Kelter-Verlag sucht Profi-Autoren für deren eigene Roman-Serie

  • Der Hamburger Kelter-Verlag, bekannt für Heftromane und Rätselzeitschriften, will offenbar im E-Book-Sektor stärker Fuß fassen. Deshalb ergeht gerade ein Angebot an Profi-Autoren, eine eigene Romanserie zu entwickeln. Voraussetzung: alle 2 bis 4 Wochen muss ein neuer Roman abgeliefert werden.


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  • Was wollen die denn für Rätselromane und Heftzeitschriften? Arzt-, Heimat-, Grusel-, Liebes- oder Kriminalromane?


    Bei Ablieferung alle 2-4 Wochen ist wohl eher ein Autorenteam gefragt.

  • Ich kenne einige Kolleginnen, die artig alle 10 Tage einen Jerry Cotton abliefern. Eine tolle Leistung finde ich. Da ich schon so Sachen auch mal machte, also da muss man für gebaut sein.

  • Was sie für Serientitel bezahlen, weiß ich nicht. Ich hab selbst zwei Heimatromanzen bei denen untergebracht, fand den Betrag angemessen - aber was weiß ich schon ;) Ich hab für die knapp 100 Seiten Text 750 Euro bekommen - falls ich das verraten darf.


    Thematisch geht alles: Liebe, Erotik, Krimi, Thriller, Mystery, Fantasy, Historischer Roman, alles, was die Kelter-Romantruhe so an Genres hergibt. Die Serienkonzepte bei Kelter haben meist Stammpersonal, ein, zwei, drei Figuren, die in jeder Geschichte auftauchen („Toni, der Hüttenwirt“), drumherum dann Figuren, die die jeweilige Geschichte tragen.


    Wer das drauf hat, einen Roman in zwei Wochen zu fabrizieren, kann damit gutes Geld verdienen, schätze ich.


  • Wer das drauf hat, einen Roman in zwei Wochen zu fabrizieren, kann damit gutes Geld verdienen, schätze ich.


    Gutes 'Geld? Ich weiß nicht. Selbst wenn sie 750 Euro zahlen - was ich bei E-Books noch bezweifle – wären das 1500 Euro im Monat, wovon noch Steuern und Sozialversicherungsabgaben runtergerechnet werden müssen. Was dann bleibt ist bestenfalls leicht über Hartz IV. Unter "Gutes Geld" verstehe ich etwas anders.

  • Ich stimme Horst-Dieter zu, angemessen finde ich das nicht mit der Bezahlung. (Falls die kolportierten 750€ immer noch aktuell sein sollten.)


    Habe das in Leipzig schon gehört, aber fand das nicht interessant. Meine Serie(n) veröffentliche ich lieber weiter in Eigenregie, das gibt zumindest annähernd "Gutes Geld" - und ich habe einen etwas entspannteren Schreibrhythmus. :kaffeepc

    »Was starrst du mich an, o Ungeheuer? Zuckt schon der Mörderdolch in deiner Hand?« (Donald Duck)


  • Ich finde den Tipp interessant.
    Aber wenn man tatsächlich zwei Romane pro Monat herausbringen will, also 200 Seiten, dann ist das meiner Einschätzung nach ein Vollzeitjob. Die Frage ist, ob man das lange durchhält, man ist dann Fließband-Autor. Und dafür ist das Honorar dann tatsächlich sehr gering, wenn man alle Abzüge mit einrechnet. Als Team wäre es denkbar, dann wird's aber tatsächlich nur ein Zubrot. Allerdings wiederum eines, mit dem man monatlich rechnen kann. Das Konzept hat Vor-und Nachteile.
    Ich habe neulich eine Stellenausschreibung gesehen, Vollzeitstelle, Studium Voraussetzung und 1700 Brutto. Ich glaube, der Dienstgeber wäre der Spar-Konzern gewesen. Vielleicht werden in Deutschland andere Gehälter gezahlt, aber für Österreich scheint das normal zu sein.

  • Ich habe mal ein paar Jahre mit an Serien für WDR (Radio) und für Sat 1 geschrieben, ja, das ist sehr anstrengend, und man macht sowas auch nicht ewig, aber entweder müssten sich da alle wehren usw. usf. Das führe ich jetzt nicht aus. Oder man macht es eben eine Weile, lernt sehr viel, wie auch bei den Heftserien, hält sich über Wasser, denkt gelegentlich daran, dass putzen bei einem Ausbeuter wirklich schlimmer ist, und schreibt dann wieder das, was man will. Ich habe rundum gelernt. Nicht vergessen: ein ehrenwertes Gedicht bringt im guten Fall 40 Euro^^
    Wenn man diesen Beruf nun mal will, ist das schon eine Chance sich durch zuschlagen Wie gesagt, für was man alles kämpfen müsste, ist eine andere Sache.

  • Die Zeitvorgabe würde ich schaffen. Aber dann isses ein Vollzeitjob und dafür ist das Entgelt doch recht gering. Ich habe für Lübbe mal ein Serial geschrieben, auch 100 bis 120 Seiten. Aber ich habe alles im Voraus geschrieben. Naja, durch Terminengpässe usw. war es am Ende doch so, dass ich die 6 x 100 Seiten in zwei Monaten schreiben musste. Das ging, aber wäre auf Dauer nicht realisierbar, weil ich alles andere liegen lassen müsste. Und Lübbe hat auch deutlich besser bezahlt.

  • Honoré de Balzac soll (so wird's jedenfalls in einem zeitgenössischen Podcast bei Audible kolportiert), einmal an einem Wochenende einen Roman geschrieben haben - der Gläubiger wegen. Eine Dienstmagd sorgte angeblich für ständigen Kaffeenachschub und kaltes Wasser für ein Fußbad. Wem es heute an Personal mangelt, könnte sich dieser beiden Tricks wahrscheinlich mittels Kühlschrank und Kaffeemaschine dennoch leicht bedienen. Alexa, setz' schon mal ne neue Kanne auf!

  • Alexandre Dumas (der Ältere) machte sich gar nicht erst die Mühe, seine umfangreichen historischen Abenteuerromane, die in kurzer Folge erschienen, alle selbst zu schreiben. Er suchte sich ein paar Angestellte, die nach seinen Vorgaben mitschrieben (manche sagen, den größten Teil der Romane).


    Vom Kelter-Honorar könnte man aber keine Angestellten bezahlten. Bleibt als einzige Lösung, die im Keller eingesperrten "Opfer", die, um ihr tägliches Wasser und Brot zu bekommen, ihr Pensum (mindestens 22.222 Zeichen) abliefern müssen.


    Übrigens: Wer mag mich in nächster Zeit mal besuchen?

  • ... müsste es nicht "dessen" heißen oder "seine"? Oder sind hiermit wirklich die eigenen Serien der Autoren gemeint?
    Ich frag nur, weil ich immer wieder dran hängenbleibe...
    8-)