"Die rechte Wende" - sehenswerte und ernüchternde Doku auf 3Sat

  • Ich persönlich finde das kein bisschen Psychogeschwurbel. Im Gegenteil!
    Das mit der Angst hab ich kürzlich mal angebracht, aber in anderem Zusammenhang, da ging es darum, ob oder ob nicht allein im Wald spazieren zu gehen (wo doch kürzlich im Landkreis eine Frau überfallen worden ist).
    Danke, Heike! :)

  • Natürlich ist irgendwann Schluss. Mit einem NPD-Funktionär würde ich nicht reden. Oder mit diesen schlimmen AFD-Spitzen. Ich denke immer, wenn ich den Gauland sehe: Stirb doch einfach. Du bist alt, du bringst nichts Gutes mehr in die Welt, krieg halt einen Schlaganfall.


    Als ich jung war, dachte ich immer, irgendwann sterben diesen SS-Männer, diese Nazis alle aus und ich habe gewonnen, meine Mutter überlebt. Pustekuchen, irgendwie sind das Wiedergänger.
    Also ja, Heike ....

  • Ich hasse manchmal auch, aber lieber weniger. Wer immer so wütend ist, der kann ja nicht mehr lachen oder schön kuscheln oder jemanden in den Arm nehmen oder sich an seinem tollen Kind freuen oder so. Mich würde das krank machen.

    Besser kann man´s kaum sagen. :klatsch Danke, Heike.

    Als ich jung war, dachte ich immer, irgendwann sterben diesen SS-Männer, diese Nazis alle aus und ich habe gewonnen, meine Mutter überlebt. Pustekuchen, irgendwie sind das Wiedergänger.

    Ja. Geschmeiß, welches sich wie eine Hydra immer wieder erhebt, egal, wie oft man glaubt, die Köpfe abgeschlagen zu haben. Der Kampf gegen die Verführer hört offenbar nie auf. Darf er aber auch nicht.

  • @ Jay
    Schade, dass dir die Erfüllung dieser Hoffnung versagt blieb. Das ist traurig!
    Auf Youtube gibt es ein Video, wo ein Überlebender direkt in Ausschwitz mit seinen ganzen Nachkommen zu "I will survive" tanzt. Das fand ich schon tröstlich.


    Ich glaube außerdem, die Wiedergänger sterben nie aus, weil das Faschistoide dem Menschen innewohnt. Das "Geschmeiß" ist auch ein Teil von uns, und wir können nur irgendwie damit umgehen, darüber reflektieren, uns in Frage stellen, damit wir dem entrinnen. Ich will damit nicht sagen, dass wir nunmal so sind und alle gleich. Um Himmels Willen. Oder dass wir rechten Entwicklungen ohnmächtig gegenüberstehen. Und es gibt natürlich reale Verbrechen und reale Opfer jenseits der Psychologie.
    Aber wenn wir uns in meiner gruppenanalytischen Ausbildung in der Selbsterfahrung über die Nazis oder so aufgeregt haben, haben wir immer die Frage oder sogar eine Deutung bekommen, was der Nazi in uns ist. Bis vor kurzem hat Josef Shaked das geleitet, ein wirklich alter Herr, als Jude mit seinen Eltern aus Ungarn nach Palästina geflüchtet, später nach Wien gekommen. Er hat das mit unheimlich viel Witz gemacht. Er hat auch Gruppen mit Palästinensern und Israelis geleitet oder mit Nachkommen von Opfern und Tätern des Holocaust, um immer wieder zu zeigen, dass Spaltungen da sind, Projektionen, archaische Ängste usw., in allen, dass sie aber zu überwinden sind, um die anderen wieder differenziert zu betrachten, sie als Individuen zu sehen und ihnen wirklich persönlich zu begegnen.


    Ein bisschen Hoffnung gibt es immer.

  • @Heike:

    Zitat

    Ich glaube außerdem, die Wiedergänger sterben nie aus, weil das Faschistoide dem Menschen innewohnt. Das "Geschmeiß" ist auch ein Teil von uns, und wir können nur irgendwie damit umgehen, darüber reflektieren, uns in Frage stellen, damit wir dem entrinnen.


    Das ist auch für mich der Knackpunkt.
    Auch, um das irgendwie zu verstehen, was da abgeht. Mit: Hier die Guten, da die Bösen fängt alles wieder von vorn an.
    Ich kenne so eine "blinde Hassenergie" in mir auch, genauso wie ich einen Ansatz zum Fanatismus in mit finden würde.
    Da ich beruflich in theaterrelevanten Zusammenhängen damit arbeite, habe ich nicht so eine Scheu, sie herauszukitzeln oder aufzublähen im Sinne einer Rolle.
    Aber dadurch weiß ich, dass sie da, also auch in mir sind. Und da könnte dann die Kommunikation beginnen.

  • Der Kern des Problems ist vermutlich blanker und relativ ungezügelter Egoismus. Wenn einem alle anderen - oder die meisten davon - schlicht egal sind, steht der Weg in die gnadenloseste Ideologie, die aber zugleich - vermeintlich - den maximalen Profi für einen selbst verspricht, meilenweit offen. Und, ja, diese Denk- und Verhaltensweisen sind, wenn man so will, natürlich, und nur von Vernunft und zivilisatorischen Errungenschaften/Regulativen gedeckelt. Wenn dieser Damm aber einmal bricht, geht es um alles.

  • aus Jochens Link:

    Zitat


    einen dezidierten Ethno-Pluralismus. Also im Grunde, wenn wir schon in Frankreich sind, eine Theorie der Differenz, einen auf rechts gedrehten Grobschnitt-Derrida, der das Eigene als Eigenes und das Fremde als Fremdes in seiner Eigenart und seinem Eigenwert belassen möchte – aber bitte jedes an seinem Platze und in seiner kulturellen Verwurzelung.


    Am Wochenende habe ich auch die 3sat-Doku gesehen, um die es in diesem Thread geht. Wenn Herr Kubitschek seinen Verlag auf der Frankfurter Buchmesse als "rechtsintellektuell" bezeichnet, dann ist das ein hochtrabender Begriff, scheint mir. Oder wenn er vor einem jungen Publikum sitzt und rät, das Handy wegzulegen und bei einem Buch die "dicken Bretter" zu bohren. Das suggeriert einen intellektuellen Anspruch, den ich nicht sehe. Die Beschreibung von "Ethno-Pluralismus" im Zitat widerspricht, grob gesagt, der Menschheitsgeschichte.


    So einen Murks kennt man aber auch aus kommunistischer Geschichtsschreibung. Die Stärke dieses "Denkens" ist auch ihre Schwäche - es ist rein ergebnisorientiert: "Wie verbräme ich ein verquastes Weltbild pseudo-wissenschaftlich?"


    Es gibt da diese rechtsextreme Variante von Wikipedia namens "Metapedia". Jedes Mal, wenn Google mir bei der Recherche einen "Meta-Artikel" anzeigt, schaue ich ihn mir zum Spaß an. Hier der Eintrag zum nordsyrischen Reich der Mittani im 2. Jahrtausend v. Chr.


    Zitat

    Mitanni war ein im nördlichen Mesopotamien gelegenes Reich am Euphratbogen und bestand zwischen 1500 und 1350 v. Chr. Die Elite dieses Reiches bestand aus Angehörigen der arischen Kriegerkaste, welche in das Gebiet eingedrungen war. Mitanni wurde schließlich durch die Assyrer vernichtet, welche das Gebiet ihrem Machtbereich einverleibten.


    Vor so einem Scheiß sollte man auch wieder nicht allzu großen Respekt haben.

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • bestand aus Angehörigen der arischen Kriegerkaste, welche in das Gebiet eingedrungen war.


    Ich möchte ja endlich mal wissen, wer oder was Arier sind. Seid die AFD im Bundestag sitzt, sollten wir Klarheit haben. Vielleicht sind sie ja gar nicht das, was sie sein wollen^^

  • Die Beschreibung von "Ethno-Pluralismus" im Zitat widerspricht, grob gesagt, der Menschheitsgeschichte.


    So einen Murks kennt man aber auch aus kommunistischer Geschichtsschreibung. Die Stärke dieses "Denkens" ist auch ihre Schwäche - es ist rein ergebnisorientiert: "Wie verbräme ich ein verquastes Weltbild pseudo-wissenschaftlich?"

    genau so ist es.


    Einen kurzen Überblick findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnopluralismus

  • Hallo liebe Kollegen
    ich hab den Fred noch einmal aus der Versenkung geholt.
    Jetzt ist ja wieder Buchmesse. Und wir haben uns damals intensiv hier im Forum darüber unterhalten was man tun könnte, wie man argumentiert usw....


    Wollen wir denn jetzt wirklich was tun? Also als 42er?
    Also die, die in Leipzig vor Ort sind? Und wenn ja was? hat jemand eine Idee?


    Es werden wieder rechte Verlage dabei sein. Wo und wer ist ja noch nicht raus.
    Ich hatte diese Frage schon mal im Leipzig - Fred gestellt aber da ist sie irgendwie untergegangen.


  • Auf der Buchmesse der »Antifa« anschließen und vor den Ständen rechter Verlage rumbrüllen?


    Da bin ich nicht dabei!


    Diskussionen mit rechten Verlagen führen? Halte ich für ziemlich nutzlos aber wenn auf öffentlichem Podium könnte ich mir vorstellen, so etwas mit vorzubereiten und mitzumachen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • So wie ich die Diskussion hier immer verstanden hab, Dorit, war stets die Position, dass der Verein sich nicht positioniert, weil alle Mitglieder verschieden sind und nicht EINE Meinung vom Verein her vertreten können.
    Wenn du aber eine Idee hast, wie ich mich persönlich und mit dir zusammen einbringen könnte, bin ich wahrscheinlich dabei.
    Ich brüll auch gerne, um mich bemerkbar zu machen, so ist das nicht. Auf der Messe brüllt ja eh jeder, weil es immer dermaßen laut ist.

  • So wie ich die Diskussion hier immer verstanden hab, Dorit, war stets die Position, dass der Verein sich nicht positioniert, weil alle Mitglieder verschieden sind und nicht EINE Meinung vom Verein her vertreten können.
    Wenn du aber eine Idee hast, wie ich mich persönlich und mit dir zusammen einbringen könnte, bin ich wahrscheinlich dabei.
    Ich brüll auch gerne, um mich bemerkbar zu machen, so ist das nicht. Auf der Messe brüllt ja eh jeder, weil es immer dermaßen laut ist.
    Horst-Dieters Idee einer Diskussion finde ich auch gut.
    Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst und der Umgang mit rechter Propaganda oder so. Aber was wäre unsere Expertise? Schwierig.

  • Zitat

    Auf der Buchmesse der »Antifa« anschließen und vor den Ständen rechter Verlage rumbrüllen?

    - überhaupt nicht. Die Aussage des Filmes ist doch auch nicht so.


    Zitat

    dass der Verein sich nicht positioniert, weil alle Mitglieder verschieden sind


    Stimmt, hatte ich aus den Augen verloren.


    Ich fühlte mich "damals" nur innerhalb dieses Forums aufgefordert, durch Aussagen wie
    "..wo der Weg hingeht, wenn wir nicht aufpassen ..." usw.


    Ich frage mich selbst, was das bedeutet. Aufpassen tue ich ja. Vielleicht reicht das auch erst mal.



    HD hatte musizieren vorgeschlagen damals. Vielleicht habe ich das auch zu ernst genommen.


    Was mir vorschwebt ist eher etwas mit Humor.
    So etwas, was eben auch im Film zu sehen war:
    Plakate, die über Nacht dort aufgestellt worden sind. Auf den Stand: zu Nebenwirkungen und Risiken fragen Sie bitte Ihre Großeltern... ect.


    An sowas in der Richtung dachte ich.