Perspektivwechsel

  • Zitat

    Original von Maren


    Ja, was denn sonst? Veröffentlichung bei einem guten Verlag ist doch das Ziel.
    Wenn man nur als Hobby schreibt oder als Fingerübung oder was ausprobieren will, okay, dann ist die Form natürlich egal, dann ist es ja nur für einen selber.
    Aber wenn man etwas verkaufen, an den Verlag bringen, will, dann muss man vorher schauen, womit das möglich ist.


    Hallo Maren,
    ich finde nicht, dass das eine das andere ausschließt.
    Jeder muss selber wissen, was er tut und was ihm wichtig ist.
    Ja, ich denke, dass das Schreiben ein Handwerk ist und, dass Fingerübungen dazu gehören.
    Vor einer Hürde stehen und denken: "Das kann ich nicht" - und es dann doch hinkriegen, finde ich sehr befriedigend. Eigentlich das Beste an der ganzen Sache.
    Ich kann es nicht anders ausdrücken. Für mich ist der Plot nicht allein die Geschichte, sondern der Plot und die Art, wie die Geschichte erzählt wird.
    Mit der Form transportierst du doch Stimmung und Tempo.
    Unsere Debatte hat sich eigentlich nur an einer Empfehlung von dir entzündet: Das es besser sei, die Finger von Perspektivwechseln zu lassen (weil man dafür sehr gut sein müsse) - ganz besonders, wenn eine Erzählung kurz ist.
    (Ich hoffe, ich habe dich richtig wiedergegeben)


    Ich würde immer ermuntern, etwas zu wagen.
    Darauf hinweisen, dass etwas sehr schwierig ist, kann man natürlich. Ein Forum ist ja zum Erfahrungsaustausch da.


    Grüße Topi

    Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben,
    wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.


    Mark Twain

    2 Mal editiert, zuletzt von Topi ()

  • Ich denke, dass man sich an dem orientieren sollte, was funktioniert, nicht an irgendwelchen exotischen Experimenten. Sicher mag das auffallen, wenn ein Manuskript ganz besonders anders geschrieben ist, aber obs der Verlag dann auch will? Meist doch nur, wenn der Autor entweder schon erfolgreiche Veröffentlichungen hat oder ein Promi ist.

  • Hallo, Maren.


    Ich finde, man kann den Pragmatismus auch zu weit treiben. Es mag Autoren geben, denen es nicht darum geht, um jeden Preis irgendwas zu veröffentlichen. Es mag ganz im Gegenteil Autoren geben, die etwas zu sagen haben oder das wenigstens von sich glauben, die sich als Künstler betrachten und/oder ihre Arbeit als Schriftsteller als durchaus sehr persönliche Angelegenheit. Markt ist nicht alles. Und der Markt verändert sich - man kann ihn als Autor aktiv verändern. Das setzt natürlich eine gewisse Qualität (und noch einiges mehr) voraus - aber, auch wenn Dir das möglicherweise unvorstellbar erscheint: Es gibt tatsächlich Autoren, denen das Schreiben wichtiger als das Veröffentlichen ist. Und das sind keine weltfremden Idioten. Sondern durchaus kulturprägende Menschen. Die zuweilen auch viele Bücher verkaufen, quasi als Nebeneffekt.

  • Hallo,


    So. Bin Zu Hause. Habe die Einkäufe erledigt. Und soeben meinem Frauchen "Die geliehene Zeit" von Meisterin Gabaldon (Bd. 2) aus dem Regal geklaut :D
    Mann, ist das ein Schinken! Nochmal danke, für den Hinweis, Maren, das war gerade ganz prima in Griffweite und ich werd jetzt mal schaun, wie das da drin gehandelt wurde. ;)


    Zur Diskussion von Maren und Topi: Ich glaube, es bestünde eine große Gefahr für die Geschichte, wenn man diesen Perspektivwechsel nur um der Technik willen macht. Die Gefahr sehe ich darin, dass diese Perspektive gewollt und unpassend wirken könnte und der Leser zu stark aus der Handlung herausgerissen wird. So habe ich auch die Warnungen der Anderen verstanden. Die Geschichte sollte dieses Stilmittel hergeben, egal, ob man nun eine Veröffentlichung anstrebt oder just for fun schreibt. Letztlich wird man wohl um das Ausprobieren nicht herumkommen.
    Ich sehe die gleiche Gefahr für die Geschichte, wenn man den Perspektivwechsel aus der Sorge vermeidet, den Mainstream zu verlassen. Die Gefahr sehe ich darin, dass man seine Stilmittel unter dieser Prämisse, den Mainstream zu halten, so abschleift, dass die Geschichte einfach nur Mainstream ist: eine unter Tausenden. Wäre auch schade.


    Der große Meister mag die Feinheiten dieser Gefahren wittern und sie umschiffen. Der Laie, also ich, dürfte gut daran tun, aus diesem Thread für sich die Lehre zu ziehen, seine Perspektive nicht willkürlich zu wählen (weil er den Perspektivwechsel cool oder sonstwie findet), sondern in seine Story hineinzuhorchen, oder die richtige Perspektive durch Probeabschnitte zu "herauszuschmecken".


    Klingt das jetzt schön abgehoben? :rofl


    Nee, auf jeden Fall habt ihr mich davor bewahrt, so einen Perspektivwechsel nur aus Faulheit zu konzipieren, um die Schwierigkeiten des PE bei der Vermittlung wichtiger Handlungen/Informationen außerhalb seines Horizontes zu umgehen. Entweder, es passt in die Handlung und den Erzählstil oder Finger weg!


    So jedenfalls das Zwischenfazit von einem dankbaren
    Achim :blume

  • Hallo Maren,


    hms, bitte verzeih, aber hätte sich Rowlings an dem orientiert, was ihr die ersten zehn oder so Lektoren gesagt haben, wie wäre ihr Leben dann verlaufen? ;)


    Hätte Walt Witman zu einer Zeit ohne Amazon nicht etliche Leserbriefe unter falschen Namen verfasst, wäre dann The Body Electric Teil eines Musicals geworden, dass gut 100 Jahre später am Broadway wie im Film erfolgreich wurde?


    Hätte Jane Austen Emma nicht geschrieben, wäre heute der PE die vorherrschende Perspektive?


    Wäre Galbadon nicht auch noch die Tochter eines ehemaligen Senators ihres Heimatstaates gewesen, hätte die Empfehlung eines Autors in dem Forum, in dem sie aktiv war, gereicht, um ein unvollendetes Manuskript zu verkaufen? Noch dazu eines, das - ganz unmodern zu ihrer Zeit - Zeitreisen in der Romance einsetzte?


    Trends entwickeln sich aus dem Besonderen. Einen zu setzen ist dabei auch finanziell meist viel erfolgreicher, als sich einzureihen, aber natürlich sind die Chancen dafür noch um Potenzen schlechter als überhaupt veröffentlicht zu werden. Und manchmal, wie bei Whitman (und noch länger Kafka) dauert es halt eine Weile, bis die Welt einen wahrnimmt.


    Wie Tom schon sagte, Erfolgsgeschichten sind individuelle Lebensgeschichten, jede für sich spannend, keine davon zu verallgemeinern. Das gleiche gilt für die daraus abzuleitenden Strategien, IMHO.


    Liebe Grüße
    Judith

    Nay, thy lordship, me ain't no thief, not even a smart one - Piper Quickfingers



    Der Tokee in Die rote Kammer [buch]393991407X[/buch]

  • ... Trends setzen ... ja, tolle Sache.


    Man sollte sich bloß davor hüten, das planen zu wollen. Ich denke, es ist schlichtweg nicht möglich vorherzusehen, was im kommenden Jahr den Nerv der Leute treffen wird.
    Hättet ihr geglaubt, dass eine Zaubererkindergeschichte so eine Hype auslösen würde?
    Oder dass man mit romantischen Teenievampiren solche Auflagen erreicht?


    Unter diesem Gesichtspunkt ist die Schriftstellerei für mich ein wenig wie Lottospielen. Ja, ich glaube auch, dass man durch harte Arbeit einiges erreichen kann, auch die eigene Veröffentlichung. Aber ich glaube nicht, dass man einen Trend/Bestseller vorausplanen kann.


    Und deswegen würde ich auch nicht versuchen, bewusst anders zu schreiben, in der Hoffnung, einen neuen Trend zu setzen. Ich glaube aber auch nicht, dass du das so gemeint hattest, Judith, oder?


    Ich stelle jetzt mal eine provokante Behauptung auf: Wichtiger für den Erfolg eines Buches als ein guter, oder sagen wir besser, als ein perfekter Schreibstil, ist eine Geschichte und sind Personen, die die Leser nicht mehr aus ihrem Bann lassen. Mir ist das schon bei manchen Bestsellern aufgefallen. Beispiel Harry Potter: Der arme Junge hat ja so eine schlimme Verdauung. Jedenfalls beschreibt JKR seine Gefühlregungen ständig dadurch, dass ihm irgendwas durch die Eingeweide rutscht, sie ihm vereist wird, sein Herz brennt, bla bla bla. Das wirkt auf mich relativ fantasielos und nicht selten auch gewillkürt. Ist aber letztlich egal, die Handlung hat trotzdem Millionen Menschen mitgerissen. Oder das Thrillergenre. Häufig sind gerade bei Bestsellern die Protas relativ einfach gestrickt, es ist eher die Handlung die mitreißt. Ich fand jedenfalls die Helden von Clancy immer relativ... austauschbar. Du brauchst halt nur ein harter, patriotischer Kerl zu sein, dann darfst du für Onkel Sam die Welt retten. Trotzdem wars spannend und man wollte wissen, wie die Welt gerettet wird (dass sie gerettet wird, stand bei diesen Romanen irgendwie nie in Frage).


    Oder seid Ihr der Auffassung, das Bestseller immer die Krone der Schreibkunst sind???


    Mit dem Trendsetter mag das noch ein wenig anders sein. Wenn ich Judith richtig verstehe, betritt solch ein Autor einen schriftstellerischen Pfad, den man so noch nicht betreten hat und - und das ist vielleicht noch wichtiger - gibt damit seinen Lesern ebenfalls etwas Neues. Eine neue Sicht, eine neue Wahrnehmung auf die Geschehnisse, ein neues Leseerlebnis. Aber auch das ist sicherlich nicht planbar.


    Fragende Grüße
    Achim


    Liebe Grüße
    Achim


  • Und nun setz diese Einzelfälle mal in Relation zu anderen Zusagen. Wie viele Autoren bekommen für einen in ungewöhnlicher Schreibweise eingereichten Roman eine Zusage und wie viele für einen, der von der Form her anderen im Verlagsprogramm ähnelt?


    Das ist so utopisch wie der 6er im Lotto. Nur weil einige den haben, bekommt nicht jeder, der den Schein abgibt, auch den fetten Gewinn.

  • Zitat

    Original von Maren

    Und nun setz diese Einzelfälle mal in Relation zu anderen Zusagen. Wie viele Autoren bekommen für einen in ungewöhnlicher Schreibweise eingereichten Roman eine Zusage und wie viele für einen, der von der Form her anderen im Verlagsprogramm ähnelt?


    Hallo Maren,


    in diesem Fred geht es um die Frage der Perspektive. Kurz gefasst: was kann man machen und was nicht.


    Das, was du hier als Argument bringst, die Verkäuflichkeit, ist eigentlich gar nicht das Thema. Es ist eine andere Baustelle.


    Ein weiteres Beispiel dafür, dass außergewöhnliches, sich von der Regel weit entferntes auch verkaufen lässt, ja, sich zum Bestseller eignet, habe ich kürzlich auf Rat meiner Tochter gelesen:


    ASIN/ISBN: 3570306275


    Zusak macht in seinem Buch so ziemlich alles verkehrt im Sinne moderner Schreibratgeber. Er unterbricht den Handlungsfluss, nimmt Spannungselemente vorweg, baut Spannung plötzlich da ab, wo andere sie aufbauen usw. Und trotzdem hat er ein sehr beeindruckendes Buch geschrieben, das zu Recht weltweit und gern gelesen wird.


    Es ist ja in Ordnung, wenn du dich auf ausgetretenen Pfaden sicher fühlst. Da ist kein Vorwurf draus zu machen. Aber es ist auch nicht in Ordnung die zu Maßregeln, die sich Nebenwege anschauen oder sich durch unwegsames Gelände wagen.


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Zitat

    Original von Horst Dieter
    Es ist ja in Ordnung, wenn du dich auf ausgetretenen Pfaden sicher fühlst. Da ist kein Vorwurf draus zu machen. Aber es ist auch nicht in Ordnung die zu Maßregeln, die sich Nebenwege anschauen oder sich durch unwegsames Gelände wagen.


    Das ist doch auch nicht meine Absicht. ;)
    Er bekommt schließlich die Absagen für aufgrund der Form schon unverkäufliches Material.

  • Zitat

    Original von Maren

    Er bekommt schließlich die Absagen für aufgrund der Form schon unverkäufliches Material.


    Ich lese gerade das Buch "Der schwarze Steg" von Åsa Larsson


    ASIN/ISBN: 3442738628


    Die Perspektive darin wechselt unglaublich häufig. Hauptsächlich springt sie zwischen drei Personen (Rebecca Martinson, Anna-Maria Mella und Mauri Kallis hin und her. Dazwischen kommt - manchmal mitten im Kapitel - der personale Erzähler und berichtet von anderen Personen. Übergangslos und für den Leser meist auch überraschend.


    Trotzdem wurde dieses Buch, das von der Schreibtechnik her nicht der Norm entspricht, vom Verlag angekauft und ist in mehrere Sprachen übersetzt worden.


    Die Frage nach unverkäuflichen Material ist hier bei Diskussionen um Schreibtechnik einfach nicht zu stellen. Es geht hier wirklich nur um Technik und nicht um Verkäuflichkeit. Am fertigen Manuskript kann man dann diskutieren, ob die eingesetzte Technik daraus ein unverkäufliches Buch macht. Nicht aber, wenn grundsätzlich die Frage gestellt wird.


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Zitat

    Original von AchimW
    ... Trends setzen ... ja, tolle Sache.


    Unter diesem Gesichtspunkt ist die Schriftstellerei für mich ein wenig wie Lottospielen. Ja, ich glaube auch, dass man durch harte Arbeit einiges erreichen kann, auch die eigene Veröffentlichung. Aber ich glaube nicht, dass man einen Trend/Bestseller vorausplanen kann.


    Stimmt, ist es. (-:


    Zitat


    Und deswegen würde ich auch nicht versuchen, bewusst anders zu schreiben, in der Hoffnung, einen neuen Trend zu setzen. Ich glaube aber auch nicht, dass du das so gemeint hattest, Judith, oder?



    Ne, natürlich nicht. Ich fand, dass Andreas Eschbach in seinem Kalenderbeitrag am besten gefasst hat: Authentisch bleiben. Die Geschichten erzählen, die man erzählen will.


    Dabei muss man ausprobieren und eine Probe hat immer mehrere mögliche Ergebnisse.


    Zitat


    Ich stelle jetzt mal eine provokante Behauptung auf: Wichtiger für den Erfolg eines Buches als ein guter, oder sagen wir besser, als ein perfekter Schreibstil, ist eine Geschichte und sind Personen, die die Leser nicht mehr aus ihrem Bann lassen. Mir ist das schon bei manchen Bestsellern aufgefallen. Beispiel Harry Potter: Der arme Junge hat ja so eine schlimme Verdauung. Jedenfalls beschreibt JKR seine Gefühlregungen ständig dadurch, dass ihm irgendwas durch die Eingeweide rutscht, sie ihm vereist wird, sein Herz brennt, bla bla bla. Das wirkt auf mich relativ fantasielos und nicht selten auch gewillkürt.


    Ich fange jetzt keine Diskussion darüber an, warum das tatsächlich funktioniert (na gut, ein Teil davon liegt darin begründet, dass das Gefühle sind, die wir alle kennen, die deshalb zu Klischees im besten Sinne geworden sind, weil mit einem Wort all die Situationen, Romane und Geschichten mitziehen, in denen das genauso ist).


    Stil ist immer auch eine Frage des Genres, er kann einen Text durchaus ganz allein tragen, wie das bei Gedichten, Aphorismen, Kurzprosa der Fall ist, auch Romane wie den Gantenbein, aber das sind ihre eigenen Gattungen.


    Es gibt auch solche, bei denen der Autor ganz hinter den Text zurücktritt, wie bei vielen Formatroman-Reihen, die unter einem Namen viele, viele Autoren vereinen, was die Leser nicht stört, weil die Vorgaben so eng gesetzt sind, dass diese die Gattung ausmachen.


    Der eigene Weg liegt irgendwo zwischen diesen Extremen und man kann ja durchaus mal auf dem Randstreifen herumtasten, aber ihn ganz zu verlassen wird nicht funktionieren. Meine Beispiele (und die Liste lässt sich beliebig verlängern - was vielleicht daran liegt, dass einem die schrägen Biographien weitaus eingängiger sind als die normalen und daran, dass einem die Bücher dieser Autoren besser in Erinnerung bleiben) sollten nur zeigen, dass eben auch in Genres, wo man das wie bei Galbadon eigentlich gar nicht erwartet, der eigene Weg seine Berechtigung haben könnte.


    Zitat


    Ist aber letztlich egal, die Handlung hat trotzdem Millionen Menschen mitgerissen. Oder das Thrillergenre. Häufig sind gerade bei Bestsellern die Protas relativ einfach gestrickt, es ist eher die Handlung die mitreißt. Ich fand jedenfalls die Helden von Clancy immer relativ... austauschbar. Du brauchst halt nur ein harter, patriotischer Kerl zu sein, dann darfst du für Onkel Sam die Welt retten. Trotzdem wars spannend und man wollte wissen, wie die Welt gerettet wird (dass sie gerettet wird, stand bei diesen Romanen irgendwie nie in Frage).


    Ich komm über Clancys Waffenkataloge nicht weg und ziehe deshalb die Filme vor. Und ja, natürlich, folgt er den altbekannten Mustern, ziemlich virtuos. Man glaubt hinterher tatsächlich, es ginge nur um harte Kerle, was man gelesen hat, ist die Geschichte eines Mathematikers, der sich plötzlich dem echten Feldleben ausgesetzt sieht. =).


    Die Waffenkataloge sind übrigens tatsächlich ein Element des Erfolges, das - soweit ich das weiß - vorher so nicht eingesetzt wurde.


    Zitat


    Oder seid Ihr der Auffassung, das Bestseller immer die Krone der Schreibkunst sind???


    Ne, sicher nicht. Müssen sie auch nicht sein. Die größte Auflage dürften immer die Heftreihen haben, die die Lesererwartung und die Formatvorgaben zu 100 % erfüllen. Das ist keine Wertung, sondern einfach eine Tatsache. Aber wer Dr. Frank Romane schreibt, tut das eben anonym und hat trotzdem seine Freude daran. :)


    Zitat


    Mit dem Trendsetter mag das noch ein wenig anders sein. Wenn ich Judith richtig verstehe, betritt solch ein Autor einen schriftstellerischen Pfad, den man so noch nicht betreten hat und - und das ist vielleicht noch wichtiger - gibt damit seinen Lesern ebenfalls etwas Neues. Eine neue Sicht, eine neue Wahrnehmung auf die Geschehnisse, ein neues Leseerlebnis. Aber auch das ist sicherlich nicht planbar.


    Eben.


    Liebe Grüße
    Judith

    Nay, thy lordship, me ain't no thief, not even a smart one - Piper Quickfingers



    Der Tokee in Die rote Kammer [buch]393991407X[/buch]

  • Hallo, Achim,


    um noch einmal auf die Perspektive zurückzukommen:
    M.E. funktioniert es tadellos, einen Text, der von personalen Erzählern (oder einem personalen Erzähler) in der 3. Person Singular geschildert wird, durch Passagen aus der Perspektive eines Ich-Erzählers zu unterbrechen. Ganz ausgezeichnet gelöst hat das Val McDermid in ihrem ersten Thriller der Hill-Jordan-Reihe "Das Lied der Sirenen". Sie beginnt sogar den Roman mit einem solchen Absatz.


    Es ist der Mörder, der hier selbst zu Wort kommt. Als Leser ist man so dicht an ihm dran, dass es fast wehtut. Im Verlauf des Buches spricht der Mörder wieder und wieder. Der Leser bekommt in diesen Passagen eine Ahnung, mit was die Ermittler konfrontiert werden. Im englischen Original wird die Mörder-Perspektive zusätzlich typographisch durch Kursivschrift hervorgehoben.


    Was mich als Leser aus dem Konzept bringt, ist ein Perspektivwechsel innerhalb eines Absatzes. Das verwirrt mich und ich muss zurücklesen, ob ich etwas verpasst habe. Beginnt ein neuer Absatz, stelle ich mich aus Leseerfahrung darauf ein, dass eine andere Perspektive eingenommen werden könnte. In den Krimis, die ich so lese, ist es der Normalfall, dass eine Geschichte aus unterschiedlicher Sicht geschildert wird.


    Viel Erfolg bei Deinem Epos!


    Schöne Grüße von
    Andrea Martini


    ASIN/ISBN: 342650247X

  • Hallo Achim,


    also ich bin ja noch ein unbeschriebenes Blatt in der Schriftstellerwelt, aber trotzdem möchte ich mich kurz zu Wort melden. :)


    Also hier wird immer noch zwischen "ist das möglich?" und "verkauft sich das?" gemischt. Natürlich sollte im Idealfall beides gewährleistet sein, aber in der Fragestellung ist das, wie ja schon geschrieben, erstmal zu trennen.


    Wenn ich die Diskussion richtig verstanden habe, dann läuft es darauf hinaus, dass man es natürlich kann, was spricht auch dagegen? Im Grunde ja erstmal gar nichts, solange nicht dieses Verkaufargument gebracht wird. Kommt das ins Spiel, dann ist das glaube ich individuell vom Leser abhängig.


    Ich habe auch die Gabaldon-Saga gelesen, bzw. nach dem vierten Band aufgehört, weil sie mir zu oft in den Personen springt und ich mich nicht mehr vernünftig orientieren konnte. Als Leser muss man sich unheimlich konzentrieren, wenn man trotz dieser Sprünge in der Erzählstruktur am Ball bleiben möchte. Man schafft also sicherlich kein Buch für die U-Bahn, wenn man die Perspektive ändert ;) Jetzt könnte das natürlich wie ein Plädoyer für anspruchslose Literatur klingen, soll es aber nur bedingt sein. Ich bin der Meinung alles ist gut, solange es dem Leser gefällt und du voll dahinter stehen kannst! :) Was nun das Literarische Quartett dazu sagt, ist ja wieder eine ganz andere Sache.


    Also, auch wenn ich da selber keine Erfahrung habe, würde ich dich durchaus ermutigen das auszuprobieren! :) Was kann denn passieren? Natürlich könnte es passieren, dass du irgendwann frustriert alles markierst und wütend auf "Entf" drückst, aber selbst wenn, dann hast du zumindest die Antwort auf deine Frage ;)
    Machen solche "Tests" nicht auch ein bisschen den Reiz der Schreiberei aus? Was kann ich vermitteln? Womit kann ich das vermitteln?



    Mein Fazit: Für die Vielfältigkeit der deutschen Literatur, auf dem ZDF und in der U-Bahn!


    Liebe Grüße :)

  • Hallo Andrea, halle Benedikt,


    danke für eure Hinweise. Ich habe mal inzwischen das erste Kapitel von Gabaldons zweiten Band gelesen, wo die Perspektive zwischen erster und dritter Person teilweise sogar innerhalb der einzelnen Szenen wechselt.
    Hat mir persönlich nicht so gefallen, fand ich etwas zu unruhig. Ansonsten scheint das aber kein Problem zu sein, wenn, ja wenn man es wirklich bewusst als Stilmittel einsetzt und nicht als Verlegenheitslösung, weil einem nicht einfällt, wie man seinen Ich-Erzähler zu gewissen Zeiten an gewisse Orte bringt.


    Vielleicht stelle ich demnächst mal einen ersten Versuch meines Epos ( =)) in die BT's


    Liebe Grüße
    Achim

  • Hallo Leuts


    Ich habe eine spezielle Frage zur Perspektive und schreib das mal in den Faden. Ich hoffe das ist okay.


    Ich habe in meinem Roman zwei Perspektiven. Eine Ich-Erzählerin (die Hauptprota) und die personale Perspektive des Mannes.
    Jetzt beginnt eine Szene aus seiner Sicht im Er, dann treffen die beiden zusammen. Im Moment habe ich gewechselt zur Ich-Perspektive, weil ja alles aus ihrer Sicht erzählt wird, wo sie dabei ist. Die Überschneidung ist aber nur ganz kurz, ein Absatz, dann wechselt es wieder ins Er, weil sie k.o. gegangen ist.


    Normalerweise hätte ich kein Problem mit solchen Wechseln, aber es ist die einzige Passage im ganzen Manuskript, wo sowas vorkommt, deshalb bin ich unsicher. Meint ihr das ist zu verwirrend und man sollte das durchgängig im Er schreiben?

  • Hallo Simone,


    in dem Fall würde ich den personalen durchziehen und die beiden Versionen nebeneinander legen, lautlesen (am besten aufnehmen) und mir anhören.


    Meist zeigt das schon, ob es geht oder nicht.


    Liebe Grüße
    Judith

    Nay, thy lordship, me ain't no thief, not even a smart one - Piper Quickfingers



    Der Tokee in Die rote Kammer [buch]393991407X[/buch]

  • Zitat

    Original von Sim


    Ich habe in meinem Roman zwei Perspektiven. Eine Ich-Erzählerin (die Hauptprota) und die personale Perspektive des Mannes.
    Jetzt beginnt eine Szene aus seiner Sicht im Er, dann treffen die beiden zusammen. Im Moment habe ich gewechselt zur Ich-Perspektive, weil ja alles aus ihrer Sicht erzählt wird, wo sie dabei ist. Die Überschneidung ist aber nur ganz kurz, ein Absatz, dann wechselt es wieder ins Er, weil sie k.o. gegangen ist.


    Hallo Sim,


    du schreibst, dass die Ich-Erzählerin k.o. geht.
    Das heißt, sie verliert das Bewußtsein?
    Wie stellst du das dar?
    Verabschiedet sich die Erzählerin?
    Also ungefähr mit: "Alles um mich herum wurde schwarz"
    Oder, "Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Er muss mur was in den tee getan haben"


    Ich nehme an, du schreibst an einem Krimi?
    Wenn sich die Ich-Erzählerin verabschiedet, wär der Wechsel ja vollkommen klar.


    Ich weiß nicht, woran du schreibst. Das ist ein Gedanke
    Grüße
    Topi

    Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben,
    wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.


    Mark Twain

  • Hallo Judith


    Zitat

    in dem Fall würde ich den personalen durchziehen und die beiden Versionen nebeneinander legen, lautlesen (am besten aufnehmen) und mir anhören.


    Meist zeigt das schon, ob es geht oder nicht.


    Gute Idee, das werde ich machen.


    Danke! :blume

  • Hallo Topi


    Zitat

    du schreibst, dass die Ich-Erzählerin k.o. geht. Das heißt, sie verliert das Bewußtsein? Wie stellst du das dar? Verabschiedet sich die Erzählerin? Also ungefähr mit: "Alles um mich herum wurde schwarz" Oder, "Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Er muss mur was in den tee getan haben"


    Ich nehme an, du schreibst an einem Krimi? Wenn sich die Ich-Erzählerin verabschiedet, wär der Wechsel ja vollkommen klar.


    Der Perspektivewechsel ist klar. Es geht mir nicht darum, dass ein Leser nicht folgen könnte, sondern einfach darum, dass es aus der sonstigen Erzählweise ausbricht, da ja sonst die Szenen durchgängig aus ein und derselben Perspektive erzählt werden.


    Ja, es ist sowas ähnliches wie ein Krimi. :D Sorry, nein, es ist ein Erotik-Mystery Mix.


    thx! :blume


  • Hallo Sim,


    mir war die Problemstellung nicht ganz klar. Ich dachte, es gibt ein SIE und ein ER und das Problem läge darin, dass die fragliche Szene eigentlich nur ihr gehört.
    Ich würde es auch schreiben und dann testen.
    Mir bringt laut lesen nichts-weiß nicht warum. Ich gewine dadurch keinen Abstand. Ich lese die Texte im Stillen und gebe sie dann weiter - und lasse lesen.
    Wie gesagt, nach deiner kurzen Beschreibung sollte es kein Problem sein.
    Ich weiß nicht, wieviel du schon geschrieben hast...vielleicht meldet sich ja die männliche Stimme künftig noch häufiger?


    Grüße
    Topi

    Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben,
    wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.


    Mark Twain