Beiträge von Th. Walker Jefferson

    Aber davon abgesehen ist es okay, sich im 42erCafé öffentlich von Künstlern zu verabschieden, die einem etwas bedeutet haben.

    Ich weiß!


    Obwohl ich an einer volkswirtschaftlichen Entwicklung, die seit Monaten jeden Tag durch die Medien geht, überdurchschnittlich, überproportional und absolut unverdient hochverdient partizipiere und deshalb eigentlich mehr als zufrieden ein sollte, bin ich wieder grantig in die Woche gestartet.


    Da kam mir eine Type mit dem Vornamen Ginger gerade recht. :bonk

    Schönes Rätsel, leider allzufrüh und ein bißchen allzu lapidar gelöst. Das hätte ruhig länger gehen können.


    Ich mochte vor langer Zeit seine Bücher auch. Aber es gibt kaum einen Autor, dessen Leben ich lächerlicher, dümmer und abstoßender finde. Nach William S. Burroughs, Norman Mailer und Hemingway, den anderen Ekelpaketen in der Literatur, kommt wirklich gleich der christliche Karl May.

    Aha! Faszinierend!


    Ich kapiere das ja überhaupt nicht: Irgend so ein Rock-Greis stirbt und alle tun so, als täte es ihnen leid. Ich weiß gar nicht, wer Cream ist oder war. Gibt es irgendeinen in diesem Forum, der auch nur einen Cream-Song im Ohr hat?


    Und überhaupt: Wie kann ein Mann Ginger heißen? Das ist ja ein so dermaßen lächerlicher Vorname für einen Mann – bei Frauen ist er schon nicht gut, weil er die Gedanken (von Männern) andauernd in die falsche Richtung lenkt. Aber für einen Mann ist dieser Name katastrophal. Ich nehme an, dieser Baker hat nebenher als Drag-Queen gearbeitet und ist auf kleinen Volksfesten in England und Wales aufgetreten. So stelle ich mir das vor.

    Aber die Sache mit der Prostituierten hat mich irritiert.

    Sie hieß Faustina – kann man sich das vorstellen? -, war die verwitwete Tochter eines Gastwirtes mit Kind, hat also Geld gebraucht, und sie hat Erfahrung mitgebracht, was für die Römischen Elegien sicher ein Glücksfall war.


    Ich habe das zuerst bei Eissler gelesen, und da erschien es mir recht überzeugend: Kurt R. Eissler, Goethe: Eine psychoanalytische Studie 1775-1786 (2 Bände) (dtv Kultur & Geschichte)

    Unser Autor hat sich nach zwei frühen literarischen Erfolgen dafür entschieden, hoher Regierungsbeamter zu werden, was ihm nicht so schwer fiel, weil er studierter Jurist war.


    Viele Jahre hat er dann als hoher Beamter gearbeitet und war in dieser Tätigkeit auch sehr erfolgreich und von seinen Vorgesetzten außerordentlich geschätzt. In dieser Zeit hat unser Autor zwar noch geschrieben, aber nichts mehr veröffentlicht, weshalb er in der literarischen Öffentlichkeit nach und nach vergessen wurde.


    Bald nachdem er seine neue Stelle angenommen hatte, lernte unser Autor bei irgendeiner Betriebsfeier die Frau eines anderen Verwaltungsbeamten kennen, in die er sich leidenschaftlich verliebte. Seine Liebe wurde erwidert, aber nicht so, wie unser Autor sich das vorgestellt hatte. Seine Angebetete, die älter als unser Autor und mehrfache Mutter war, bestand auf einer rein platonischen Beziehung. Dem hat unser Autor zähneknirschend zugestimmt, aber es ist ihm wirklich sehr schwer gefallen. 10 Jahre lang hat er versucht, mit seiner Geliebten ins Bett zu kommen, und 10 Jahre lang hat sie ihn zurückgewiesen.


    Nach 10 Jahren hatte unser Autor allerdings genug. Er wollte jetzt unbedingt mit einer Frau ins Bett, und wenn nicht mit dieser, dann eben mit einer anderen. Also hat er sich aus dem Staub gemacht und ist unter falschen Namen ins Ausland gereist. So rasch und überstürzt ging die Abreise vor sich, daß er weder bei seinem Vorgesetzten Urlaub beantragt hat, noch seine Geliebte informierte, was diese ihm nie mehr verziehen hat.


    Den – zu seinen Lebzeiten nie veröffentlichten – Tagebüchern des Autors kann man entnehmen, wie sich die sexuelle Anspannung in ihm nach und nach gesteigert hat, z.B. daran, daß er ausführlich über Prostituierte nachdenkt und einmal auch vermerkt, daß eine Prostituierte ihn auf der Straße angesprochen habe.


    Am Ziel seiner Reise angelangt, hat unser Autor erst versucht, Frauen so kennenzulernen, z.B. auf Partys, bei Konzerten oder in der Oper etc. Aber obwohl unser Autor keineswegs schlecht aussah und außerdem klug und gebildet war, ist ihm das nicht gelungen. Also blieben nur Prostituierte. Da unser Autor anspruchsvoll war und große Angst vor Geschlechtskrankheiten hatten, was er seinem Vorgesetzten brieflich offen mitteilte, kamen keine Mädchen von der Straße in Frage, sondern nur das, was man heute als "Hobbynutten" bezeichnet, also Frauen, die ganz normal einen Beruf haben, aber nebenher für Geld mit Männern ins Bett gehen.


    So eine hat unser Autor schließlich gefunden und sie fürstlich bezahlt, was ihm leichtfiel, weil er vermögend war. Später hat unser Autor stets den Eindruck erwecken wollte, ihm wären die Frauen sein Leben lang zu Füssen gelegen, er hätte also nie auf Prostituierte zurückgreifen müssen. Lange hat man ihm das auch geglaubt, bis ein etwas indiskreter Schnüffler unter seinen Biographen genau den Scheck, mit dem unser Autor seine kleine Freundin bezahlt hat, in den Archiven einer Bank gefunden hat. Der Scheck lautete auf eine enorme Summe, in heutigem Geld wären es wohl 100.000 Euro. Kein schlechter Deal für eine Bedienung in einem Wirtshaus, die, was sie allerdings nicht wußte, in die Literaturgeschichte eingehen sollte.


    Als er sich ausgetobt hatte, ist unser Autor wieder nach Hause gefahren, wo seine alte Freundin mit ihm kein Wort mehr gewechselt hat. Seine neue gewonnene sexuelle Erfahrung hat unser Autor dazu genutzt, einen Schwung erotischer Gedichte zu schreiben, die er später sogar veröffentlicht hat, was vielen, die ihn von früher her kannten, mißfiel.

    Hallo, Tom,


    Das ist jetzt NICHT ironisch gemeint: Ich finde Deine Buchbesprechungen regelmäßig gut. Ich habe gar nicht so wenige der von Dir hier besprochenen Bücher gelesen – und zwar nur deshalb, weil Du sie besprochen hast.


    Ich sehe und lese diese Bücher anders als Du, und ich teile Dein Urteil nicht immer, um nicht zu sagen: eigentlich eher selten. Aber darum geht es nicht. Ohne diese Rezensionen bliebe mir vieles auf dem Buchmarkt fremd oder unbekannt. Für mich sind Deine Rezensionen immer so etwas wie ein Scheinwerfer in der Dunkelheit, der einem zeigt, was es da eigentlich noch alles gibt.


    Ich interessiere mich gar nicht für SF, und die paar kläglichen Versuche, die ich in dieser Richtung unternommen habe, beschränken sich auf einige Bücher von Stanislaw Lem und den Strugatzkis.


    Ich finde den von Dir hier rezensierten Band sehr gut übersetzt – ich habe in das Original und in die deutsche Ausgabe hineingelesen und ich bin ehrlich gesagt verblüfft, wie gut der Übersetzter die Übertragung dieses komischen Slangs im Original und der ganzen Neologismen hingekriegt hat.


    Also: Kompliment und bitte weitermachen.

    Stefan George. Mit hoher Wahrscheinlichkeit! ;)

    Hugo von Hofmannsthal war eines seiner juvenilen Opfer.


    Graf Stauffenberg, der Hitler-Attentäter, war Mitglied seines illustren Kreises.

    So ist es! Stefan George! :dhoch


    Und ganz egal, wie wir ihn sehen, einige der schönsten Verse überhaupt stammen von diesem komischen Typ:



    "Komm in den totgesagten park und schau:

    Der schimmer ferner lächelnder gestade -

    Der reinen wolken unverhofftes blau

    Erhellt die weiher und die bunten pfade."


    Oder:


    "Ich darf so lange nicht am tore lehnen ·

    Zum garten durch das gitter schaun ·

    Ich höre einer flöte fernes sehnen ·

    Im schwarzen lorbeer lacht ein faun.


    So oft ich dir am roten turm begegne

    Du lohnest nie mich mit gelindrem tritt

    Du weisst nicht wie ich diese stunde segne

    Und traurig bin da sie entglitt."


    Oder:


    "Ich fahre heim auf reichem kahne ·

    Das ziel erwacht im abendrot ·

    Vom maste weht die weisse fahne

    Wir übereilen manches boot.


    Die alten ufer und gebäude

    Die alten glocken neu mir sind ·

    Mit der verheissung neuer freude

    Bereden mich die winde lind."

    Lenz war nicht homosexuell und Peter Hille wohl schon ein Obdachloser und Clochard, was unser Autor, der ja immer sehr würdig, gestylt würde man heute sagen, und gepflegt aufgetreten ist, nie war.


    Alle Bilder von unserm Autor sind kunstvoll stilisierte Portraits, ich kenne überhaupt keinen Schnappschuß von ihm oder ein Bild, das ihn relaxed oder lachend oder fröhlich zeigen würde. Er blickt ausschließlich ernst und würdig.


    Nochmal: unser Dichter hat einen eingeschworenen Kreis um sich gebildet, in dem eine vergeistiget Homosexualität, die Verehrung der Antike und der Renaissance zu einer Art Ersatzreligion wurde.


    Diese Leute haben sich als eine Art von geistiger Elite gesehen, die das Beste repräsentiert, was die deutsche Kultur hervorbringen kann, weshalb einem von Ihnen, der heute viel berühmter als unser Dichter ist, genau dieses Elitebewußtsein die Kraft zu einer singulären Tat gegeben hat, die diesem Mann allerdings sein Leben gekostet hat.

    Zuerst einmal bedanke ich mich für das Interesse! Das könnte ja noch richtig spannend werden!


    Nein, es ist auch nicht Theodor Storm. Es ist richtig, daß Storm ein – wohlgemerkt theoretisches - Interesse an recht jungen Mädchen hatte, aber es gibt keinen Beleg dafür, daß er es ausgelebt hat. Storm war auch nicht homosexuell und ist auch nicht als literarischer Übersetzer in Erscheinung getreten.


    Nein, unser Autor hier war ein reiner Dichter und hat sich auch als solcher verstanden. Er hat keinen Roman, ja nicht einmal Erzählungen geschrieben, seine Domäne war ausschließlich die Versdichtung.


    Ganz egal, wie man zu ihm steht, man wird ihn – zusammen mit zwei anderen ganz großen Namen der deutschen Literatur - zu einem der wichtigsten Dichter der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen müssen.


    Unser Autor ist an einem Bruchpunkt der deutschen Geschichte gestorben. Zu seinem Glück, wie manche behaupten, weil es ihn davor bewahrt haben soll, sich politisch zu kompromittieren – obwohl das keineswegs sicher ist.


    Trotzdem hat einer seiner Schüler und Gefährten, der allerdings nicht homosexuell war, später eine ganz außergewöhnliche Tat vollbracht, die auch dem Einfluß unseres Dichters geschuldet ist.


    Unser Dichter hat nie einen normalen Beruf ausgeübt, ja er hatte jahrzehntelang nicht einmal eine eigene Wohnung – ohne jemals obdachlos zu sein. Meistens war er bei anderen zu Besuch. Er hat mit seinen Gedichtbänden wenig verdient und folglich immer von Spenden, Almosen, Zuwendungen und Schenkungen gelebt, was aber bedeutet, daß ihn einige wichtige und wohlhabende Leute sehr geschätzt haben.

    Ich vermute mal Oscar Wilde.

    Nein, Oscar Wilde ist nicht gemeint. Im Vergleich mit unserem Dichter war Oscar Wilde auf dem Gebiet des Sexus ein Waisenknabe.


    Unser Dichter hier ging da ganz anders zur Sache, was erklärt, warum seine Biographen gar so emsig bemüht sind, das Leben unseres Autors stets zu verklären.


    Dennoch hat unser Autor einige der schönsten und besten Verse geschrieben, die es überhaupt nur gibt. Er ist ein bißchen aus der Mode gekommen und viele in diesem Forum werden noch nie einen Vers dieses Dichters gelesen haben – er ist trotzdem ein großer Dichter.

    Unser Autor war pädophil. Und schwul, eine nicht ganz unübliche Kombination, auch wenn die LGBT-Lobby das nicht so gerne hört. Es gibt natürlich eine ganze Menge pädophiler Schriftsteller, allerdings hat unser Autor seinen pädophilen Neigungen literarisch gesehen eine neue Dimension verliehen. Für unseren Autor war schwul sein gleichbedeutend mit pädophil sein und pädophil sein der Kerns seines Wesens, ja seiner ganzen Lebensgestaltung. Unser Autor war in erster Linie pädophil, und erst dann kam für ihn die Literatur.


    Von den Biographen unseres Autors, und das sind einige, wird das nie so eingestanden, bis zum heutigen Tag nicht. Da wird erstklassig und sehr geschwurbelt um den heißen Brei herumgeredet und die Neigungen des Autors stets metaphysisch verbrämt. Da wird er immer als Sucher, Erzieher und hauptsächlich als Freund oder Gefährte bezeichnet, von Vierzehn- oder Fünfzehnjährigen, die er gerne als "Buben" bezeichnete.


    Unser Autor hat im Leben gelernt, daß er sich bei der Suche nach Knaben zusammenreißen muß, weil das für ihn sonst erhebliche Konsequenzen haben könnte, aber als er jung war, kannte er diese Zurückhaltung nicht, Da hat er sich z.B. einen anderen Autor, der heute berühmter ist als unser Autor, so dermaßen aggressiv genähert, daß dieser zweite Autor seinen Vater eingeschaltet hat, um unseren Autor in die Schranken zu weisen.


    Trotzdem ist unser Autor ein in mancher Hinsicht großer und bedeutender Schriftsteller, der die Literatur seiner Zeit erheblich beeinflußt und geprägt hat. Er war auch ein guter Übersetzer, der aus drei Sprachen übersetzt hat, vielleicht nicht sehr idiomatisch, aber mit einem unbestreitbaren Talent für Klang und Ausdruck.

    Hallo, 42er,


    Irgendwann wird sich das totlaufen, aber vorher biete ich hier in lockerer Folge noch einige literarische Rätsel an, weil es ja wirklich eine nette Methode ist, mehr über Literatur zu erfahren und unterhaltsamer als irgendwelche Vorträge, Referate oder Abhandlungen über Autoren.


    Ich frage nicht nach total unbekannten Autoren, die nur noch Spezialisten bekannt sind – aber auch nicht nach Tagesgrößen oder Trivialautoren, sondern nach Autoren aus dem sog. literarischen Kanon, auch wenn ich den weiter als sonst gesteckt fasse.


    Rätseltexte schreibe ich so, daß man den gesuchten Autor nicht schon nach einmaligem Googeln errät. Warum? Weil alles andere Unsinn wäre. Ich bin altmodisch und konservativ und natürlich reaktionär und noch viele andere unangenehme Sachen, allerdings auch gebildet, weshalb ich an einem altmodischen Bildungsideal festhalte. Und dieses überholte Ideal besagt, daß man eine ganze Menge Fakten, Orte, Namen, Daten, Jahreszahlen und in der Literatur Figuren, Plots und Handlungsmuster im Kopf haben muß, um als gebildet durchzugehen.


    Wer auf die Frage: Wie heißt das berühmteste Gemälde im berühmtesten Museum Frankreichs? das Handy zücken und Google anschmeißen muß – der ist nicht gebildet. Mit dem ist jede Diskussion über die großen alten weißen Männer (und einige Frauen) der hauptsächlich abendländischen Kulturgeschichte sinnlos und macht auch keinen Spaß.


    Preise gibt es keine. Das einzige, was man sich hier erwerben kann, ist Respekt. Wer das Rätsel gelöst hat, soll es laut sagen. Dann ist es gelöst, und dann kommt halt ein anderes.