Beiträge von Nils

    Ich muss so ungefähr vierzehn Jahre alt gewesen sein, da habe ich mir aus dem Plattenschrank meiner Eltern eine LP gemopst, die die irgendwann von einem Freund geschenkt bekommen und sowieso nie gehört haben. Wahrscheinlich wollte ich wissen, was ein Typ, der offensichtlich so wenig Angst hat, sich lächerlich zu machen, dass er sich sogar in den megacoolen 80ern als Torero mit Rüschen und allem Pipapo für das Cover ablichten lässt, für Musik macht.


    Das war meine erste Begegnung mit Chick Corea. Das Doppelalbum hieß „My Spanish Heart“. Ich habe die Platte für mehrere Monate in Endlosschleife laufen gehabt, wahrscheinlich hat mir Chick Corea etwas zu früh die Tür zum Jazz aufgestoßen und mir damit leider auch jede Chance auf eine anständige Clique in der Schule genommen. Für Limahl und diese Leute war ich verdorben.




    Chick Corea hat mich auch später begleitet, auch wenn mir irgendwann in den 90ern klar geworden ist, wer dieser komische Ron Hubbard ist, bei dem er sich auf den Plattencovern immer bedankt. Armando "Chick" Corea war ein virtuoses, verrücktes Spielkind, der immer wieder neue Sachen ausprobiert hat, bei dem es nie langweilig wurde.




    Heute lese ich in der Zeitung, dass er gestern von uns gegangen ist.


    Rest in Peace Senor Mouse.

    "Also ich schreibe so eine Art dystopischen Love and Landscape-All Ager mit Einflüssen aus Graveyard und soft Science Fiction"?

    Ich habe gerade festgestellt, dass der große Douglas Adams meinen Witz schon früher gemacht hat. Nicht zu glauben. Er bezeichnet Dirk Gently laut Wikipedia als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“.


    Man kann einfach keine neuen Dinge mehr erfinden.

    Ich glaube, dass das sehr damit zu tun hat, was man jetzt unter "Genre" versteht. Eigentlich ist das ja ein etwas abwertender Begriff und bedeutet sowas wie "trivial" und nach einem immer gleichen Strickmuster konstruiert. "Western" und "Science Fiction" enttäuschen ihr Kernpublikum ohne Beachtung einiger grundsätzlicher Konventionen, nur sehr selten geht es da um Liebesgeschichten oder Spiritualität. Zumindest nicht im Kern.

    Deswegen verkauft sich Genre auch gut, ich gebe zu, dass ich das oft eben auch sehr mag. Ich kaufe mir ein "hirnloses" Buch zur Unterhaltung und lese es schnell durch.

    Wenn ich einen Roman mit einem dunklen Cover aus dem Regal ziehe, von einem Autoren, dessen Name mit "döttrson" endet und mit einem Blurb von einem skandinavischen Krimibestsellerautor, dann erwarte ich und will ich, dass da ein depressiver Ermittler einen sadistischen Serienmörder jagt. Wenn es dann plötzlich drei andere Handlungsstränge gibt, von denen einer im Weltraum und einer in Cornwall spielt, dann bin ich eher nicht so zufrieden.

    So funktioniert Genre nunmal und wenn man sich in dieser Riege umtun will, dann muss man diese Regeln auch beachten.


    Wenn einem diese Festlegungen aber nicht liegen, dann könnte man versuchen, sich eher an ernsthafter Literatur zu orientieren, die sich eben dadurch auszeichnet, dass sie eben nicht nach Schema F funktioniert. Die von tortitch angeführten Leute würde ich in diesem Sinne alle nicht in der Genreecke verorten.

    Die Musik ist mir dann meistens nach einiger Zeit doch etwas zu langweilig, aber das Konzept mit der Live-Performance von Sleep war schon genial. Beginn um 0.00 Uhr, im Auditorium Betten statt Stühle und eine Konzertdauer von 8 Stunden. Zuhörer durften und sollten währenddessen schlafen. Cool.

    und selbst die unterliegen Regeln.


    Geübt wird vorher (Konzeptionelles zurechtlegen, Techniken einschleifen).

    Aber das ist ja gerade der Punkt. Erzählendes Schreiben unterliegt auch Regeln, aber diese Regeln sollte man vorher verinnerlicht haben, damit man dann ganz natürlich und mit Spaß damit spielen kann. Ich finde das Bild in der Hinsicht schon treffend, Improvisation ist eine der entscheidenden Eigenschaften, aus denen sich Jazz definiert.

    Aber das bedeutet nicht, dass man das nicht üben oder strukturiert lernen kann. Es gibt ja auch in der Musik diese Leute, die meinen, man müsste nur ganz viele Platten hören und dann versuchen nachzumachen, was man da hört. Es mag ein paar Genies geben, bei denen das so läuft, aber für die Allermeisten ist es echt schon irgendwo ein Vorteil, wenn ihnen mal jemand das grundsätzliche Konzept von Dur und Moll erklärt8).


    Und genau deswegen mag ich auch Schreibratgeber sehr gerne. Schon klar, wer kennt die Romane, die Sol Stein geschrieben hat? Aber die Platten von Peter Bursch sind mir auch nicht geläufig und trotzdem hat der Mann einer ganzen Generation zu akzeptabler Schrammelgitarre verholfen.

    Dagegen spricht, dass es nicht unmotiviert geschehen sollte.

    Das ist ja völlig richtig, aber das macht es unheimlich schwer, weil ich mir fast nie Gedanken darüber mache, wie groß Leute sind, oder welche Augenfarbe sie haben. Und weil ich mir aufrichtige Mühe gebe, möglichst authentisch zu schreiben, bin ich inzwischen bei irgendwas mit 30.000 Worten (!), ohne dass ich weiß, wie groß ich so in etwa bin. Also in der Geschichte jetzt. Für mich ist das kein Problem, aber ich schreibe ja für Leser und ich befürchte, die wollen sowas wissen.


    "In zwei Tagen zum Fitzek-Successalike"

    Kannst du da vielleicht noch einen Amazon-Link einfügen? Ich kann es nicht finden, aber es klingt wirklich interessant.:evil

    Ich bin wirklich überrascht. Erwartet hatte ich in der Mehrzahl Aussagen, die in die entgegengesetzte Richtung weisen, also erst mal auf Biegen und Brechen die komplette Geschichte raushauen, auch auf die Gefahr hin, dass das Ergebnis bei Feingeistern Würgreflexe auslöst. So hatte ich es bisher auch und gerade von gestandenen Profis gehört und gelesen.

    Ich habe diese Vorgehensweise auch in zahlreichen Interviews gelesen und mir ist das immer komisch vorgekommen. Ich müsste mich mit einiger Anstrengung dazu zwingen, wollte ich nicht die letzten Seiten lesen, die ich geschrieben habe, und während des Lesens auch korrigieren, ändern, streichen usw.


    Kann es sein, dass das etwas damit zu tun hat, ob man auf Papier oder direkt am Rechner arbeitet? Ich habe letztens Neil Gaiman sagen hören, er würde alles mit dem Füllfederhalter (!) in total stimmungsvolle Notizbücher schreiben. Dann macht es natürlich auch Sinn, einen eigenen Arbeitsschritt nur dem Überarbeiten zu widmen.


    Ich schreibe alles direkt in den Rechner und lese auch am Bildschirm. Wenn mir da eine Wiederholung auffällt (ständig), dann korrigiere ich das direkt. Und zwar bei jedem Durchlesen und ich lese gerne und häufig durch, was ich geschrieben habe.


    (Ich kann ja nicht einmal hier die Finger vom "Bearbeiten" Knopf lassen...)

    Gibt es sowas wie (seriöse) Internet-Leser-Foren, wo man sich gegenseitig bewerten kann?

    Das ist jetzt ein bisschen so, als wenn du in eine Bäckerei gehst und fragst, ob die jemanden kennen, der vielleicht Brötchen verkauft. ;)


    Unbedingt hier die Besprechungstexte, abgekürzt "BT". Diese Runde ist Gold wert, macht unheimlich Spaß und ist für mein Gefühl immer das Herzstück dieser Veranstaltung hier gewesen.


    Persönlich empfehlen würde ich, sich freischalten zu lassen und dann erst einmal etwas in den Archiven zu stöbern. Vielleicht ist es auch gut, erst einmal eine Zeit lang die Texte anderer Leute zu kommentieren. Es gibt (je nach Andrang) jede Woche bis einmal im Monat einen Text zu besprechen. Im Augenblick steht einer von mir ganz oben 8)

    Ich breche mir doch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich mein Manuskript bzw. die Leseprobe im Normseitenformat anbiete.

    Ich fände es allenfalls interessant, ob sich diese Konventionen im Lauf der Zeit nicht auch verändern. Der eingangs verlinkte Artikel ist ja inzwischen fünf Jahre alt. Gilt immer noch Normseite? Die Normseite war seinerzeit ja eine Maßeinheit, die sich im Zeitalter der elektronischen Textverarbeitung eigentlich auch auf der Lektorseite erübrigt hat - Die Anzahl der Zeichen und Wörter ist in jedem Dokument sofort und in Echtzeit verfügbar.


    Dass sich Konventionen bei der Geschäftsanbahnung verändern, kenne ich auch gut aus meinem Alltag, ich bin schon in Vorstellungsgesprächen komisch angeguckt worden, eben weil ich einen Anzug getragen habe. Vielleicht war der natürlich auch falsch geschnitten.:evil


    Kann da jemand vielleicht etwas zu sagen, der sich damit auskennt? Erntet man heutzutage mit Normseiten nicht eher ein Stirnrunzeln? Gibt es noch andere Formalien, die sich verändert haben - wirke ich am Ende jetzt total modern, wenn ich ein Anschreiben mit exotischen Smilies garniere?


    :-et:write:dichter:bruell

    Ich finde das einen ganz süßen Beitrag. Gut - Es ist schnoddrig formuliert und stellt vielleicht etwas gewollt die starke Verhandlungsposition des Lektors heraus. Aber gerade dadurch liest es sich witzig und zählt ein paar grobe Schnitzer als Regeln auf.

    Für Leute, die gerne schreiben und in der wahren, richtigen Realität Lichtjahre von einem Verlagsvertrag weg sind (so wie ich und vermutlich die meisten Leser dieses Artikels) ist es ein schöner Anreiz vom "harten Alltag eines Bestsellerautors" zu träumen.


    Ich empfinde Smilies als zeitgemäße Bereicherung einer sich verändernden Schriftsprache, lehne Zitate und Rückblenden nicht notwendigerweise ab und so weiter. Aber ich verstehe, dass man ein grobes Raster braucht, wenn man hundert Einsendungen täglich beurteilen muss.

    Die meisten Schreibschulen und fast alle Puristen behaupten, man solle bei einfachen Sprechverben (sagte, fragte, erzählte usw.) bleiben und derlei auf das Minimum reduzieren,

    So kenne ich das auch und daran orientiere ich mich als Normalfall.

    Man unterbricht damit die direkte Rede und führt sie nachher wieder fort:

    Das wiederum kenne ich unter dem englischen Namen "beats" - Leute die ständig auf ihre Hände schauen, nur damit der Leser weiß, wer da gerade spricht =)


    Aber das sind ja alles nur Regeln. Entscheidend ist, wie es sich am Ende liest und manchmal klingen Sachen, die Ratgeber als Fehler klassifizieren würden, im richtigen Zusammenhang und zum richtigen Zeitpunkt einfach trotzdem am Besten.

    Ich habe Probleme, wenn man daherkommt und mit "Hilfe, ich habe eine Schreibblockade" sich, wie Anja anmerkte, einen einen Künstlernimbus samt Künstlerwehwehchen geben möchten.

    Ok. Ich gebe es zu. Das ist albern.

    Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass bei ausreichender Recherche in den Tiefen dieses Forums ein Beitrag gefunden werden könnte, in dem ich über das Phänomen "Schreibblockade" lamentiere...:rolleyes

    Im Übrigen gehe ich bei fast allen hier davon aus, und übrigens auch bei Dir, dass ihr Ziel darin besteht, mit der Schreiberei voranzukommen im Sinne einer Professionalisierung.

    Ja sicher geht es darum besser zu werden. Ja sicher darf ich hier schwadronieren (das tue ich schließlich gerade und zwar wortreich, laut und unbekümmert 8)).

    "Professionalisierung" - na ja. Um bei dem Beispiel mit der Musik zu bleiben - auch da will ich besser werden, aber mein Ziel besteht nicht darin, in die Top 40 zu kommen.

    Warum in Gottes Namen dürfen Menschen, die nur zum Spaß schreiben nicht genauso über ihr Hobby schwadronieren wie Leute, die Aquarelle malen, Gitarre oder Fußball spielen? Niemand findet irgendwas dabei, wenn die Ü40 Kneipenband nach Genuss von fünf Bier über die Details der Bühnenshow diskutiert, oder wenn die Altherrenmannschaft taktische Winkelzüge plant. Die träumen auch alle vom nächsten großen Erfolg, so what?

    Niemand käme auf die Idee, dass die das nur machen dürfen, wenn sie davon leben können! Das sind Musiker und Maler und Fußballer, auch wenn es im Hauptberuf vielleicht Versicherungsvertreter sind.


    So ungefähr sehe ich mich selbst. Und ihr könnt mir glauben, dass ich wirklich dankbar dafür bin, in diesem Forum unvoreingenommen mit Leuten sprechen zu können, die das beruflich machen. Und ich weiß auch, dass ihr da in einer Liga spielt, für die mir die Chops fehlen. Aber darum muss ich mir doch kein anderes Hobby suchen! Ich nehme mir auch das Recht heraus, in einer Band zu spielen, sogar wenn ich nicht auf Eins live gespielt werde. Und versteige ich mich tatsächlich manchmal zu Kommentaren über die ratlosen Gesichter im Publikum angesichts meiner alteriert lokrischen Skala, obwohl ich eigentlich genau weiß, dass das klingt wie Kreide auf Tafel.


    Allerdings ist das kreative Schreiben als Hobbyist offensichtlich peinlich oder verwerflich oder beides. Warum nur? Werdet ihr wirklich zugemüllt mit anmaßenden Kommentaren von Leuten, die keine Ahnung haben, was Erzählperspektive bedeutet?


    Und aus dieser Perspektive des freundlichen, selbstironischen Noobs jetzt das Folgende zur "Schreibblockade":


    Ein großer Teil dessen, was passiert, wenn ich fiktionale Texte schreibe, folgt keinen abstrakten Regeln, die man lernen und sich als "Knochenjob" einfach durch Willensanstrengung zu Diensten machen könnte. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum ich noch nicht in der ersten Bundesliga spiele.

    Diese unerklärliche Inspiration, die sich offensichtlich nur besprechen lässt, wenn man bereit ist, sich zum Hanswurst zu machen, die fehlt mir einfach sehr oft. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich in meinem Beruf ("Knochenjob") genug auspowere, dass nichts mehr übrig bleibt an Energie. Ehrlich gesagt halte ich das aber für unwahrscheinlich. Ich weiß nicht, warum ich manchmal keine Ideen habe, oder mir die Ideen, die ich habe, alle doof vorkommen. Es bleibt mir ein Rätsel.

    Und genau das nenne ich in überheblich verstiegener, total selbstverliebter, schwurbeliger Weise jetzt einfach mal "Schreibblockaden". Und die gibt es mal mehr mal weniger. Meistens mehr.


    Und ihr, die ihr Romane veröffentlicht und dafür bezahlt werdet. Ich bewundere euch wirklich. Ich beneide euch. Ich versuche mir nur ab und zu etwas abzuschauen, so wie ich mir die Solos von alten Rockplatten raushöre.

    Meistens wird dieser Begriff in der Tat von Leuten benutzt, die ich Schreibschwärmer zu nennen pflege, Menschen also, die (oftmals mangels anderen messbaren Erfolgs ihres schreiberischen Wirkens) das Schreiben mystifizieren, indem sie geradezu enthusiastisch behaupten, schreiben sei eine Lust, die blanke Glückseligkeit, gar ihr Lebensinhalt.


    Sondern vielmehr zur falschen Wahl eines Hobbys, zu dem jemand ungenügend Fähigkeiten hat.

    Das sind ja durchaus legitime Positionen. Naturgemäß vertreten von Leuten, die schon Veröffentlichungen vorzuweisen haben, die sie selbst für relevant halten. Das kommt halt etwas überheblich rüber, daher kommt dann wohl dieser "ganze Hass".


    Ich verstehe das ja. "Schreibblockade" ist so ein kitschiges Schriftstellerklischee. Ein armer Autor sitzt in einer kargen Pariser Hinterhofwohnung und so weiter. Genies haben Schreibblockaden. Handwerker eher nicht.

    Wir Dilettanten halten uns aber leider alle für Genies und darum leiden wir auch an jedem einzelnen Zipperlein, das irgendein Hemingway oder Sartre jemals erfunden hat.


    Es gibt aber auch ganz nette Dilettanten. Ich zum Beispiel8)