flüchtlingspolitik - die andere hälfte der wahrheit

  • Freie Rede ist ein zu hohes Gut als dass die Empfindlichkeiten von Staatsoberhäuptern berücksichtigt werden müssten. Die Verunglimpfung von Mächtigen darf nicht je nach Niveau statthaft sein oder nicht.

    Der Unflat, den der Mann da abgesondert hat, ist ein denkbar schlechter Beitrag zur Diskussion um Meinungsfreiheit in der Demokratie. Es spielt keine Rolle, ob Papst, Präsident, Kanzlerin einerseits oder Kartoffelsammler, Hilfsarbeiter, Hartz IV-Empfängerin andererseits - NIEMAND muss sich gefallen lassen, als "perverser, verlauster Ziegenficker und Kinderschänder mit stinkendem Gelöt" verhöhnt zu werden. Ausnahmslos niemand. Wer sich auf dieses Niveau begibt, um angeblich irgendwelche demokratischen Errungenschaften zu verteidigen, deklassiert sich total und endgültig.
    Wer uns weismachen will, Freiheit sei dasselbe wie Zügellosigkeit, hat nichts verstanden.

  • @Didi
    Ich liebe einfach seine Radiosendung "sanft und sorgfältig", das Beste und Witzigste, was Radio derzeit zu bieten hat. Jan Böhmermann zusammen mit Olli Schulz. Habe ich als Podcast abonniert und freue mich auf jede Folge wie ein Schnitzel. Und daher weiß ich einfach, was der Typ so macht, dass er sich alles gut überlegt, dass er klug und reflektiert ist, und er hat sozusagen einen Vorschuss bei mir. Da kann man nichts machen. Und strafrechtliche Verfolgung ist einfach eine Nummer zu hart.

  • Und strafrechtliche Verfolgung ist einfach eine Nummer zu hart.


    Ich habe keinerlei Sympathien für Herrn Erdogan, aber hätte Böhmermann das über mich gesagt, hätte ich ihn verklagt - und ich bin kein Präsident oder sowas. Beleidigungen sind durch das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht geschützt.

  • heike, du kennst weder meine meinung noch mich.


    zum thema. der oben verlinkte artikel ist nicht von einem journalisten verfasst, sondern es handelt sich um einen gastbeitrag von bernd stegemann, dramaturg und professor. ich finde, er trifft es auf den punkt, ohne viele worte zu verschwenden. vielleicht ist der artikel so klar und gut gelungen, weil er nicht die meinung des chefredakteurs haben muss?

  • Ein Kunstwerk.
    Wie schön, dass auch die komplett Abgedrehten in diesem Lande schreiben dürfen, was sie wollen. Und uns wird endlich vor Augen geführt, welch ein Kunstkenner der Vorstandsvorsitzende von Springer ist. Misstrauisch seinen Ausführungen gegenüber sollte man spätestens da werden, wo er sogar Hitler herbeischleppen muss, um den Wert von Satrirefreiheit zu erklären, der im übrigen völlig unbestritten ist und überhaupt nicht diskutiert werden muss. Hier geht´s um Niveau - bzw. dessen Fehlen. Bei diesem Böhmermann ebenso wie bei Döpfner. Aber das ist halt so eine Sache mit der Kunst ... :evil

  • Didi: man muss es ja nicht mögen (ich find's auch unter aller Sau), aber erlaubt sein muss es. Bei Döpfner, mein unmittelbarer Nachbar und mir recht unsympathisch, wundert mich allerdings, dass er diese Laudatio schreibt. Weniger wundert es mich bei dem ehemaligen Chef von Cicero, Wolfram Weimer, der sich ähnlich äußert. Sein Journal ist in der Flüchtlingskrise immer kritisch gewesen.
    http://www.achgut.com/artikel/…lregeln_eines_neo_sultans

  • Es geht in der "causa Böhmermann" nicht um Kunst oder Niveau, sondern um Satire und Strafbarkeit. Gottlob geht es bei Kunst- und Meinungsfreiheit gerade nicht um die Einschätzung, wie wertvoll die fragliche Kunst oder Meinung sind.


    Ich würde gern schreiben: "Falls die Staatsanwaltschaft Mainz in dieser Sache Anklage erhebt, fresse ich einen Besen." Da ich mir diese Mahlzeit aber trotz aller Unwahrscheinlichkeit nicht zumuten will, formuliere ich: "Sollte die Staatsanwaltschaft dieses Verfahren nicht einstellen, spende ich 42 Euro an die Vereinskasse."

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Der Artikel ist meines Erachtens eine Kritik an Merkel, die von links kommt.


    "Wenn die Schere zwischen den Armen und den Reichen immer weiter auseinandergeht, muss sich niemand wundern, wenn die politischen Ansichten ähnlich radikal auseinandertreiben. Die Dialektik von Shen Te und Shui Ta zu begreifen würde helfen, das Erstarken der AfD ebenso wenig als Naturgewalt zu betrachten wie den Flüchtlingsstrom, sondern beides als konkrete Folgen eines globalen Kapitalismus."


    Da gebe ich ihm durchaus recht, wohl wahr. Aber wo ist der Haken einzuschlagen, diese Verhältnisse zu ändern? Der Sozialismus war ja auch nicht die richtige Antwort auf die Probleme.

  • [quote='Alexander R.','index.php?page=Thread&postID=246560#post246560']


    "Sollte die Staatsanwaltschaft dieses Verfahren nicht einstellen, spende ich 42 Euro an die Vereinskasse."[/qoute]


    42 cent täten es auch.

  • Zitat

    das Erstarken der AfD ebenso wenig als Naturgewalt zu betrachten wie den Flüchtlingsstrom, sondern beides als konkrete Folgen eines globalen Kapitalismus


    Der "globale Kapitalismus" ist als Kampfbegriff von gleicher Qualität und Aussagekraft wie das "Weltjudentum". Analyse für Schwachmaten. :bonk

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • "Bislang sind bereits zahlreiche Strafanzeigen gegen den Moderator Böhmermann bei der Staatsanwaltschaft Mainz eingegangen. Zu einer Strafverfolgung kommt es lediglich in dem Fall, wenn seitens der türkischen Regierung ein Interesse daran besteht."


    http://www.abendblatt.de/polit…egen-Jan-Boehmermann.html


    vielleicht eine chance, lösungen für flüchtlinge ohne türkei zu finden? denn mit erdogan wird es nicht gelingen. dafür braucht niemand eine kristallkugel.

  • Es geht in der "causa Böhmermann" nicht um Kunst oder Niveau, sondern um Satire und Strafbarkeit.

    Einspruch. Es steht niemandem zu, apodiktisch zu behaupten, worum etwas gehe, noch reicht die einseitig juristische Sicht in der Regel aus, um komplexe soziale und / oder künstlerische Fragestellungen angemessen zu beantworten. Zweifellos geht es hier auch um eine juristische Fragestellung. Und mit der dürfen und müssen sich die Rechtskundigen auch gern auseinandersetzen, ohne dass sie meine Einmischung befürchten müssen. Dennoch steht es auch Juristen nie schlecht zu Gesicht, wenn sie wenigstens versuchen, das Leben um sich herum nicht nur aus der Paragraphenperspektive zu betrachten. Es geht nicht nur mir, sondern sehr vielen anderen Kritikern an diesem Böhmermann-Elaborat sehr wohl auch um Niveau und - spätestens seit der unsäglichen Döpfner-Behauptung von einem "Kunstwerk" - auch um die künstlerische Qualität dieser öffentlich verbreiteten Geschmacklosigkeit. Und dazu sind ebenfalls Meinungsäußerungen jeder Art zulässig, denke ich.


    Ein Nachtrag noch: Ganz wesentlich ist natürlich auch der politische - um nicht zu sagen: hoch politische - Aspekt dieses Vorgangs. Denn die nur scheinbar rein juristische Angelegenheit würde ja sowieso nur zu einer solchen, wenn die Bundesregierung morgen der Forderung der türkischen Regierung auf Strafverfolgung nachkommen würde. Ob sie das tut - (was m. E. natürlich nicht passieren kann, darf und wird) - das ist das eigentliche Thema des gesamten Disputs. Kein juristisches also, sondern ein politisches.