Iris Kammerer: Der Pfaffenkönig

  • TWJ,


    ungefähr das hatte ich mir auch schon gedacht. Aber von Michael ?(.? Ich meine, ich habe ihn kennengelernt, beim Textarbeitswochenende (wo TEXTgearbeitet wurde!) er ist wirklich ... wie soll ich sagen ... irgendwie moralisch. So irgendwie :)


    Anja

  • hallo iris, twj? und anja,


    hm, wenn ich euch sage, dass das etablissment "garten eden" heißt, wird das mich nicht wirklich entlasten, oder? auch der hinweis, dass es eine private sauna ist, würde mich noch weiter hineinreiten (sozusagen).. genauso, wenn ich hinzufügte, dass es überall deko aus weißen stoffen und engeln in gleicher farbe gibt..


    immerhin wird der laden hier korrekterweise nur als wellness-betrieb aufgelistet:
    http://www.wohntippdresden.de/mitgliedskarte.html


    bleibt mir nur noch zu berichten, dass alles, was dort angeboten wird, zusammen €9.50 kostet. und vom betreiber, der selbst den aufguss macht und dazu witze erzählt wie den folgenden. der ist aber leider auch unanständig und geht komprimiert so: "fritzchen meldet sich in der schule, weist die lehrerin auf ihre unrasierte rechte achselhöhle hin und wird daraufhin von ihr heimgeschickt. tags darauf dasselbe mit der linken achselhöhle. am dritten tag hebt er etwas vom boden auf und erhascht einen blick zwischen ihre beine. er packt seine sachen und verkündet der lehrerin, dass für ihn das schuljahr beendet sei."


    @ anja: eines verstehe ich nicht, warum kam ich dir beim workshop moralisch vor, ich habe doch eine schweinkramgeschichte geschrieben? und das wäre mal eine innovative idee ein buch direkt in die sauna im engeren sinne mitzunehmen und daraus vorzulesen, sicher geistreicher als sich witze anzuhören.


    jetzt geht's erstmal zum essen ins hotel leonardo und ich hoffe, das wird mir nicht wieder falsch ausgelegt,
    michael

  • Michael: Hast Du diese "Schweinkram"-Geschichte bei Beo eingeschickt?


    Und...ich habe auf Deiner HP einige Deiner Gedichte gelesen.(* neidvoll guck*) Hast Du beim Wilhelm-Busch-Preis schon mal was eingereicht? Auf Satire und Reim scheinst Du Dich ja auch gut zu verstehen.

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • hallo lametta,


    nein, die schweinkram-geschichte habe ich bei titanic eingereicht, die sich seit ca. 2 monaten überlegen, ob sie sie drucken wollen. es geht auch primär nicht um geschlechtsverkehr, weshalb es auch nicht zu beo gepasst hätte.


    vielen dank für die blumen, ja, ich habe zweimal beim wilhelm busch-preis teilgenommen, jedesmal erfolglos. die preisvergeber scheinen auf eher vordergründigen humor zu stehen, wurden außerdem neulich die siegergedichte in der humorkritik der titanic (schätzungsweise von eckhard henscheid) ziemlich zerrissen, sowie handwerklich wie humoristisch. daher möchte ich den preis gar nicht mehr so unbedingt.


    viele grüße,
    michael

  • Hallo lametta,


    Michaels Geschichte kannst Du in einem der letzten BTs nachlesen.


    Hallo Michael,


    zum Leonardo fällt mir jetzt auch nichts Anrüchiges ein. Und die Geschichte, ich hatte die wohl irgendwie verdrängt. Dann mal noch viel Spaß im "Garten Eden" :evil :)


    Liebe Grüße
    Anja

  • Kein Urteil, nur ein Erfahrungsbericht:


    Als Teilnehmer des 42-er Autorenforums, der dort selbst schon durch
    Texte hervorgetreten ist, mit denen er selbst nicht so richtig
    zufrieden ist, habe ich mich gefragt: Wie liest sich das, was
    diejenigen zustande gebracht haben, die von diesem Forum aus den
    Sprung in die gedruckte Literatur geschafft haben? Also gehen wir doch
    mal zu Dussmann und suchen nach dem neuesten Schmöker von Iris
    Kammerer: "Der Pfaffenkönig." Stattlicher Umfang, klassisches Cover,
    genau das, was ich erwartet hatte. Frau Kammerer hat reichlich
    Konkurrenz bei Dussmann. Eine ganze Wand ist ihrem Spezialgebiet
    gewidmet, das macht bei drei vier Regalbrettern übereinander locker
    zwanzig Buchmeter historischer Roman, allerdings ist diese Schätzung
    äußerst grob.


    Eigentlich nicht meine Sorte Literatur, aber ich will es in diesem
    Fall wissen, hoffe ja, dass meiner eigenen Unvollkommenheit durch
    gutes Beispiel auf die Sprünge geholfen werden kann. Ich bringe
    reichlich Zeit mit. Da braucht man auch nicht gleich zu kaufen, man nimmt den Schmöker, setzt sich
    bei Dussmann in eine Ecke und liest einfach mal, so lange, wie man
    will. Wie geht das los? Zwei Jungens recken die Glieder in der Sonne,
    zwischen ihnen eine holde Maid. Das alles wird haarklein geschildert,
    geradezu mit mikroskopischem Blick. Man sieht förmlich die Grashalme
    im Wind, und die Reflexionen des Sonnenlichts. Man hört die Geräusche,
    riecht die Gerüche. Alles ist da: Details und Schilderungen Seite um
    Seite. Ich kann manchmal nur schwer folgen, weil mein geistiges Auge
    von der Erzählerin in schneller Folge hoch runter, nach oben und zur
    Seite bewegt wird.


    Offensichtlich soll da eine vergangene Welt, eine geschichtliche
    Epoche wieder ins Leben gerufen werden. Das Pferd des Vaters wird
    geritten, man stürzt, ist erst mal bewusstlos. Beim Aufwachen steht
    natürlich die holde Maid bereit und zeigt sich besorgt. Ist sich die
    Autorin der Symbolik dieser Szene bewusst? Mit Sicherheit! Spielt die
    Vater-Sohn-Thematik im weiteren Verlauf eine Rolle? Ich weiss es
    nicht, habe ja noch nicht zu Ende gelesen ... und werde wohl nie zu
    Ende lesen, was bestimmt mein Fehler ist, nicht der Fehler der
    Autorin. Ich lese noch, wie der Protagonist, eben noch ein Jüngling,
    als alter Mann auf eine Burg zureitet, ich höre das Eis unter den
    Hufen seines Pferdes knistern und erlebe, wie er Geleit bekommt und
    nach langer Abwesenheit in sein Zuhause zurückkehrt. Das alles wird
    vor mir ausgebreitet mit einer großen Liebe zum Detail und einer
    Ausführlichkeit, die mich baß erstaunt.


    Dann folgt ein mehrmaliges Vor- und Zurückblättern. Ich versuche, mir
    einen ungefähren Eindruck zu verschaffen, ohne alles lesen zu
    müssen. Offenbar passiert viel in diesem Roman, der Klappentext lässt
    es ja vermuten. Alles wird gewissentlich und voller Akribie
    wiedergeben. Der Wortschatz der Autorin ist respekteinflößend. Ihr
    Erzähltempo scheint recht langsam zu sein, um nicht zu sagen,
    gleichförmig. Ich zweifle nicht daran, dass die historischen Details
    so weit wie möglich historisch fundiert sind und alles gut
    recherchiert ist.


    Was ich nicht ganz verstehe, ist, warum ich, der ich historisch eher
    ungebildet bin, in diesem historischen Roman so wenig vom
    geschichtlichen Kontext vermittelt bekomme. Es kann natürlich sein,
    dass ich einfach zu wenig von dem Werk gelesen habe. Dennoch bin ich
    recht sicher, dass bei dieser Sorte Roman der politisch-geschichtliche
    Hintergrund eine untergeordnete Rolle spielt. Das Wichtigste ist
    offenbar, die Lebensrealität von früher fühlbar und erlebbar zu
    machen. Ich finde das schade, denn mein Interesse wäre wohl eher
    geweckt worden, wenn ich mehr über den historischen Kontext erfahren
    hätte. Man kann natürlich sagen: Dann wärs kein Roman mehr ... aber
    ist das wirklich so?


    Ich habe dann noch einen anderen Roman aus dem Regal gegriffen, um
    vergleichen zu können. "Das Vermächtnis der Wanderhure" oder so
    ähnlich. Vielleicht ein paar Klassen schlechter geschrieben,
    vielleicht ein wenig erfolgreicher, aber das Prinzip ist das Gleiche:
    Schwerterklirren, Kleiderrauschen, Blut, Boden, Schweiß, Tränen,
    Burgen, Schlösser u.s.w. Noch ein paar Bücher mehr angelesen, und ich
    merke, dass es frappierende Ähnlichkeiten gibt. Ich verstehe
    allmählich, warum solche Bücher gelesen werden. Sie geben vor, einen
    in eine Welt zu entführen, in der die Menschen (weniger durch Technik
    von sich selbst entfremdet) auf eine ursprünglichere Art ihr Schicksal
    erleben. Die Natur, auch die menschliche, wirkt unmittelbarer und
    stärker auf das Individuum ein. Das Leben wird dadurch intensiver,
    dramatischer, kurz: historischer. Manche lesen das offenbar gerne.


    Meines ist das leider nicht. Für mich ist das, was berichtet wird, zu
    absehbar. Ich mag mich irren, schließlich habe ich nicht zu Ende
    gelesen. Aber ich muss nach den ersten paar Seiten zumindest die
    Hoffnung haben, etwas zu erfahren, was mich interessiert. Wie allerlei
    historisches Personal sich durch seine Lebensabschnitte leidet,
    interessiert mich nur mäßig. Das mag dann handwerklich noch so solide
    geschrieben sein. Wer kennt einen guten Grund, warum ich weiter lesen
    soll? Und wodurch heben sich die Bücher von Frau Kammerer unter den
    vielen anderen hervor, die neben den ihrigen im Regal stehen?

  • Zitat

    Original von lyrx
    Ich bringe reichlich Zeit mit.


    Ja was? Und wann arbeitest du? Und arbeitest du überhaupt? Darf ich dich höflich daran erinnern, dass bei dir in der Küche Fragmente eines Meisterwerkes in verschiedenen Stadien der Konfusion ihrer allmählichen (und hoffentlichen) Vollendung harren? Hattest du hier nicht öffentlich angedroht, Martin Räumer bald in der dritten, ja vielleicht sogar noch in einer vierten Version vorstellen zu wollen?


    Und da sitzt du bei Dussmann (Ist das eine Konditorei? Du weißt, dass man von zuviel Zucker und historischen Romanen Diabetes II, mindestens aber einen Schnupfen bekommt?) und liest?


    Geh' jetzt sofort nach Hause und schreib' weiter!

  • Zitat

    Original von lyrx
    ... Wer kennt einen guten Grund, warum ich weiter lesen
    soll? Und wodurch heben sich die Bücher von Frau Kammerer unter den
    vielen anderen hervor, die neben den ihrigen im Regal stehen?


    Es gibt mehrere Gründe. Einen hast du selbst schon erwähnt, zu Beginn deiner Ausführungen. Das Buch ist gut geschrieben. Es ist einfach "gesund", so etwas über längere Strecken zu lesen.
    Je mehr man liest, um so deutlicher tritt die beschriebene Zeit aus dem "unbestimmt romanhaften" hervor. Das unterscheidet die Bücher von Iris deutlich von den anderen Schinken aus dem Regal. Und die meisten Fakten, um die sich die Geschichte rankt, bleiben "abprüfbar". Ich habe die unangenehme Angewohnheit, beim Lesen von historischen Romanen (gleich welcher Epoche) nachzuschlagen (wenn ich es selbst nicht so genau weiß). Und obwohl ich viel Toleranz den Autoren gegenüber habe bzgl. ihrer "Interpretationen", so kann ich es nicht leiden, wenn Tatsachen verfälscht und verdreht werden. Oder noch schlimmer, wenn erbärmliche Unkenntnis aus dem Text hervorscheint. Wenn ich in einem Roman lese, der im 1 Jh. nach Chr. in Rom spielt, das eine der handelnden Personen sagt, sie sei schon in Kairo gewesen, dann fliegt der Schinken in die Ecke und wird nicht weitergelesen. Bei den Büchern von Iris wurde ich da bislang noch nicht enttäuscht.
    Die schlimmsten historischen Romane sind diejenigen, in denen Personen aus der heutigen Zeit vorkommen oder anders gesagt, in der die "Menschen der Steinzeit" so beschrieben werden, als wären sie Zeitgenossen, nur eben ohne Fehrnsehn und ohne Auto und mit einem schmutzigen Bärenfell angezogen. J.J. Bachofen, ein Basler Wissenschaftler des 19.Jh. hatte eine Methode zum Verständnis und Denken vergangener Zeiten durch das Studium römischer Grabinschriften entwickelt, das ihm ermöglichte, zumindest annähernd die Bewustseinslage der Menschen vergangener Zeiten zu beschreiben. Ich weiß nicht, ob Iris etwas von dieser Methode weiß, aber bei Ihren Büchern habe ich nicht das Gefühl, einen modernen Italiener und einen zeitgenössischen Ostfriesen zu bekommen, wenn Sie über Römer und Germanen schreibt, sondern zumindest Denken und Handeln halbwegs authentisch zur beschriebenen Zeit.
    Als unser Sohn den ersten Band der Cinna-Trilogie (Der Tribun) gelesen hatte, gab er, nach seiner Meinung befragt, folgendes Statement ab: "Klasse! Die Männer darin sind zwar alle entweder Kotzbrocken oder Weicheier, aber irgendwie passte das und war stimmig. Wann kommt der zweite Band?"
    Ich kann dir nur empfehlen, in den nächsten Tagen immer mal wieder bei Dussmann vorbei zu gehen und das Buch zu Ende zu lesen.


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Zitat

    Original von Th. Walker Jefferson


    Geh' jetzt sofort nach Hause und schreib' weiter!


    Lieber Lyrx,


    lass dir von TJW keine Angst machen. Der bekommt ja selber seine Fortsetzung nicht auf die Reihe :)


    Ich meine, wenn du Vormittags ordentlich an deinem Martin Räumer geschrieben hast, dann hast du dir für den Nachmittag ein Lesestündchen bei Dussmann verdient.


    Horst-Dieter


    PS: Mit dem Zucker hat TJW allerdings recht

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Zitat

    Original von Th. Walker Jefferson
    Geh' jetzt sofort nach Hause und schreib' weiter!


    Zumindest heute schockt mich das nicht. Ausbeute des Tages: Ca. 700 Wörter Martin Räumer, ein Essay über das Ajax-Programmiermodell und eine kleine Annäherung an den historischen Roman. Arbeitsorte: Café Pfau, Bergmannstraße, Café Mommsen, Potsdamer Platz. Dussmann war letzte Woche. Übrigens ein Tipp für Dauerleser, die schließen nämlich erst nachts um drei. Ich geh da jetzt schon hin, um mich schon auf die Zeit vorzubereiten, wenn ich als erfolgloser Schriftsteller kein Geld mehr habe, um mir Bücher zu kaufen.

  • Hallo, lyrx!


    Zitat

    Original von lyrx
    Dennoch bin ich recht sicher, dass bei dieser Sorte Roman der politisch-geschichtliche Hintergrund eine untergeordnete Rolle spielt. Das Wichtigste ist offenbar, die Lebensrealität von früher fühlbar und erlebbar zu machen. Ich finde das schade, denn mein Interesse wäre wohl eher geweckt worden, wenn ich mehr über den historischen Kontext erfahren hätte. Man kann natürlich sagen: Dann wärs kein Roman mehr ... aber ist das wirklich so?
    [...]
    [...] und ich merke, dass es frappierende Ähnlichkeiten gibt. Ich verstehe allmählich, warum solche Bücher gelesen werden. Sie geben vor, einen in eine Welt zu entführen, in der die Menschen (weniger durch Technik von sich selbst entfremdet) auf eine ursprünglichere Art ihr Schicksal erleben. Die Natur, auch die menschliche, wirkt unmittelbarer und stärker auf das Individuum ein. Das Leben wird dadurch intensiver, dramatischer, kurz: historischer. Manche lesen das offenbar gerne.


    Ich kenne die Einstufung und halte sie für sehr pauschal. :zwinker


    Vorab gesagt: Man kann nicht jedem Leser gefallen -- das ist eine Binsenweisheit. Offenbar treffe ich sprachlich und erzählerisch nicht deinen Geschmack. :achsel
    Gemeinsamkeiten mit allen anderen Romanen des Genres abzuleiten, nachdem man in zwei, drei weitere reingelinst hat, ist allerdings ziemlich verwegen. :zwinker
    Mir ist bewusst, dass deine Beschreibung auf eine große Menge der "Historienschinken" auf dem deutschen Markt durchaus zutrifft -- ich persönlich finde mich und meine Arbeit in deiner Beschreibung jedoch nicht wieder.


    Dennoch bleibt dir selbstverständlich unbenommen, ein negatives Geschmacksurteil abzugeben -- für ein ästhetisches müsstest du dich allerdings intensiver und vor allem unvoreingenommener mit dem gesamten Genre und dem jeweiligen Buch befassen. :zwinker

  • Hi lyrx, Iris, others,



    das entspricht ebenfalls meiner Wahrnehmung. An sich mag ich Historienschinken; seit ich von den "Säulen der Erde" und dem "Medicus" angefixt bin, schiebe ich immer wieder mal ein Exemplar dieses Genres dazwischen. Leider hat gerade das, was den Pfaffenkönig auszeichnet, nämlich die Akribie und Detailgenauigkeit, bei mir dazu geführt, daß ich den Roman nach 110 Seiten (vorübergehend) zur Seite gelegt habe, um mich "Fleisch ist mein Gemüse" zu widmen.
    Das mag an meinem unkonzentrierten Leseverhalten liegen. Es passiert mir, daß ich während des Lesens gadanklich mal kurz abschweife, was in der Regel nicht weiter dramatisch ist, weil ich schnell wieder zum roten Faden zurückfinde. Beim Pfaffenkönig jedoch führt schon die geringste Unkonzentriertheit dazu, daß ich plötzlich Elisabeths und Heinrichs durcheinanderwürfle, die Beziehungen der Figuren untereinander noch einmal nachblättern muß und auch den Handlungsstrang aus den Augen verliere.
    Der Grund, und deshalb ist dies auch keine Kritik, liegt darin, daß nach meinem rein subjektiven Empfinden viel zu viele Personen relativ zeitgleich agieren, die (noch?) nicht so scharf konturiert sind, daß ich sie bildlich vor mir sehe und ohne weiteres voneinander unterscheiden könnte. Es passiert (noch?) nichts so Gravierendes, das mich so fesseln würde, daß ich mich an der Story festfresse. Persönliches Fazit: Zu viele Agierende, zu wenig Aktion, zu viele Details, um mich zu vereinnahmen. Ich bin auch nicht der Typ, der historische Daten überprüft, so lange mir die Story schlüssig erscheint. Beim Lesen wurde mir stellenweise klar, warum ich dereinst das seltene Kunststück geschafft habe, wegen einer Fünf in Geschichte (und Deutsch, btw.) sitzenzubleiben.
    Nixdestotrotz, wenn ich mal weniger anderes ablenkendes Zeug im Kopf habe, wird´s ´nen zweiten Versuch geben. Bis dahin lauern aber noch diverse andere Werke in der Warteschleife - unter anderem der "Tribun".
    Pfüateich
    Kaelo

    2 % aller Menschen besitzen einen IQ >130,

    98 % nicht. Das erklärt meine Skepsis gegenüber Mehrheitsmeinungen. (Kaelo)
    www.kaelo.de

    Einmal editiert, zuletzt von Kaelo ()

  • Zitat

    Original von Iris Kammerer
    Hallo, lyrx!
    Offenbar treffe ich sprachlich und erzählerisch nicht deinen Geschmack.


    Das würde ich nicht behaupten! Dazu habe ich einfach zu wenig von Dir gelesen. Mir ging es wirklich nur um meinen Anfangseindruck.

  • Mitte des 13. Jahrhunderts lässt sich Heinrich von Raspe von seiner jungen Frau Beatrix pflegen, nachdem er verwundert aus Ungarn zurückgekehrt ist. Während er zum Nichtstun verurteilt ist, erzählt er ihr seine Geschichte. Landgraf Ludwig, Heinrichs älterer Bruder, war auf dem Kreuzzug an Krankheit gestorben und Heinrich sein Nachfolger als Marktgraf von Hessen und Thüringen geworden. Die ungarische Königstochter Elisabeth und Heinrich hatten von Kind an ein enges Verhältnis gehabt, doch Elisabeth hatte Ludwig geheiratet. Nach dessen Tod verbot Heinrich Elisabeth ihren ganzen Besitz zu veräußern, den sie Armen und Schwachen zugute kommen lassen wollte. Heinrich entzog ihr in der Folge alle Besitztümer, was sie in die Armut trieb. Darauf führte ein Elisabeth ein keusches, unterwürfiges Leben im Sinne des heiligen Franziskus von Assisi. Nachdem Elisabeth an Krankheit stirbt, tut Heinrich Buße, bevor er von weiteren Schicksalsschlägen ereilt wird. Die Kirche spricht Elisabeth heilig, bevor Heinrich mehr und mehr in den Machtkampf zwischen Kaiser und Papst verwickelt wird.


    „Der Pfaffenkönig“ ist in erster Linie die Geschichte Heinrich von Raspes. Zu dieser gehörte möglicherweise tatsächlich die platonische Liebe zu Elisabeth. Das Buch ist ein breit eingebetteter Historienroman, der sich liest, als seien die Hintergründe akribisch recherchiert worden. Iris Kammerer erzählt anschaulich, flüssig und vor allem überaus präzise. So entsteht von den Akteuren und den geschichtlichen Umständen von der ersten bis zur letzten Seite ein sehr lebendiges Bild. Historienromane sind eigentlich so gar nicht mein Fall, aber wenn, dann sollten sie geschrieben sein wie dieser.

  • Heut gab es ein fettes Lob für das Buch: von einer em. Soziologin von der Kasseler Uni (allen Unkenrufern zum Trotz: die gibt es wirklich). Sie fand nur ein paar kleine Fehler, schob diese auf die unaufmerksamen Lektoren und bestellte sich den Pfaffenkönig selber.



    Und ich wollte das Lob mal weitergeben.


    lg Jaellekatz

  • @ Michael:
    Vielen Dank für die schöne Rezi! :blume



    Jaellekatz:
    Dir auch vielen Dank. :blume


    Doch, Kassel hat eine Universität, auch wenn diese als "integrierte Gesamthochschule" gegründet wurde.