Wie wichtig ist es, im Literaturbetrieb "anzukommen"?

  • Was macht man, wenn man als Person gar nicht vorzeigbar ist, nicht vor Publikum sprechen kann und gar nicht sympathisch rüberkommt? …

    Solche Leute gibt es nicht und das "sympathisch" kann man lernen. Wenn man will.


    Nachtrag: So mancher Handke Autor will das aber gar nicht, sympathisch rüberkommen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

    Einmal editiert, zuletzt von Horst-Dieter ()

  • Und wenn ein Debütant Ecken und Kanten hat, kommt er in die verlagseigene Schablone und wird dort für ein paar Minuten oder ein paar Stunden - je nach Typ - kalt gepresst, biss er ins Verlagsschema passt. :evil

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

  • Kalt gepresstes Autorenöl (extra vergine) ist am bekömmlichsten.


    Tatsächlich wurde ich damals, als ich mich persönlich beim Verlag mit meinem erektilen Debütroman, Die Tochter der Mutter der Wanderpäbstin, vorstellen musste, in eine sogenanntes "Autorenbriefingzimmer gebeten. Dort (es handelte sich um einen fensterlosen Raum, der üppigst mit allerlei fotografischem Equipment vollgestopft war), saß die ganze Verlagsleitung mitsamt der Marketingabteilung in roten Plüschsesseln – ich kam mir vor wie bei einer Casting Show.

    Ohne mich einzuweisen, wurde ich vom ungeduldigen Fotografen aufgefordert, mir eine Schreibmaschine unter den Arm zu klemmen, mein Gesicht war im Halbdunkel und ich sollte abwechselnd, bedeutungsvoll, schwermütig, hoffnungsfroh aus der Wäsche schauen, die ich des öfteren wechseln musste. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie viele verschiedene Klamotten und Perücken ich ausprobieren musste. Dann kamen noch Pfeifen, Zigarillos, falsche Schnurr- und Kinnbärte, sowie etliche Kopfbedeckungen nebst allerlei Gläsern, die ich halten musste (meistens Rotwein).


    Als sie zufrieden waren (Sie hatten sich für eine 70er Jahre IBM-Kugelkopfschreibmaschine, einen Dreispitz, einen Backenbart und eine Zigarette mit langer Filterspitze entschieden sowie eine Tequila Sunrise), schauten sie auf mein Manuskript und sagten schließlich, mein Image passe nicht zu dem Manuskript, dass ich anböte und so musste ich unverrichteter Dinge wieder abziehen.

  • Oh, welch eine Diskussion, die mich auch betrifft. Ich habe so Autorenkolleginnen, die können sich präsentieren wie Diven, und die bekommen objektiv mehr Lesungen und mehr Likes als ich, die ich eine unauffällige Erscheinung bin und das Rampenlicht eher meide als suche. Dazu schreibe ich über sehr ernste Themen und mache die Erfahrung, dass das Publikum von einer nicht so berühmten Autorin eher die leichte Kost annimmt. Meine Anthologien mit Lokalkolorit verkaufen sich weitaus besser als meine Erzählungen über Liebesleid, Krankheit oder gar Tod. Aber worum geht es mir? Was will ich schreiben und für wen?