• Volksmusik, bis zur Brust hochgezogene und über dem Hemd verschlossene Hosen, braune Sandalen über weißen Socken, verschmierte Brillengläser, verträumtes Herumspielen mit den oberen falschen Zähnen, Nasenhaare bis zum Kinn, das ganze Programm. Es ist unausweichlich, Sören. Mach Dich darauf gefasst. Viel Zeit hast Du nicht mehr. >>t


    Ich habe zwar eine gewisse Mäßigung festgestellt und denke auch in einigen Sachen anders als früher, aber in Sachen Volksmusik und Schlager empfinde ich heute noch genauso wie vor zwanzig Jahren. Ich hoffe inständig, dass sich das nicht ändern wird.


    BTW: Vor kurzem hast du noch von einem (verschobenen) Green-Day-Konzert berichtet, Tom. Daher habe ich noch Hoffnung für dich. Der Altersweg muss nicht zwangsweise in die falsche Richtung führen ...

  • Ich bin immer sehr skeptisch, wenn ich etwas von Autorenverlagen und -agenturen höre, oder von ähnlichen Initiativen in anderen künstlerischer Bereichen. Da schwingt die Überzeugung mit, Autoren wüssten besser als die ganzen Verlags- und Agenturkläuse, wie die Branche und das Geschäft laufen (nach dem Motto: "Sonst wäre ich selbst längst Bestsellerautor!"). Ich wage die Behauptung, dass das eine ziemlich verträumte Auffassung ist. Ich kenne nicht wenige ambitionierte Verlagsprojekte, die so entstanden sind, aber nur ein erfolgreiches, nämlich "Culturbooks" von Zoë Beck, bei dem sich die Initiatorin vorher umfangreiche Gedanken gemacht und intensiv internationale Kontakte genutzt hat. Alle anderen Autoren- und Autorengruppenverlage, die sonst so in den letzten zehn, fünfzehn Jahren entstanden sind, sind One-Wo*Man-Shows, die Nischenprogramme machen oder - unter Beteiligung zu vieler und weit von jeder Wirtschaftlichkeit entfernt - Anthologieprojekte, die dann an die Verwandten der Autoren verscherbelt werden, wo sie in den Billyregalen verstauben, weil der Inhalt ungenießbar ist. Das Verlags- und auch das Agenturwesen sind keine Sachen, die man beherrscht, nur weil man von sich glaubt, fiktionale Prosatexte verfassen zu können (was oft auch nicht stimmt, oder wenigstens nicht mit dem Zusatz "gute"). Oder weil man meint, einen technischen Kniff gefunden zu haben, der das ganze revolutioniert. ;)

  • Volksmusik, bis zur Brust hochgezogene und über dem Hemd verschlossene Hosen, braune Sandalen über weißen Socken, verschmierte Brillengläser, verträumtes Herumspielen mit den oberen falschen Zähnen, Nasenhaare bis zum Kinn, das ganze Programm. Es ist unausweichlich, Sören. Mach Dich darauf gefasst. Viel Zeit hast Du nicht mehr. >>t

    TOLL! Das eröffnet ganz neue Perspektiven. Kittelschürze bei Lesungen. Wasserwelle auf dem grauen Haupt. Zur Aufmunterung eine Einlage mit der Quetschkommode. :rofl

  • @ Ostelbe Sieben: Es spricht aus meiner Sicht ziemlich viel dagegen, nämlich schlicht und einfach die Tatsache, dass es dann auch jemand tun müsste. Ganz praktisch mit allem, was dazu gehört. Die 42er haben schon Anthologien (mindestens eine jedenfalls) herausgebracht, daher ist bekannt, was das an Arbeit kostet, nur bis zu dem Moment, in dem das "Ding" dann fertig ist. Da ist aber noch kein Exemplar verkauft, wo die Arbeit weitergehen würde.

    Ach so, und über Geld habe ich dabei noch nicht gesprochen - irgendjemand müsste das alles dann auch noch bezahlen. Selbst wenn (wovon nicht auszugehen ist) die Vereinsmitglieder die Arbeit einfach mal so neben ihren Jobs (die die meisten hier haben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern) und ihrer eigenen literarischen Produktion und allem, was sie sonst noch so im Leben zu tun haben, ohne Vergütung machen würden, würde auch der Druck Geld kosten. Und da vermutlich eben keiner alles andere machen würde (Lektorat, Korrektorat, etc.), würde auch das Geld kosten. Und wie gesagt: Nach all den Anstrengungen würde ein Produkt stehen, das noch verkauft werden muss.

  • Ach so... Nachtrag: Falls ich ein bisschen angep*** klinge, weil da jemand kommt und uns erklärt, wie wir mal Leben in die Forumsbude bringen könnten - nämlich vor allem, in dem wir doch ruhig etwas mehr machen könnten, selber aber bislang nicht unbedingt durch wahnsinnig konstruktive "Mitarbeit" aufgefallen ist, täuscht das nicht.


    @ A.J. Triskel: Sorry fürs Thread-Kapern.

  • Oder weil man meint, einen technischen Kniff gefunden zu haben, der das ganze revolutioniert. ;)

    Stimmt wohl, leider. Menschen hoffen seit jeher, durch irgend einen Kniff oder eine neue Technologie etwas zu verbessern. Ich bekenne mich selbst dieser Illusion schuldig. Leider hat jedes Schwert zwei Schneiden, und auch im Publishing-Bereich gibt es wohl nicht das perfekte Werkzeug. Alleine: Träumen darf man ja wohl, auch wenn die Träume nicht immer originell, und nicht immer realistisch sind. Ich träume davon, dass ich in diesem Bereich eines Tages etwas Neues versuchen kann. Ich arbeite dran. An irgendwas muss man ja arbeiten ...

  • lyrx: Das bezog sich aber nicht (nur) auf Deine Hashbook-Idee, die möglicherweise keine schlechte ist. Ich weiß nicht, wie viele Anfragen es über die letzten Jahre waren, aber es waren einige an mich, bei denen es darum ging, beim (technical) next big thing auf dem Literatur- bzw. Lesermarkt mitzumachen, meistens war es irgendwas mit Interaktion beim Lesen, oder mit flexiblen Geschichten, aber es ging auch um DRM-Varianten, Pauschalen fürs Gelesenwerden, ganz oft um irgendwelche Apps usw. usf. Von einigen Sachen sind Fragmente geblieben, andere wurden mit der Normalität gemergt, viele waren dann doch nicht so big. Ich habe aber für zwei Sachen sogar ein bisschen Geld bekommen, irgendwas aus den Niederlanden und dann ein Startup aus NRW, wenn ich mich richtig erinnere. Beide Anbieter gibt es nicht mehr. Was hoffentlich nicht an mir lag (ich war aber nicht der einzige Autor im Boot, lief über die Agentur).

  • @ Ostelbe Sieben: Ich habe das nicht als Vorwurf aufgefasst - denn ganz ehrlich, welches Recht hättest Du, hier irgendwem Vorwürfe zu machen. Oder zu meinen, die Leute sollten doch statt Forumsbeiträge verfassen sich mit der Arbeit an einer Anthologie beschäftigen.


    1000 Exemplare... Wer soll die bitte kaufen, wenn da aus jeden Beet 'ne Blume drin ist: Für die Liebhaber von Sci-Fi ist zu viel Liebesgedöns drin, die Liebhaber davon wollen lieber mehr Krimi... Vergiss das einfach. Es gibt nicht keinen Willen, es gibt schlicht keinen Grund, es zu machen.

  • Zur Erläuterung, Ostelbe Sieben:


    Was meinst du? Eine Anthologie "Von Autoren, für Autoren"? Kurzgeschichten bestimmter Genres? Eine vollkommen offene Anthologie? Du hattest eine Idee, aber das hast du nicht gesagt.

  • Hallo Ostelbe,


    danke für deine Erläuterungen. Jetzt verstehe ich, was dir vorschwebt.

    Du hast dir ein paar Gedanken gemacht, das ist immer gut.

    Es ist nun ohne ein paar Eckdaten ja sehr schwierig, zu einer Idee etwas zu sagen, gerade aus Sicht eines Vereins, der ja begrenzte Möglichkeiten hat ...

  • Oh, ich bin sicher, der Verein, der übrigens auch im Fall des Genitivs keinen Apostroph im Namen trägt, wird keine Anthologie mit Besprechungstexten herausbringen oder gar selbst verlegen. Jeder, der das tun mag, kann hier die Initiative dafür ergreifen, aber nicht zuletzt § 2.3 der Satzung des 42erAutoren e.V. verneint verlegerische oder in der Hauptsache herausgeberische Tätigkeiten, und das aus gutem Grund. Früher oder später kommen Autoren nämlich immer auf diese Idee: Hey, lass uns eine Anthologie herausgeben, das macht totalen Spaß, und wir haben doch tolle Geschichten fett auf Halde. Beides stimmt nicht. Es macht keinen totalen Spaß, sondern eine Scheißmenge Arbeit, und, nein, in der Summe sind diese Geschichten nicht total toll, sondern bestenfalls so lala. Unabhängig hiervon kauft aber absolut niemand solchen Kram, weshalb dann als einziges Pro die Selbstbefriedigung der Eitelkeit bleibt, und das geht einfacher. Deshalb haben wir uns dieses Nein damals in die Satzung geschrieben.


    Wir haben das nämlich schon hinter uns - im Jahr 1999, als der 42erAutoren e.V.gegründet wurde, begann alles mit einer Anthologie, die es übrigens immer noch im Handel gibt:


    ASIN/ISBN: 3831106797


    Der sensationelle achtstellige Verkaufsrang war zwischenzeitlich mal besser, aber nicht sehr. 8)


    Es gibt sehr viel Belletristik da draußen, weit mehr als genug. Mittelmäßige Anthologien aus lauter Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben und von Autoren stammen, die keiner oder kaum jemand kennt, werden nicht wirklich gesucht. Aber es steht jedem frei, das selbst auszuprobieren - dank BoD, ACS und KDP auch fast ohne wirtschaftliches Risiko, wenn man den Zeitaufwand nicht mitrechnet. Ich schreibe gerne einen Blurb oder das Nachwort. ;)

  • Tom, danke für diesen Hinweis, die kannte ich gar nicht.

    Ich hatte mich auf die Anthologie der Siegergeschichten des PP bezogen, weil ich mich - nur aus Erzählungen, nicht aus Beteiligung - erinnerte, dass das ziemlich viel Arbeit war. Der Verlag hat sie letztes Jahr verramscht, die letzten Exemplare stehen, wenn ich mich richtig erinnere, bei mir zu Hause (wo ich grad nicht bin, weshalb ich nicht nachschauen kann). Jedenfalls: Obwohl das alles prämierte Texte waren, hielt die Nachfrage sich sehr in Grenzen.