Eine ernstgemeinte Warnung an alle Neuautoren

  • Hallo, Stefan.


    Zitat

    wer sich auf so etwas einlässt ist selber daran Schuld oder Blind vor Gier


    Das ist eben nicht ganz richtig, deshalb ja auch die Einleitung. Viele Leute, die meinen, ihre Ergüsse müßten jetzt in die Weltöffentlichkeit, wissen einfach nicht, wie das Verlagsgeschäft normalerweise funktioniert - und daß nicht überall "Verlag" drin ist, wo "Verlag" draufsteht (der Begriff "Verlag" kommt tatsächlich vom Verb "vorlegen", und damit ist das Geld gemeint, was für die Veröffentlichung gebraucht wird - der Verlag legt es vor). Sie suchen sich ein paar Adressen zusammen und versenden das Manuskript, und dann reagiert einer dieser "Verlage" begeistert. Ich habe nicht die leisteste Ahnung davon, welche Art von Verträgen man mit einem Galeristen abschließt, wenn der eine Ausstellung der soeben fertiggepinselten Gemälde anbieten würde. Natürlich wäre ich skeptisch, wenn der mich bitten würde, mich an den Vorlaufkosten zu beteiligen, "schließlich kommt das Geld über die Bilder ja wieder rein", aber ich habe auch vergleichbare Erfahrungen. Für viele "da draußen" ist eine Galerie eine Galerie und ein Verlag ein Verlag. Das hat dann nicht immer etwas mit Gier zu tun, sondern einfach damit, daß man aus Nichtwissen an die falschen gerät. Das kann einem in vielen Branchen passieren.


    Natürlich ist auch selber schuld, wer den AAAAAAAAAAA-Schlüsseldienst anruft, weil er sich selbst ausgesperrt hat und das der erste und auch noch größte Eintrag im Branchenfernsprechbuch ist. Aber die eigentlichen Ar???löcher sitzen bei diesem Schlüsseldienst oder bei einem dieser sogenannten "Verlage".

  • Hallo Stefan und alle,


    ich frage mich gerade, ob es sich bei den Autoren, die an besagte Verlage geraten, mehr um Narzismus oder um Ahnungslosigkeit im Zusammenhang mit dem Verlagswesen handelt. Bin mir selber nicht sicher.


    Edit: Tom, Du hast meine Überlegungen gerade beantwortet. Deine Antwort stand aber noch nicht da, als ich am Schreiben meiner Sätze war :).


    Anja

  • Zitat

    Original von Anja
    Hallo Stefan und alle,


    ich frage mich gerade, ob es sich bei den Autoren, die an besagte Verlage geraten, mehr um Narzismus oder um Ahnungslosigkeit im Zusammenhang mit dem Verlagswesen handelt. Bin mir selber nicht sicher.


    Anja


    wie wäre es denn mit einem mixgetränk aus beidem, auf trinkstärke herabgesetzt durch die milch der frommen denkungsart?


    grüssli, blaustrumpf

  • Vermutlich gibt es solche und solche. Wir haben ja auch schon, vor allem in der Frühzeit der Besprechungsecke, völlig merkbefreite "Autoren" erlebt, denen man wüsteste Beschimpfungen an den Kopf werfen konnte, und sie waren immer noch davon überzeugt, alsbald in J. K. Rowlings Fußstapfen zu treten. Aber das gilt eben nicht für alle.


    Ich habe vor Unzeiten mal ein Manuskript an Heyne, glaube ich, geschickt. Das muß so in den Achtzigern gewesen sein. Als Antwort bekam ich eine (verdiente) Formablehnung, und auf der stand: "Vielleicht versuchen Sie es hier mal." Der Hinweis bezog sich auf den Werbezettel für den Fouqué-Verlag, der beigelegt war. 8)

  • Mir war es das wert, mich an den Kosten meines Buches zu beteiligen. Ich habe einen Vertrag,der besagt, dass ich 25 bis 50% als Marge für die verkauften Bücher erhalte. Mein Verleger hat eine hp, Kontakte zu Buchagenten und Presse. Ich fühle mich gut aufgehoben, weiß aber sicherlich, dass das kein Verlag im herkömmlichen Sinne ist. Da ich aber nicht nur formale Absagen von Verlagen erhalten habe, sondern auch sachlich begründete, habe ich mein Projekt "eigenes Buch " vorangetrieben. So wie es ausschaut, werden sich über kurz oder lang die Kosten und die Erträge die Waage halten, was ich für mein erstes Buch schon als privaten Erfolg werte. Statistisch gesehen, ist das erste Buch immer das schlechteste und landet oftmals in der Schublade. Ich habe es halt auf den Markt gebracht und geschaut, wie gut oder schlecht es wirklich ist. Trotz positiver Resonanzen habe ich auch Kritiken einstecken müssen, die ich aber nur als hilfreich ansehe. Mit der Erfahrung von heute, hätte ich es vielleicht anders aufgezogen und wahrscheinlich auch anders geschrieben. Aber "hätte wäre wenn" ist vorbei und nicht zu ändern und so schreibe ich mit mehr oder weniger großem Enhusiasmus an meinem nächsten Buch und träume davon, als Bestseller-Autorin in Kanada auf einer Ranch zu leben =)
    Gruß ischtar

  • Zitat

    Original von Tom
    Der Hinweis bezog sich auf den Werbezettel für den Fouqué-Verlag, der beigelegt war. 8)


    :rofl :rofl :rofl
    Wie auch immer, wer auch immer und warum:
    Es ist mehr als gut, wenn dieses Thema mal wieder angesprochen wird. DANKE, TOM!!!
    Aus welchen Gründen jemand zu solch einer Veröffentlichung kommt, ist wohl so unterschiedlich, wie es neuerdings Autoren in dieser Republik gibt.
    Wer das für sich entscheidet - bitteschön, in Ordnung.
    Was mich aber auf die PALME ganz weit nach oben, noch weiter als die Nüsse hängen, bringt, sind talentfreie Hausfrauen, die eine Buchveröffentlichung in einem dieser Verlage haben, dann öffentlich verlauten lassen, sie könnten es gaaarnicht verstehen, dass manche Autoren (schielt zu mir...KREISCH!) so lange für ein Buch bräuchten, sie habe das in vier Wochen geschrieben und sei nun schon auf der Buchmesse damit... :evil X( X( das begeisterte Publikum nickt anerkennend (kauft dann aber doch kein Buch, weil die Aufmachung eher an ein von einem ambitionierten Pädagogen per Blaupause hergestelltes Büchlein für den klasseninternen Gebrauch erinnert ;)).
    Und was mich über die Palme herausschnippsen lässt: wenn ich gefragt werde, wieviel ich für die Veröffentlichung meiner Bücher bezahlt hätte, denn das sei ja heutzutage so üblich... :bonk
    :achsel Silke

  • Zitat

    Original von Silke Porath


    Wer das für sich entscheidet - bitteschön, in Ordnung.
    Was mich aber auf die PALME ganz weit nach oben, noch weiter als die Nüsse hängen, bringt, ...
    Und was mich über die Palme herausschnippsen lässt: wenn ich gefragt werde, wieviel ich für die Veröffentlichung meiner Bücher bezahlt hätte, denn das sei ja heutzutage so üblich... :bonk
    :achsel Silke


    Liebe Silke,


    wenn du auf die Palme kletterst, um die Nüsse herunterzuholen - o.K.
    oder wenn du auf die Palme schiebst rein aus sportlichem Ergeiz - auch o.K.


    aber auf die Palme gehen, weil die Hausfrauen-Möchtegernautorin (wie sieht sie denn aus?) das schwerverdiente Haushaltsgeld Ihres Ehegatten zwischen Buchdeckel vergräbt - das ist nicht o.K.


    DU kannst dich doch ganz gelassen zurücklehnen, lächeln und denken - soll die doch. Und du brauchst die doch noch nicht einmal auf dein Sofa lassen, im September. Oder doch?


    Aufmunternde Grüße


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Andererseits: die Leute geben soviel Geld zur Befriedigung ihrer Eitelkeit aus, die eine lässt sich die Brüste vergrößern, der andere die Gedichte drucken. Aber eben drucken! und den Stapel mit nach Hause nehmen zum Verschenken! Nicht einen imginären bezahlen, von dem man nie was sieht.
    Der Witz ist aber, dass das gemeine, durchaus gebildete, Volk schwer beeindruckt ist, wenn einer in der ´"Nationalbibliothek" ist oder im August-von-Goethen Verlag. Sagt man was, gilt man als neidisch. :rofl

  • Zitat

    Original von Pearl
    Der Witz ist aber, dass das gemeine, durchaus gebildete, Volk schwer beeindruckt ist, wenn einer in der ´"Nationalbibliothek" ist oder im August-von-Goethen Verlag. Sagt man was, gilt man als neidisch. :rofl


    na klar ist da neid.
    auf die finanziellen möglichkeiten, die die kohle so willig rauskippen lassen.
    oder so.

  • Zitat

    Original von Pearl
    Andererseits: die Leute geben soviel Geld zur Befriedigung ihrer Eitelkeit aus, die eine lässt sich die Brüste vergrößern, der andere die Gedichte drucken.


    Immer noch besser, als wenn man sich die Brüste drucken oder die Gedichte vergrößern lässt, obwohl auch das bestimmt seinen Reiz hätte ....

  • Zitat

    Original von Tom
    Als ich vor zwei Jahren auf der Frankfurter Buchmesse war, bin ich auch durch diese Halle gestolpert, und da sprang mir ein blasser Anzugträger in den Weg und schrie: "Sie sind doch Autor, oder?"


    Hallo Tom,


    diese Begebenheit könntest du gut als Aufhänger nehmen, um das Thema im neuen AK nochmals aufzugreifen.


    Viele Grüße,
    Broxi

  • egal ob Galerie, Verlag, Konzerthalle...oder wo man sonst mit seiner "Kunst" (Schreiben ist ,neben Handwerk, meiner Meinung nach ebenfalls Kunst) unterkommen will...Zeigt mir einen oder eine, die nicht narzißstische Züge in sich trägt...Glaube sogar, dass es ohne diesen Drang keine der Künste gäbe...aber das ist natürlich nur meine eigene Sichtweise... ich geh dann mal an meinen Teich... und passe auf, dass mir keiner reinpinkelt

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

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  • Zitat

    Original von lyrx


    Immer noch besser, als wenn man sich die Brüste drucken oder die Gedichte vergrößern lässt, obwohl auch das bestimmt seinen Reiz hätte ....


    soll angeblich in manchen büros gang und gäbe sein, wo die leute bei langeweile körperteile auf den scanner pressen. ?(

  • Hallo Tom, hallo zusammen,
    also ich würde mir auf jedenfall die ersten Gedanken machen, wenn es darum geht das ich als Autor Geld auf den Tisch zaubern soll, damit mein Buch gedruckt wird. Egal ob da jemand steht der Erfahrung mit Verlagen hat oder nicht!!???? ?(


    Zitat

    Andererseits: die Leute geben soviel Geld zur Befriedigung ihrer Eitelkeit aus, die eine lässt sich die Brüste vergrößern ...


    Die Eitelkeit, dass ist wohl einer der Punkte weshalb viele zu solchen "Angeboten" greifen!!!!! 8o

  • Zitat

    Original von Silke Porath
    Dann ist es also ganz einfach:
    ich werde völlig neidlos alle Hausfrauen mit bedruckten Brüsten aufs Sofa lassen und ihre vergrößerten Gedichte lesen lassen :rofl


    OK! :attn Richte hiermit ein Studio für "Gedichtvergrößerung" ein. Für Hausfrauen mache ichs schon ab 1000 Euro.


    H(offentlicher) D(auerkassierer)


    PS: Ob ich auch noch eine Brustbedruckerei anhänge, weis ich noch nicht. Wer weiß, was ich da alles bedrucken muss :dumm

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    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Zitat

    Original von Silke Porath
    Dann ist es also ganz einfach:
    ich werde völlig neidlos alle Hausfrauen mit bedruckten Brüsten aufs Sofa lassen und ihre vergrößerten Gedichte lesen lassen :rofl


    ich hatte schon mal eine ähnliche idee: POesie: Gedichte von Ärschen auf Ärschen für Ärsche, fürn Arsch.


    aber wie das so ist mit ideen, die unter alkoholeinfluss entstehen, sie bleiben meist unrealisiert. aber vielleicht kann ich mich an dein projekt dranhängen.


    unappetitliche grüße,
    michael

  • Zitat

    Original von Tom
    Hallo, Broxi.



    Mmh. Keine schlechte Idee. Aber der Beitrag ist in der vorliegenden Form natürlich viel zu lang für den AK. Oder?


    Vielleicht kann man zwei Teile draus machen: Teil 1 wie es im Verlag zugehen sollte und Teil wie es nicht sein sollte.


    Grüße,
    Karen, die auch sehr dafür ist, den Text für den AK aufzunehmen