Kill your darling!?

  • Zitat

    Original von Mulle
    Testphase 1 vers. Testphase 2, scheint mir.
    Ich mag es opulent, aber das neue ist selbst mir zu krass. Aber zwischen den Versionen hast du einen brauchbaren Stil versteckt (oder in die 80er reisen, ich mein, da war das gerade in). Musst'e nur ausgraben.


    Liebe Mulle,


    das mit den Testphasen hast du gut erkannt. Ich schrieb beide Textanfänge zwischen meinen beiden Romanprojekten.


    Das Neue ist selbst dir zu krass? Okay, weil du's bist. =) Es wird nicht gerade besser mit dem Opulenten ... Die nächsten beiden Absätze lauten:


    Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt, die Rösslein, die Zossen, die Ackergäule, die den Pflug hinter sich schleifen und Leben in die Erde furchen, sie lockern, ihre Lenden öffnen für die Saat. Nein, keine Pferde - Maschinen, große Maschinen mit Motoren und Stahl, die sich in die Scholle fressen, ihre Lenden aufreißen, sie vergiften, sie blutig kratzen, bis nur noch Mais steht überall, Mais, Mais, Mais mit viel Stärke für die Motoren, Raps mit viel Öl für die Motoren, Motoren, Motoren, Kartoffeln mit viel Stärke für die Motoren, Windräder mit viel Energie für die Motoren.
    Ein leichter Graupel setzte ein und stach Isford sanft in den baren Kopf. Er lehnte sein Haupt zurück und spürte die Nadeln über sein Gesicht rieseln, verzog das Gesicht mit jedem Muskel und breitete die Arme aus, ging in die Knie, empfing den Graupel in seinem Schoß und rollte lachend nach hinten ab, die Viere von sich gestreckt und sie rüttelnd wie die Äste eines Apfelbäumchens. Sein Rücken labte sich am Eis, mit der Rechten fuhr er in den schlafenden Acker und grub seine Fingernägel in den verkrusteten Boden, den Mund öffnete er weit und trank den rieselnden Graupel, während er sich jung fühlte, ganz jung, so jung.


    Und danach wird's noch krasser ... Ach ja, was war jetzt in den 80ern in? Stil 1 oder Stil 2?


    Herzliche Grüße,


    Hugo

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Zitat

    Original von Hugo


    Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt, die Rösslein, die Zossen, die Ackergäule, die den Pflug hinter sich schleifen und Leben in die Erde furchen, sie lockern, ihre Lenden öffnen für die Saat. Nein, keine Pferde - Maschinen, große Maschinen mit Motoren und Stahl, die sich in die Scholle fressen, ihre Lenden aufreißen, sie vergiften, sie blutig kratzen, bis nur noch Mais steht überall, Mais, Mais, Mais mit viel Stärke für die Motoren, Raps mit viel Öl für die Motoren, Motoren, Motoren, Kartoffeln mit viel Stärke für die Motoren, Windräder mit viel Energie für die Motoren.
    Ein leichter Graupel setzte ein und stach Isford sanft in den baren Kopf. Er lehnte sein Haupt zurück und spürte die Nadeln über sein Gesicht rieseln, verzog das Gesicht mit jedem Muskel und breitete die Arme aus, ging in die Knie, empfing den Graupel in seinem Schoß und rollte lachend nach hinten ab, die Viere von sich gestreckt und sie rüttelnd wie die Äste eines Apfelbäumchens. Sein Rücken labte sich am Eis, mit der Rechten fuhr er in den schlafenden Acker und grub seine Fingernägel in den verkrusteten Boden, den Mund öffnete er weit und trank den rieselnden Graupel, während er sich jung fühlte, ganz jung, so jung.


    den ersten absatz find ich :rofl8-)

  • Lieber Tom,


    Zitat

    Original von Tom
    Ich weiß einfach, wie es sich anhören, anfühlen soll, und so schreibe ich. Der Kontrollmechanismus bin ich selbst.


    ich stelle jetzt mal eine Frage, wie man das beim "Neuro-Linguistischen Programmieren" tun würde (à propos: aus dem NLP kenne ich auch den Begriff (Re-)Framing):


    Wie fühlt sich dein Körper an, wenn ein Text sich "richtig" anfühlt, wie Maren schrieb? Ist dein Bauch warm? Deine Stirn kalt? Oder umgekehrt? Pocht dein Herz stark? Ist deine Atmung regelmäßig oder unregelmäßig? Prickeln die Hände? Oder was immer dir einfällt.


    Bitte nimm mir diese Fragen nicht übel. Sie sind ganz ernst gemeint. Ich möchte verstehen, wie es sich bei dir anfühlt, wenn du weißt, dass dein Kontrollmechanismus, der du selbst bist, zufrieden ist. Im NLP stellt man solche Fragen.


    Zitat

    So ist es. Das ist eine gut erzählte, gute Geschichte, in der ich als Autor erkennbar werde, und die so nur ich hätte erzählen können. Darauf kommt es an, da muss man hinkommen. Alles andere sind Nebenschauplätze, auf die man sich gerne verirrt, die aber nur Zeit und Kraft kosten. Schreiben ist eine Angelegenheit des Selbst- und Sendungsbewusstseins.


    Weißt du was, Tom? Ich lade dich einfach mal irgendwann in die Tadschikische Teestube am Deutschen Historischen Museum zu einer Tasse Karawanentee aus dem Samowar ein, und du erklärst mir alles ganz in Ruhe. :D=)


    Herzliche Grüße,


    Hugo

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Zitat

    Original von Tom
    Trotzdem habe ich mir nicht angewöhnt, so zu schreiben, wie es sich dann anhand der Ergebnisse darstellte. Ich habe mir überhaupt nicht angewöhnt, "wie" (jemand) zu schreiben. Sondern so zu schreiben, wie ich es am besten kann. Möglich, dass diese Übungen hierbei ein wenig geholfen haben.


    mir haben die übungen in erster linie spaß gemacht. regelmäßig schreiben, das finde ich wichtig und das tut mir gut. andere joggen um die alster. die armen =);)

  • Zitat

    Original von Hugo


    Weißt du was, Tom? Ich lade dich einfach mal irgendwann in die Tadschikische Teestube am Deutschen Historischen Museum zu einer Tasse Karawanentee aus dem Samowar ein, und du erklärst mir alles ganz in Ruhe. :D=)


    ich will auch eingeladen werden *plärr* sonst lade ich mich selbst ein *droh* =)


    schlaft alle gut 8-)


  • Lies es doch nochmal, Hugo. In Ruhe. Und schreibe. Und falls diese "Im Märzen" Geschichte wirklich dein Text ist, gönn dir ein paar Betaleser. Und lies. Und schreib. Und lies. Und schreib neu.


    Keiner kann dir erzählen, wie es für DICH sein wird, wenn es sich richtig anhört.
    Ich weiß, wenn meine Texte für MICH fertig sind, dann gehen sie an meinen Agenten und dann an den Lektor.
    Und dann wieder zu mir zurück.
    Ich bin da ziemlich emotionslos. Tatsächlich. Nicht wenn ich es schreibe, sondern, wenn ich es überarbeite. Und kürze.
    Ich muss nicht mehr viel kürzen, meine Darlings kenne ich, die bleiben in der Schublade weitestgehend.
    Aber keiner kann dir sagen, wie das bei dir ist. Das musst du selbst rausfinden. Isso.


    Viel Glück damit


    wünscht


    Ulli

  • Schließe mich Ulli an. Es gibt kein Rezept, kein Patent, kein So-sollte-es-sich-anfühlen. Man kommt an einen Punkt, an dem man merkt, dass es funktioniert. Oder auch nicht. Herumprobiererei ist ein denkbarer Weg, um diesen Punkt zu erreichen, Workshops, Schreibratgeber oder -schulen sind ein anderer, möglicherweise zusätzlicher, aber auch kein garantierter. Lesen ist in jedem Fall ein Stück dieses Weges. Ein gutes Stück. Aber der Weg ist für jeden anders. Manch einer erreicht den Punkt nie. Die meisten, um ehrlich zu sein.


    Und auch die Sache mit der Emotionslosigkeit stimmt weitgehend. Das Schreiben ist (auch) ein emotionaler Prozess, zuweilen ein sehr emotionaler. Beim Schreiben geht es schließlich darum, Emotionen zu transportieren, auszulösen. Im Wort "Überarbeiten" hingegen steckt nicht umsonst das Verb "arbeiten". Das ist Arbeit. Die darin besteht, aus einem guten Text einen sehr guten zu machen. Vielleicht nicht völlig emotionslos, aber mit einer gewissen Distanz, einem über die Jahre geschulten Blick für das Wesentliche und dafür, was sich ändert, wenn man etwas ändert. Und einem Blick dafür, wie die Emotionen bleiben, die ja bereits im Text stecken.

  • Umso emotionsloser ich bin, umso "richtiger" ist mein Text.
    Wenn ich ihn einfach so, laut runterlesen kann und weiterlesen will, nicht ins Stocken und weder ins Schämen noch ins Schwärmen* gerate, dann ist er so gut. So gut, wie ich ihn in diesem Moment eben hinbekomme.
    Eine interessante Vorstellung ist es auch, den Text in der Fantasie laut einem gemischen Publikum aus 50- 100 Leuten vorzulesen. Ich habe das mal real gemacht und wusste danach, welche Worte ich noch streichen musste (die, die ich nicht vorgelesen habe).


    * Ist übrigens total gelogen. Hin und wieder ein Satz zum Anschmachten muss sein. Ich mag meine Darlings. Wenn ein guter Autor keine Darlings haben darf, dann werde ich eben ein schlechter, aber glücklicher Autor.


    Sagen wir so: Solange das Gericht auch ohne Deko schmeckt, ist alles gut, dann wird ein kunstvoll dahingespritzer Streifen Balsamico-Deko schon nicht schaden. Es müssen ja keine zu Rosen geschnitze Karotten sein, die Darlings.


  • Liebe Ulli,


    vielen Dank für deine guten Wünsche. Ich verstehe, dass du mir freundlich sagen willst: Jetzt lass aber mal gut sein.


    Nur: Das mit der Wahrnehmung ist schon spannend. Und daraus kann man Rückschlüsse auf sich ziehen. Du hast etwa geschrieben: "wenn es sich richtig anhört." Vielleicht sagst du: Da habe ich mich einfach vertippt; aber vielleicht bist du auch ein auditiver Mensch, der seine Texte laut liest.


    Is' ja schon gut, nur noch ganz kurz: Dieses "Falls es wirklich dein Text ist, gönn dir Beta-Leser" - is' das gut oder schlecht?!


    Herzliche Grüße,


    Hugo

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Zitat

    Original von Mulle
    Umso emotionsloser ich bin, umso "richtiger" ist mein Text.


    Das ist bei mir nicht so. Ich liebe meine Texte, sie rühren mich zu Tränen - wenn ich schreibe. Beim dritten Überarbeiten nicht mehr. Dann nur noch den Betaleser, aber der braucht dann die Familienpackung Tempos.


    Zitat

    Original von Mulle
    Wenn ich ihn einfach so, laut runterlesen kann und weiterlesen will, nicht ins Stocken und weder ins Schämen noch ins Schwärmen* gerate, dann ist er so gut. So gut, wie ich ihn in diesem Moment eben hinbekomme.
    Eine interessante Vorstellung ist es auch, den Text in der Fantasie laut einem gemischen Publikum aus 50- 100 Leuten vorzulesen. Ich habe das mal real gemacht und wusste danach, welche Worte ich noch streichen musste (die, die ich nicht vorgelesen habe).


    Bei JEDER Lesung, und ich lese oft, finde ich IMMER noch Sachen, die ich weglasse, streiche, die ich plötzllich doof finde. Aber das Buch ist gedruckt.
    Ich lese sie dann einfach nicht laut.
    ICH find sie doof, der Leser wüsste gar nicht, was ich meine, ihm fällt es nicht auf.
    Die Gewissheit habe ich inzwischen einfach, nach einigen an die hundert Lesungen und X Büchern.
    Ich mach auch noch Fehler, die Lesern auffallen, bekomme entsprechende Post. Das meine ich aber nicht. Grundsätzlich sind die Bücher lesbar, werden gelesen.


    Zitat

    Original von Mulle
    * Ist übrigens total gelogen. Hin und wieder ein Satz zum Anschmachten muss sein. Ich mag meine Darlings. Wenn ein guter Autor keine Darlings haben darf, dann werde ich eben ein schlechter, aber glücklicher Autor.


    Sagen wir so: Solange das Gericht auch ohne Deko schmeckt, ist alles gut, dann wird ein kunstvoll dahingespritzer Streifen Balsamiko-Deko schon nicht schaden. Es müssen ja keine zu Rosen geschnitze Karotten sein, die Darlings.


    Meine Darlings habe ich auch. Die behalte ich auch. Blöderweise. Daran muss ich noch arbeiten. Ich habe so Formulierungen, die kommen in jedem Buch vor - und die gefallen mir auch nicht mehr wirklich. Aber sie sind in meinem Hirnprogramm drin.
    Glücklicherweise habe ich auch noch andere Formulierungen, und die überwiegen.
    Immer wieder neue und möglichst nicht ausgelutschte Bilder.


    Ich habe kaum Schreibratgeber gelesen (bis auf Sol Stein - und der ist gut) und ich halte immer noch nichts von so Fragen wie: wie macht ihr das? (obwohl ich die auch mal gestellt habe und es so nachvollziehen kann)
    Weil jeder es selbst für sich herausfinden muss. Was für mich funktioniert, ist für Tom ein Graus. Was ich anwenden kann, bring H-D zum Wahnsinn.
    Es gibt nicht DIE Regel. Es gibt auch nicht DIE Vorschrift.
    Adjektive können überlasten, aber manchmal braucht man sie.
    Es gibt schöne Adjektive, tolle Besschreibungen, es gibt auch von jedem das Gegenteil.
    Find dich im Schreiben, deine Sprache, deinen Stil. Hab Geduld und Biss. Halte durch und lerne immer wieder neu, wenn du wirklich schreiben willst. Schreib, wenn du wirkllich schreiben willst. Lies. Lies viel. Vergleiche.
    Und bleib dann doch bei dir.


    So ist es bei mir. Aber vielleicht ist es bei dir dir / Tom / Mulle /Maren etc ganz ganz anders.


    Viel Glück


    wünscht


    Ulli


  • Nein, ixh sage nur: keiner kann dir sagen, was für dich und deine Texte funktioniert. Nicht allgemeingültig.



    Mein Betaleser ist gut. Er ist das Beste, was mir jemals im Schreibprozess passiert ist.


    Schade das Susanne Gerdom im Moment so im Streß ist. Sie könnte dir erzählen, was Betaleser bewirken. Glaub ich. 8-)


    Gute Nacht.

  • Zitat

    Original von siempre


    ich will auch eingeladen werden *plärr* sonst lade ich mich selbst ein *droh* =)


    schlaft alle gut 8-)


    Liebe siempre,


    wenn du aus Hamburg oder so nach Berlin kommen magst - gern. Besser aber noch, du kommst nach Potsdam. Da ist es noch viel schöner!


    Herzliche Grüße,


    Hugo

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Zitat

    Original von Hugo
    ich möchte euch um Rat fragen in Sachen: Überarbeitung eigener Texte ohne die Hilfe anderer.


    Es wäre sicherlich nicht verkehrt sich, ein kleines Netzwerk aufzubauen, auf das du zugreifen kannst, wenn es in Richtung Skriptfinish geht, um die letzten Korrekturen vornehmen zu lassen.


    Zitat

    Ist das allein ein Grund, aus dem ich Sätze oder Passagen oder ganze Szenen streichen sollte: dass sie mir besonders gut gefallen?


    Ehrlich gesagt, habe ich keine Lieblingssätze oder Passagen, darum kenne ich das Problem nicht. Im Grunde genommen muss sich doch jeder nur fragen, was er eigentlich will. Eine gute Geschichte erzählen oder Passagen oder Sätze verkaufen. Wer die Antwort kennt, weiß was zu tun ist.
    Wer zu denen zählt, die Geschichten erzählen, denen kann es doch egal sein, was gekürzt wird, solange der Sinn einer Geschichte nicht verloren geht oder anderweitig verbogen wird.


    Zitat

    Wenn ich meinem eigenen Urteil so sehr misstraue, dass ich das sofort wegwerfe, was ich für Sahnestücke halte, wie sehr kann ich denn dann dem Rest trauen?


    Ich denke, diese Frage ist nur sehr schwer zu beantworten. Denn der Begriff Sahnestücke gefällt mir nicht. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Begriffe wie Sahnestück, Perle, Kunst, Werk und alle anderen Abgehobenen Wörter eigentlich nur die eigenen Gedanken vergiften. Darum verlasse ich mich einfach auf das Gefühl, nur eine gute Geschichte zu schreiben. Das diese vielleicht nicht jedem gefallen wird, ist mir dabei bewusst, denn das ist eine Frage des Geschmacks. Der eine Kauft ein Opel, der andere einen Volvo, und? ;)
    Außerdem unterscheide ich konsequent zwischen dem geschichtlichen Inhalt und die Art mit der sie verpackt wird. An der Verpackung hänge ich nicht, wohl aber an dem Geschichtsinhalt. Und da die Verpackung aus unzähligen Einzelelementen besteht, die zu jeder Geschichte völlig neu angeordnet werden müssen, ist das wohl die kniffligste und zeitraubendste aller Aufgaben. Vor kurzen noch arbeitete ich mich zwei Wochen in die Jugendsprache ein, um authentische Dialoge schreiben zu können. Da kommt eine nette Kollegin mit starke Argumente daher, die klar machten, warum ich diese Sprache besser nicht verwenden sollte, tja ... die Trauer dauerte ca. 3-5 Sec. und weiter gehts. So was passiert eben Mal. Und ich bin mir sicher, dass das nicht der letzte Irrtum war :D



    Bevor ich überhaupt ein Wort zu einer Geschichte schreibe, durchwander ich sie einmal komplett vom Anfang bis zum Ende und prüfe anhand einer kleinen Kriterienliste ob sie die Bedingungen einer guten Geschichte erfüllt. Manche erfüllen sie auf Anhieb, andere wiederum nicht. Für die, die es nicht schaffen, kommt der liebe Onkeldoktor, der in einem zeitlich beschränkten Rahmen nach den fehlenden Schlüsselelementen suchen darf. Schafte er es nicht, die richtige Medizin zu finden, landen die Geschichten in den Geschichtenrecycler. :rofl
    und ich denke mir was neues aus.



    Von Mulle:

    Zitat

    Hugo, das ist jetzt oT, aber: Hast du gar keinen Testleser?


    Testleser, Hugo,auf die darf man eigentlich nicht verzichten. Alleine vor dem Hintergrund zu erfahren, ob der Plot vom Verständnis her sich bei den Lesern in die richtige Richtung bewegt. Außerdem entdeckt man ganz neben bei noch ein paar andere nette Dinge, auf die man selber gar nicht gekommen wäre. :D
    Also sind Testleser ein muss! Am besten erstellst du dir eine Liste und versuchst Leser mit möglichst unterschiedlichen Bildungsebenen da hinein zu packen. Was du da für returns bekommst, dass kann dir kein Forum bieten.


    Mittlerweile sitzen ich meine Frau hier und schließen Wetten ab, wer wohl was zurückschickt.

  • Zitat

    Original von Ulli


    Original von Hugo
    Is' ja schon gut, nur noch ganz kurz: Dieses "Falls es wirklich dein Text ist, gönn dir Beta-Leser" - is' das gut oder schlecht?!


    Mein Betaleser ist gut. Er ist das Beste, was mir jemals im Schreibprozess passiert ist.
    [/quote]


    Liebe Ulli,


    meine Frage zielte eigentlich nicht darauf ab, ob dein Beta-Leser gut ist. Aber nach mehreren Missverständnissen im Framing-Fred und hier - wahrscheinlich soll es zumindest heute Nacht nicht sein.


    Herzliche Grüße,


    Hugo

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Zitat

    Original von Ulli


    Das ist bei mir nicht so. Ich liebe meine Texte, sie rühren mich zu Tränen - wenn ich schreibe. Beim dritten Überarbeiten nicht mehr.
    ...


    Ja, das meinte ich auch. Das End-Überarbeiten.
    Hätte ich dazu schreiben sollen.
    Im Schreibprozess bin ich ein emotionales Wrack :achsel



    Dass du bei jeder Lesung noch Stoff zum Optimieren findest, finde ich jetzt schrecklich beruhigend.
    Das kann ich mir auch gut vorstellen, funktioniert bestimmt immer.
    Ich finde nur, dass man sich diese Wirkung halt zunutze machen kann, indem man eine Lesung durchspielt bevor man den Text zum Druck freigibt/ dem Lektor vorlegt/ etc. :P

  • Zitat

    Original von Hugo


    Liebe Maren,


    verstehe ich dich richtig, dass du nach Gefühl überarbeitest? Bis jetzt versuche ich immer, die erste Version nach Gefühl (oder meinetwegen mit rechter Hirnhälfte) zu schreiben und dann mit dem Kopf (oder linker Hirnhälfte) zu überarbeiten. Könntest du beschreiben, wie es ist, wenn sich etwas richtig anfühlt? Was sind da deine Kontrollmechanismen?


    Dass ich den Text und meine Figuren mag. Ich merke es, wenn es irgendwo nach hakt und überspringe diese Szene dann erstmal, schreibe weiter und kehre später zu der Stelle zurück. So habe ich keine Hänger und die kritische Stelle kommt später ganz automatisch. Manchmal noch am selben Tag, manchmal ein paar Tage später erst oder auch mal zwei Wochen später.


    Ich muss mich wohlfühlen können, mit dem, was ich da schreibe. Mir ist zwar immer bewusst, dass der Text später durchs Lektorat noch verbessert wird, aber das geht über meine eigenen Fähigkeiten hinaus. Also schreibe ich so gut, wie ich es eben kann, überarbeite Szenen, bis sie mir stimmig erscheinen. Das kann bei manchen nur 1 x sein und das kann auch 20 x sein, wenn ich immer wieder noch mal drangehe, ein Wort streiche, einen Satz hinzufüge, usw.


    So richtig beschreiben kann man das nicht. Es ist eben einfach das Gefühl, was dabei entsteht. Genauso ist es dann auch, wenn ich Lektoratsanmerkungen einarbeite. Da vertraue ich voll und ganz meiner Lektorin. Bisher gefiel mir der lektorierte Text hinterher immer besser, als vorher. Zumal es ja immer noch mein Text ist, aber eben besser, als ich ihn selbst hinbekommen könnte. Ich schaue mir die Sätze und geänderten Szenen dann genau an, versuche, mir zu verinnerlichen, wo ich was nicht so optimal vorher hatte und warum mir die neue Fassung besser gefällt. Und das dann beim nächsten Text selbst umzusetzen.
    Funktioniert teilweise auch bei Testleseranmerkungen. Dabei ist es egal, wie weit ein Testleser selbst schreibmäßig gesehen ist. Nur aus der Zielgruppe sollte der Testleser möglichst sein (es sei denn, es geht Dir "nur" ums Handwerkliche, dann ist es egal).
    Testleser können tolle Impulse geben, bei denen man sich fragt, wieso man denn vorher nicht selbst drauf gekommen ist.


    Ohne Testleser habe ich auch schon Texte selbst überarbeitet und abgegeben. Das aber bei Texten, bei denen ich schnell das Gefühl hatte, passt! Oder auch, wenn es ein Wettbewerb war und keine Zeit mehr für einen Testleser. Hat oft schon dennoch funktioniert.


    Sicherer fühle ich mich aber gerade bei längeren Texten, wenn ich einen aufmerksamen Testleser darüber schicken kann. Gerade auch, wenn es Themen und Settings sind, die eben nicht alltäglich sind. Ich kann oftmals nur recherchieren, das funktioniert zwar recht gut, aber es ist weitaus besser, wenn jemand drüber liest, der halt schon selbst mal auf Sizilien oder den Malediven oder wo auch immer ich einen Roman ansiedle, gewesen ist und mir sagen kann, ob das Flair so rüberkommt, wie ich es beabsichtige.


    Was übrigens ganz wichtig ist, egal ob Testleser oder Lektor: die Chemie muss stimmen. Der beste Testleser nützt Dir nichts, wenn ihr nicht gut miteinander könnt. Probier es erstmal an einem kurzen Text oder einem Kapitel. Dann merkst Du schon, ob das mit dem Testleser funktioniert oder eben nicht.

  • Zitat

    Original von Maren
    Dass ich den Text und meine Figuren mag.


    Es gibt Plots, wie den aktuellen, wo ich erstmalig verschieden Techniken kombiniert anwende, mit dem Versuch den Leser stärker an Text zu binden.


    Eine davon ist besonders aufwändig. Es gibt deshalb auch Figuren, die aus dem Plot gar nicht herausgeschnitten werden können, da der gesamte Plot wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen würde.


    Aber eigentlich gibt es eine gute Faustformel. Alle Figuren die nur einen Vor- oder Nachnamen haben, sind Randfiguren und nicht storyrelevant. Figuren die beides haben, bei denen steht die Chance ca. 50 zu 50 das sie einen Dominoeffekt auslösen. Oft ist ihre Wichtigkeit für einen Außenstehenden am Anfang nicht sofort erkennbar, da sie erst im Laufe der Geschichte an Bedeutung gewinnen.


    LG



    mario

  • Zitat

    Original von mario


    Es gibt Plots, wie den aktuellen, wo ich erstmalig verschieden Techniken kombiniert anwende, mit dem Versuch den Leser stärker an Text zu binden.


    Erst einmal musst Du aber den Text mögen. Diese Begeisterung muss rüber kommen, dann greift sie auch auf den Leser über.