahr dort tiefer.

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • HD, warum so angefressen? Ich habe lediglich seinen Eindruck wiedergegeben, den er im Vergleich beider Länder in den Dingen hatte, die ihn betrafen: Restaurants, Fitnessstudios, etc. Das könnte man auch einfach mal so stehen lassen als einen persönlichen Eindruck von jemandem, der nun gerade beides gesehen hat.

    Ich weiß nicht, warum man etwas "stehen lassen" soll, das nicht als "persönlicher Eindruck" sondern eben generalisierend wiedergegeben wird. Es wurde ja nicht gesagt, dass man Manhatten mit Berlin vergleicht, sondern Amerika mit Deutschland. Und das ist dann kein persönlicher Eindruck mehr, sondern eine mehr als subjektive Meinung. Genauso wie die Einschätzung, dass dort drüben im Sommer alle vorsichtiger waren, wir hier aber nicht und deshalb jetzt die Infektionen steigen. Schaut man sich die Zahlen über den Verlauf an, dann sieht man, dass es in den USA auch immer Sommer immer schlimmer aussah als bei uns, und das nicht (nur) in absoluten Zahlen, sondern auch im Verhältnis (also pro 100.000 Einwohner). Selbst in Europa stehen wir nicht schlecht da, auch wenn es in einzelnen Ländern noch etwas besser aussieht als bei uns.


    Und nein, ich bin nicht angefressen. Solche Behauptungen reizen mich immer zum Widerspruch, bitte also nicht persönlich nehmen. Ich halte mich inzwischen oft zurück, aber manchmal kann ich einfach nicht anders. :achsel

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Was mir ehrlich gesagt Sorgen macht, sind die Schüler. Und zwar nicht die kleinen, sondern die ab der 9. Klasse. Mein Sohn hat ja derzeit wieder Distanzunterricht. Aber als er noch im Präsenzunterricht war, hat er erzählt, dass sich auf den Gängen und auch sonst im Schulgebäude viel zu viele überhaupt nicht um die Maskenpflicht kümmern. Er geht allerdings auf ein sogenanntes "Oberstufengymnasium", das heißt, dass dort nur Schüler ab der 9. Schulstufe unterrichtet werden. Da möchte man doch meinen, dass man die Anweisungen auch umsetzen kann.


    Aber in dem Alter gilt es offenbar im Gegenteil bei einigen als cool, "über den Dingen zu stehen". So eine Pandemie ernst zu nehmen, scheint bei den entsprechenden Schülern völlig uncool zu sein.


    Ich frage mich wirklich, warum man nicht Kinder ab einem Alter von 15 Jahren ganz einfach mit Maske in der Schule unterrichten könnte. Hier in Ö. haben die Schüler häufig Nachmittagsunterricht, und da Masken über acht Stunden tatsächlich sehr unangenehm sein können, fände ich es in Ordnung, wenn man die Unterrichtszeiten verkürzen würde. Hauptsache, es findet überhaupt Unterricht statt. Auf die Distanz am PC fällt es vielen Kindern auch in den höheren Jahrgangsstufen noch schwer.