Literatur-Rätsel: Scheidung mit Hilfe der Geister

  • Er gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller, dessen Leben in einem Maße erforscht ist, wie bei wenigen anderen. Manche rechnen ihn lediglich zur Trivialliteratur, während andere, auch Kollegen, ihn für einen echten Dichter halten. Er hat zeitlebens behauptet, kein Spiritist gewesen zu sein und für den Spiritismus nichts übrig gehabt zu haben. Das war vielleicht nicht gelogen, aber auch nicht die ganze Wahrheit. In einem Fall soll der Spiritismus ihm sogar zu einer Scheidung verholfen haben. Durch einen Schulfreund, der später nach Amerika auswanderte und dort den Spiritismus kennen lernte, bekam er Kontakt zu dieser okkulten Technik und auch zu entsprechenden Kreisen. Im Familien und Freundeskreis waren spiritistische Sitzungen danach durchaus üblich. Besonders die Frau eines guten Freundes die inzwischen auch zur guten Freundin der Gattin avanciert war, schien ein gutes Medium zu sein. Nach dem Tod des Freundes, der Fabrikant war, schloss sich die Witwe enger an die Schriftstellerfamilie an und wurde sogar zur Bewältigung der Briefpost des umfangreichen Briefwechsel mit den Fans des Meisters eingesetzt. Sie verstände ihn und sein Werk ohnehin besser als die eigene Gattin, bemerkte der Schriftsteller schon zu dieser Zeit. Bei einer gemeinsamen Reise dieses Trios nach Berlin kam es dann zum Bruch zwischen den Eheleuten und er beschloss, sich scheiden zu lassen. Damit war die Frau aber durchaus nicht einverstanden, denn allzu gut ließ sich inzwischen von den Einnahmen des erfolgreichen Gatten leben. Man fuhr nach Tirol, vordergründig um Erholung zu finden, doch musste die Gattin laut eigener, späterer Aussage, in einem anderen Abteil reisen als Gatte und Freundin. Klar, dass auch im Hotel dann die Gattin ein Zimmer für sich bekam, während der Schriftsteller mit der Witwe des Freundes eines zusammen nahm. In einem späteren Protokoll schrieb die Gattin darüber: »Schließlich hörte ich, wie mein Mann ins Bett der […] stieg und zweimal ›Hurra!‹ rief. Das Bett der […] stand direkt an der Verbindungstür zu jenem Zimmer.« Diese Nacht war aber noch viel folgenschwerer. Am nächsten Morgen präsentierte die »Freundin« ein Schriftstück, das sie in der Nacht ›unter Einfluss‹ geschrieben habe und auf dem stand: »Wenn du jetzt nicht unseren Willen tust und das unterschreibst, was dir […] vorlegt, dann wehe! Wehe! Wehe!«. Sie musste noch mehrere Wochen in Tirol in dem Hotel bleiben, während die beiden ›Neuverliebten‹ abreisten und ihr Mann die Scheidung vorbereitete. Sie wurde schließlich schuldhaft geschieden. Kurz darauf heiratete ihr Ex die Ex-Freundin.


    Wer war dieser Schriftsteller, der sich nicht zu schade war, die Hilfe der Geister zur Durchsetzung einer Scheidung in Anspruch zu nehmen?

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Ausführlich geschildert ist diese Episode in "Im Reiche des roten Adlers" von Anton Haider, im 3. Kapitel: "Rosenkrieg am Rosengarten".


    ASIN/ISBN: 3780201771

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    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Schönes Rätsel, leider allzufrüh und ein bißchen allzu lapidar gelöst. Das hätte ruhig länger gehen können.


    Ich mochte vor langer Zeit seine Bücher auch. Aber es gibt kaum einen Autor, dessen Leben ich lächerlicher, dümmer und abstoßender finde. Nach William S. Burroughs, Norman Mailer und Hemingway, den anderen Ekelpaketen in der Literatur, kommt wirklich gleich der christliche Karl May.