Beiträge von Juergen P.

    :bahnhofDas ist doch hier das 42er Forum. Oder sind wir von Facebook übernommen worden?

    Oder gibt’s den Black Friday jetzt auch bei uns? Jede Meinung 70% billiger!

    Und was gar nicht geht: im öffentlichen Bereich über die BT-Runden reden.

    Können wir alle mal einen Gang runterschalten?:)

    Ich hatte dasselbe Problem. Am Vormittag war noch alles in Ordnung, während des Nachmittags bekam ich hingegen bei jedem Versuch mich einzuloggen einen Warnhinweis von der Art, wie Anja ihn beschrieben hat. Seit knapp drei Stunden ist aber wieder alles okay.

    Danke für deine Mühe, Christian.:klatsch

    Zweifellos treffen alle hier genannten Gründe für literarische Eintagsfliegen zu, wenngleich vermutlich auch nicht mit der gleichen Häufigkeit.


    Am schwersten tue ich mich mit Punkt 2, dass ein Autor nur eine gute Story zu erzählen hat. Das muss dann tatsächlich, wie Katze in ihrem Ausgangsposting schreibt, jemand sein, der ausschließlich um sich selbst kreist, der abgesehen von seiner eigenen Befindlichkeit nichts zu erzählen hat. Und dennoch ... Wie könnte selbst das funktionieren? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solcher Mensch in der Lage ist, die Frustrationen und Selbstzweifel auszuhalten, die das Schreiben neben den Phasen der Euphorie immer mit sich bringt, noch er die Ausdauer hat und die Disziplin aufbringt, um die Geschichte nicht nur niederzuschreiben, sondern nach vielen zermürbenden Überarbeitungsdurchgängen endlich auch zur Veröffentlichungsreife zu bringen.

    Das Verlangen, schreibend Geschichten zu erzählen, kann doch unmöglich durch eine einzige Geschichte gestillt werden. Jedenfalls hatte ich bislang angenommen, dass dieses Verlangen niemals ein für alle Mal gestillt sein kann.

    Hallo Anja,


    ich habe Anatevka zweimal im Fernsehen gesehen, und auch das zweite Mal liegt bereits mehrere Jahrzehnte zurück. In der Erinnerung ist es mir trotz allen Humors und der schönen Musik als eine recht traurige Geschichte haften geblieben.

    Aber im neuerlichen Nachdenken darüber muss ich zugeben, dass ich vielleicht ein wenig voreilig war, dass Anatevka tatsächlich nicht allzu weit von den Forderungen entfernt ist, die ich in diesem Kontext an „Kultur“ richte.:)


    Wichtig ist mir vor allen Dingen die Feststellung, dass über eine intelligente Verknüpfung von Tragik und Komik ungleich mehr Menschen zu erreichen sein werden als durch eine weitgehende Fokussierung auf Leid und Schrecken. Natürlich bedeutet das jedes Mal eine Gratwanderung, aber wenn sie gelingt, ist es in meinem Empfinden hohe Kunst, auch wenn manche Menschen über solche Geschichten und Filme die Nase rümpfen und meinen, mit Entsetzen könne man nun mal keinen Scherz treiben. Doch, kann man. Darf man. Und soll man. Überdies ist Humor, so wie ich ihn mag, zu einem gewichtigen Teil gut abgehangene Trauer.

    Zu Herrn Ernst, zu Rico Beutlich und ähnlich gestrickten Gestalten komme ich weiter unten.


    Grundsätzlich, Anja, hast du natürlich recht. Über Emotionen sind Menschen leichter zu packen als über den Verstand. Aber auch das setzt eine zumindest latent vorhandene Bereitschaft voraus, sich „packen“ zu lassen, sei es, weil das bisherige Welt- und Menschenbild eh schon ein paar Risse bekommen hat oder sich jemand eines diffusen Gefühls des Unbehagens an der eigenen Gleichgültigkeit bewusst wird.

    Dennoch ist meine Hoffnung, dass dies in einer relevanten Zahl von Fällen gelingen könnte, sehr begrenzt. Und das ist noch vergleichsweise optimistisch formuliert.

    Menschen glauben, was sie glauben wollen. Fakten sind dabei weder erwünscht noch von Belang und finden allenfalls dann Beachtung, wenn sie den eigenen Glauben stützen. Und was Kinder und Heranwachsende betrifft, so sind für die siebzig oder achtzig Jahre eine unvorstellbare Zeitspanne, gehört das, was damals geschehen ist, schon zur Frühgeschichte der Menschheit. Ansonsten gilt, was Sting in seinem History will teach us nothing besingt.


    Die Leugner und Relativierer werden immer unerreichbar bleiben, es sei denn, sie würden durch ein massives eigenes Betroffensein aus ihrer Blase geschleudert und auf diese Weise gezwungen ihre Faktenresistenz aufzugeben. Die, über die wir in diesem Thread reden, gehören also einer bereits quantitativ schwer fassbaren heterogenen Gruppe von Menschen an, die „selbstverständlich“ gegen Antisemitismus sind, sich selber frei von Rassismus und Homophobie wähnen und die auch den Klimawandel für weitgehend menschengemacht halten, in ihrer Selbstwahrnehmung rechtschaffene Menschen somit, die es andererseits aber auch bei dieser Feststellung belassen wollen, frei von jeder Motivation für eine weitergehende Beschäftigung mit jenen Themen.

    Früher habe ich dann manchmal die Moralkeule rausgeholt oder zumindest an die Verantwortung des Einzelnen appelliert. Mittlerweile mache ich das nur noch ausnahmsweise. Denn häufig stoße ich beim Reden mit solchen Menschen auf ein Gefühl der Überforderung, das sehr schnell hinter all dem Lavieren, sich winden, um den heißen Brei reden, dem resignativen Schulterzucken und dem zuletzt eingestandenen Wunsch nach einem Rückzug ins Private spürbar wird. In meinem persönlichen Umfeld sind das vorwiegend Menschen, die morgens um fünf aufstehen, um zur Arbeit zu pendeln, die Angst um ihren Job haben, die Verantwortung für eine Familie tragen oder die sich um schwerkranke Eltern oder andere Verwandte zu kümmern haben, und das Tag für Tag, oder sie sind gar selber ernsthaft erkrankt, Menschen allemal, die sich im Zustand einer dauerhaften Überforderung sowie einer anhaltenden tiefen physischen wie psychischen Erschöpfung befinden. Und denen soll ich empfehlen, sich neben dem Dauerbombardement der Bilder einer aktuell auseinanderbrechenden Welt auf allen Kanälen auch noch der Verfilmung des Tagebuchs der Anne Frank auszusetzen? Oder sich Anatevka anzuschauen, trotz des tollen Darstellerensembles, trotz allen Humors und Witzes und trotz der berührenden Musik? Denn alles in allem ist es eine traurige Geschichte mit einem traurigen Ende.

    Irgendwann machen die Menschen einfach dicht, bewirkt die gutgemeinte Absicht, wachzurütteln, das Gegenteil, wird die erhoffte Sensibilisierung zur Desensibilisierung.


    Ich denke, wenn bei alldem „Kultur“ überhaupt eine Hilfe sein kann, vermag sie das am ehesten noch über die Vermittlung von Lebensfreude. Mehr als es jede Hardcore-Dokumentation je vermocht hätte, haben bei mir selbst insbesondere jene Geschichten und Filme ein nachhaltiges Problembewusstsein gefördert, bei denen ich mindestens ebenso oft laut gelacht habe, wie mir das Lachen im Halse stecken geblieben ist. Das Lachen stärkt meine Bereitschaft und meine Belastbarkeit, mich gleichzeitig oder in der Folge auch mit dem Horror all dessen auseinanderzusetzen, was Menschen anderen Menschen antun.

    Weshalb, wollte ich in diesem Zusammenhang eine Empfehlung aussprechen, ich eher an den Ernst-Lubitsch-Film To be or not to be aus dem Jahre 1942 denken würde, den ich überdies auch für eine erstklassige Quelle der Inspiration für das von euch angedachte Rico-Beutlich-Sequel halte. Überhaupt scheint mir das der Königsweg zu sein: Wenn man es schafft, jemanden der Lächerlichkeit preiszugeben, geschieht Gleiches automatisch auch mit seiner Botschaft.:evil

    Monika

    Ja, wenn Madame am Ende sterben soll, sind Lachtränen wohl eher keine Option.

    „... und ich lasse eine sterben ... wäre schön dramatisch und würde auch passen ...“ Das klingt für mich so, als wäre die Entscheidung unbewusst bereits gefallen, trotz aller Grübelei deinerseits. Und sich in der Mitte zu treffen, wird schwierig werden, wenn du deine Protagonistin sterben lassen willst und sie will ihr schnüffelnd-tränenreiches Finale, und zwar quicklebendig. Entweder es wird gestorben oder es wird gelebt. Da ist nicht viel Spielraum für einen Mittelweg. Es sei denn, du schreibst eine Fortsetzung und lässt sie erst am Ende von Teil zwei sterben. Und dass sie zugemacht hat, nix mehr erzählen will, kann ich inzwischen gut verstehen. Würd ich genauso machen, wenn man mich auffordern würde, am Ende doch bitte freundlichst im Dienst einer größeren Sache zu sterben.:)


    Anja

    Danke für deine ausführliche Antwort, Anja.

    Das mit dem Zeitdruck hat bei mir bislang zuverlässig nur bei der jährlichen Steuererklärung funktioniert. Mangels Erfahrung vermag ich natürlich nicht zu sagen, ob es für mich auch beim Schreiben so wäre. Wie ich mich kenne, würde ich vermuten nein, und dass ich stattdessen eher Panikattacken bekäme und darüber komplett den Zugang zu meiner Kreativität verlöre.

    Aber mein Arbeiten ist natürlich sehr ineffizient. Durch meine Überarbeitungssucht, anders kann ich es nicht nennen, verliere ich wahnsinnig viel Zeit. Ich denke, am sinnvollsten wird es sein, mir immer wieder die Frage zu stellen, warum ich mich wider besseres Wissen an diesen Perfektionsdrang zum falschen Zeitpunkt klammere. Vielleicht eine Art Vermeidungsstrategie??!?

    Zweifellos ist das Sich-in-der-Mitte-treffen im alltäglichen Miteinander oft die beste Lösung. Aber am Ende einer Geschichte? Ich weiß nicht recht. Möglicherweise wäre damit erst recht keiner zufrieden. Wie wär’s denn, wenn Madame ihren tränenreich-schnüffelnden Auftritt kurz vor dem Ende bekäme, und dann passiert irgendwas Ungewolltes, aber Saukomisches und alles entlädt sich in einem lauten Lachen? Natürlich weiß ich nicht, ob das zur Geschichte passen würde. Aber Chaos und Lachen sind für mich potentielle Freunde.


    Anja Bislang „genieße" ich den Luxus, ohne Termindruck schreiben zu können. Aber die Frage interessiert mich brennend, wie ihr es geschafft habt, von diesem immensen Überarbeitungsdruck noch während des Scheibens loszukommen. Vielleicht können wir das ja mal in einem anderen Thread diskutieren.