Alte Wörter …

  • Zitat

    Hausball hat man schon 1970 nicht mehr gesagt. Da war bereits Fete etabliert, Party kam etwas später.


    "Fete" ist laut Duden schon 1926 im allgemeinen Sprachgebrauch. "Party" folgte 1961 (Duden) bzw. 1967 (Sprachbrockhaus); und im Osten mindestens seit 1977 (Großer Duden der DDR).
    Meine Kinder (in den Zwanzigern) sagen, wenn sie zusammen feiern: a) "Vortrinken", wenn sie danach noch ausgehen (auf keinen Fall "Vorglühen"); b) den Anlass: "Geburtstag", "Einweihung" etc. oder c) den Anlass pus Party: "Geburtstagsparty".
    Aber ist es nicht auch gut, dass Wörter wie "Parka", "MS-DOS" oder "Hausball" verschwinden? Mit den Wörtern verschwindet auch die alte Zeit, und wer will schon, dass alle wieder im Parka rumrennen?

  • Und Disco heißt jetzt Club - sagt mein Sohn


    Das gehört jetzt eher in die Schublade political correctness:
    Negerkuss heißt Schokokuss
    Mohrenkopf (nicht dasselbe wie Negerkuss, sondern ein Gebäck) heißt ???
    Mohr??? "Es ging spazieren vor dem Tor ein kohlpechrabenschwarzer" Maximalpigmentierter
    Zigeunersauce ???

  • Sehr wohl gelesen, auch die Klammern, lieber HD. Hier nochmal zum Mitlesen: Der Parka ersetzte weder sprachlich noch "stofflich" den Anorak. Ein Anorak war zunächst und auch später eine Art Sportbekleidung für den Alltag (so wie inzwischen in manchen Kreisen die "Jogginghose"); Der Parka war eine Philosophie, eine Lebenseinstellung! Anoraks wurden in allen sozialen Schichten (wenn auch zu unterschiedlichen Zwecken) getragen. Parka hingegen hatten die Funktion einerseits "Militärkleidung", andererseits Outfits für Pazifisten und Alternative zu sein.
    Du kannst klammern wie du willst - zwischen beiden Kleidungsstücken liegen Welten.


    Schönes Wochenende
    maryanne

  • Bleyle: Jo, das war mehr als der Kleppermantel. Das war auch Faltenrock, kurze Hose, möglichst dunkelblau für Jungs, Unterwäsche, Pullöverken. Sehr gediegen, gute Ware, sozusagen 'gutes Tuch'. Aber für Kinder eben auch ein wenig langweilig, aber aus 'gutem Haus'

  • Sehr wohl gelesen, auch die Klammern, lieber HD. Hier nochmal zum Mitlesen: Der Parka ersetzte weder sprachlich noch "stofflich" den Anorak. Ein Anorak war zunächst und auch später eine Art Sportbekleidung für den Alltag (so wie inzwischen in manchen Kreisen die "Jogginghose"); Der Parka war eine Philosophie, eine Lebenseinstellung! Anoraks wurden in allen sozialen Schichten (wenn auch zu unterschiedlichen Zwecken) getragen. Parka hingegen hatten die Funktion einerseits "Militärkleidung", andererseits Outfits für Pazifisten und Alternative zu sein.
    Du kannst klammern wie du willst - zwischen beiden Kleidungsstücken liegen Welten.


    Schönes Wochenende
    maryanne


    Liebe Maryanne,


    das ist alles nicht wesentlich, was du schreibst. Es ist einerseits richtig, dass zwischen beiden Kleidungsstücken Welten liegen, andererseits ist es irrelevant. Beide gehören zur selben Kategorie Kleidung. Außerdem hast Du nicht verstanden, was in den Klammern steht. Tatsächlich hat der Parka den Anorak "ersetzt", eben gerade im Lebensgefühl derjenigen, die solche Kleidungsstücke trugen. Die Pazifisten und Alternative die sich im Parka zeigten, trugen früher, als sie jünger waren, Anoraks. Beide zum gleichen Zweck. Mehr oder weniger.


    Klippschulmäßige Anmerkungen gehen auch an dem vorbei, was ich mit diesem Fred erreichen will.

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    Horst-Dieter Radke: Erlebnis-Wanderungen Odenwald

    ASIN/ISBN: 386246752X


    "In der industriellen Tierhaltung ist jegliche Empathie für die sogenannten Nutztiere verloren gegangen."


    Rupert Ebner

    SZ Nr. 78, 6.4.2021, S. 15

  • Parka: Nee, ich guck jetzt nix nach. Als der aufkam, ich nix wie in den nächsten Laden, ich muss 14 gewesen sein und kaufte mir den in oliv. Schon alleine die Kapuze war so Klasse. Zu Hause: So ein Soldatenzeugs trägst du nicht. Also musste ich mit meiner Mutter, die im Laden Theater machte, dass man mir sowas verkauft hatte, umtauschen und bekam dann einen Kamelhaardufflecoat. Cool fand ich den weiß Gott nicht. Meine Klassenkameradinnen trugen Parka und ich konnte gediegen rumstolzieren. Sah ja fast nach Bleyle aus.

  • "Klippschule" gehört dann wohl auch auf die Liste ...
    "Lederhose" eher nicht, meine ich - jedenfalls z. B. in Bayern nicht.
    Manche der genannten alten Wörter sind wohl orts- (bei uns bestellte man eher "Limo" als "Zitronensprudel") bzw. dialektabhängig - da Dialekt in den meisten Bundesländern stark nachgelassen hat, sterben auch diese Wörter aus (was ich ausgesprochen schade finde).
    Außerdem überlege ich jetzt, wo ich jemals vom "Kleppermantel" gelesen habe. Wahrscheinlich bei Irmgard Keun ... ?!?

  • das ist alles nicht wesentlich, was du schreibst. Es ist einerseits richtig, dass zwischen beiden Kleidungsstücken Welten liegen, andererseits ist es irrelevant. Beide gehören zur selben Kategorie Kleidung. Außerdem hast Du nicht verstanden, was in den Klammern steht. Tatsächlich hat der Parka den Anorak "ersetzt", eben gerade im Lebensgefühl derjenigen, die solche Kleidungsstücke trugen. Die Pazifisten und Alternative die sich im Parka zeigten, trugen früher, als sie jünger waren, Anoraks. Beide zum gleichen Zweck. Mehr oder weniger.


    Aha, ich verstehe HD. Nicht wesentlich … irrelevant. Wenn DU das meinst, lieber HD, wird das wohl stimmen. Wie gut, dass du mir erklärst, was ich nicht verstanden habe. Was ich wirklich nicht verstehe, ist deine Sorglosigkeit im Umgang mit Sprache. Vielleicht hast du einfach zu lange Anoraks getragen?


    Ich bin dann mal weg!


  • Aha, ich verstehe HD. Nicht wesentlich … irrelevant. Wenn DU das meinst, lieber HD, wird das wohl stimmen. Wie gut, dass du mir erklärst, was ich nicht verstanden habe. Was ich wirklich nicht verstehe, ist deine Sorglosigkeit im Umgang mit Sprache. Vielleicht hast du einfach zu lange Anoraks getragen?


    Ich bin dann mal weg!


    Es ist keine Sorglosigkeit im Umgang mit Sprache, nicht im entferntesten. Es ist eher ein sorgloser Umgang mit "Befindlichkeiten" (in dieser Sache). Das wird sehr deutlich unterstrichen durch das übliche "Ich bin dann mal weg".

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  • "Waschblau" gefällt mir - auch wenn's weiß machen soll.

    Gell, das hat sowas Frisches! Ich glaube, unsere Ommas und Urommas haben tatsächlich sowas wie Wäscheblau zur Weißwäsche gegeben, weil sie meinten, dass ein winziger Stich Blau das Weiß erst recht strahlen ließ. Kann wohl sein. Ich habe sogar mal was von der (moderneren) Methode gelesen, zu genau diesem Zweck den Inhalt einer Tintenpatrone mit in die Waschmaschine zu geben, habe mich das aber noch nie getraut.

  • Waschblau: Klasse, Bettina, dass du das bei Keun ausgegraben hast. Hab eben in dem Buch danach geblättert. Hat ja was mit Chemie zu tun, blau auf weiß, hab jetzt keine Lust nachzusehen, dann wirds weiß. Ganz sicher haben das die Frauen den Laken und tischtüchern, den Taschentüchern beigefügt und dann auf die Wiesen zum Trocknen und Bleichen gelegt.
    Waschblau: kann man für vieles Doppelsinniges nutzen. Mache ich mal wieder.

  • Noch ein paar Wörter, im Garten gesammelt (ohne Gewähr, aber mit persönlich-geschätztem Alter):


    - Bredouille
    - Trottoir
    - Plumeau
    - Paraplui
    - Sperenzchen
    - Blümchenkaffee
    - Sommerfrische
    - Badekarren
    - Schiebermütze
    - Schiebertanz
    - Charmeur
    - Lichtspielhaus
    - Bubikopf
    - Lauflerngeschirr
    - Zopfabschneider (ein Typ Krimineller, der heute eher selten sein sollte)
    - Feemantel (auch nix, dem man hinterhertrauen müsste – wobei das wahrscheinlich der Mantel aus dem „Kunstseidenen Mädchen“ ist)

  • Zitronensprudel, verehrter HD,


    kaufe ich heute noch im Getränkemarkt. Gibt's von fast jeder Mineralwasserquelle. Über Google gibt es viele Bilddokumente.
    Alte Worte, die nicht verschwinden sollten:- Mettigel
    - Schnittchen
    - Schnibbelbohnen
    - Pittermesser, Pittchen, Pitter


    Herzlichst


    Wolf P.

  • Zitronensprudel, verehrter HD,


    kaufe ich heute noch im Getränkemarkt. Gibt's von fast jeder Mineralwasserquelle. Über Google gibt es viele Bilddokumente.
    ….


    Und sagst du dann: Ich hätte, bitteschön, eine Flasche (oder Kiste) Zitronensprudel?


    Es geht ja nicht darum., das es etwas gab, sondern ob die Wörter auch benutzt wurden.

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    Rupert Ebner

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  • ich habe gestern noch Zitronensprudel gekauft. Warum sollte man beim Einkauf nicht "Zitronensprudel" sagen?


    Es geht nicht darum, ob man es nicht sagen sollte, sondern ob man es gesagt hat.


    Die Frage kam im Zusammenhang mit Sinalco und Bluna auf. Es war in den 1950ern und 60ern üblich, eine Sinalco oder Bluno zu bestellen und nicht einen Zitronensprudel. Vielleicht hat das jemand tatsächlich gesagt, das bestreite ich nicht, aber üblich war nach meiner »Erinnerung« etwas anderes.

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