Was darf Autor? Was ...?

  • Moin :)
    ehemals als BT - hier - vorgestellt - und mächtig Dampf bekommen :P - was ja bei dem Thema kein Wunder ist - stellte ich den Text neulich im 'autorenweb' vor; eigentlich des frischen Wind/es wegen, :auslach aber es kam anders:


    http://2big.at/bqn


    Inzwischen - und nach ca. 4000 Klickungen in 10 Stunden - ist der Text dort raus, womit ich leben kann, denn ich hänge nicht an dem Teil, weil durch meinen Prot. tw. Dinge bedient werden, die nicht meine sind, doch bin ich dessen Vater - und habe den Text zu verteidigen - wie auch immer.


    Allerdings geht es jetzt und hier nicht (nur) um den Text (falls den noch jemand nachliest), sondern was der Autor darf, was Kritiker und anders denkende dürfen?


    Morgengr. v.
    Michael K.
    http://www.literatalibre.de

    if you can't stand the heat get out of the kitchen

  • Arno Abendschön - was für ein Name für einen Kuscheldeutschen, dem die Rechtschaffenheit aus beiden Ohren quillt. Haste schon die Anzeige wegen Volksverhetzung? Würd ich mir einrahmen lassen. ;)


    Was man darf und was nicht, wer legt das fest? Viel zu oft streitet man sich da imo über Tischmanieren und schlägt sich die Diskussionsknigges um die Ohren. Ich schätze, man "darf" einen Text wie deinen schreiben (ich erinnere mich noch dunkel), muss dann halt mit Gegenwind von Kleinkonsenszüchtervereinen rechnen.


    Gruß ...


    Jo

    Einmal editiert, zuletzt von Joachim Off ()

  • Hallo Michael!


    Ein Link zu diesem BT wäre äußerst hilfreich. ;) Würde ihn gerne lesen.
    So kenne ich nur die empörte Stellungnahme eines Forenusers, zu der ich rein gar nichts sagen kann.


    Lg, Manuela :)


    EDIT:
    Für alle, die es interessiert, BT 452 - Frag mich nicht

    Einmal editiert, zuletzt von Manuela K. ()

  • Zitat

    Original von Michael K.


    Allerdings geht es jetzt und hier nicht (nur) um den Text (falls den noch jemand nachliest), sondern was der Autor darf, was Kritiker und anders denkende dürfen?


    Morgengr. v.
    Michael K.
    http://www.literatalibre.de


    An diesen Text kann ich mich noch gut erinnern, nicht zuletzt auch durch die »lebhafte« Diskussion darüber.


    Was Autoren und Kritiker dürfen ist zunächst durch das eigene Denken bestimmt. Wo da die Grenze des denkbaren liegt, hört das auf, was sie dürfen - unabhängig davon, dass es (noch) keine Instanz gibt, die das überprüfen kann. Sobald es aufgeschrieben und veröffentlicht wird, wird es aber enger, obwohl wir eine sogenannte »Meinungsfreiheit« im Grundgesetzt stehen (Artikel 5, Absatz 1) haben.


    Dazu gibt es aber rechtliche Grenzen. Die sagen schon deutlicher, was erlaubt ist. Bei Beleidigungen kann es schnell Ärger geben, bei Äußerungen über Personen, die nicht der Wahrheit (soweit die überhaupt lokalisierbar ist) entsprechen (Verleumdung). Aber es gibt auch so etwas wie Volksverhetzung (§ 130 Strafgesetzbuch).


    Da ist es dann nicht leicht, festzustellen, wo eine solche Grenze überschritten wurde und wo nicht. So ist zum Beispiel das Gedicht »Der Türk« von Thomas Gsella (aus seinem Buch »Ins Alphorn gehustet«, Reclam) bislang unbeschalten geblieben, obwohl es folgendermaßen endet:


    Zitat


    Es hat der Türk unabweislick
    schwer einen an der Pfanne.


    Gsella nimmt sich auch noch andere Völker auf derart liebenswerte Weise vor und kolportiert bekannte Vorurteile (»Vermißt du also Geld und Benz: / Der Pole steckt dahinter!«), dass deutlich ist, was er mit diesen Aussagen eigentlich bezweckt.


    Letzteres bildet m.E. auch immer den Maßstab zur Beurteilung. Ist das die Aussage des Autors, die er da zu Papier bringt? Oder bringt er diese Aussage nur zu Papier, um überhaupt auf derartiges aufmerksam zu machen? Zwischen beiden Polen gibt es diverse Abstufungen und Übergänge.


    Eigentlich sollte man dankbar sein, wenn wieder mal ein Autor auftaucht, der schwer verunsichert. Es ist dann auch gar nicht wichtig, wer der Autor ist und was er bezweckte, es kommt allein darauf an, wie man mit dieser Verunsicherung umgeht. Für die ist ja auch nicht der Autor verantwortlich. Der hat nur den Punkt gesetzt, an dem man seine Verunsicherung feststellt. Herr Abendschön aus Bad Bevesen hat diese Verunsicherung sicherlich gespürt, sonst hätte er sich nicht mit einem Artikel dagegen abgesichert.


    Grüße aus dem Taubertal


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Die schönsten Schlösser und Burgen in Oberbayern und Bayerisch-Schwaben

    ASIN/ISBN: 3831335559


    Verengung des freien geistigen Horizontes ist eine Gefahr in Zeiten des Massenkultes.
    Emanuel von Bodmann


  • Zitat

    Dazu gibt es aber rechtliche Grenzen. Die sagen schon deutlicher, was erlaubt ist. Bei Beleidigungen kann es schnell Ärger geben, bei Äußerungen über Personen, die nicht der Wahrheit (soweit die überhaupt lokalisierbar ist) entsprechen (Verleumdung). Aber es gibt auch so etwas wie Volksverhetzung (§ 130 Strafgesetzbuch). Da ist es dann nicht leicht, festzustellen, wo eine solche Grenze überschritten wurde und wo nicht. So ist zum Beispiel das Gedicht »Der Türk« von Thomas Gsella (aus seinem Buch »Ins Alphorn gehustet«, Reclam) bislang unbeschalten geblieben, obwohl es folgendermaßen endet: Zitat: Es hat der Türk unabweislick schwer einen an der Pfanne. Gsella nimmt sich auch noch andere Völker auf derart liebenswerte Weise vor und kolportiert bekannte Vorurteile (»Vermißt du also Geld und Benz: / Der Pole steckt dahinter!«), dass deutlich ist, was er mit diesen Aussagen eigentlich bezweckt.


    In diesem Zusammenhang fallen mir gleich zwei Textstellen des (von mir) hochgeschätzten Wilhlem Busch ein, die nach heutigen Maßsstäben wohl als unveröffentlichbar gälten:


    Und der Jud mit krummer Ferse,
    Krummer Nas' und krummer Hos'
    Schlängelt sich zur hohen Börse,
    tief verderbt und seelenlos.
    (Fromme Helene, Kapitel 1)


    oder die Profilierung Schmulchen Schievelbeiners aus "Plisch und Plum"


    "Kurz die Hose, lang der Rock,
    krumm die Nase und der Stock,
    Augen schwarz und Seele grau,
    Hut nach hinten, Miene schlau –
    So ist Schmulchen Schievelbeiner.
    (Schöner ist doch unsereiner)."


    Meines Wissens steht solches nach wie vor, selbst in Schulbüchern zu lesen.
    Oder ist dies nur eine Frage der Autoren-Prominenz?


    Manuela ;)

    4 Mal editiert, zuletzt von Manuela K. ()

  • Zitat

    Original von Manuela K.


    Meines Wissens steht solches nach wie vor, selbst in Schulbüchern zu lesen.
    Oder ist dies nur eine Frage der Autoren-Prominenz?


    Manuela ;)


    Wenn das in Schulbüchern steht, würde ich mir schon Gedanken darüber machen. Ich kenne glücklicherweise kein Schulbuch, in dem das stand, weder in einem von meinem noch in einem meiner Kinder. Da Schulbuchautoren in der Regel ziemlich humorlos sind, die Genehmigungsbürokratie sogar noch mehr (die würde möglicherweise verbliebene Reste von Humor gar nicht durchgehen lassen) hätte ich da den Verdacht, dass sie den guten alten Satiriker ernster nehmen, als er das selbst gemacht hat. Ich weiß nicht, ob W.B. Antisemit war. Ich gehe mal weiterhin davon aus: eher nein. Im Rahmen seiner satirischen Bildergeschichten muss man solche Deutungen eher auch anders bewerten und so würde ich - bis zum Beweis des Gegenteils - W.B. an die Seite von Herrn Gsella stellen.


    Das Problem, dass sich dabei zeigt - und damit haben wir auch wieder den Bogen zu Michael K. und seinen BT 452 - das solche Texte »vereinnahmt« werden können. Ein schönes Beispiel dafür ist auch der »Hungerpastor« von Wilhelm Raabe, der den Nazis sehr genehm kam, obwohl doch die Aussage des Autors ziemlich neben deren Interessen lagen.


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


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    ASIN/ISBN: 3831335559


    Verengung des freien geistigen Horizontes ist eine Gefahr in Zeiten des Massenkultes.
    Emanuel von Bodmann


  • Zitat

    Original von Manuela K.
    Ich hätte wohl besser Schul-Lesestoff sagen sollen. ;)


    Ich hatte NIE so humorvolle Deutsch-Lehrer, dass die Wilhelm Busch mit in den Unterricht gebracht hätten.


    Und wenn doch, vermutlich nur Max und Moritz (mit Betonung auf den Schluss der Geschichte)

    BLOG: Welt der Fabeln


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    ASIN/ISBN: 3831335559


    Verengung des freien geistigen Horizontes ist eine Gefahr in Zeiten des Massenkultes.
    Emanuel von Bodmann


  • Hallo Michael K.,


    Zitat

    sondern was der Autor darf, was Kritiker und anders denkende dürfen?


    das sollte man beim Schreiben durch wachsende Erfahrung eigentlich selbst herausfinden. :blume


    Gruß,
    Sabrina Saskia

    "Die Literatur hat ihren eigenen Wahrheitsgrund." Jan Drees

  • :) Allen ein herzliches ’Danke’ für Tipps und Ratschläge - und nat., Saskia, gebe ich meine pers. Erfahrung hinsichtlich erhaltener Strafanzeige wegen Volksverhetzung und deren Ausgang weiter, sollte ich etwas darüber herausfinden :D


    Gr.
    Michael Köhn
    http://www.literatalibre.de/

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  • Es geht weiter, weiter ... immer ...
    Info --->


    Volksverhetzung?, Rassenhass? - oder Literatur?, fast ein Lehrstück ...


    Link zur Autorenbeschuldigung durch Arno A.


    http://2big.at/bqn


    Link zum Text von Michael Köhn


    http://literarchie.plusboard.de/viewtopic.php?t=341


    Hier die frühe Fassung, veröffentlicht im Dezember 2006


    und hier eine überarbeitete Fassung, veröffentlicht im April 2009:


    http://literarchie.plusboard.de/viewtopic.php?t=2635


    ... leider kein Link zum http://www.autorenweb.de, da Herr Abendschön den gemeinten Text unter Anschuldigung der Volksverhetzung?, des Rassenhass? gegen mich - Michael Köhn - hat löschen lassen.


    M. Köhn
    15.Okt. 2009
    <-----


    Gr.
    Michael K.

    if you can't stand the heat get out of the kitchen

    Einmal editiert, zuletzt von Michael K. ()

  • Zitat

    Original von Horst Dieter
    Da ist es dann nicht leicht, festzustellen, wo eine solche Grenze überschritten wurde und wo nicht. So ist zum Beispiel das Gedicht »Der Türk« von Thomas Gsella (aus seinem Buch »Ins Alphorn gehustet«, Reclam) bislang unbeschalten geblieben, obwohl es folgendermaßen endet:


    [quote]
    Es hat der Türk unabweislick
    schwer einen an der Pfanne.


    wobei ich nicht nachvollziehen könnte, wie man das falschverstehen könnte - wenn man es, wie du ja erwähnst, im kontext des ganzen gedichtes wie aller gedichte liest.


    gsella ist großartig, für mich wahrscheinlich der größte lebende deutsche dichter, sehr zu empfehlen dieser band.

  • Zitat

    von Michael K.: nat., Saskia, gebe ich meine pers. Erfahrung hinsichtlich erhaltener Strafanzeige wegen Volksverhetzung und deren Ausgang weiter, sollte ich etwas darüber herausfinden


    Ups. Irgendwie kann ich deinen Hilfeschrei ja verstehen. Aber vielleicht tröstet es dich, dass die berühmtesten Autoren irgendwann in ihrer Laufbahn auch mal Bockmist gebaut haben. Ich weiß nur nicht, ob Berühmter Autor wirklich eine Laufbahn ist, in der du easy bestehen wirst ohne zusammenzuklappen.


    Also:


    Keep on moving!


    Gruß,
    Sabrina Saskia

    "Die Literatur hat ihren eigenen Wahrheitsgrund." Jan Drees

  • Lieber Michael K.,


    dass man durch eine (wie ich finde, ziemlich willkürlich auferlegte) Anzeige schon mal demotiviert werden kann, gestehe ich dir offen zu, und ich hoffe einfach, dass ein paar nette Worte dich vor dem Frust bewahren könnten, sodass du den Stift nicht vor lauter Justizdruck in die Ecke werfen möchtest. Insofern erfüllten meine Worte einen gewissen sozialen Zweck.


    Es tut mir Leid, dass das so gekommen ist. :down


    Kriegst ne virtuelle Blume als Aufmunterung: :blume


    So, jetzt genug davon.


    Viele Grüße,
    Sabrina Saskia

    "Die Literatur hat ihren eigenen Wahrheitsgrund." Jan Drees

  • Zitat

    von Tom: Erstaunlich, wie wenig manche, die sich (Kultur?)Journalisten nennen, von Literatur verstehen. Darf man jemanden wegen galoppierender Idiotie anzeigen?


    Das kommt von zu viel Unsinn Tuten und zu wenig sich selbst den Marsch Blasen.


    Gruß,
    Sabrina Saskia

    "Die Literatur hat ihren eigenen Wahrheitsgrund." Jan Drees

    Einmal editiert, zuletzt von Saskia ()

  • Michael K.


    Hab den alten BT-Text jetzt 2x gelesen, auch das Literaturforum besucht, in dem du ihn gepostet hast. (Fand die Reaktion des Webmasters völlig richtig, ihn nicht zu löschen.)
    Fazit: Natürlich darf man IMHO einen solchen Text veröffentlichen.
    Und selbstverständlich muss man mit wütenden Protesten von properen, nazikeulenschwingenden Bürgern rechnen, denen die Fähigkeit zu tieferer literarischer Einsicht fehlt.
    Wenngleich ich etwas Kürze zwecks Würze dieses Romananfangs vorschlüge, die Idee fand ich richtig gut. Diese Story würde mMn auch als Kurzgeschichte hervorragend funktionieren. Idealerweise mit dem offenen Ende am Friedhof.


    Lg, Manuela :)

    Einmal editiert, zuletzt von Manuela K. ()

  • ty liebe Manuela :)


    Der 52er bt wurde ja hier glücklicherweise härter wegen der form - ich hatte, um den irrsinn des prot. zu verdeutlich, eine eigenständige und ungewöhnliche :achsel zeichenkomposition gewählt - als wegen des inhalts tw. gescholten.


    ;) Allerdings musste ich herrn Kaelo (unter meinen heißen tränen) versprechen - !hier !nie !wieder einen bt einzustellen ;(.
    :bruell Ich habe mich daran gehalten - und er konnte schatzkerkermeister der 42er werden, oder so was ähnliches.


    :bitte Ich tue also ne ganze menge fürs schreiben, den frieden und freundschaften in aller welt. :bier Mit Kaelo kam ich bis Bochum?, was ja auch nicht schlecht ist ... Und bin nun und auf meiner hp am Werther schreiben dran -, wenn ich so sagen darf :D.


    allen l.gr.
    Michael K.
    http://www.literatalibre.de

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