Geheimnis "Kurzgeschichte"

  • Der Forderung: Kurzweilig zu schreiben, kann er nicht nachkommen, weil ja eben jeder Leser das anders sieht.

    Aber wofür denn sonst? Der Anspruch, dass ein paar werden es schön mögen (die generell dem Thema aufgeschlossen sind) ... wofür schreibe ich denn dann? Für mich?

    ... und ich verrenk mir mein Gehirn bloß um zu sagen was ich will,
    das ist nicht viel aber auf jeden Fall besser als Schweigen - Gisbert zu Knyphausen

  • Joschik
    Wir diskutieren über die Kurzgeschichte und welche Anforderungen gestellt werden. Natürlich kann das jeder für sich so eng oder so weit fassen, wie er möchte. Aber die Forderung zu stellen, es muss "kurzweilig" sein und dann ist es egal, wie lang die Kurzgeschichte ist, ist eine Nonsens-Forderung.Sie hilft einem Autor nicht ein bisschen weiter. Es ist eben nur eine Forderung, die EIN Leser stellen und für sich beantworten kann. Dann trifft auch Jürgens Vorwurf zu: Für diesen einen Leser ist dann jeder Text, egal wie kurz oder lang, eine Kurzgeschichte (=kurzweilige Geschichte). Mit der Form hat das dann nichts mehr zu tun. Genau aber um diese ging es bei der eingangs gestellten Frage.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Horst-Dieter ... Okay ... Wir quetschen es in nicht typisch "deutsche" Normen, aber "den" Leser der entscheidet den gibt es auch nicht .... und wie machen wir es fest ..
    Wir würfeln was eine KG ist?

    ... und ich verrenk mir mein Gehirn bloß um zu sagen was ich will,
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  • Horst-Dieter ... Okay ... Wir quetschen es in nicht typisch "deutsche" Normen, aber "den" Leser der entscheidet den gibt es auch nicht .... und wie machen wir es fest ..
    Wir würfeln was eine KG ist?


    Ich habe eine knappe Definition versucht: Kurz + Geschichte. Als Grenze für kurz setze ich 30 Seiten (willkürlich, das ist natürlich angreifbar). Inhalt muss eine Geschichte sein, also etwas, das aktive Handlung aufweist. Damit grenze ich zur Kurzprosa ab, die auch ohne Handlung auskommt. Es gibt noch mehr Regeln - Bettina hat einige aufgelistet - aber die sind nicht zwingend nötig (Behauptung von mir). Manches ergibt sich einfach von selbst. Wenn man eine Kurzgeschichte mit dem Umfang von 8-10 Normseiten schreibt, wird man nicht unzähliges Personal und mehrere Handlungsstränge unterbringen können.

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  • Ich bin verwirrt ... Galax sprach Eingangs die "ominösen" 30 Seiten an. War dein Einwand nicht gearade dagegen?
    Kurzgeschichte = Kurz + Geschichte? Unabhängig der Seitenzahl ...

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  • Ich bin verwirrt ... Galax sprach Eingangs die "ominösen" 30 Seiten an. War dein Einwand nicht gearade dagegen?
    Kurzgeschichte = Kurz + Geschichte? Unabhängig der Seitenzahl ...


    Kurz bedeutet kurz. Die 30 Seiten habe ich aufgegriffen als maximale Grenze weil sie sowieso schon im Gespräch war. Eine Kurzgeschichte braucht im Prinzip soviele Seiten nicht.


    Andererseits verweise ich auf die Aussage von Robert Gernhardt, die ich seit einigen Tagen im Impressum habe.

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  • Ach, das Impressum hat Recht. Es war auch nur ein Gedanke. Allerdings richtig. Gehört hier nicht hin.
    Hat nichts mit der Eingangsfrage zu tun und bringt Galax auch keinen Schritt weiter.
    Wenn ich jemandem die Zeit gestohlen habe, so tut mir dies leid :blume


    Schöne Woche
    Joschik

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  • Wenn ich jemandem die Zeit gestohlen habe, so tut mir dies leid :blume
    Joschik


    Zeit kann man nichtd stehlen. Und Entschuldigungen in einer Diskussion sind nicht nötig, zumindest wenn niemand verletzt oder beleidigt wurde. Das ist hier bisher nicht vorgekommen. :brille

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  • So, heute kam ich endlich mal, mich wieder dem Forum zu widmen.
    Nun ist hier ja doch einiges los, das freut mich.
    Greife ich mal die „kürze“ auf.


    @ Horst-Dieter
    Gibt es überhaupt Normen in irgendeiner Richtung? Wenn ja, ignoriere ich sie immer, da ich sie nicht kenne. Vermutlich werden meine kürzeren Geschichten immer so lang ...
    Das mit den 500 Wörtern hört sich super an. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Vlt kommt ja was gutes bei raus :D



    @ Joschik
    Bilderbücher zu machen wäre wohl eine Herausforderung. Wie man 300 Seiten und mehr schafft? Plotten ^^
    Auf der anderen Seite, mein Lebenswerk hat (in viele Teile gesplittet) etwas mehr als 3500 Seiten und ich habe nichts vergessen, was in den Büchern steht. Wobei es bei mir auch eh komisch ist, da ich fast nichts vergesse, höchstens mal temporär „verlege“ oder „zur Seite schiebe“. :D


    Deine unorthodoxe Bezeichnung einer Kurzgeschichte gefällt mir. Da finde ich mich wieder ^^
    Meine Text sind lang, die Weile aber kurz ^^
    Auch wenn Horst-Dieter in diesem Fall natürlich recht hat; Kurzeweile bedeutet nicht kurze Geschichte. Den letzten Harry Potter hatte ich in 2 tagen durch. Durch eine eine 20seitige Geschichte einer Kollegin quälte ich mich 3 wochen …



    Jürgen
    Naja, klassische Witze sind in der Tat kleine Kurzgeschichten ^^
    Man hat eine Figur, eine Situation und eine lustige Auflösung ;)



    bettina
    Deiner Liste nach habe ich noch nie ne Kurzgeschichte geschrieben. Ich kopiere mir dies mal und kombiniere das mit den 500 Wörtern :)



    Zur Kurzgeschichtem bzw diesen „30 Seiten“ allgemein sei gesagt, dass ich ebenfalls auch diesen Punkt in zweifel ziehe. Schließlich komme ich mit 30 Seiten einfach nicht hin. Angenehm sind 50, dass nun aber gesagt wird, man braucht *weniger* ist schon krass – aber wohl richtig. Und wie ich die Diskussion hier nun nachgelesen habe, ist an sich ja noch nicht mal die Definition an sich unstrittig.
    Ansonsten aber recht interessant, da mich der Teil mit der „kurzen Weile“ tatsächlich sehr angespornt hat, einfach mal ein wenig zu „hetzen“ in der Erzählung, was man ja in größeren Texten tunlichst vermeiden sollte. :)


  • @ Horst-Dieter
    Gibt es überhaupt Normen in irgendeiner Richtung? Wenn ja, ignoriere ich sie immer, da ich sie nicht kenne. Vermutlich werden meine kürzeren Geschichten immer so lang ...
    Das mit den 500 Wörtern hört sich super an. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Vlt kommt ja was gutes bei raus :D


    Normen gibt es nicht. Gottseidank. Aber Regeln durchaus. Bettina hat einige aufgelistet. Die zu beachten (alle oder einige) ist eine gute Hilfe. Aber ich verweise trotzdem noch einmal auf mein Impressum.


    Tipp: Der Putltizer Preis lässt sogar noch mehr als 500 Wörter zu, zieht aber eine eindeutige Grenze. Inzwischen hat er sich einen guten Ruf erworben. Teilnehmen lohnt sich. Einmal zur Übung und möglicherweise gehört man sogar zu den Preisträgern.


    Zitat

    Jürgen
    Naja, klassische Witze sind in der Tat kleine Kurzgeschichten ^^
    Man hat eine Figur, eine Situation und eine lustige Auflösung ;)


    Eher nicht, oder nur selten. Oft fehlt die Handlung und das "Erzählende" an der Geschichte (wenn es denn eine Geschichte ist. Deshalb heißen Witze ja auch Witze und nicht Kurzgeschichte. ;)


    Zitat


    Zur Kurzgeschichtem bzw diesen „30 Seiten“ allgemein sei gesagt, dass ich ebenfalls auch diesen Punkt in zweifel ziehe. Schließlich komme ich mit 30 Seiten einfach nicht hin. Angenehm sind 50, dass nun aber gesagt wird, man braucht *weniger* ist schon krass – aber wohl richtig. Und wie ich die Diskussion hier nun nachgelesen habe, ist an sich ja noch nicht mal die Definition an sich unstrittig.


    Es ist wohl eher ein Hang zur Erzählung oder Novelle festzustellen.

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  • Hallo Galax,


    also für mich sind 30 Seiten und mehr längst keine Kurzgeschichte mehr :D. Wobei ich auch eher Flashfiction (max. 250 Worte) und Postcardstorys bevorzuge. Die Sache mit der Wortbeschränkung könnte Dir wirklich eine Hilfe sein, weil sie Dich zwingt, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren.


    Ein für mich wichtiges Merkmal einer Kurzgeschichte ist, dass sie sich exakt nur mit einem Thema befasst, das so umfassend wie möglich und von so vielen Seiten wie nötig beleuchtet und am Ende den Leser mit einer Frage zurücklässt, die ihn weiterdenken lässt. Auf keinen Fall sollte sie so abgeschlossen sein, dass der Leser sich denkt: Okay, jetzt hab ich alles erfahren - und?
    Vielleicht hilft es Dir, wenn Du versuchst Dich selbst zu beschränken & eine Idee soweit runterzubrechen, bis nur noch eine zentrale Frage zurückbleibt, um die Du eine Geschichte spinnst?


    Viele Grüße & viel Erfolg mit vielen, neuen Flashfiction Ideen, die Dir sicher bald zufliegen werden! ;)


    Heidrun

  • Auja, das versuch ich mal.


    Für den "Putlitzer Preis" komm ich unter Garantie nicht in Frage, aber ich werde mich auf jeden Fall bemühen, mal irgendwas superkurzes zu verfassen und dabei die hier genannten Punkte zu berücksichtigen. Und ich weiß jetzt schon, dass es scheitert, aber schon Songoku sagte "Versuch mach kluch"

  • Zeit kann man nichtd stehlen. Und Entschuldigungen in einer Diskussion sind nicht nötig, zumindest wenn niemand verletzt oder beleidigt wurde. Das ist hier bisher nicht vorgekommen.

    Alles gut. Nun, zumindest in der Literatur kann man Zeit stellen, ich verweise hier an Michael Ende - Momo :nick
    Und doch, wenn man eine Diskussion am eigentlichen Thema vorbei führt, ist auch dies entschuldbar. Aber wie auch immer ... kurz und knapp.
    Ich schreibe keine Kurzgeschichten, jeden falls nicht diejenigen, die der allgemeinen Definition entsprechen (wie eng man diese auch immer nehmen mag.)
    Doch ich hoffe ich schreibe Kurzgeschichten, nach meiner eigenen, Kleinen-Kämmerlein-Definition. Vielleicht ist der zutreffender Titel, Kurz(-weil-)Geschichte.


    Joschik

    ... und ich verrenk mir mein Gehirn bloß um zu sagen was ich will,
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  • Alles gut. Nun, zumindest in der Literatur kann man Zeit stellen, ich verweise hier an Michael Ende - Momo :nick


    Ich behaupte mal ganz frech, gerade Momo zeigt, dass Zeit nicht wirklich gestohlen werden kann, sondern alles auf manipulativer Suggestion beruht.


    Wenn jemand glaubt, irgend ein anderer würde ihm Zeit wegnehmen, dann irrt er schon damit, dass er Zeit ja überhaupt nicth besitzen kann.


    Aber damit entferne ich mich natürlich vom Thema dieser Diskussion (Kurzgeschichte) und möglicherweise glauben diese und jener tatsächlich, ich würde ihnen damit Zeit stehlen. Kann ich nur sagen: Guckt doch nach, wo ich die gestohlene Zeit hab! :evil

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  • Dabei sind Kurzgeschichten an sich ne tolle Sache. Ist schnell gemacht, schreibt sich nach Feierabend oder auch mal am WE und die Durchsicht für die eigene Kontrolle sollte auch nur ein - zwei Tag in Anspruch nehmen. Ich sitze immer 2 Monate an so einem mini-romänchen und ärgere mich, dass es nichts herauszukürzen gibt, weil irgendwie jenes noch gezeigt, dort erklärt und hier erwähnt sein sollte.


    Lieber Galax,


    leider komme ich erst jetzt dazu, zu Monitor zu bringen, was ich bei Deinem Eröffnungs-Thread dachte. Man kann Kurzgeschichten sicher als "an sich ne tolle Sache" betrachten, die "schnell gemacht" ist, "sich nach Feierabend" schreibt "oder auch mal am WE" und danach wartungsarm ist. So etwas würde ich für mich allerdings eher als Schreib- oder Fingerübung betrachten.


    Das mag noch Geschmackssache sein. Mir geht es aber in der Hauptsache um das Kürzen, und zwar bei einer Short Story um das Kürzen in seiner reinsten, radikalsten Form:


    Zitat


    nur selten schaff ich es, unter 30 Seiten zu bleiben. (...)
    Komm ich nicht mit hin und pendle mich meist so bei 60 Seiten ein.


    Hier die Anknüpfung an den Schluss Deines Zitats vom Anfang:



    Zitat

    dass es nichts herauszukürzen gibt, weil irgendwie jenes noch gezeigt, dort erklärt und hier erwähnt sein sollte.


    Gibt's da irgendwie nen Trick?
    Ich hatte mal versucht ne Geschichte zu erzählen, in der ich garnix erkläre. Einfach die Protagonisten in einer Welt agieren lasse, die scheinbar sich selbst durch pure Existenz erklärt.
    Hat nicht geklappt …


    Dass das "nicht geklappt" hat, scheint mir einen einfachen Grund zu haben. Ich sage das mal vorab mit eigenen Worten: Du kannst alles weglassen, was Du willst, wenn Du weißt, was und warum Du es weglässt.


    Jetzt der King, der Meister aller Klassen:


    Zitat

    „Wenn ein Prosaschriftsteller genug davon versteht, worüber er schreibt, so soll er aussparen, was ihm klar ist. Wenn der Schriftsteller nur aufrichtig genug schreibt, wird der Leser das Ausgelassene genauso stark empfinden, als hätte der Autor es zu Papier gebracht. Ein Eisberg bewegt sich darum so anmutig, da sich nur ein Achtel von ihm über Wasser befindet.“


    Das ist von einem meiner Gurus, Ernest Hemingway, und nennt sich auf amerikanisch "Iceberg Theory ", auf Deutsch "Eisbergmodell ". Auf Deutsch belässt man es für die Definition üblicherweise beim vorangegangenen Zitat, auch das deutschsprachige Wiki. Das komplette Zitat aus Hemingways "Death in the Afternoon" enthält noch einen entscheidenden Satz im Anschluss (taucht in der deutschen Wiki nur in Fn. 2 auf):


    Zitat

    A writer who omits things because he does not know them only makes hollow places in his writing.


    Spart ein Autor also Dinge aus, weil er nichts über sie weiß, dann schafft er damit nur hohle Stellen in seinem Text.


    In der Theorie ist das einfach: Du brauchst schlicht nur alles zu wissen über die Geschichte, ihre Figuren und ihre Gerüche, Laute, ihr Aussehen, wie sie sich anfühlt und wie sie schmeckt. Und dann lässt Du 7/8 davon weg.


    Bewusst.


    Vielleicht versuche ich es noch einmal mit einem eigenen Thread zu Hemingways Eisberg-Theorie. Hier auf die Schnelle ist das vielleicht ein wenig zu sehr Schweinsgalopp. Erst mal alles Gute für weitere Kurzgeschichten, Galax! Für mich sind sie eine Königsdisziplin.


    Hemingway hat bei seinen Short Storys gekürzt, bis die nackte Essenz übrig blieb.


    Herzliche Grüße,


    Alexander

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Hallo Galax,


    wir hatten das Thema schon mal in einer Diskussion im Vereinsbereich, und ich vermute, auch hier ist es bereits zur Sprache gekommen:


    Eine "Kurzgeschichte" ist keineswegs eine "kurze Geschichte", sondern eine eigene literarische Form. Sie ist zwar kurz, sollte aber noch einige andere Aspekte als den Umfang mitberücksichtigen.


    Und diese Kurzgeschichte in ihrer strengeren Defintion halte ich für eine ausgesprochene schwierige literarische Textform. Sie besteht übrigens tatsächlich zu einem großen Teil im Weglassen. Vieles wird dort zwischen den Zeilen transportiert.


    Jetzt geht bestimmt gleich die alte Diskussion darüber los, dass das hier kein Forum für Literaturwissenschaftler, sondern eines für Autoren ist :). Aber ich finde ganz einfach, man sollte beides, die Kurzgeschichte und die kurze Geschichte, nicht immer wieder durcheinanderbringen. Schreiben kann man sowohl das eine als auch das andere. Nur nichts als "Kurzgeschichte" bezeichnen, was keine ist.

  • Liebe Anja,


    find ich gut, dass du nochmal (das haben in ähnlicher Form auch andere in diesem fred hier gesagt) auf Kurzgeschichte und eine kurze Geschichte hinweist.


    Ich liebe sie und freue mich heute noch über meine Kurzgeschichten in meinem Band: Nebengleis. Aber- so dahin gerotzt, mal eben so, weils gerade passt. Sind sie bei mir nicht. Heute geht es zwar schneller, aber sie bedürfen genau das, was Alexander in der Eisberg-Theorie anreißt. Das wiederum verstehen manche Leser nicht, die nach Ausführlichkeiten lechzen.
    Und am meisten liebe ich an einer Kurzgeschichte das herrliche Streichen, Weglassen, den Kern herausholen. Das ist Polieren, Wegschnippeln, um die Ecke denken, säubern, deutlich machen.


  • Eine "Kurzgeschichte" ist keineswegs eine "kurze Geschichte", sondern eine eigene literarische Form. Sie ist zwar kurz, sollte aber noch einige andere Aspekte als den Umfang mitberücksichtigen.


    Umfang ist das eine, Geschichte ist das andere. Nur kurz ist Kurzprosa.


    Zitat


    Und diese Kurzgeschichte in ihrer strengeren Defintion halte ich für eine ausgesprochene schwierige literarische Textform. Sie besteht übrigens tatsächlich zu einem großen Teil im Weglassen. Vieles wird dort zwischen den Zeilen transportiert.


    Diese strenge Form gibt es nur im Schulunterricht. Sie wurde erfunden von Leuten in den 1950er und 1960er Jahren, die selbst nie eine Kurzgeschichte geschrieben haben. Ist inzwischen überholt. Quellen habe ich angegeben. Germanistinnen, meine ich, sollten sich da auf dem Laufenden halten.


    Zitat


    Jetzt geht bestimmt gleich die alte Diskussion darüber los, dass das hier kein Forum für Literaturwissenschaftler, sondern eines für Autoren ist :). Aber ich finde ganz einfach, man sollte beides, die Kurzgeschichte und die kurze Geschichte, nicht immer wieder durcheinanderbringen. Schreiben kann man sowohl das eine als auch das andere. Nur nichts als "Kurzgeschichte" bezeichnen, was keine ist.


    Eine kurze Geschichte ist eine Kurzgeschichte. Oder kannst du den Unterschied erklären?

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  • Hallo Monika,


    Du arbeitest nach diesem Prinzip aber auch in den Romanen, die ich bisher von Dir gelesen habe. Und ich mag genau diesen kurzen Stil.
    Kurzgeschichten an sich sind nicht so meine bevorzugte Lektüre. Aber ich halte sie eben doch für eine eher hohe Kunst und nicht für etwas, das man mal eben so schreibt, weil man gerade ein bisschen Zeit hat, bis der nächste Film anfängt oder das Essen fertig ist.


    Alexander war ein bisschen sauer auf mich, weil er fand, ich würde von seinem Thema ablenken :) Aber das hatte ich gar nicht vor. Ich denke nämlich, dass gerade die Kurzgeschichte nach dem "Eisbergmodell" entstehen muss. Im Grunde sogar jeder Text.
    Überausführlich ist einfach, knapp ist schwierig. Denn das setzt mehr Vorarbeit oder Nacharbeit voraus, je nachdem, wie man arbeitet. Ich tippe auch erst mal jede Menge Text runter und kürze und feile anschließend. Oder zumindest habe ich das am Anfang meines fiktionalen Schreibens so gemacht. Später beherrscht man die Technik dann schon besser.


    Vielleicht mal so als Anregung, einfach in den Raum hinein: Schreiben ist Arbeit :). Das ist so sinngemäß nach Wolf Schneider, und ich halte das für sehr wichtig. Aber es sagt ja niemand, dass Arbeit nicht Spaß machen kann.


  • Vielleicht mal so als Anregung, einfach in den Raum hinein: Schreiben ist Arbeit :). Das ist so sinngemäß nach Wolf Schneider, und ich halte das für sehr wichtig. Aber es sagt ja niemand, dass Arbeit nicht Spaß machen kann.


    Es sagt auch niemand, dass das Schreiben von Kurzgeschichten keine Arbeit ist.

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