Immer wieder: Langtexte

  • Viele von Euch, die ich hier vor ein paar Jahren kennen gelernt habe, haben das ja inzwischen geschafft – Romane geschrieben, Verlage gefunden, veröffentlicht, noch mehr Romane geschrieben.


    Gibt es da ein Geheimnis? Oder ist das einfach nur harte Arbeit? Ich krieg das einfach nicht zusammen, bei allem, was über dreißig Seiten hinausgeht, wird es bei mir ein Krampf. Dann macht es mir auch keine Freude mehr und ich glaube, dass man das auch sehr deutlich lesen kann. Und es macht aus meiner Sicht auch einfach keinen Sinn uninspiriertes Geschwafel nur um der Ehre Willen auf 300 Seiten aufzublasen.
    Tipps zum Plotten haben da bisher auch nicht geholfen, meine Exposés und Plots klingen alle grauslich. Offen gestanden finde ich aber auch Exposés und Plots von Romanen, die mir eigentlich gut gefallen, meistens grauslich (ich hatte beizeiten die Gelegenheit in das ein oder andere hineinzulesen)


    Gibt es denn keine Möglichkeit aus dem „kreativen Chaos“, das es einfach braucht, damit es mir Freude machen kann, einen Langtext zu machen?

    “Life presents us with enough fucked up opportunities to be evaluated, graded, and all the rest. Don’t do that in your hobby. Don’t attach your self worth to that shit.” Michael Seguin

  • Bei mir ist weniger die Menge ein Problem, sondern eher die Erzählgeschwindigkeit. Da werde ich häufig zu schnell und lasse zuviel aus. Wenn Du die Entwicklung der Figuren und die Beschreibung der Umgebung einfliessen lässt, sind die Seiten von ganz alleine geschrieben, ohne dass der Roman durch Belanglosigkeiten aufgepumpt wurde.

  • Lieber Nils, so ging es mir auch. Kurze Strecken laufen, ging gut. Wie werde ich ein Langstreckenläufer? Seit letzten Jahr gibt es das Mentorenprogramm bei den 42er
    Voraussetzung war, den Mentorinnen und Mentoren der 42er ein Expose zu schicken. ich glaube es waren sechs MentorInnen. Eine Mentorin hat mich seit dem Januar 2018 an der Backe. Das hilft ungemein. Jeden Monat bekommt sie ein up date von mir. Siehe da, inzwischen sind es so um die160000 Zeichen, Kurzstrecke ist vorbei, Langstrecke geht ganz gut.


    In Wolfenbüttel habe ich ein Wochenende Stefan Waldscheidt, Wie schreibe ich einen Bestseller, zugehört. Das war sehr hilfreich. Ein Tagesseminar mit der Lektorin Christine Lehmann, Ein Expose schreiben, war ebenfalls sehr hilfreich. Bei dem Schreiben denke ich nie an die Leser, sondern nur an meine Protagonisten. Der Spaß zu schreiben, ist für mich die Grundlage des Schreibens. Dann läuft das schon.

  • Wenn Du die Entwicklung der Figuren und die Beschreibung der Umgebung einfliessen lässt, sind die Seiten von ganz alleine geschrieben, ohne dass der Roman durch Belanglosigkeiten aufgepumpt wurde.


    Das stimmt sicher. Es geht mir aber gar nicht mal darum, dass ich nicht genügend Text produzieren könnte. In der Rückschau ist es so: Es gibt durchaus ein paar Kurzgeschichten von mir, die ich auch mit ein paar Jahren Abstand noch ganz gut finde.
    Alles was mehr als 30 Seiten hat ist aber Schrott. Echt. So richtig. Die Exposés, die von mir noch existieren, würde ich sogar am liebsten ungeschehen machen. Und ich glaube, dass das auch etwas mit der Begeisterung zu tun hat. Ich bin fürs Konstruieren irgendwie nicht gemacht, das wird alles nur Murks, so sehr ich mich auch anstrenge. Und das, obwohl ich mich eigentlich für einen intelligenten Menschen halte.


    Bei dem Schreiben denke ich nie an die Leser, sondern nur an meine Protagonisten. Der Spaß zu schreiben, ist für mich die Grundlage des Schreibens. Dann läuft das schon.


    Lieber Amos, danke dafür. Ich glaube zunehmend auch, dass das der Punkt ist. Vielleicht hat das noch immer was mit der Suche nach der eigenen Stimme oder Art zu Schreiben zu tun. Und vielleicht kann man das einfach nicht erzwingen.

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  • Lieber Nils,


    dein Problem ist offensichtlich: Dein innerer Zensur steht dir im Weg. Während des Schreibens gehört der eingesperrt und möglichst auch geknebelt. Der darf sich nicht einmischen sondern muss einfach die Klappe halten. Später, wenn fertig geschrieben ist, dann braucht man den dringend, vorher aber stört der nur.


    Exposes haben Dich gar nicht zu interessieren, solange du deinen ersten Roman nicht geschrieben hast. Die kommen später dran. Und alles, was zur Ausformulierung der Idee etc. gehört, das muss niemanden vom Hocker reißen. Das ist lediglich dazu da, die nötigen Informationen (Plot, Personal) übersichtlich zu halten. Über einen Schulaufsatzniveau muss das nicht hinauskommen.


    Wichtiger ist dann, wenn es mit dem Schreiben losgeht, das tägliche Pensum. Bei mir ist das eine Seite. Egeal wie scheiße es mir geht oder ob ich müde bin oder mir die ganze Sache inzwischen egal ist und ich glaube dass das sowieso alles nichts wird - eine Seite wird geschrieben. Dahinter steht folgende Rechnung: Wenn ich jeden Tag nur eine Seite schreibe, habe ich in einem Jahr 365 Seiten zusammen. In einem Jahr einen Roman zu schreiben ist schon mal nicht schlecht. Tatsächlich schreibt man meistens mehr als eine Seite. Bei mir sind das im Schnitt so um die 10 (wenn's gut geht sogar erheblich mehr). So ist man dann schon eher fertig als erst in einem Jahr. Aber die 30 Tage, an denen man eigentlich nichts hätte schreiben wollen, haben dann immerhin auch noch 30 Seiten gebracht. Vielleicht ein ganzes Kapitel.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Das Einhorn in Paris - Phantastische Erzählungen

    ASIN/ISBN:

    ASIN/ISBN: B07F7FW9R2


    Man muss den Krimi wieder dahin zurückbringen, wo er hingehört. In den Dreck.


    Matthias Wittekindt (*1958)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 250, 29.10.2020

  • Sorry, ich hatte Dich falsch verstanden Nils.


    In dem Fall hat Horst-Dieter recht. Diesen Zensur-Fiesling kenn ich auch zur Genüge und wenn der erstmal vor der Tür steht, sollte die Tür zu bleiben. Leider sagt sich das so einfach. Bisher hat der bei mir auch immer die Tür aufbekommen, aktuell arbeite ich aber daran die Tür zu verstärken...deshalb bin ich hier *g*

  • Hallo, Nils,


    mit dem inneren Zensor hat Horst-Dieter was aufs Tapet gebracht, was ich unbedingt unterstützen möchte. Erlaube dir, Schrott zu schreiben, dann kommst du über die Seite 30 hinaus.
    Wenn das Planen und Exposéschreiben vorweg dir nicht taugt, dann lass es. Schreib einfach los und lass dich von deiner Neugier leiten. Was passiert als Nächstes? Was könnte diese Figur jetzt aushecken? Vielleicht passiert ein Unwetter oder sonst etwas Vorhergesehenes. Setze deine Figuren haarsträubenden Herausforderungen aus und schau, wie sie sich da herauswinden. Gut wäre es, wenn sie ein Ziel hätten. Vielleicht hast du eine Idee, ein Bild im Kopf, wie die Geschichte enden soll. Die im Hinterkopf weißt du ja, wo es hingehen soll. Und da kommt immer was in die Quere, was die Figuren bewältigen müssen: äußere Widerstände, innere Kämpfe, aber irgendwie gelangen sie dann doch ans Ziel. Das ist deine erste Geschichte, dein erster Roman.
    Wenn er auf Anhieb Bestsellerpotential hat: Glückwunsch ;) Ist aber kaum anzunehmen. Sagte schon Hemingway: Der erste Entwurf ist immer Mist! Liegenlassen, nicht daran denken und dann möglichst mit Anfängergeist erneut an den Text gehen und schmirgeln und feilen und neuschreiben und umstellen, bis was Taugliches herauskommt. Stephen King vergleicht den Prozess mit der Arbeit eines Archäologen ;)


    Nur Mut! Lass dich nicht von deinem inneren Kritiker ins Bockshorn jagen. Der will dich nur davor schützen, Neuland zu betreten, und erzählt dir, du fabrizierst nur Murks. Glaub dem Kerl kein Wort. Kauf ihm ein Flugticket one way nach Hawaii und bring ihn selbst zum Flughafen. Dann hat er erst mal damit zu tun, wieder nach Hause zu finden. In der Zeit kannst du ganz unbesorgt schreiben :D


    Ich drück die Daumen! Das wird schon!

  • Sorry, ich hatte Dich falsch verstanden Nils.


    In dem Fall hat Horst-Dieter recht. Diesen Zensur-Fiesling kenn ich auch zur Genüge und wenn der erstmal vor der Tür steht, sollte die Tür zu bleiben. Leider sagt sich das so einfach. Bisher hat der bei mir auch immer die Tür aufbekommen, aktuell arbeite ich aber daran die Tür zu verstärken...deshalb bin ich hier *g*


    Man muss ihm beibringen, wann er nützen kann. Nach dem Fertigstellen des Manuskriptes, beim Überarbeiten des Romans ist er nützlich, sehr nützlich sogar.


    Andrea
    Kannst Du mir auch ein Flugticket nach Hawaii kaufen?! Ich passe dann auf, dass dein "innerer Zensur" sich nicht zu früh auf den Rückweg macht. :nick

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    Horst-Dieter Radke: Das Einhorn in Paris - Phantastische Erzählungen

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    Matthias Wittekindt (*1958)

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  • Hi Nils, ich bin ja der Auffassung, dass es zwei Schreibertypen geht: Die einen schreiben eher handlungsorientiert und weniger formfokussiert (zum Beispiel Karl May, Tolstoi, Dumas etc.); die anderen schreiben eher episodisch und formbedacht (Kleist, Kafka etc.). Aber: Hier steht nicht unbedingt Langtext gegen Kurzform; die genuin episodischen Erzähler Joyce oder Arno Schmidt haben auch Riesenschinken zustandegebracht. Die beiden Richtungen sind gleichwertig; und es gehört zur Natur der Sache, dass die meisten Schreiber nur eine Schreibrichtung wirklich gut beherrschen.
    Viele Grüße
    Jürgen

    ASIN/ISBN: 395494104X


    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
    (Wilhelm Raabe: Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. 1891)


  • dein Problem ist offensichtlich: Dein innerer Zensor steht dir im Weg.


    Lieber Horst-Dieter und liebe Andrea. Da ist zwar was dran, aber mein innerer Zensor ist ein verrückter Typ. Wenn ich ihn einfach seinen Job machen lasse, dann ist nach zehn oder zwanzig Seiten alles an seinem Platz. Vielleicht sorgt da auch nicht der innere Zensor für sondern irgend ein anderer innerer Irgendwas. Jedenfalls gibt es da eine Art Gefühl oder Intuition für die Proportionen, Charaktere und Handlungsfäden, die mir bei längeren Texten einfach komplett abgeht.
    Ich habe das mit den von euch angesprochenen Methoden ehrlich versucht - einige der traurigen Ergebnisse sind in diesem Forum dokumentiert (Links gerne auf Anfrage).


    Ich mache ja auch Musik und da ist es bei mir so: Ich kann nur das spielen, was ich auch hören kann. Aber was ich hören kann, kann ich fast immer auch spielen. Ich denke inzwischen, dass es auch um so etwas geht wie eine innere Vorstellung. Eben ein Gefühl oder intuitives Beherrschen der Form. Und da könnte Jürgen durchaus recht haben.


    Jedenfalls möchte ich das hier nicht schon wieder zu einem Jammerfred werden lassen. ")"

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    2 Mal editiert, zuletzt von Nils ()

  • Nils, ich entdecke in dem, was du schreibst, kein Jammern, sondern einen ehrlichen Versuch herauszufinden, warum du dich mit der Langform so schwer tust. Hältst du denn bei langen Filmen durch? Und liest du selbst Romane? Dann wird dein Vorstellungsvermögen auch in der Lage sein, eine längere Geschichte zu produzieren, mit etwas Übung und Sicheinlassen. Momentan glaubst du noch, du könntest das nicht ;)


    Wenn dir die kurze Form so gut liegt, warum schreibst du dann nicht an einem Thema entlang mehrere kurze Stories und schaust dann, ob sich daraus ein übergreifender Handlungsbogen entwickeln lässt. Falls irgendwo etwas fehlt, hast du einen Anlass für eine weitere Kurzgeschichte. Beispiele dafür, wie aus einzelnen Geschichten Romane wurden, gibt es viele. Ich denke an Daniel Kehlmann oder Eva Menasse.


    Akzeptiere, wie es ist, und arbeite damit. Könntest du dir das vorstellen?

  • Ob zur einen Methode oder zur anderen neigend (lt. Jürgen), so ist bei längeren Projekten ein "Sicheinfinden" nötig, das länger dauert und mehr Aufwand bedeutet als bei einem kürzeren Text. Intuitiv den Überblick zu behalten ist schwerer als bei Texten von überschaubarem Ausmaß. Meine Aussagen aus meinem vorangegangenen Post bleiben deshalb bestehen. Ich glaube, sie sind auch Schreibtypunabhängig.


    Noch ein Tipp: Gute Erfahrungen habe ich mit "Textschnippseln" in der Startpühase eines Projekts gemacht. Sobald ich ein Bild oder schemenhaft eine Szene im Kopf habe, schreibe ich sie auf. So als würde ich schon am Romanmanuskript arbeiten. Solch ein Textschnippsel kommt dann ungeprüft und unbearbeitet in einen Ordner und wird zunächst nicht weiter beachtet. Wenn ich dann soweit bin, dass die konkrete Arbeit am Manuskript losgeht, schaue ich immer wieder in den Ordner und in der Regel kann ich 80% von diesen Textschnippseln im Roiman brauchen. Das ist aber Nebeneffekt. Hauptzweck ist, dass mich das unsystematische Aufschreiben dieser Textschnippsel voranbringt in der Planungs- und Überlegungsphase zu einem Roman.

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    Man muss den Krimi wieder dahin zurückbringen, wo er hingehört. In den Dreck.


    Matthias Wittekindt (*1958)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 250, 29.10.2020

  • Hältst du denn bei langen Filmen durch? Und liest du selbst Romane?


    Ich fühle mich ertappt. Ja ich lese längere Romane und ja ich halte auch längere Filme durch. Trotzdem liegt mein Hauptinteresse auch als Leser oder Zuschauer bei kürzeren Sachen. Und ich werde nie ein Serienjunkie, mehr als eine Folge ertrage ich nicht am Stück.


    Akzeptiere, wie es ist, und arbeite damit. Könntest du dir das vorstellen?


    Muss eh. Und macht das Leben erheblich leichter.

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  • Ich möchte noch einmal auf Jürgens Hinweis aufmerksam machen und ihn aufgreifen. Vielleicht ist die Langform einfach nicht Deine, fertig. Es ist ja keineswegs so, dass jeder, der schreibt und schreiben kann, jede Textart und -form, jedes Genre und jede Art von Rhythmik beherrscht oder beherrschen können müsste. Ich mag die Langform beim Schreiben lieber, weil ich ein fürchterlicher, extrem selbstverliebter Schwätzer bin, weil mir die Figuren wichtiger als die Handlung und Formulierungen wichtiger als Präzision sind. Deshalb sind bei meinen Kurzgeschichten die Expositionen immer viel, viel zu lang und die Enden zu abrupt.


    Wenn Du aber meinst, dass Du die Langform kannst und willst, dann gibt es Tricks und Techniken, um durchzuhalten. Ich staue in meinem Kopf, bis wirklich nix mehr reinpasst, dann gehe ich in ein Hotel in Schreibklausur und rotze 30.000 Wörter in sechs Tagen raus, die von morgens um acht bis nachts um drei mit Schreiben gefüllt sind (und etwas Bier und viel Kaffee und kleinen Saunapausen und nebenfigureneinsammelnden Blicken zu den Nachbartischen beim Frühstück). Das ist meine Art, und wenn ich heimkehre, ist das Finale des Romans zumindest gut vorbereitet. Aber das kann und mag sicher nicht jeder so.

  • Vielleicht ist die Langform einfach nicht Deine, fertig.


    Amen. Und das ist irgendwo auch gut so. Also für mich jetzt.


    Ich staue in meinem Kopf, bis wirklich nix mehr reinpasst, dann gehe ich in ein Hotel in Schreibklausur und rotze 30.000 Wörter in sechs Tagen raus, die von morgens um acht bis nachts um drei mit Schreiben gefüllt sind (und etwas Bier und viel Kaffee und kleinen Saunapausen und nebenfigureneinsammelnden Blicken zu den Nachbartischen beim Frühstück).


    Ich habe das ja von dir auch früher schon mal gelesen und fand das immer toll. Das entspricht so ein bisschen meinem romantischen Idealbild vom Schreiben. Ja, ein zwei Wochen kann ich die Begeisterung für ein Projekt meist schon hochhalten. Wenn ich irgendwann einmal genug "im Kopf anstauen" könnte, käme ich glatt in die Versuchung das nachzumachen. Siehe dazu aber auch Absatz eins.

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  • Nur als Idee in den Raum geworfen: Wie wäre es mit komplexeren Geschichten? Solchen, die sich nicht auf 30 Seiten erzählen lassen, wegen viel Handlung oder vieler Figuren? So nach Art von Ilias und Odyssee?

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Nur als Idee in den Raum geworfen: Wie wäre es mit komplexeren Geschichten? Solchen, die sich nicht auf 30 Seiten erzählen lassen, wegen viel Handlung oder vieler Figuren? So nach Art von Ilias und Odyssee?


    Gute Idee, an etwas in der Art arbeite ich im Moment. Aber das ist sehr komplex und dadurch schwierig. Es gibt eine Person, die die Geschichte der Protagonistin erzählt. Noch kennt sie deren Geschichte nicht und muss sie mühsam zusammenpuzzeln. Ich kenne die Geschichte - sie ist real - und sie ähnelt tatsächlich einer Odyssee. Ob ich das alles schaffe, weiß ich nicht. Es ist eine Herausforderung und ich wage es einfach. An Stoff mangelt es nicht, und drei Seiten wären eine starke Untertreibung.

  • Hallo Nils,


    was auch sehr helfen kann, ist eine Szenenübersicht. Also ganz simpel: Handwerk. So richtig langweiliges Handwerk :)


    Ich bin eigentlich jemand, der einfach drauflosschreibt, und dann wird das schon irgendwie, es strukturiert sich beim Schreiben.
    Bei Sachbüchern klappt das bei mir auch gut. Aber bei Romanen stelle auch ich fest, dass ich mir vorher eine Struktur schaffen muss. Ich skizziere dabei allerdings nicht gleich das ganze Buch, sondern schreibe erst mal kleine "Szenenübersichten" für die nächsten ca. 50, 60 Seiten (gut, sind schon mehr, als Du überhaupt schreibst).


    Erst mal musst Du Dir darüber im Klaren werden, ob die Geschichte überhaupt auf viele, nehmen wir mal 250 Seiten erzählt werden kann, oder ob Du da nur sinnlos strecken müsstest. Wenn strecken, dann ist das eben rein inhaltlich eine kürzere Geschichte.


    Wenn Du aber Potenzial siehst, das Ganze auch auf 250 Seiten zu erzählen, dann unterteil alles in Etappen. Skizziere erst mal die zehn nächsten Szenen bis zu einem bestimmten Punkt Deiner Geschichte und arbeite die dann ganz simpel ab. Dann nimmst Du den nächsten inhaltlichen Abschnitt vor und entwirfst zehn weitere Szenen. Ich gebe zu, das ist sehr, sehr blöde Fleißarbeit, und ich mache sie auch überhaupt nicht gerne. Aber Du wirst sehen, auf die Weise nimmt auch ein längeres Projekt Gestalt und Form an :)


    Ich kann eine Geschichte insgesamt vor mir sehen. Aber wenn ich sie über viele Seiten erzählen muss, brauche ich Unterteilungen. Allerdings könnte auch ich niemals für einen kompletten Roman im Vorfeld eine solche Szenenübersicht entwerfen :)


    Liebe Grüße
    Anja

  • So richtig langweiliges Handwerk


    Danke Anja und Alexander, ich fühle mich geehrt, dass sich hier noch einmal so viele Leute Gedanken darüber machen. Vielleicht hilft es ja auch dem ein oder anderen aus den Tiefen des Netzes, der sich mit dem gleichen Problem herumschlägt, ich bin sicher, es ist nicht selten. Ich befürchte, es muss da jeder seinen eigenen Weg finden. Die Methode "Disziplin" war bei mir leider nicht erfolgreich.

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  • Zitat

    Nur als Idee in den Raum geworfen: Wie wäre es mit komplexeren Geschichten? Solchen, die sich nicht auf 30 Seiten erzählen lassen, wegen viel Handlung oder vieler Figuren? So nach Art von Ilias und Odyssee?


    Homer wäre nach meiner Einteilung auch eher ein episodischer Erzähler, bei dem man schön studieren kann, wie durch das Hoppen von Episode zu Episode ein Langtext entsteht. Eine komplexe Handlung ist dafür gar nicht erforderlich.

    ASIN/ISBN: 395494104X


    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
    (Wilhelm Raabe: Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. 1891)