Beiträge von Cordula

    Neulich trafen wir, das sind Dorrit und Cordula, uns in Schöneberg bei einem Italiener. Wir sprachen über die Welt und unser Leben im Kleinen und Großen und genossen dabei unsr Essen und Getränke. Als wir die Rechnung verlangten, staunten wir nicht schlecht. Woher der Kellner wohl wusste, dass wir 42erAutorinnen sind?

    Zitat

    Schon ein wenig Aufmerksamkeit für ein Projekt zu generieren ist wahnsinnig schwer. Vielleicht durch ein möglichst originelles Anschreiben, um mich bereits an diesem Punkt von der Masse der „unaufgefordert zugesandten Manuskripte“ abzuheben? Aber in der Mehrzahl der Fälle wird Originalität an dieser Stelle vermutlich kontraproduktiv wirken. Und selbst wenn es funktionieren würde ... um dann anschließend von einem mit der Vorauswahl betrauten 22-jährigen Praktikanten aufgrund dessen generationsspezifischen Lesegeschmacks virtuell geschreddert zu werden?

    Lieber Jürgen, ich verstehe Deinen Frust nur zu gut! Aber bei einem Punkt wollte ich dann doch noch nachhaken: "unaufgefordert zugesandtes Manuskript". Ich habe bisher so gut wie nie etwas ohne vorheriges Telefonat versandt, weder an eine Agentur und nur wenige Male an Verlage. Zugegeben: Vor Corona war es leichter, einen Lektor, eine Lektorin oder eine ProgrammleiterIn oder eben einen Agenten, eine Agentin am Telefon zu erwischen. Seit Homeoffice offenbar zum Dauerzustand bei Verlagen und Agenturen geworden ist, ist ein Telefonkontakt schwieriger geworden. Aber nicht unmöglich. Und wenn es mal geklappt hat, war ich nicht nur einmal überrascht, wie lange ein solches Telefonat z.T. dauerte. "Um welchen Stoff handelt es sich denn?" "Na skizzieren Sie doch mal kurz" Also im Moment suchen wir ja eher nach ...." Nach diesen konkreten Anknüpfungsgesprächen hatte ich in der Regel einen konkreten Namen, manchmal sogar eine personalisierte Email für meine Einsendungen. Somit war der Praktikant schon mal umschifft. Und - nicht ganz unwichtig: Kam längere Zeit keine Reaktion, hatte ich immer die Möglichkeit, in einer erneuten Mail und/oder Anruf mich immer auf dieses konkrete Gespräch zu berufen. Es ist keine Garantie, aber man wird in der Regel nicht so "abgewimmelt". In einem solchen Telefonat kann man z.B. auch solche Dinge gleich klären: Soll ich Ihnen nur das konkrete Exposé einreichen oder auch meine weiteren, die in Ihr Portfolio passen könnten? ...


    Also nicht entmutigen lassen, auch, wenn es von Zeit zu Zeit zermürbend sein kann.

    Dass eine Agentur zwei Manus anfordert und sich dann nur eines ansieht, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, außer vielleicht, wenn der Schreibstil so ist, dass er für die Agentur - warum auch immer - nicht in Frage kommt. Denn Interesse an der Geschichte selbst muss ja vorgelegen haben, sonst hätten sie nicht beide Manus angefordert.

    Hallo lieber Jürgen,

    ich hatte zu Beginn meines Schreibens diesen Versuch bei Agenturen unternommen. Damals war es noch üblich, dass man als AutorIn eine Agentur hatte, die einen in allen Dingen vertrat. Anfänglich schien meine Mehrfachbewerbung auch keine Verwunderung auszulösen. Ich fand so auch eine wirklich sehr gute Agentur, die sich leider einige Jahre später auflöste. Hier hatte ich einen Vertrag, der mich auch verpflichtete, jedes neue Projekt zunächst exklusiv der Agentur vorzustellen. Bei meiner späteren Suche erhielt ich aber in der Regel die Antwort, die Agentur würde wenn überhaupt, nur einen Agenturvertrag über ein konkretes Projekt schließen. Von Kollegen und Kolleginnen hörte ich dann, dass diese Handhabung wohl Usus wurde und ich bewarb mich dann nur noch mit jeweils einem Projekt.

    Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die Agenturen negativ auf Deine Bewerbung mit mehreren Projekten reagieren. Wahrscheinlich werden sie sich zunächst dann eben nur das erfolgversprechenste heraussuchen, bei dem sie davon ausgehen können, es unterzubringen. Ansonsten haben Deine Argumente im letzten Absatz nach wie vor Gültigkeit.

    Viel Erfolg und berichte mal von den Reaktionen :-)

    Zitat: Eingesandte Texte, die nicht ausgewählt wurden/nicht gewinnen, werden nicht zurückgesendet. Die Rechte an diesen Texten verbleiben jedoch bei den Teilnehmenden. Den Teilnehmenden ist es nicht gestattet, das Werk/Exposé unter Einschluss der in den Kriminalfällen 1 bis 3 näher beschriebenen Handlungselemente in einem anderen Verlag (einschließlich eines Selbstverlags) zu veröffentlichen und/oder zu verwerten.


    Echt jetzt? 50 Seiten schreiben und bei Ablehnung in den Papierkorb? Bei allen drei Eingangssettings dürfte es schwer sein, diese aus dem eigenen Text wieder zu eliminieren.

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    Wenn ich das Wort Ende" unter einen Text schreibe, bin ich damit fertig. Das ist mein Werk, zu dem ich 100% stehe.

    Wow. Beneidenswert. Irgendwie scheinst Du es geschafft zu haben, den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen. Bei mir sitzt der leider immer auf meiner Schulter und fragt: Kannst Du das nicht noch besser? Ist der Text dicht genug? Solltest Du hier nicht ein anderes/besseres Wort finden? ...

    Wenn meine Lektoren und Lektorinnen etwas von ihrem Handwerk verstanden, war ich jedenfalls stets dankbar für ihre Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge.

    Ich hatte - zum Glück - vorwiegend sehr gute Erfahrungen gemacht. Und ja: in der Regel kommt der erste Durchgang ziemlich rot daher. Aber (fast) immer waren das kleine Verbesserungen, Korrekturen etc., die man in der Schreibblindheit gegenüber dem eigenen Text irgendwann nicht mehr selbst sieht. Größere Dinge (Inhalt, Figurenausarbeitung) wurden meist telefonisch kurz erörtert, dann gab es eine entsprechende Textergänzung meinerseits. Nur einmal habe ich schlechte Erfahrungen machen müssen, und zwar hinsichtlich Dialogen und Inhalten dieser Dialoge in einem Roman in der Nachkriegszeit. Sie wollte alles streichen, was heute niemand mehr sagen, denken oder fühlen würde, und hatte zudem leider auch wenig Ahnung in Geschichte und Gesellschaft der Berliner Nachkriegszeit. Es war eine externe Lektorin (die der Verlag danach auch nicht wieder bemühte ;-). Aber bis auf diese eine Ausnahme war ich immer happy mit dem Lektorat. Zeit musst Du Dir nehmen, denn in der Regel sind es schon mehrere Durchgänge, die naturgemäß immer schneller laufen.


    Viel Glück und Erfolg :blume

    Ist es eigentlich immer noch so, dass man für E-Books nichts bekommt, weil die keine Zählmarken enthalten? Aber man kann sie melden für die Sonderausschüttung? Weiß jemand, wann die nächste Sonderausschüttung ist? Habe im Netz nichts gefunden.

    Ich finde, dass Demokratie so gut wie alles aushalten muss: Satire, Sarkasmus, Empörung (in alle Richtungen) ... nur eines nicht: Die Forderung nach Konsequenzen, wenn eine Person eine Meinung vertritt, die anderen nicht passt. Hier gibt es nur eine Ausnahme: Äußerungen, die mit den ethischen, moralischen Grundpfeilern einer Demokratie nicht vereinbar sind, weil sie eben jene Demokratie ablehnen und zerstören wollen oder rassistisch und/oder diskrimierend sind. Aber diese Äußerungen stehen nicht umsonst in unserem Rechtssystem unter Strafe.


    Forderungen nach Beschäftigungsverboten für Schauspieler, die bei der Aktion mitgemacht haben ... einfach nur lächerlich!

    Ihre satirisch-kritischen Beiträge mit den Wurzeln der AfD verknüpfen zu wollen ... dumm!

    Durch Satire sich zum Helfershelfer von rechtem Gedankengut zu machen ... vielleicht zu ungeschickt/unbedacht gemacht. Aber auch das musste nun von den Machern ausgehalten werden, so, wie die Beiträge von den Empörten.

    Ich glaube, liebe Silke, eine solche Entscheidung hängt (in meinen Augen ausschließlich!) von der zu erzählenden Geschichte ab. Braucht diese Geschichte, die Du erzählen willst, mehrere Blickwinkel, mehrere Erlebnis-/Zeit-Ebenen? Ist es eine Bereicherung für die Leser, wenn Sie die Geschehnisse und Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven miterleben dürfen. Bei Kriminalromanen kann dies z.B. so sein und erhöht die Dramaturgie und die Spannung.

    Handelt es sich bei der Geschichte eher um eine Entwicklung, einen Plot, eine Spannung rund um eine Figur, dann wirst Du möglicherweise auf jeden weiteren Er-Erzähler verzichten können.

    Ebenso kommt es darauf an, wieweit Du die Leser miteinbeziehen möchtest. Sollen sie immer nur das wissen, was Dein personanaler Erzähler auch gerade weiß? Oder möchtest Du, dass die Leser mehr wissen, als die Figur, aus deren Perspektive gerade erzählt wird? Um z.B. eine Bedrohung/ein Konflikt der Figur bereits vor dieser zu wissen, was - gut gemacht - ebenfalls die Spannung erhöhen kann.

    Es gibt eine Reihe von Geschichten, bei denen zunächst scheinbar unabhängige Figuren sich auf sich zubewegen. Ihre Wege kreuzen sich. Und möglicherweise möchtest Du, dass in diesem Moment der Begegnung die Leser bereits die Figuren mit ihren Charakteren und ihren gewohnten Verhaltensweise kennen, um vielleicht nur so das aktuelle Geschehen im Plot ausreichend beurteilen zu können. Wenn ich z.B. einen Choleriker als Figur habe und dieser trifft auf eine Person, die ihn reizt, er hält sich aber zunächst - aus welchen Gründen auch immer - zurück. Dann ist das für die Leser nicht allzu interessant, da sie die Zurückhaltung und die drohende Eskalation nicht kennen können.

    Solche Beispiele kann man endlos weiter spinnen. Es kommt einfach darauf an, was genau Du erzählen möchtest. Die reine Angabe eines Genre ist nicht ausreichend, um hier einen Tipp geben zu können.

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    Wenn sich allerdings herausstellt, dass dieser Kanon hauptsächlich profitorientierten Partikularinteressen dient und infolgedessen (auch) dazu, die Kultur Schaffenden zu einer Art Pizzalieferdienst zu degradieren, die auf Zuruf mal die, mal jene Pizza liefern sollen, dann: nein.

    @tortisch: Das war auch genau das ABER, das mir bei Deinem sehr nachvollziehbaren Posting sofort in den Kopf ging. Der Inhalt dieses Kanons, wenn er denn aus den von Dir genannten Gründen notwendig sein sollte, dürfte ruhig diffferenzierter sein. So dump sind die Leser der Unterhaltungsbelletristik nicht, wie sie von den Verlagen gesehen werden. Es gibt dafür auch zahlreiche Beispiele. Viele (Sub-)Genre sind genau aus dem Mut eines Verlegers/einer Verlegerin entstanden, eine "andere" Geschichte/Erzählweise herauszugeben, die dann plötzlich reißenden Absatz fand. Sprich: wenn das Angebot dürftig ist, kann es auch keine stärkere Nachfrage generieren, als die, die schon da ist.

    Jürgen: Du hast mit allem, was Du erwiderst, meine 100%ige Zustimmung :nick:nick

    besonders hierzu:

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    Die Aussage der Lektorin ist nicht nur respektlos dir gegenüber, so als würde sie deine Leserinnen und Leser besser kennen als du selbst, sondern sie zeugt diesen gegenüber auch von einer großen Herablassung, als wären Leserinnen und Leser ein Haufen unmündiger, leicht beschränkter „Buchkonsumenten“, denen man die Auseinandersetzung mit einem Romanstoff so leicht wie möglich machen müsse. Und: Woher will die Lektorin das alles wissen, wer wovon wie viel versteht?

    genauso habe ich auch argumentiert. Aber sie war auch wirklich davon überzeugt, dass sie die Leser und Leserinnen besser kennt (und diese alles, was außerhalb ihrer eigenen Erlebniswelt liegt, für unglaubwürdig halten) 8)

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    Wenn ich einen Roman mit einem dunklen Cover aus dem Regal ziehe, von einem Autoren, dessen Name mit "döttrson" endet und mit einem Blurb von einem skandinavischen Krimibestsellerautor, dann erwarte ich und will ich, dass da ein depressiver Ermittler einen sadistischen Serienmörder jagt. Wenn es dann plötzlich drei andere Handlungsstränge gibt, von denen einer im Weltraum und einer in Cornwall spielt, dann bin ich eher nicht so zufrieden.

    So funktioniert Genre nunmal und wenn man sich in dieser Riege umtun will, dann muss man diese Regeln auch beachten.

    Nils, hier beschreibst Du Geschichten, bei denen "Genre" einen Sinn machen. Bei meinen Krimis und Thrillern halte ich mich gerne daran, weil ich weiß, dass die Leser und Leserinnen es genau wegen der (zu erfüllenden) Erwartungen kaufen. Es geht mir persönlich auch nicht um die fundamentalen Eckpunkte der Genres. An diese - da gebe ich Dir Recht - sollte man sich halten, wenn man nicht nur schreiben, sondern auch verkaufen möchte.

    Meiner Erfahrung nach aber hat es in den letzten Jahren eine negative Entwicklung dahingehend gegeben, dass Verlage/Agenturen/Buchverkäufer sich Details der Figuren und des Settings ansehen, die sich besonders gut verkauft haben und diese dann auch von den Autoren für ihre neuen Geschichten fordern. Je mehr Details durch das entsprechende Genre "festgetackert werden", um so mehr wird alles zum Einheitsbrei. Das muss nicht sein und ist auch nicht Sinn und Zweck einer ansonsten durchaus sinnvollen Einteilung der Bücherregale im Buchhandel.

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    Und an euch als Autorin oder Autor die Frage: Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit diesem „Schubladendenken“ gemacht?

    ein ganz klares "Ja". Das ging soweit, dass ich so sauer auf meine letzte Lektorin war (die zum Glück auch blitzschnell wieder weg vom Verlag war), dass ich angeboten hatte, den Vertrag aufzulösen. Es geht ja nicht nur um Genrezuordnungen, sondern insbesondere um die damit verbundenen "Maßgaben" an die Protogonisten. Die müssen ein bestimmtes Geschlecht haben, die müssen bestimmte Verhaltensweisen haben usw. Das geht soweit, dass eine Lektorin eines der größten Verlage mir tatsächlich gesagt hat: Ich verstehe, dass Sie die Handlungen und die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonistin als authentische Figur ihrer Zeit zeigen möchten, aber unsere LeserInnen sind ... Jahre alt und sehen das anders/verstehen das nicht und dann mögen sie die Protagonistin nicht mehr, folgen ihr nicht mehr. Da muss man dann lieber mal ein weniger geschichtstreu sein, sondern das ein wenig "anpassen". :bonk:bonk:bonk


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    Das ist sicherlich so. Aber zementiert das dann nicht auch das Kaufverhalten vieler Käufergruppen? Natürlich bestimmt die Nachfrage das Angebot. Aber das gilt in der umgekehrten Richtung nicht weniger.

    Schon mehrfach habe ich mir gewünscht (und das auch an entsprechender Stelle gesagt), dass die Verlage doch mehr Mut haben sollten, der Leserschaft differenziertere Geschichten anzubieten. Vielleicht finden die LeserInnen den Stoff ja richtig gut und das entsprechende Werk findet reißenden Absatz. Aber es scheinen mir die wirtschaftlichen Zwänge der Verlage in den letzten zehn, fünfzehn Jahren nochmals zugenommen zu haben. Investiert wird in weniger Titel, die die Gewinne des Verlages ausmachen sollen und die offenbar nicht groß genug sind, um einen Flop in der Midlist auszugleichen.


    Dieses Thema, dass Du lieber Jürgen hier aufmachst, rumort in mir schon seit einiger Zeit und ich bin persönlich inzwischen (schreibtechnisch) so frustriert, dass ich seit einem Jahr, "meinen" Verlagen überhaupt keine Geschichte mehr angeboten habe, obwohl die Bereitschaft zu weiteren Titeln seitens beider Verlage kommuniziert wurde. Dabei hätte ich Lust zu schreiben, aber eben nicht mehr für die Schublade. Die Zeiten sind vorbei und Klinkenputzen bei anderen Verlagen ? Liegt mir irgendwie nicht. Ich will schreiben und nicht die Zeit damit verbringen, mich bestmöglichst zu vermarkten.

    Hallo Broxi und fröhliche Weihnachten! :) Das war auf heute bezogen. Ich habe es mir angehört und es war toll! Danke Cordula für die zwei tollen Geschichten, auch wenn es bei der ersten eine musikalische Panne gab. ^^

    Danke und wie schön, dass Dir die Geschichten gefallen haben. Die musikalische Panne war aber von denen, nicht von mir. Ich hatte gar keine Musik 8)

    An herzliches Hallo in die Runde,

    der Sender 889fm Kultur wird ab morgen 10:00 Uhr nonstop Lesungen senden (unter anderem auch zwei Mal mich, das erste Mal morgen ab 12 Uhr):

    Weitere Infos beim Sender: https://www.889fmkultur.de/

    oder über facebook: https://www.facebook.com/events/694080738135918/?acontext=
    ...

    Damit verabschiede ich mich von diesem merkwürdigen, sehr stillen Jahr 2020 und wünsche Euch wunderschöne Weihnachten und ein gesundes 2021!