Druckkostenzuschussverlag - nachgeschaut

  • Ich habe mir mal wieder die Liste der DKZV vorgenommen. Sie ist immer noch lang, und vermutlich auch nicht vollständig. Bei einigen findet man den Vermerk erloschen oder sogar "in Insolvenz" - den meisten dieser ominösen Dienstleister geht es aber gut. Zu gut, meine ich. Schaut man sich auf den Verlagshomepages um, dann sind Neuerscheinungen ungebrochen und nicht in kleiner Zahl zu finden. Neuerscheinungen - für die die Autoren bereits so viel gezahlt haben, dass der Verlag seine Schäfchen im Trockenen hat.


    Und es wird weiter mit Tricks und Verschleierung gearbeitet. Beispiel aus dem Verlag, der sich mit dem Namen des Sohnes eines großen deutschen Literaten schmückt (völlig unberechtigt, wie ich meine!). Für Anthologien werden Beiträge gesucht. "Publikationskosten oder ein Druckkostenzuschuss werden nicht berechnet", steht im Kleingedruckten. Aber es steht da auch, dass für jede belegte Buchseite zwei Buchexemplare abgenommen werden müssen zu einem Preis von EUR 28,80. Und unter 4 Buchseiten geht nichts! Macht 230,40 Euro für die vier Seiten. Na, wenn das keine Publikationskosten sind. Nehmen wir mal an, es wird eine "schmale" Anthologie von 180 Seiten Umfang. Macht 180 x 2 x 28,80 = 10.368 Euro Einnahme für den Verlag. Noch kein Buch verkauft, schon im grünen Bereich, denn die Produktionskosten für dieses Buch - wenn es denn überhaupt gedruckt wird - liegen deutlich niedriger.


    Bücher aus solchen Verlagen finden nur selten den Weg in die Buchhandlungen und wenn, dann in der Regel durch das Engagement der Autoren.

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    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • In der Linkliste links ist das Impressum gut zu finden. Hinter diesem Angebot, das erst nach vielen anderen - unter anderem unseren - Initiativen gegen Zuschussverlage entstanden ist, steckt das Lektoratsangebot von Petra Schmidt, die diesen Weg m.E. auch nutzt, um für sich zu werben.


    Und, ja, es fallen immer noch zu viele auf diese Bauernfängereien herein. :(

  • Es geht auch so: Ich habe meinen allerersten "öffentlichen" Schritt in die Schreibwelt tatsächlich fast kostenfrei bei dem Verlag mit dem Großen Namen gemacht, mir 1 Exemplar gekauft (28,80 EUR) und es meiner Mutter geschenkt. Sie hat sich gefreut ;-) und ich nahm mit einem sperrigen Gedicht und dem Überwinden einer gewissen Scheu, dass nun "jeder" lesen konnte, was ich fabriziert hatte, Anlauf zu kleineren eigenen Projekten. Die DKZV-Initiative war mir damals bekannt. Dennoch habe ich zwei weitere Male den Verlag mit dem Großen Namen als Plattform für kurze Beiträge verwendet - zuvor das Kleingedruckte gelesen und es als ausreichend transparent betrachtet . Nach meinem letzten, komplett kostenfreien Beitrag erhielt ich allerdings keine Einladungen für weitere Beiträge mehr. Ist mir recht, bzw. egal, nicht mehr relevant - ich schreibe erstens zu meiner eigenen Freude und zweitens mit der Möglichkeit des Self-Publishing als Spielwiese (auch ohne Veröffentlichung, es sind gedruckte Schreibübungen, mehr nicht). Was ich sagen will: Nicht alle fallen auf hohe Kosten herein, man macht eine Erfahrung und findet eben neue Wege. Bei mir hat es etwas in Gang gesetzt, was ich als positiv empfinde. Wenn ich mir die Verlags- und Agenturseiten, den Literaturbetrieb so ansehe, dazu die ganzen Online-Möglichkeiten mit ihren Foren / Blogs / Diskussionen und diese mit meiner vorhandenen Zeit / meinem Unwissen usw. vergleiche, ist der Anreiz, dort womöglich etwas einzureichen, auch nicht größer. Ausnahme: Schreibwettbewerbe. Womit ich wieder beim Erfahrungensammeln wäre.

  • Am Samstag kam ein großer Artikel im Schwarzwälder Boten zum Stuttgarter Verrai-Verlag. Liest sich interessant, ich google und schaue in die DKZV-Liste, und ja, er ist auch aufgeführt, keine wirkliche Überraschung. Aber: Kennt jemand den Verlag aus eigener Erfahrung? Würde mich interessieren.

  • Hallo, Andrea.


    Dienstleistungsverlage sind Serviceunternehmen, die den Anschein erwecken, man würde über sie den Zutritt zur Buchbranche erlangen. Tatsächlich aber ist das nicht der Fall. Dienstleistungs-, Zuschuss- oder Eitelkeitsverlage stellen Bücher her. Sie machen das, indem sie eingereichte Manuskripte ein wenig korrigieren, nach Schema F ausstatten und drucken, auf Kosten der Einreicher. Die auf diese Weise hergestellten Bücher sind zumindest theoretisch erwerbbar, aber praktisch werden sie nicht gekauft, jedenfalls von niemandem außerhalb der Fensterkreuz mal Pi 200 Kontakte, die jeder ungefähr hierfür selbst aktivieren kann, aber auch nur beim ersten Buch, das auf diese Art sehr teuer hergestellt wurde. Aber das sind Binsenweisheiten, bekannt seit Jahren und inzwischen Jahrzehnten. Ich wollt's nur noch einmal erwähnt haben.


    Die Erfahrungen, die man mit solchen Firmen macht, sind immer die gleichen. Ich wüsste nicht, worin sie sich unterscheiden sollten, aber mich würde interessieren, worauf Du mit der Frage hinauswillst. Es gibt marginale Unterschiede. Die "Deutsche Literaturgesellschaft" beispielsweise sichert "Werbung auf internationalen Messen" zu, und tatsächlich haben sie einen kleinen Stand auf der Leipziger Buchmesse, der nur aus einem Regal besteht, in dem einige Bücher liegen. Der Stand ist nicht mit Personal besetzt, aber sie halten auf diese Weise das Versprechen ein, die Bücher auf der Messe zu präsentieren. Jedenfalls diejenigen Bücher, deren Autoren den Sonderpreis für die Messepräsenz gezahlt haben. Ganz ähnlich geht es bei all diesen Firmen zu. Das hat mit Buchmarkt nichts zu tun. Die Erfahrungen, die man teilen kann, betreffen also höchstens Preisgestaltung und persönlichen Umgang. Das ist aber nicht wirklich wichtig bei einem solchen Dienstleister. Das alles kann man außerdem in fair, drastisch billiger und mit sehr viel besserer Reichweite bei BoD- und anderen Selfpublisher-Distributoren bekommen.


    Du sprichst die "Nationalbibliothek des Deutschsprachigen Gedichts" an, wenn ich mich an den Namen der Anthologie richtig erinnere, veröffentlicht von irgendeinem dieser Goethe-Buden, Josefinemutzenmacher von Goethe oder Hugoegonbalder von Goethe oder so. ;) Mehrere tausend Gedichte - nämlich alle eingereichten - auf meiner Erinnerung nach ungefähr tausend Seiten, und jeder konnte dann zum Subskriptionspreis von um die 30 Tacken seine Exemplare abrufen. Sonst hat dieses Zeug niemand gekauft. Das Geschäftsmodell ist fast schon genial (gewesen - wenn mich meine Erinnerung nicht ein weiteres Mal trügt, ist die Reihe aus rechtlichen Gründen eingestellt), aber schöne Geschenke dieser Art kann man von Fotobuchfirmen herstellen lassen. Eine Tasse mit dem Gedicht, oder das Gedicht hinter Plexiglas oder als zehn mal zehn Meter großes Poster. Wirklich, das ist unter dem Strich das gleiche. Und auch das hat mit Literatur oder dem Buchmarkt nichts zu tun.


    Ich respektiere die bewusste Entscheidung, sich einen Dienstleister zu wählen, wenn man anderswo nicht unterkommt oder sich die Suche nach einem Publikumsverlag ersparen will. Wenn man aber weiß, dass nichts dabei herauskommen wird, was nahezu ausnahmslos der Fall ist, dann verstehe ich nicht, warum man diese Entscheidung trifft. :achsel

  • Hallo Tom,


    lieben Dank für deine Ausführungen, am besten finde ich den Hugoegonbalder von Goethe ^^ Ich sehe das schon auch so, letztlich ist es nicht nur Geschäftemacherei, sondern Betrug am Kunden.

    Ich will nicht darauf herumreiten, wollte aber mitteilen, dass mich diese Erfahrung immerhin einen Schritt weiter gebracht hat (und weg von DKZV), auch wenn es sich im Nachhinein um schön geredete Schreibübungen in einem aufgemotzten Format handelt.

    Da nun dieser Zeitungsartikel letzten Samstag erschien und ich den Verrai-Verlag nicht kannte, nahm ich den Faden nochmal auf. Aber klar, er ist auf der Liste und es ist dasselbe Prinzip. Die Hoffnung, dass es nicht so wäre, hat wohl mitgespielt ... vielleicht ebenso naiv wie meine Frage ans Forum, ob den jemand aus eigener Erfahrung kennt :help. Ich wollte es trotzdem wissen. Die Antwort ist klare Kante, dafür bin ich dankbar.


    Viele Grüße, Andrea

  • Hallo, Andrea.


    Ich habe jetzt auch mal ein bisschen gegoogelt - und bin dabei etwas überraschend auf die Site "kleinfairlage.de" gestoßen, die sich einfach das Kunstwort "fairlag" des gleichnamigen Bündnisses gegen Druckkostenzuschussverlage "ausgeliehen" haben. Das sollte man vielleicht mal verfolgen ...


    Du findest z.B. hier https://www.amazon.de/VERRAI-VERLAG/s?k=VERRAI-VERLAG eine Übersicht der Bücher aus diesem Haus. Ich denke, die Autoren, die dort genannt werden, sind entsprechend auch zu ergoogeln, und es wäre sicher spannend, vor allem mit denen Kontakt aufzunehmen, die nicht gerade ganz aktuell ein Buch am Start haben, sondern so vor ein, zwei Jahren bei "Verrai" haben publizieren lassen. Hier habe ich den Namen dieser Firma noch nie gehört und gelesen, und auch eine Forensuche - selbst im internen Bereich - fördert nichts zutage. Es ist halt einer von vielen kleinen Anbietern.