Tom im "Literaturcafé" über politische Korrektheit beim Schreiben und benachbarte Themen

  • Hallo, Robyn.


    Tyrannei ist die Willkürherrschaft eines Machthabers oder einer Clique. Wenn Gruppen dem Rest ihren Willen aufzuzwingen versuchen, kann man das Tyrannei nennen. Und, nein, es handelt sich nicht um Mehrheiten oder um große Bewegungen, sondern um Scheinriesen, die mit aggressiv repressiven Methoden versuchen, den Eindruck zu erwecken, sie wären wer/mehr, die akribisch und diktatorisch alles beobachten und energisch zuschlagen, sobald sich Angriffsflächen anbieten und zurechtgewiesen werden kann. Aber das spielt keine Rolle, denn im Kern sind die Vertreter dieses Weges zutiefst intolerant, außerdem sehr geltungsbedürftig - und auf eine Weise von der Korrektheit der eigenen Verfahrensweise (wir reden nicht über Ziele) überzeugt, die gar keinen Diskurs zulässt. So zeigt sich das auch aktuell. Und es geht auch nicht darum, dass eine Mehrheit oder große Gruppe die Programme irgendwelcher Comedians nicht mehr mag. Wenn das so wäre, würden die Comedians ihre Programme ändern - das sind schließlich keine Idioten. Die Auftritte werden gezielt gestört, um dem restlichen Publikum den Willen der Störer aufzuzwingen. Das ist Tyrannei.


    Der Cartoonist Martin Perscheid, den ich sehr mag, hat letztens auf seiner Facebooksite einen katholikenkritischen Cartoon veröffentlicht, und bevor jemand darauf reagieren konnte, schrieb er selbst als Kommentar: "'Mach das mal mit Muslimen' in drei, zwei, eins ..." - um diesen Reflex (die Illusion von der erwarteten Gleichbehandlung) zu verdeutlichen. Wenn man "Linke" im weitesten Sinne kritisiert und nicht im gleichen Atemzug "Rechte", dann muss man ja wohl selbst einer sein, also ein Rechter. So ein Blödsinn. Eine Meinungsäußerung muss selbst schon dialektisch sein? Und die Methoden, über die ich geschrieben habe, sind nun einmal aber nicht die Methoden der Rechten. Und diese waren nun einmal nicht Thema. Die Herrschaften versuchen auf ganz andere Weise, die Kunst zu beeinflussen, was vielleicht auch ein Anlass für einen Beitrag wäre. Aber dieser Beitrag hatte die existierende und meiner Meinung nach sehr gefährliche (auch die eigenen Ziele gefährdende) Tyrannei der politischen Korrekten zum Thema. Die ein Angriff auf die Kunstfreiheit ist. Und, mit Verlaub, dumm. Das hat nichts mit Sensibilität und Achtsamkeit und Adaption aktueller Themen zu tun. Autoren wären selbst dumm, würden sie nicht auf gesellschaftliche Bewegungen reagieren, und sie tun das ja auch - und sie können allein entscheiden, wann und in welcher Weise sie das machen. Aber hier wird versucht, ihnen Vorschriften zu machen, sie zu zensieren, und dagegen spreche ich.


    (Hast Du die Kommentare der Person, die sich "Muriel" nennt, im Literaturcafé gelesen?)

  • Nein, die Kommentare von Muriel dort habe ich nicht gelesen, deswegen schrieb ich ja auch wie ich Muriel hier in diesem Forum erlebe.


    Zu allem anderen: Wenn das dein Standpunkt ist, okay. Ich halte ihn für ebenso verzerrt wie andere Standpunkte. Und ich persönlich halte es für vollkommen unkonstruktiv Standpunkte zu diskutieren. Die Effekte und Bedürfnisse dahinter wären eine Ebene auf der man zu einem Konsens und konstruktiven neuen Erkenntnissen kommen könnte (Konfliktberatungen und Mediationen zeigen das sehr eindrucksvoll), aber solange Parteien nicht bereit sind auf diese Ebene zu wechseln, ist aus meiner Sicht jede Diskussion fruchtlos und vertieft ausschließlich bereits existierende Gräben.
    Auf deine Definition von Tyrannei kann ich mich auch zu Diskussionszwecken nicht einlassen. Insbesondere da ich bei dir in keinster Weise eine Bereitschaft sehe, einen anderen Standpunkt auch nur mal probeweise einzunehmen. Tut mir leid.

    Im Sinne der sozialen Medien hast du also "gewonnen", denn ich habe keine Lust auf Lautstärke und Isso-Argumente einzugehen. ;-)


    Lustigerweise bin ich vielen Dingen deiner Meinung, muss mich aber von deinem Vorgehen in der Diskussion so distanzieren, dass wir offensichtlich auf unterschiedlichen Seiten stehen. Also von meiner Seite aus, lasse ich die Argumentation mit dir (ausgenommen alle anderen) an der Stelle damit stehen, dass jeder seinen Standpunkt und seine Meinung eines sinnvollen Vorgehens hat. (Denn jetzt ebenfalls aufzuzählen welche Aussagen deinerseits ich für unsinnig halte, führt kaum weiter. Es sind die mit denen du meine für unsinnig oder falsch erklärst. Begründung habe ich zuvor bereits im ersten Beitrag genannt.)

  • Hallo, Robyn.


    Du hast die Kommentare dort nicht gelesen, die aber die anderen gelesen haben, die hier auf "Muriel" reagieren, und trotzdem beziehst Du Position. ;)


    Und mich deucht, Dein voriger Beitrag enthielt selbst einiges an "Isso-Argumenten". :) Aber ich relativiere gerne: Was ich schreibe und ausführe und als Beschreibung eines Zustands deklariere, entspricht meiner Wahrnehmung - und derjenigen sehr vieler Leute, mit denen ich gesprochen habe und immer noch spreche. Es haben sich nicht wenige bei mir gemeldet - Autoren, Comedians, Comiczeichner, Texter, sogar Redenschreiber (und ein völlig fertiger Soziologiedozent, aber das ist ein anderes Thema) -, und deren Wahrnehmungen decken sich mit meinen.

  • Okay, meines Wissens ist dies ein öffentlicher Bereich hier, oder? (Falls nicht ist es natürlich irrelevant wie die Reaktion auf Muriel hier wirken kann. Oder vielleicht ist das auch für niemanden von Interesse, dann sorry für mein "Position beziehen". Welche Position genau ist das eigentlich? Das ist mir nicht ganz klar. Und es tut mir auch, leid, dass ich hier offenbar etwas getan habe, das mir nicht zusteht.?)

    Aber ich weiß nicht, ob man davon ausgehen kann, dass jeder, der hier möglicherweise mitliest auch im Literaturcafé und auf Twitter/Facebook und Co mitliest. Ich tue es jedenfalls nicht und deswegen hat die nichtvorhandene Reaktion hier eben auch eine bestimmte Wirkung auf mich. Ich wüsste nicht, warum ich es nicht in Ordnung sein sollte, dies anzumerken.


    Immerhin schien es mir doch recht deutlich, dass nicht jeder in diesem Thread deine Einschätzung des von dir so benannten Shitstorms und den Reaktionen von Muriel teilt. Aber möglicherweise habe ich das fehlerhaft verstanden.


    Die Menschen die du anführst und die deiner Meinung sind, scheinen mir fast alle aus einer ähnlichen Ecke zu kommen. Dass EInschätzungen hier ähnlich sind, ist ja nun wirklich nicht besonders verwunderlich. Deswegen sind sie aber noch lange nicht automatisch wahr. ;-)

    Und sie zeichnen noch viel weniger eine umfassendes Bild der Situation. Das kann es doch nur geben, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt. Ich kann die Angst und Wut der von dir genannten Berufsgruppen verstehen. Absolut.

    Aber ich kann (vor allem seit ich in Köln lebe und ständig Kontakt mit dem Thema divers und Rassismus habe) die Meinungen und die Wut der Betroffenen genauso verstehen.

    Ich sehe aber leider auch, dass ich bisher fast ausschließlich mit einigen, die sich von veralteter Sprachgewohnheiten oder Witzen von Comedy und Satire angegriffen und ausgegrenzt fühlen überhaupt auf eine Art über dieses Thema sprechen konnte, das ein Interesse signalisierte, die Position der anderen und die Effekte, die wirksam sind, verstehen zu wollen, um gemeinsam daran zu arbeiten.

    Es tut mir sehr leid, wenn ich dich da missverstehe, aber bei kommt es nicht an, dass du verstehen möchtest, welche vielfältigen (für mich mal mehr, mal weniger nachvollziehbaren) Gründe die, die political correctness fordern, eigentlich dazu bringt.

    Falls du diese Intention irgendwo hast - kannst du sie zu mir durch deine Worte nicht transportieren.
    Ich kann meine Herangehensweise offenbar aber leider auch nicht verständlich machen.


    Ich würde mich aber sehr freuen, wenn du mir doch noch verraten würdest, was genau denn das Ziel des Beitrags war. Das meine ich jetzt wirklich ehrlich. Denn vielleicht verändert sich dadurch, dass mir deine ursprüngliche Intention klarer wird, mein Blick darauf.

    Immerhin erlebe ich dich bisher als jemanden, der sich durchaus überlegt, welche Intention er mit einem Text hat. Wenn ich es im Text bisher überlesen habe, entschuldige bitte.

  • Hallo Robyn,

    ich freue mich über deine Kommentare hier (Und würde gerne kurz in Richtung Tom noch mal anmerken: "Die Person, die sich Muriel nennt"? Meine Güte, ist es wirklich so unfassbar, dass jemand im Internet ein Pseudonym benutzt? Meine Kontaktdaten stehen im Impressum, einschließlich Telefonnummer, falls dir Adresse, Foto und Klarname nicht reichen und du auch noch meine Stimme hören willst. Wenn du magst, geb ich dir auch noch eine Faxnummer. Ich verstehe nicht, warum dauernd Leute das Bedürfnis haben, sich abfällig über meinen Nickname zu äußern, was tut denn das bitte zur Sache?), möchte aber der Fairness halber drauf hinweisen, dass ich mir tatsächlich eine konstruktive Diskussion mit Tom schwer vorstellen kann. Das liegt einerseits daran, dass ich Toms Artikel und seine Kommentare seitdem gelesen habe, aber auch daran, dass ich es für ein schlechtes Signal halte, freundlich und entspannt über rassistische, sexistische und sonstige gegen marginalisierte Gruppen gerichtete Meinungen zu plaudern. Ich hab das früher mal gemacht, aber seitdem habe ich ein paar Dinge gelernt und mehr darüber erfahren, wie viel Schaden so etwas anrichtet, und ich denke, wir können das derzeit auch an Erscheinungen wie Trump und der in kaum einer Talkshow mit passendem Thema fehlenden AfD bewundern. Insofern waren meine Kommentare drüben tatsächlich sehr unfreundlich, wenn auch (wie ich finde, aber was soll ich auch sonst sagen?) aus guten Gründen. Es steht uns (also Tom und mir) als Weißen Cis-Dudes nicht gut an, drüber zu diskutieren, ob wir N*** sagen dürfen, oder ob Misogynie witzig ist, während uns die Betroffenen klar sagen, wie unerträglich sie es finden. Beispiel: https://twitter.com/Congolese4…/1164625840807841792?s=20

    Und trotzdem darf ich vielleicht noch mal kurz darauf hinweisen, dass ich zu meinen Beiträgen dort in der Diskussion stehe. Mir wurde dort mehrfach vorgeworfen, andere als Rassisten zu diffamieren, und jedes Mal war dann das Gespräch auf ganz rätselhafte Weise vorbei, wenn ich fragte, wo ich jemanden einen Rassisten genannt haben sollte. Wäre als Einzelfall verständlich, denn es war eine lange und unübersichtlich Diskussion, und ich weiß im Einzelfall auch nicht jeden Kommentar auswendig, den ich geschrieben habe. Aber in seiner Häufung fand ich es irgendwie bezeichnend für die auch von dir schon beobachtete Larmoyanz und ich möchte fast sagen: Verfolgungskomplex der rechten Seite dieser Diskussion. Die eigenen Beschimpfungen müssen okay sein, wohingegen jede Kritik daran gleich Verfolgung, Unterdrückung, Tyrannei ist. Das Narrativ ist unaufrichtig und unanständig, und deshalb sind Leute, die das fahren, solange sie es fahren, aus meiner Sicht auch keine Diskussionspartner.

    Hm. Der Beitrag ist länger geworden, als ich dachte. Seh ich mal, wie schnell das geht. Und schon verstehe ich Tom ein bisschen besser.

  • Muriel

    Zitat

    Ich schreibe und lese viel und gerne und finde insofern, dass ich von der Idee her gut in ein Forum wie dieses passen würde.

    Na, dieser Absatz würde noch viel besser, vielleicht ein wenig ausgebaut, in den Vorstellungsthread passen. Hierorts heißt er Vestibül. ;)

    Übrigens finde ich es durchaus couragiert, dass du dich hier registrierst und sogar das Visier lüftest, nach all den Querelen betreffend Toms Artikel, der so ganz und gar nicht zu deiner Weltsicht passt. Ich mag es, wenn Leute zu ihrer Linie stehen.

    Und noch was: Ich habe mich nicht über deinen Nick lustig gemacht, sondern nur mit der Tatsache herumgespielt, dass du dich hinter einem weiblichen Vornamen quasi "tarnst". Und das Cis hast du selbst ins Spiel gebracht. ;)

    Weiters habe ich nichts gegen Menschen, die gegen Faschisten eingestellt sind, wie du irrtümlich annimmst. Ganz im Gegentum. :)

    Aber ich mag keine hysterischen Antifa-Typen, die meinen, alles was sich ihrer Weltsicht, wenn auch nur in Teilen, widersetzt, als rechtsextrem oder rassistisch denunzieren zu müssen.

  • Manuela, ich hab jetzt ein paar Minuten überlegt, was besser ist, aber weil ich persönlich Ungewissheit nicht so mag, find ichs netter, es zu sagen, statt einfach zu schweigen: Ich denke, ich beende das Gespräch zwischen uns mal. Ich habe auf deinen letzten Kommentar keine Antwort, von der ich glaube, dass sie in diesem Forum als angemessen durchginge, und dann antworte ich lieber gar nicht (mehr).

    Horrido.

  • Hallo, Robyn.


    Dies ist der öffentliche Bereich des Forums. Man kann hier alles mitlesen, auch ohne Registrierung. Ob auch jeder, der hier registriert ist und/oder mitliest, alles an Hintergrund- und Parallelrauschen wahrnimmt, das es zum Thema gibt, weiß ich nicht, aber es ist zu bezweifeln, schließlich gibt es eine ganze Menge davon. Ich habe Dich auch nur gefragt, ob Du die Kommentare von "Muriel" unter meinem Beitrag, um den es hier schließlich geht, gelesen hast. Ich habe Dir nicht Deine Meinung zu "Muriel" abgesprochen, sondern einfach nur eine Frage gestellt - eine naheliegende, denn die Kommentare folgen direkt dem Beitrag, gleich der erste Kommentar ist von "Muriel", und von den knapp 190 folgenden sind es mehrere Dutzend. Ich wollte nur wissen, ob Du das gelesen hast, um Deine Anmerkung einschätzen zu können.

    Unter meinem Beitrag sind die 42er verlinkt. Der Weg von dort zum Forum ist also nicht weit. Wenn man sich die "Wiwo"-Liste anschaut - oder während der vergangenen vierzehn Tage angeschaut hat -, dann sieht/sah man viele Gäste, die in diesem Thread hier unterwegs waren. Das sind Leute, die nachlesen wollen, was hier zum Thema gesagt wird.


    Zitat

    Die Menschen die du anführst und die deiner Meinung sind, scheinen mir fast alle aus einer ähnlichen Ecke zu kommen.


    Das ist eine ziemlich krasse Behauptung. Welche "Ecke" meinst Du? Die rechte Ecke? Das wäre nicht nur für mich Anlass, Dir ernsthaft böse zu werden. Nein, die gemeinsame Ecke ist bei positiver Auslegung Deiner Anmerkung diejenige der aktiven Künstler (aller Sparten und Genres), die sich in ihrer Arbeit und in ihrer Existenz bedroht fühlen, die Worte auf die Goldwaage legen müssen, die da nicht hingehören, die sich Angriffen und Unterstellungen ausgesetzt sehen, die nicht zu ihnen passen, meistens irgendwas, das schließlich auf -ismus endet. Die sich in einer Atmosphäre der Belauerung und des Misstrauens wiederfinden, weil eine falsche oder missverständliche oder durchaus richtige und so gemeinte Formulierung sofort ihren Weg zu den Henkern finden kann. Aber ich muss das nicht zum gefühlt tausendsten Mal erklären.


    Und, nein, mir mangelt es nicht an Empathie für Menschen, die sich Diskriminierungen ausgesetzt sahen oder sehen. Ganz im Gegenteil, ob Du's glaubst oder nicht (ich lasse die Betroffenheitskeule stecken, versprochen). Aber diese Empathie - ob echt oder nur vorgegeben - ist kein Regulativ für die Kunst und darf es nicht werden. Nur der Künstler selbst - und niemand sonst - hat darüber zu entscheiden, wie er seine Kunst intendiert, angelegt und gestaltet. Und auch bei der Kritik hat bitte die Kirche im Dorf zu bleiben. Diese ganzen selbsternannten Anwälte, die sich wichtig tun und offenbar ihrem eigenen Geltungsdrang erlegen sind, die nach Mikroaggressionen und immanenten Ismen forschen, die Menschen, die etwas thematisieren, ohne selbst betroffen zu sein, dieses Recht aberkennen wollen, die eigentlich nur ihren Egoismus leben und damit zerstörerisch unterwegs sind, die sich teilweise komplett verrennen und in Weltbildern leben, die man erst noch malen müsste, die können mich wirklich mal. Ihre Ziele mögen die richtigen sein, aber ihre Methoden, ihre bescheuerten Verhaltensregeln und ihr Vorgehen sind falsch. Mehr noch, sie haben sich die falsche Zielgruppe für ihren kleinen Krieg ausgesucht. Siehe Ralf König. Das ist so absurd, dass es aus einem Romanplot gestrichen werden würde.


    Zitat

    Ich würde mich aber sehr freuen, wenn du mir doch noch verraten würdest, was genau denn das Ziel des Beitrags war.


    Ich will, dass über dieses Thema gesprochen wird. Dass sich dieses Klima des Misstrauens wieder ändert, dass sich mehr Leute trauen, das Maul aufmachen. Dass der Reflex gestoppt wird, jeden, der sich dieser Linie nicht unterordnen will, möglichst weit rechts zu verorten und für alle Zeiten zu diskreditieren. Dass die Künstler ihr essentiellstes Recht - die Kunstfreiheit - wieder angstfrei in Anspruch nehmen können. Zum letzten Mal: Ich will nicht mehr von irgendwas in der Kunst. Sondern darauf hinweisen, dass mit diesem Diktat etwas ernsthaft gefährdet wird, dessen gesellschaftliche, soziale und, natürlich, kulturelle Bedeutung enorm ist.

  • Ich denk ja immer, dass sich niemand in die rechte Ecke stellen muss, der so ungerne drin stehen will. Es gibt da einen schönen Beitrag auf Sensitivity-Reading zu, der das näher erläutert:

    https://sensitivity-reading.de…ur-nazis-sind-rassistisch

    Ich glaube, das ist ein häufiges Missverständnis zwischen Leuten mit eher Toms Position und Leuten mit eher meiner Position. Ein bisschen knapp und polemisch zusammengefasst geht es so:
    "Hä wie kann ich denn Rassist sein ich hab noch nie ein Kreuz im Garten einer Schwarzen Person angezündet und will auch gar nicht alle poc aus Deutschland raus haben und dann hatte ich sogar mal eine Schwarze Freundin, ich steh sogar voll auf Schwarze Frauen!"

    Soll nicht Toms Position akkurat wiedergeben, sondern das Missverständnis illustrieren.

    Rassismus beginnt halt nicht da, wo ich "Ausländer raus!" brüllend durch die Straßen laufe und den Baseball-Schläger schwinge.

    Rassismus beginnt schon da, wo ich einen Schwarzen Läufer sehe und denke, dass "die ja in dem Bereich besser sind als wir". Rassismus beginnt da, wo ich einer poc begegne und mir als erste Frage einfällt, wo sie herkommt. Rassismus beginnt schon da, wo ich sage: "Mein Dönermann findet Erdogan auch doof, und unsere türkische Putzfrau meint auch..."

    Und ja klar ist das ein gradueller Unterschied. Klar ist mir jemand lieber, der nicht versteht, warum es daneben ist, auf einer Bühne Geschichten über die N****-Puppe zu erzählen, wenn die Alternative jemand ist, der sich ein HH-1888 Wunschkennzeichen ans Auto pappt.

    Aber rassistisch ist eben beides, und wer das nicht anerkennt und auch noch die Leute verleumdet, die darauf hinweisen, der ist in dieser Hinsicht Teil des Problems.

  • Das ist keine Antwort (eine Antwort bezieht sich inhaltlich auf eine Frage und folgt der ihr innewohnenden Bitte). Interessant aber, dass Du mir etwas zu erklären versuchst, das ich in meinem Beitrag ziemlich ausführlich thematisiere und sehr ähnlich erkläre. Was zur Schlussfolgerung führt, dass Du Dich nur aufspielst, hier wie dort, ohne irgendwas überhaupt gelesen zu haben. So oder so, ich werde Dir ganz sicher nicht antworten, hier wie dort. Du kennst die Antworten auf Deine Fragen längst.

  • Tom, mal ganz offen, und ohne das blöde Mackergehabe, wer von uns jetzt gerade cooler ist und den jeweils anderen weniger ernst nimmt:

    Danke für die erneute Antwort!

    Ich finds schade, dass du nicht bereit bist, dich mit echter Kritik auseinanderzusetzen, und mit dieser Position, die dich so stört. Du beziehst dich eben nicht inhaltlich auf irgendwas, was ich schreibe, oder die anderen Leute, denen du Tyrannei vorwirfst, das stimmt schon. Wenn du das tätest, würd ich mich gerne mit dir drüber unterhalten, denn ich trau dir zu, das zu verstehen, und draus zu lernen. Leute können das ja. Wenn ich meine alten Blogposts lese, finde ich da auch oft Sachen, bei denen ich heute das Gesicht verziehe, die ich damals noch völlig okay fand. Ich verstehe die Probleme damit heute besser, weil Leute sie erklärt haben. Am Anfang habe ich da auch nicht zugehört, ich fands auch albern. Aber irgendwann fing ich an, mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Zugegebenermaßen sogar eher wegen Posts wie deinem, die es ja auch schon lange gibt, und bei denen ich immer dacht: Nee. Auf die Seite will ich dann auch nicht gehören. Das ergibt doch alles keinen Sinn, und das ist echt nicht in Ordnung so. Das hats mir leichter gemacht, den Widerstand zu überwinden, den ich natürlich auch gefühlt habe, weil ich auch dachte: Wozu soll das gut sein? Sexismus isch over, und rassistisch bin ich auch nicht, und mein Gott hier ist jetzt gerade "hysterisch" nun mal das passende Wort, dann benutze ich das auch.

    Aber ich hab dazu gelernt. Ich mach bestimmt immer noch viele Fehler. Manchmal merk ichs, manchmal nicht. Aber ich versuchs zumindest. Das find ich schon mal wichtig. Ich drück dir die Daumen, dass du dahin auch noch den Weg findest.

    Wie gesagt, ich traus dir eigentlich zu.

  • Vielen Dank für die Antwort, Tom, Aber wie, um Himmels willen, kommst du auf die absurde Idee aus meinem Text herauszulesen, ich könnte die rechte Ecke gemeint haben? Dass man überhaupt irgendwo herauslesen könnte, ich würde dich politisch irgendwo einordnen, ist mir ein Rätsel. Mir geht es ausschließlich um die Beobachtung von Interationseffekten und gruppendynamischen Entwicklungen. Und da nun mal rechtsradikale auch Menschen sind, bedienen sie sich derselben Interaktionseffekte wie andere Menschen auch. Und andersrum. Ob die Effekte auf Banane, Birken oder Goldklumpen oder Mülleimer abzielen, ist für den Effekt dahinter schnuppe. Aber das zu betrachten, eignet sich natürlich nicht um emotionale Wellen zu schlagen.

    Ich halte dir aber, im Unterschied zu denen, die du anprangerst zu Gute, dass du eine Zensur der Möglichkeiten lediglich bei der Möglichkeit per Klick seine Zustimmung zu zeigen, für sinnvoll hältst. Das ist vermutlich tatsächlich keine existenzgefährdende Zensur. (Auch wenn ich dabei bleibe, dass für mich der Grund für die Forderung der Zensur an sich vergleichbar ist.)

    Es ist halt einfach nur traurig zu sehen, wenn Menschen in vielen Dingen dasselbe tun, was sie gerade lauthals anprangern. Wenn auch vielleicht in abgeschwächter Form. Aber ob ich nun brülle oder schlage, ein aggressiver Impuls (ausgenommen vielleicht einige Sportarten) steckt dahinter.



    Aber ich denke auch, ich bin aus dieser Diskussion raus. Die Argumente und die Diskussionskultur führen sich hier so ad absurdum, das kann ich langsam nur noch als Realsatire betrachten.


    Und nur, falls es immer noch missverständlich ist: Selbstverständlich meinte ich die Ecke der kreativen Künstler. Was sonst sollte eine offensichtliche Gemeinsamkeit der Menschen sein die du da benannt hast?


    Edit: Ich finde es allerdings auch vollkommen destruktiv und ungerechtfertigt bei einem Artikel wie dem verlinkten die Keule "das ist eindeutig rechts und AFD-Niveau" rauszuholen, wie es offenbar in den Kommentaren geschehen ist. Und dass die ständige Unterstellung nervt, weil man sich vermutlich ziemlich unverstanden und falsch beurteilt fühlt, kann ich auch verstehen. Das man dann vielleicht auch zunehmend aggressiver und genervter im Tonfall wird, wenn man sich das 10./20./100. Mal erklären muss nur um auf Unverständnis zu stoßen, ist auch verständlich.

    (Es ist und bleibt aber durchaus interessant mal zu überlegen, wem es ähnlich ergehen mag und das tagtäglich und ohne die Möglichkeit einen PC auszuschalten oder abzuwarten, bis ein empfundener Shitstorm vorüber ist.)

  • Robyn, ich hatte doch zwei Interpretationen der „Ecke“ (meist gebräuchlich eben als linke und rechte Ecke) angeboten, und zu Deinen Gunsten die positivere angenommen, die wohl auch gemeint war. Irritiert hatte mich, dass Du zu denen, die wohl gemeint waren, schon in der Fragestellung eine gewisse Distanz aufgebaut hast, und da wir hier alle Autoren sind, musste ich spekulieren. Außerdem bin ich im Moment möglicherweise ein ganz kleines bisschen dünnhäutig. Man möge mir das verzeihen. Danke! :)

  • Die "Welt" beschäftigt Kolumnisten wie Don Alphonso (schreibt nicht kürzer als Du, Tom) und Broder. Die liegen in puncto PC voll auf Deiner Linie. ;-)


    Ist ein gutes Blatt. Daher großen Glückwunsch zu Deiner Erwähnung. :-)

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)