Hardcover-Ausgaben und die Warterei aufs Taschenbuch

  • Ich mag keine Hardcover (außer bei Kochbüchern, da ist es okay ;)). Ansonsten sind mir Hardcover-Ausgaben viel zu unpraktisch beim Lesen, nicht nur auf Reisen. Taschenbücher kann ich mir wenigstens noch zurecht biegen. Trotzdem ist es bei manchen Büchern so, dass sie zunächst als Hardcover erscheinen und man dann ein Jahr (manchmal längr) auf das Taschenbuch warten muss. :| Angesichts der Hardcover-Preise gehe ich mal davon aus, dass die Verlage damit einfach mehr Gewinn machen, als mit Taschenbüchern (obwohl die auch immer teurer werden, insbesondere im Fantasybereich). Und weil viele vermutlich nicht auf das Taschenbuch warten wollen, wird eben doch die Hardcover-Ausgabe gekauft.

    Ich kenne jedenfalls niemanden in meinem Familien- und Freundeskreis, der Hardcover bevorzugt. Wenn sich jemand Bücher wünscht, dann ausdrücklich Taschenbücher und viele sind sowieso schon auf E-Books umgestiegen.

    Ist mein Umfeld nicht repräsentativ?

    Kauft ihr lieber Hardcover-Ausgaben?

  • Ich bevorzuge Hardcover-Ausgaben und mag Taschenbücher, die sich schon beim Angucken verbiegen, nicht.


    Taschenbücher biege ich auch nicht zurecht. Meine Taschenbücher sehen nach dem Lesen noch so aus, wie aus dem Buchhandelsregal gezogen. Meistens jedenfalls.

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    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Die höherwertige Ausstattung der Hardcover-Ausgaben alleine rechtfertigt den zum Teil erheblichen Preisunterschied nicht, und das soll sie auch nicht - man bezahlt nicht für das physische Produkt. Die Herstellung eines Buches kostet zwischen sechs und höchstens zehn Prozent dessen, was dann dafür im Laden verlangt wird (was noch sehr viel ist im Vergleich z.B. zu den Herstellungskosten, die manche Textilien haben). Beim Hardcover lassen sich die Verlage - und alle anderen Beteiligten, vom Autor bis zum Buchhandel - neben der höherwertigen Ausstattung also für andere Aspekte bezahlen, vor allem dafür, das Buch lesen zu können, bevor es möglicherweise als Taschenbuch erscheint, was übrigens auch nicht immer der Fall ist. Wenn ein Titel als HC-Ausgabe gnadenlos flopt, gibt es u.U. überhaupt keine Zweitverwertung. Denn das ist das Taschenbuch klassisch: Eine Zweitverwertung. Die günstigere und weniger hochwertig ausgestattete und "transportablere" Ausgabe war sozusagen für das weniger gebildete und/oder sozial und wirtschaftlich schlechter gestellte Volk gedacht, dem dennoch Zugang zu Literatur gewährt werden sollte (was die beschönigende Formulierung ist - man wollte auch an diesen Leuten Geld verdienen).


    Heutzutage erscheinen viele Titel schon bei der Erstveröffentlichung als Taschenbuch (meine bislang beispielsweise, bis auf drei Titel, die zunächst als Hybrid erschienen sind, als etwas höherwertiges "Paperback" (Klappbroschur), wobei dann ungefähr ein Jahr später die Zweitverwertung im kaum unterscheidbaren Taschenbuch erfolgte), aber sowohl aus Verlags-, als auch vor allem aus Autorensicht ist das Hardcover mit seiner höheren Spanne und seiner viel, viel höheren Akzeptanz im Feuilleton deutlich beliebter. Man verdient nicht nur mehr daran (Autoren haben so um die 80 Cent an einer Taschenbuch-Ausgabe und in aller Regel mehr als das Doppelte am Hardcover), sondern die Presse beachtet auch - was nur teilweise tradiert ist - die HC-Ausgaben eher. Man muss schon richtig Glück haben, um für eine Taschenbuch-Erstveröffentlichung ordentlich Presse zu bekommen; meistens bleibt man damit nahezu unbeachtet.


    Wann das Taschenbuch zum Hardcover kommt, hängt schlicht davon ab, wie gut das Hardcover läuft. Ein nachhaltiger Bestseller wird so spät wie möglich durch die TB-Ausgabe ersetzt, aber bei einem Achtungserfolg oder mäßig laufenden Titel oder bei Büchern, bei denen man das einfach erwartet, geht es innerhalb eines Jahres oder sogar noch schneller. Die Zweitverwertung muss übrigens nicht im selben Haus stattfinden. Titel, die sich an ein jüngeres Publikum (womit nicht Jugendliche gemeint sind) richten, gehen häufiger in die Taschenbuch-Erstverwertung. SF sieht man hierzulande immer noch sehr selten als Hardcover.


    Ich mag Hardcover aus optischen und haptischen Gründen lieber, aber Taschenbücher sind tatsächlich praktischer (und in vielerlei Hinsicht sind Ebooks noch viel praktischer, deren Preisgestaltung auch ein spannendes Thema ist), und aus Autorensicht möchte ich lieber so hochwertig wie möglich angeboten werden. Das passiert aber leider nicht immer, weil sich das erst mit Verkaufszahlen lohnt, die nur selten realisiert werden können.


    Jedenfalls kaufe ich das Hardcover, wenn es ein neues Buch gibt, das ich gerne lesen möchte. Ich warte nicht auf das Taschenbuch. Wenn ich aber auf einen Titel später zugreife, der schon länger am Markt ist, nehme ich es auch.

  • Hallo und danke für eure Antworten.

    Ich habe ganz selten auch schon zum Hardcover gegriffen, wenn ich nicht so lange auf das Taschenbuch warten wollte (um mich dann beim Lesen doch wieder drüber zu ärgern ;)).


    Und Danke Tom auch für die Infos, warum Hardcover aus Verlags- und Autorensicht beliebter sind.

  • Am Rande: Ab 22 Büchern soll ein E-Reader im Vergleich zu gedruckten Büchern ökologischer sein, habe ich zuletzt irgendwo gelesen.


    Was mich ja einigermaßen verwundert: Wenn ein Taschenbuch eine Zweitverwertung eines Hardcovers ist (unter Berücksichtigung der vorgenannten Einschränkungen), ist ein Hörbuch dann auch eine Zweitverwertung? Hörbücher erscheinen ja durchaus gleich mit der Erstauflage eines gedruckten Buches, meine ich, und dürften dann ja eigentlich den Preis nicht unterschreiten? Das ist aber bei Abolösungen durchaus der Fall.


    Abgesehen davon: Als Leser bin ich auch den Taschenbüchern mehr zugetan, einfach, weil sie praktischer zu handhaben sind.

  • Hörbuchrechte sind normalerweise Nebenrechte eines Buchvertrags. Das heißt, dass ein Verlag, der Buchrechte gekauft hat, im Besitz der Verwertungsrechte für Audiofassungen ist (und die Einnahmen hieraus auch mit dem Vorschuss für das Buch verrechnen kann!). In aller Regel bieten also die Verlage diese Rechte auch den Hörbuchverlagen und -verwertern an, wenn ein Buch geplant wird, aber Audiofassungen sind keine Druckwerke, unterliegen also weder der Buchpreisbindung, noch einer buchähnlichen Kalkulation. Die Kinokarte für die Verfilmung kostet ja auch nicht notwendigerweise ungefähr so viel wie das Buch. Hörbücher sind "Audiodramatisierungen", also gibt es neben dem Medienwechsel sozusagen auch inhaltliche Arbeit, und sei es nur die Modulation der Stimme der Sprecher.


    Ja, meistens erscheinen die Hörbücher parallel zur Erstveröffentlichung des Buches, manchmal aber auch erst später - ich verhandle gerade tatsächlich über die Hörbuchrechte meiner Backlist, weil bislang nur "Leichtmatrosen" und "Metting" als Hörbuch verfügbar sind, aber wohl Produzenten Interesse daran haben, auch einige der anderen Titel anzubieten. Die Vergütungsmodelle sind hier auch andere. Während man bei Print nahezu immer einen Prozentsatz vom Ladenverkaufspreis bekommt, gibt es hier ganz andere, zuweilen eigentümliche Modelle. Aber ich müsste tatsächlich mal nachschauen, was ich je Download bekomme, wenn jemand bei Audible im Abo ein Hörbuch lädt, das sonst über 15 € kostet. Ich melde mich dann!

  • Noch eine kleine Ergänzung: Üblicherweise enthält ein Verlagsvertrag so gut wie alle Verwertungsrechte für einen Langtext, aus dem u.a. ein Buch werden soll. Man nimmt höchstens die Filmrechte aus, um diese gesondert und verlagsunabhängig verticken zu können, aber auch das muss meistens erst ausgehandelt werden. Im Übrigen, und auch das wissen nicht alle, sind in der Regel Ausstattung und Titelei Sache des Verlags. Also entscheidet der Verlag sowohl darüber, wie das Buch aussehen wird, als auch über den Titel. Bestsellerautoren können hier natürlich Rückspracherechte einfordern bzw. verhandeln, aber Debütaten und Midlistautoren so gut wie nie.

  • Aber auch Taschenbücher pflege ich, knicke sie nie, empfinde knicken und womöglich noch Kaffeeflecken als respektlos gegenüber dem Autoren.

    Geht mir ähnlich. Ich mag deshalb gebrauchte Bücher nicht. Ich leide dann. Außerdem finde ich so manche Gebrauchsspur recht eklig, aber das ist eine andere Sache, über die mein Therapeut gerne spricht.

  • Ich gehe sehr pfleglich mit Büchern um (wenn man Bleistiftunterstreichungen nicht schon als Sakrileg empfindet), aber ein Taschenbuchrücken mit Lesespuren würde mich als Autor mehr freuen als ein makellos gebliebener ;-) (auch wenn ich weiß, dass man ein Buch so lesen KANN).

  • Damit ich Taschenbücher richtig aufklappen kann, knicke ich sie und das hinterlässt Spuren im Buchrücken. Ansonsten tue ich meinen Romanen nichts an :S, ich mag z. B. keine Eselsohren und benutze immer Lesezeichen. Ich denke aber: je verbrauchter ein Buch aussieht, desto häufiger wurde es vermutlich gelesen und das sehe ich dann auch eher als Kompliment an den Autor.

    Wenn ich allerdings Fachbücher lese (für Job/Weiterbildung), dann arbeite ich auch mit Bleistiftnotizen und Textmarkern in dem Buch. Das brauche ich dann, damit ich mir (besonders) relevante Inhalte besser einprägen kann.

  • Die Häufigkeit, mit der ein Buch gelesen werden kann, bevor es unbrauchbar geworden ist (bei normalem Gebrauch), ist bei gebundenen Büchern größer. Hinzu kommt, dass die Taschenbücher schneller altern, weil das Papier früher verdirbt. Taschenbücher aus den sechsziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kann man heute kaum noch lesen, weil die Seiten schon dunkelbraun sind. Hinzu kommt, das damals eine extrem kleine Schrift und kaum Rand bei Taschenbüchern weitverbreitet war. Lesen macht da keinen Spaß mehr. Hingegen kann man in gebundenen Büchern mit gutem Papier, die mehr als hundert Jahre alt sind heute noch gut lesen (wenn sie gut behandelt wurden).

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Ist nur die Frage, wie viele Menschen hundert Jahre alte Bücher lesen wollen. ;) Ich schätze, da ist die Zielgruppe eher klein. Wenn ich mir die ganzen Buchblogger so ansehe, sind die Bücher "in", die in den letzten Jahren bzw. ganz aktuell erschienen sind. Klassiker habe ich dort bisher gar nicht als Buchempfehlung entdeckt, aber das kann auch an den Bloggern liegen, denen ich folge (ich mag Thriller, Krimis und Fantasy). Finde das Prinzip der Nachhaltigkeit zwar gut, aber bei Büchern sehe ich keine Notwendigkeit von einer Haltbarkeit von so vielen Jahren (außer für ein Antiquariat, andererseits ist ja eh alles digitalisiert).

    Wobei ich mich erinnere, dass meine Oma noch gut erhaltene Pucki-Bücher hatte. Aber die waren dann doch sehr gewöhnungsbedürftig ... Ich mochte die Bücher von Astrid Lindgren lieber. <3

  • Die Bücher von Astrid Lindgren waren, soweit ich mich erinnere, im vorigen Jahrhundert keine Taschenbücher, meist auf gutem Papier gedruckt. Einige stehen auch bei uns noch im Regal. Denen sieht man das Alter durchaus an, sie sind aber alle in einem besseren Zustand, als Taschenbücher aus dem gleichen Zeitraum. Und sie wurden alle mehrfach gelesen. Das Argument, dass es die Herzen der Autorinnen und Autoren freut, wenn Bücher ordentlich "zerlesen" sind, stimmt ja nur halb. Wenn man dem zerfledderten Buch nicht ansieht, ob es "eine/r" oder "viele" zerlesen haben, geben sich die erfreute Autorin und der erfreute Autor einer Selbsttäuschung hin..


    Damit nicht der falsche Eindruck entsteht: Ich bin nicht gegen Taschenbücher, ganz im Gegenteil, es ist gut, dass diese erfunden wurden. Ich greife ja selbst immer wieder zu dieser Art Buch. Inzwischen gibt es auch qualitativ hochwertigere Taschenbücher, die durchaus billig produzierten Hardcoverausgaben qualitativ überlegen sind. Wenn es möglich ist, lese ich aber lieber in gebundenen Büchern. Wenn es sich nicht um kiloschwere Ausgaben handelt, empfinde ich das Lesen (auch das Halten des Buches) angenehmer. Bei extrem dickenTaschenbüchern empfinde ich das "Lesevergnügen" als Zumutung.


    Und zu den Klassikern und anderen älteren Büchern: Buchblogger, die sich an Trendliteratur orientieren gibt es viele. Die geben aber nur einen sehr engen Blick auf das, was geschrieben und gelesen wird - auf die zeitgenössische Trend-LIteratur also. Klassiker (und andere ältere Literatur) werden nach wie vor gelesen - und nicht nur von Literaturstudentinnen und -studenten. Selbst das, was an Taschenbüchern veröffentlicht wird, wird von diesen nicht annähernd vollständig erfasst.


    Das inzwischen "alles" digitalisiert ist, ist eine Vorstellung, die so nicht zutrifft. Es werden noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis solch eine Aussage ansatzweise korrekt sein wird. Vielleicht sogar ein Jahrhundert. Möglicherweise ist das aber auch nie der Fall.

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

    Einmal editiert, zuletzt von Horst-Dieter ()

  • Bei extrem dickenTaschenbüchern empfinde ich das "Lesevergnügen" als Zumutung.

    Ja :/ So einen Brocken lese ich gerade als Taschenbuch (ein Thriller). Aber insbesondere bei Fantasy gibt es oftmals nur noch ein sehr unhandliches Format, das größer ist, als das normale Taschenbuch. Ich überlege ja sowieso, mir doch mal einen E-Book-Reader anzuschaffen und das ist auch nochmals ein Argument dafür.


    Zu den Klassikern: Ich hatte gestern mal geschaut, ob es Studien dazu gibt, was gelesen wird, habe aber nur diesen Artikel gefunden, der meinen Eindruck bestätigt: https://www.tagblatt.ch/kultur…l-keiner-lesen-ld.1172748


    Ich hoffe auch, dass es auch in 20-30 Jahren noch gedruckte Bücher geben wird. Bin da aber nicht überzeugt von. Irgendwann wird die Jugend wahrscheinlich ganz entsetzt in den Geschichtsbüchern feststellen, dass man es tatsächlich gewagt hat Bäume zu fällen, um Papier herzustellen. ;)

    Viele Unternehmen funktionieren auch zunehmend papierfrei. Und dann gibt es noch die, die alles mögliche ausdrucken, sogar Excel-Listen. :D Noch sind die Unterschiede da sehr groß.


    https://www.digitale-sammlungen.de/ Auch mal eine interessante Übersicht.


  • Zu den Klassikern: Ich hatte gestern mal geschaut, ob es Studien dazu gibt, was gelesen wird, habe aber nur diesen Artikel gefunden, der meinen Eindruck bestätigt: https://www.tagblatt.ch/kultur…l-keiner-lesen-ld.1172748


    10 Bücher bestätigen den Eindruck, dass Keine(r) mehr Klassiker lesen will?


    <kopfschüttelmodus an>


    Es gibt auch nicht "die Klassiker" und sonst nur Genreliteratur. Dazwischen liegt noch eine ganze Menge.


    Und zur Digitalisierung: Da könnte ich noch mit weiteren Links dienen. Es ist schon viel digitalisiert, doch weitaus nicht alles. Meine im vorigen Post geäußerte Perspektive halte ich aufrecht. Außerdem ist diese Art von Digitalisierung nicht unbedingt für das Lesevergnügen gedacht. Vieles davon lässt sich nicht einmal vernünftig auf einen E-Book-Reader laden.

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • 10 Bücher bestätigen den Eindruck, dass Keine(r) mehr Klassiker lesen will?


    <kopfschüttelmodus an

    Der Artikel bestätigt meinen Eindruck, dass "alte" Bücher beim Großteil der Leser nicht mehr beliebt sind (wenn der Begriff Klassiker zu unscharf ist). Damit meine ich Titel wie "Emilia Galotti", "Kabale und Liebe", "Faust", "Der Sandmann" etc. Es kann zig andere Studien geben, die was anderes sagen, ich habe aber nichts weiter dazu gefunden. Wenn du dazu andere Infos hast, gerne her damit. Es würde mich wirklich interessieren.


    Außerdem geht es nicht speziell um diese zehn Klassiker. Es geht um Lesegewohnheiten. Das Erzähltempo ist ein anderes, die Lebenswelt und die Sprache natürlich auch. Das spricht junge Leser nicht mehr an. Aber manche Titel sind immer noch Pflichtlektüre in dier Schule.


  • Außerdem geht es nicht speziell um diese zehn Klassiker. Es geht um Lesegewohnheiten. Das Erzähltempo ist ein anderes, die Lebenswelt und die Sprache natürlich auch. Das spricht junge Leser nicht mehr an. Aber manche Titel sind immer noch Pflichtlektüre in dier Schule.

    Es geht, so kommt es mir zumindest vor, um Pauschalierungen. Klar ist bei modernen Autoren das Erzähltempo ein anderes (obwoh, auch nicht immer), Lebenswelt und Sprache sowieso, das ist so selbstverständlich, dass ich das gar nicht erwähnt hätte. Immerhin gibt es jetzt den Hinweis, dass "junge Leser" gemeint sind und das Schullektüre auch irgendwie eine Rolle spielt. Da scheinen mir die Aussagen schon etwas besser zu passen. Heute gab es in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über eine neue Flaubert-Übersetzung (Die Erziehung der Gefühle). Der Autor ist 1880 gestorben, also auch nicht mehr ganz frisch. Außerdem gibt es bereits einige Übersetzungen. Warum macht das der Verlag? Solch eine Übersetzung ist ein teures Vergnügen! Für Bücher, die nicht mehr gelesen und damit auch nicht gekauft werden, wird das kein Verlag machen. (Noch nicht einmal ein DKZV, denn die Autoren sind ja tot und können ihre Bücher nicht mehr selbst finanzieren :rofl ). Andererseits gibt es Verlage, die gerade deshalb Bücher drucken, deren Autoren mindestens 70 Jahre tot sind. Sie müssen keine Honorare mehr bezahlen. Billige Ausgaben fluten die Tische vor den Buchladen und werden gekauft (vielleicht sogar gelesen). Es gibt sogar Menschen (auch junge) die gerade Bücher mit "älterem Lesetempo" gerne lesen (außerhalb der Schule).

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    ASIN/ISBN: 3955403602


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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • In meiner Kindheit war es noch etwas Besonderes, ein Hardcover-Buch im Regal stehen zu haben. Man war stolz wie Bolle, dass man sich das "geleistet hat" (mein Schaaatz). Eigene Bücher waren Mangelware, in der Dorfbücherei gab es keine große Auswahl. So kam es mit dem Erhalt des ersten Taschengelds zum Erwerb von "möglichst viel Buch" in Form von Taschenbüchern, damals viel Trivialliteratur. Als ich die ersten Klassiker entdeckte, waren sie entweder nicht immer erhältlich oder sehr teuer und ich stöberte auf Flohmärkten danach. Mit den klassischen Autoren habe ich überhaupt erst erfahren, was Lesevergnügen heißt. Das Flohmarkt-Bücherstöbern wurde zum Hobby, egal ob Hardcover oder Taschenbuch, viele dieser Bände sind meine Lieblinge. Eine Widmung, ein Ex libris - Stempel mit altem Datum, eine alte Zeitungsnotiz, als Lesezeichen verwendet ... sie erzählen zusätzlich zum Inhalt noch eine Geschichte und haben einfach Charakter. Ich würde sie nicht hergeben wollen. Inzwischen beziehe ich zu 90 % gebrauchte Bücher, wenn gut erhalten, egal ob Hardcover oder Taschenbuch. Mit E-Readern kann ich mich gar nicht anfreunden. Bin wohl altmodisch :).