Wie sollen Autoren übers Netz recherchieren?

  • Zitat

    Überwachung aus (angeblichen) Sicherheitsaspekten macht mir dabei weniger Angst. Denn wenn irgendjemand genauer bei mir nachschaut, wird er ohne Mühe feststellen, dass ich eine harmlose Schwabinger Apfelschnitzmutti bin.


    Mitteilungen dieser Art irritieren mich immer wieder, und zwar auf fundamentale Weise. "Ich habe nichts zu verbergen" ist meiner Überzeugung nach das schlimmste Argument für die Generalüberwachung. Das Recht des Menschen, die Freiheit des Menschen, Geheimnisse haben zu dürfen, und zwar gleich welcher Art, ist meiner Überzeugung nach elementar. Es ist unerheblich, ob man nichts oder etwas zu verbergen hat. So lange kein begründeter Verdacht vorliegt, hat das Verborgene im Verborgenen zu bleiben, Punkt.


    Außerdem ist die Vermutung, dass man mit wenig Mühe feststellen wird, dass Du harmlos bist, sehr naiv. Du weißt nichts darüber, was wie herausgefunden wird (ich übrigens auch nicht). Es gibt eine Datenlage und irgendwelche Schlussfolgerungen, von Menschen oder Maschinen ermittelt. Ob diese Schlussfolgerungen der Realität entsprechen, lässt sich faktisch nicht feststellen. Apfelschnitzerin und Attentäterin liegen da möglicherweise dichter beieinander, als man wahrhaben will.

  • Das sehe ich wie Tom. Zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung klafft gelegentlich ein himmelweiter Unterschied. So manch harmloser Apfelschnitzvati findet es vermutlich in Guantanamo gar nicht so heimelig.

  • Das sehe ich wie Tom. Zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung klafft gelegentlich ein himmelweiter Unterschied. So manch harmloser Apfelschnitzvati findet es vermutlich in Guantanamo gar nicht so heimelig.


    Ein Apfelschnitzvati aus Guantanamo hat da gerade ein Buch zu gemacht:


    [buch]3608503307[/buch]

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Bei aller Sorge - dass die weitere Nutzung der social media das Risiko in sich trägt, in Guantanamo zu landen, erscheint mir denn doch etwas weit hergeholt.

  • Du weißt nichts darüber, was wie herausgefunden wird (ich übrigens auch nicht). Es gibt eine Datenlage und irgendwelche Schlussfolgerungen, von Menschen oder Maschinen ermittelt. Ob diese Schlussfolgerungen der Realität entsprechen, lässt sich faktisch nicht feststellen.


    Zur Veranschaulichung dieser Aussage fiel mir ein Artikel ein, den ich dieser Tage gelesen haben:Berliner Morgenpost über Schufa-Opfer


    By the way: Bei mir blendet die Onlinewerbung bei diesem Artikel gleich Kreditangebote ein... mit und ohne Schufa :evil

  • Ich stimme Tom auch zu.
    Ich bin der Überzeugung, dass es dabei um Menschenwürde geht.
    Dass fremde, anonyme Menschen oder Apparate meine meinetwegen harmlosen, stinklangweiligen, gewöhnlichen Daten einsehen und sammeln und verwerten und sie verwenden, interpretieren usw., das ist gegen meine Würde. Es setzt mich herab zu einem Wirtschaftsgut, finde ich. Es macht das, was mir gefällt oder nicht, zu einer Ware, also irgendwie meine Persönlichkeit, mein Menschsein.
    Das ist wie wenn jemand sagt: zieh dich nackt aus, Geschlechtsorgane hat doch schließlich jeder, und so kleine Makel und Haut und alles auch, da gerätst du nicht gleich unter Terrorverdacht, da können die nicht mal was damit anfangen, aber stell dich etwas mehr ins Licht und tu die Hand da weg.

  • Missverständnis: Ich wollte mit meinem Post nicht ausdrücken: "Ich habe nichts zu verbergen, deswegen macht mir Überwachung nichts aus." Eine solche Einstellung halte ich auch für töricht. Überwachung der Kommunikation macht mir was aus, ich halte Überwachung von jeder Seite aus für empörend, illegal und unwürdig und das ratlose Schulterzucken unserer Gesetzgeber entsetzt mich.


    Trotzdem nutze ich das Internet zum Recherchieren, weil ich darauf angewiesen bin. Und bei dieser Recherche habe ich keine konkrete Angst, dass demnächst die Herren in schwarz meine Wohnung stürmen, nur weil ich mich auf autonomen Blogs herumgedrückt habe. Soviel Restvertrauen habe ich in unser Rechtswesen - dessen Teil ich ja bin und das ich von innen kennenlernen durfte. Dass das nie ausgelesen werden DÜRFTE, steht auf einem anderen Blatt.
    Was mir mehr Kopfschmerzen bereitet, ist, wo meine Daten sonst landen. Banken, Schufa, Versicherungen, die unsichtbaren Strippenzieher des Staates. Und das ist genau der Punkt, wo ich zum Wirtschaftsgut werde.


    Ich weiß noch nicht recht, was Programme wie adblock plus und Ghostery bringen, die ich benutze. Aber sie sind vielleicht schon mal ein Anfang.