Was wir alles nicht brauchen

  • Die Raffgier des Handels gibt es nicht. Es sind Menschen, die dahinter stehen und die versuchen, eine für sich vernünftige Position innerhalb der Marktwirtschaft zu finden. Die Raffgier ist nicht auf Seiten des Handels, sondern auf Seiten der Konsumenten zu suchen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Der Handel ist hilflos, wenn keiner etwas will. Und "der Handel" ist auch eine Fiktion, zumindest in der Form, wie er hier global als Übeltäter hingestellt wird. Wenn Du, sagen wir mal, einen kleinen Schuhladen betreiben würdest, wären Dir die Konsumenten plötzlich enorm wichtig. Du müsstest, um die Miete für deinen Laden und die Löhne für deine Mitarbeiterinnen zahlen zu können, unglaublich viele Schuhe verkaufen. Und da wäre dir fast jedes Mittel recht, die Kunden in deinen Laden zu locken. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Was, bitte sehr, ist daran verwerflich?

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Zitat von Host Dieter

    Die Raffgier des Handels gibt es nicht. Es sind Menschen, die dahinter stehen und die versuchen, eine für sich vernünftige Position innerhalb der Marktwirtschaft zu finden.


    Steckt darin nicht ein Widerspruch?

    Stehen Menschen hinter einem System, stehen dort auch ihre Schwächen. (Oder ihre Nöte/ Bedürfnisse, wenn wir beim Beispiel mit dem Schuhverkäufer bleiben)

    Wenn man davon ausgeht, dass hinter jeder (ja, jeder!) Interaktion ein Gleichgewicht aus mindestens drei Teilen steht, das zusammen ein Ganzes ergibt, entsteht ein griffiges Modell zur Erklärung von vermeidlicher Raffgier. (Und auch, warum du angesprochen werden willst und Kirstin nicht).


    1. Ziel

    2. Beziehung

    3. Selbstwert (Oder nennen wir es: politisch-moralische Integrität)


    Beispiel:

    Wenn ich Schuhe verkaufe, ist es mein Ziel (1.) Schuhe zu verkaufen. Läuft der Laden gut, mache ich mir wenig Gedanken über den Rest. Läuft er schlecht, muss ich eine Strategie entwickeln: Kunden binden (2.), eigene Vorstellungen zurückschrauben (3.). Wenn das Ziel gleich bleibt, kann ich nur Abstriche an meiner Moral machen. (Oder an der Beziehung; nur wird der Laden dann noch schlechter funktionieren). Damit ist meine Position automatisch nicht immer vernünftig.


    Normalerweise nutzt man dieses Modell nur in „kleinen“ Interaktionen. Ich bin selbst überrascht, wie gut das auch im großen Maßstab funktioniert.

  • Sehe ich auch so... Danke für Deinen Post fand ihn sehr informativ...