Schreib-Inspiration durch Bilder?

  • Tag zusammen,


    lasst Ihr Euch durch Fotos zum Schreiben inspirieren? Zwei Möglichkeiten: Man sieht ein Bild und eine Geschichte entsteht im Kopf. Oder: Die Ideen wollen noch nicht so recht fließen und Bilder sollen dem abhelfen. Ich habe beides schon erlebt. Bei ersterem zählt der Impuls, ein Bild setzt eine Geschichte in Gang oder eben nicht. Letzteres ist schwieriger. Ich stelle z. B. gerade fest, dass die allermeisten (z. B. bei Flickr geposteten) Porträtfotos unbrauchbar für diese Zwecke sind. Meistens will sich der Porträtierte nur von seiner besten Seite zeigen, das können schöne Menschen, schöne Bilder sein, aber eine Geschichte fällt mir dazu nicht ein. Zu glatt, zu gestellt, zu ich-weiß-auch nicht. Von 100 Bildern fiele mir vielleicht zu einem was ein - wenn's hoch kommt. Bilder von Landschaften gehen da eher - aber auch da nicht die Postkartenmotive. Vielleicht fallen mir aber auch einfach keine "Sonnenuntergangsmotiv-Stories" ein, auch möglich :)


    Gruß,
    Petra

  • Ja, zwei Prosabände sind entstanden durch die Zusammenarbeit mit der Fotografin Barbara Dietl und dem Fotografen Henning Berkefeld. Barbara Dietl schickte mir jeden Monat ein Foto und ich schrieb eine Erzählung. Dann haben wir ein paar Fahrten an die Oder und nach Polen zusammen gemacht und gedacht, wir könnten das mal umdrehen, aber das klappte einfach nicht. Ich schickte die Erzählung und bekam immer neue Fotos, bis wir begriffen, das funktioniert nicht.
    Doch, mich kannste vor ein Bild setzen und schreibe was. Wobei bei beiden Fotografen, die Bilder sehr besonders sind.

  • Eine Romanidee ist bei mir durch ein Bild entstanden. Und selbst wenn ich bereits eine "fertige" Idee habe, helfen passende Bilder sie auszuschmücken. Sie können Details hinzufügen und daraus erwachsen dann Nebenplots o.ä. Ich bin sehr visuell geprägt. Vielleicht ist es deshalb auch so wichtig für mich, dass ich von meinem Arbeitsplatz nach draußen schauen kann in den Garten.

  • Hallo Petra,


    interessante Frage...meistens inspiriert mich eine Situation zu einem Text.
    Mit Bildern gearbeitet habe ich dagegen im Lyrikband "Guter Tag, du hast mich geschafft, aber ich dich auch".
    Andreas Krämer und ich haben uns darin gegenseitig zwischen seinen gemalten Bildern und meinen Texten "hochgeschaukelt". Will heißen: teilweise passten seine vorhandenen Bilder und meine Texte zusammen, teilweise hat er zu meinen Texten gemalt und ich zu seinen Bildern geschrieben. Das war gar nicht so leicht und ziemlich spannend für mich.


    Wenn du eher ein visueller Mensch bist und die Bilder dich inspirieren ist das bestimmt bereichernd. Wie genau gehst du da vor? Musst/kannst du dir ein Bild dann länger ansehen oder ist das so eine "auf den ersten Blick-Geschichte"?
    Bist du im Gegensatz zum Nutzen auch manchmal visuell überreizt? Ich bin z.B. eher ein Hörlerner, der dann manchmal etwas lärmempfindlich ist.


    Ob ich eine offensichtliche "Brüchigkeit" der Bilder bräuchte, weiß ich nicht. Man könnte ja auch ein "Aalglatt" thematisieren. Glaube sogar, ein Bild wird genau da interessant, wo es mir eben nicht auf den ersten Blick etwas über sich verrät oder einen Haken zum Hängenbleiben hat.
    Zur Zeit arbeite ich mich z.B. am Sprachbild Heimat ab, um noch einen weiteren Text für ein caritatives Anthologieprojekt eines lieben Bekannten einzureichen. (Wen die Ausschreibung interessiert: hier entlang! )
    Da mir dieses "Bild" Heimat so gar nix sagt, mag ich gerade und erst recht dran arbeiten.


    Liebe Grüße in die Runde,
    Stefanie

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Ja, zwei Prosabände sind entstanden durch die Zusammenarbeit mit der Fotografin Barbara Dietl

    Mit der Erwähnung von Barbara, liebe Jay, haste mich gerade nach 2010 ins LCB gezoomt...schönste Erinnerungen an ihre Fotosession mit uns allen und an die Tage dort überhaupt. :blume

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Bilder, nee, komisch, die inspirieren mich gar nicht. Das haben wir in einem Workshop mal versucht, da sollten Porträts aus Zeitschriften etc. zu Geschichten führen. Da ist mir zu Meret Becker nicht viel eingefallen, obwohl ich die mag. Es klappt eher mit Worten, Begriffen oder (wie auch Stefanie schreibt) Situationen. Andersrum hat es mir aber, als meine Romanfiguren noch nicht so lebendig waren, als Krücke gedient, die Rollen jeweils mit bekannten Schauspielern zu besetzen, die ihnen vom Typ her nahekommen. Das hat geholfen, dass sie Konturen bekamen. Diese "Hülle" haben sie aber inzwischen abgeworfen, zum Glück, wie ich finde, und sind jetzt ganz eigenständige Leute. Es muss aber gut sein und Spaß machen, wenn visuelle Eindrücke einen inspirieren!

  • Wenn du eher ein visueller Mensch bist und die Bilder dich inspirieren ist das bestimmt bereichernd. Wie genau gehst du da vor? Musst/kannst du dir ein Bild dann länger ansehen oder ist das so eine "auf den ersten Blick-Geschichte"?
    Bist du im Gegensatz zum Nutzen auch manchmal visuell überreizt?

    Hallo Stefanie,
    hallo zusammen,


    es ist nicht so, dass ich Bilder aktiv zum Ideensammeln nutze. Wenn in einer Schreibwerkstatt/einem Seminar Bilder ausgegeben werden, zu denen man dann etwas aus dem Hut zaubern soll, ist das eher nicht mein's - dafür bin ich wahrscheinlich nicht spontan genug, oder ich ärgere mich, weil ich mit dem zufälligen Motiv nichts anfangen kann. Ich weiß allerdings, dass ich mich manchmal in Fotosammlungen, dann also auch die Motive, die mich reizen, geradezu verlieren kann. Immer wieder mal haben mir es alte Gebäude angetan (Stichwort urbex, urban exploring). Das bei einer Foto-Community eingegeben und man erhält eine Vielzahl Bilder - alte Industriehallen, Herrenhäuser, Sanatorien ... (teils auch eher gruselig, morbide, bestimmt). Dann wüsste ich auch gerne mehr über die Geschichte - und es kurbelt meine Fantasie an. Ob daraus eine gute Geschichte würde, steht auf einem anderen Blatt ... Daher die Idee, was, wenn man beides miteinander verbindet, das aktuelle Schreibprojekt mit Fotos. Kann das einen Knoten lösen, Ideen in Fluss bringen etc. Ich glaube schon, dass ich eher visuell veranlagt bin - aber irgendwann ist dann auch gut mit der Bilderflut, natürlich.


    Viele Grüße,
    Petra

  • Hi, Petra,


    ahh, jetzt verstehe ich. Also nicht der kreative Schnellschreibschuss über Bilder, sondern eher atmosphärische Einstimmung.
    Urban Exploring sagt mir was...Freunde von mir sind öfter mal über "Lost Places" unterwegs und befinden sich dann dort an sehr geheimnisvollen Orten. Klar, dass da die Fantasie ans galoppieren kommt. Muss ich auch mal ausprobieren.
    Wäre vielleicht ja auch mal eine interessante Schreibaufgabe hier im Forum: Alle Teilnehmer schreiben etwas zum gleichen Bild...


    Noch ein schönes Wochenende allen,
    Stefanie

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Alle Teilnehmer schreiben etwas zum gleichen Bild...


    Stimmt, witzig. Wäre auch für mich nochmal einen Versuch wert! Die Strömung mit den Lost Places finde ich auch klasse. aber ich genieße sie rein visuell und nicht als Inspiration (ich glaube, die "Schreib-lost-places" sitzen bei mir woanders als auf der Netzhaut)

  • Man kann auch über ein Foto eines roten Luftballons, der in den Sommerhimmel steigt, einen Einstieg in eine Geschichte bekommen. Die Sache mit den Lost Places ist die, dass da so viel Gewesenes mitschwingt. Man kann über den Ort schreiben, wie er jetzt ist, aber auch, was sich dort vorher ereignet haben *könnte*. Deshalb sind solche Bilder für mich eher geeignet als die, die nur das Jetzt abbilden. Dafür braucht es aber nicht unbedingt den großen Raum, das können auch Detailbilder leisten (wie das mit den Drehknöpfen eines alten Herdes bei Flick'r).


    Ihr habt mal etwas zu einem Bild geschrieben, ach! Schade, ist an mir vorbeigegangen. Wo stand denn der initiale Aufruf? Hier im Forum nicht, oder? Im Blog?
    Also, wenn's nochmal wiederholt wird, kriege ich's hoffentlich mit.

  • Mein erster Schreibkurs fand in der Kunsthalle Kiel statt unter dem Motto: Mit Wörtern Bilder malen. Es ging hier genau darum: sich von Bildern zu Geschichten inspirieren zu lassen. Immer wieder sind in Workshops, die ich so besuche, Bilder, Fotografien, Postkarten Inspirationsquellen für diverse Übungen zum Schreiben. Jedes Mal überraschend, weil erstaunlich andere Geschichten herauskommen, je nach dem, wer ein Bild in der Hand hatte. Jeder verbindet doch Anderes mit den Dingen, die einer sieht.