Streit um Asterix

  • Alles, was an Asterixstories nach René Goscinnys Tod herauskam, war schwach, wurde immer schwächer und auch nach Uderzos Ausstieg konnte bislang die Reihe nicht mehr zum Leben erweckt werden. Das Glück, das die Reihe Spirou und Fantasio nach dem Ausstieg des Erfinders (Franquin) hatte, noch einen fast genausoguten Nachfolger gefunden zu haben, blieb Asterix versagt. Es gibt sie aber noch, die alten Geschichten, und unter diesen ragt - für mich - das Heft "Streit um Asterix" hervor. Nicht der beiden Serienhelden wegen, sondern wegen des genialen Antagonisten "Tullius Destructivus". Er muss nur irgendwo auftauchen - schon ist Streit angesagt, und nicht zu knapp. Wenn er nachhilft, fliegen die Fetzen. Das alles schließlich in einer großen "Klopperei" endet, ist Asterix-typisch. Tatsächlich wird Destructivus schließlich mit seinen eigenen Waffen geschlagen.


    Der Comic enthält viel Lebenswirklichkeit. Wenn man genau hinschaut, findet man Typen wie Destructivus überall. Manchmal ist es diesen Menschen gar nicht bewusst, wie destruktiv sie handeln, nicht selten aber machen sie es provokativ und mit Absicht. Schaut man noch genauer hin, entdeckt man einen kleinen Destructivus auch bei sich selbst. Wer das verleugnet, hat nicht genau genug hingeschaut. Deshalb ist dieser Comic für mich ein Klassiker, den ich gleich neben Goethes "Wahlverwandschaften", Thomas Mann "Doktor Faustus" und Karl Mays "Winnetou I" stellen würde.


    ASIN/ISBN: 9783770436156

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    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Alles, was an Asterixstories nach René Goscinnys Tod herauskam, war schwach, wurde immer schwächer und auch nach Uderzos Ausstieg konnte bislang die Reihe nicht mehr zum Leben erweckt werden.

    So lange man damit noch Leuten das Geld aus der Tasche ziehen kann, wird es immer weitere Fortsetzungen geben, so wie es auch noch in 30 Jahren neue Star Wars-Filme geben wird.

    Pecunia non olet. :rolleyes:


    Es ist tatsächlich schon lange her, daß ich zuletzt einen Asterix gelesen habe. Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit doch mal wieder dem Comic-Buchladen einen Besuch abstatten und in nostalgischen Erinnerungen schwelgen. :)

  • So lange man damit noch Leuten das Geld aus der Tasche ziehen kann, wird es immer weitere Fortsetzungen geben, so wie es auch noch in 30 Jahren neue Star Wars-Filme geben wird.

    Das klingt danach, als würden die Leute unfreiwillig so etwas kaufen, gar unter Zwang, und es würden üble Tricks eingesetzt werden, um sie an die Kioske oder in die Kinos zu treiben. Tatsächlich ist das "Star Wars"-Franchise eine Gelddruckmaschine für viele beteiligte Firmen, aber die Begeisterung auch jüngerer Fans gilt einem, wie ich finde, qualitativ nach wie vor (und teilweise sogar mehr als früher, denn vor allem der drittletzte Film hat alles vorherige in den Schatten gestellt, außerdem ist "The Mandalorian" eine fast schon geniale Serie) durchaus überzeugenden Produkt, das ja auch nicht aus dem Nichts gekommen ist, sondern erst einmal ein Publikum generieren musste. Aber darüber, ob einem etwas gut oder schlecht gefällt, muss man nicht streiten.


    "Asterix" ist auch so lange fortgeführt worden, weil die Leser das wollten. Der jüngste Band, "Die Tochter des Vercingetorix", ging hierzulande mit einer Startauflage von 1,6 Millionen Exemplaren (eins Komma sechs MILLIONEN) in den Verkauf, und diese Startauflage wurde verkauft - und nicht etwa von Leuten, die mit gezogener Knarre dazu gezwungen wurden. Und auch wenn der Charme der früheren Ausgaben möglicherweise kaum noch vorzufinden ist, und sich die Figuren möglicherweise allmählich abnutzen, ist meines Wissens - ich besitze keinen einzigen Band, ich war nie ein Fan dieser Reihe - versucht worden, die Geschichte dem Zeitgeschehen und dem veränderten Umgang anzupassen. Es ist also keineswegs nur ein Verschachern an Nostalgiker.

  • Neben einigen wirklich unsäglichen Ausgaben (der absolute Tiefpunkt: "Gallien in Gefahr") befinden sich auch ein paar Perlen unter den späteren Alben. Unter anderem "Die Odyssee" und "Asterix im Morgenland". "Der Papyrus des Cäsar" und "Asterix in Italien" sind auch nicht schlecht. Insgesamt sehe ich eine Aufwärtsentwicklung, nachdem Uderzo endlich aufgehört hat.


    Meine persönlichen Favoriten sind "Der Kampf der Häuptlinge" (dieses Gag-Feuerwerk ist einfach unschlagbar) sowie das heute noch sehr empfehlenswerte Ökonomie-Lehrstück "Obelix & Co.Kg".


    "Streit um Asterix" als Paradebeispiel für gegenwärtige Phänomene und Entwicklungen herzunehmen, das ist ein hervorragender Denkanstoß. Auf den ist bisher meines Wissens noch niemand gekommen.

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Samuel Beckett (1906–1989)