Beiträge von Kristin

    Ich! Ich möchte das - wobei pflegeleicht ja nicht mit durchschnittlich gleichzusetzen ist. Für eine pflegeleichte, kluge, witzige und zugewandte Ulrike Almut Sandig und einen ebensolchen Rolf Lappert lasse ich mit Freuden die arroganten Grantler links liegen, deren Namen ich aus denselben Gründen nicht nenne wie Du, Susanne. Wen Mutter Natur mit überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten ausstattet, darf wegen mir gerne einen kleinen Teil davon in Empathie und höflichen Umgang stecken, ob Zahnarzt oder Autor. Natürlich muss er oder sie das nicht automatisch und wird das auch nicht tun, also ist's mal wieder Ideal- und Wunschdenken.

    Hallo zusammen, danke Euch für die auf meine Fragen bezogenen Antworten, da kann ich was mit machen. Die Technik mit der schon (genialen?plumpen?) Ein-Satz-Zusammenfassung werde ich mal ausprobieren, weiß auch schon, an welcher Stelle.


    Zum Rest der Diskussion nur ganz kurz: Toms letzter Post (Kinder vom Bahnhof Zoo etc.) hat für mich ganz gut auf den Punkt gebracht, warum ich mit der ChickLit-Diskussion vorher nicht so schrecklich viel anfangen konnte. Es stimmt, dass Bücher etwas mit einem machen, und dass sie das auch sollen, nur - sie machen bei jedem was anderes, und die Ursachen dafür liegen wohl tiefer und fangen früher an, im Säuglingsalter oder was weiß ich. Mit Christiane F. unterm Arm nach Berlin gepilgert sind eben nicht nur Jugendliche, sondern auch Heerscharen von Freiern in der Hoffnung auf einen Fick mit einer Dreizehnjährigen. Der eine lässt sich von Goethes poetischer Sprache betören und ist glücklich und der andere lässt sich ebenfalls betören und bringt sich um. Das erinnert mich irgendwie an eine Diskussion mit einer Bekannten, die mir tatsächlich sagte, dass man Tarantino-Filme nicht gucken darf, weil sie was Schlimmes mit dem Unterbewusstsein machen. Ich konnte darauf nur entgegnen, dass ich doch schwer hoffe, dass sie mit meinem Unterbewusstsein (und Bewusstsein, falls ich bewusst hingucke) was machen - und zwar was Hochinteressantes.


    Was ich damit sagen will: ich denke, es ist niemals die "Schuld" irgendwelcher Bücher, Genres, Formate etc., was sie bewirken oder anrichten. Es kommt immer drauf an, wer am anderen Ende sitzt. Und je nachdem kann dann wahrscheinlich sogar das Dschungelcamp zur endgültigen Verblödung oder eben zu philosophischen Reflexionen über das So-sein in der Welt führen.

    ChickLit ist doch klasse - bietet keinen Kauwiderstand, und dann backen sie da den ganzen Tag diese niedlichen kleinen Cupcakes ... hach!


    Danke für Eure Antworten, die ich sehr hilfreich (und auch beruhigend) finde! Da scheine ich ja nicht völlig verkehrt zu liegen mit meinem Gefühl. Die Diskussion kam neulich in meiner örtlichen "Laienschreibgruppe" auf, und da gab es tatsächlich Stimmen, die sich von den ersten Seiten eines Buches äußere Eindrücke des Prots erhoffen, das hat mich gewundert und ein bisschen verunsichert.


    Es gab sogar noch einen dritten Wallander, hab ich aber auch gerade erst gegoogelt, da ich nicht sicher war. Rolf Lassgard (wo sind hier die Sonderzeichen, sprich die a's mit dem Kringel drauf??). Als ich das Bild sah, fiel mir ein, dass ich den am passendsten fand. Das ist sicher eins der Probleme bei Literaturverfilmungen: die Zerstörung der Projektion. Am übelsten ist mir das damals bei der Verfilmung von Fräulein Smilla aufgestoßen; die schöne zartgesichtige Julia Ormond hatte für mich so gar nichts mit der eher gedrungenen Halb(?)-Inuit zu tun, die ich im Kopf hatte, da war ich recht enttäuscht.

    Ich frage hiermit mal in die Runde, ob jemand Lust hat auf eine Diskussion darüber, wie viel "Gesicht" ein Protagonist braucht, soll heißen, wie viel äußerliche Beschreibung notwendig ist, damit der Leser sich wohlfühlt.


    Ich plage mich nämlich gerade mit Selbstzweifeln, ob ich in meinem Roman (ein psychologischer Beziehungsroman) überdezent vorgehe, was das angeht. Der Leser erfährt natürlich, was für ein Typ der Ich-Erzähler ist, aber schön peu à peu und immer indirekt. Dass er nicht unattraktiv ist, merkt man natürlich daran, dass die Frau, in die er sich verliebt, auch auf ihn anspringt (und dass später in einem Nebensatz die junge Kollegin seiner Freundin gerne mal rot wird, wenn sie ihn sieht). Dass er sportlich ist, erschließt sich aus der Beobachtung, dass er gelegentlich Sport treibt. Dass er dabei nicht perfekt ist, soll eine kleine Bemerkung einer Freundin zeigen, die ihn mit einem eventuell beginnenden Bäuchlein aufzieht. Was natürlich sympathisch sein soll. Den Kleidungsstil zeigen auch eher unauffällig eingestreute Hints über Boxershorts, Jeans oder Lederjacke (fährt Motorrad) etc. Sein Alter ist vom ersten Kapitel an bekannt, aber jüngst fiel mir auf, dass im ganzen Buch nichts über die Augenfarbe oder die Haarfarbe steht. Ich selbst kenne natürlich seine Augen- und Haarfarbe ;-)


    Ich denke, es hängt damit zusammen, wie ich selber lese. Im besten Fall läuft beim Lesen ja ein Film ab, und mir persönlich ist es am liebsten, wenn mir als Leser freisteht, ob ich den Film mit Charly Hübner oder Ben Stiller besetze (bzw. mit Emma Watson oder Meret Becker)Ich möchte mit anderen Worten dem Leser nicht in seine Projektion reinfunken. Trotzdem frage ich mich: wie wenig ist zu wenig? Mal abgesehen davon, dass mir außer dem doofen Spiegeltrick nur wenig einfällt, wie ich das mit der Haarfarbe löse - ich hätte schon ganz gern, dass der Leser weiß, ob mein Erzähler blond oder dunkel ist.


    Wie seht Ihr das, und wie haltet Ihr es beim Schreiben? Wird überhaupt deutlich, worauf ich hinaus will? Vielleicht fällt Euch ja etwas dazu ein - würde mich freuen!

    Ein herzliches Moin von mir an dieser Stelle an Euch alle! Ich bin ganz neu in diesem Forum und möchte mich Euch kurz vorstellen. Der Gruß verrät's: er erreicht Euch aus Norddeutschland, genauer gesagt aus Schwentinental bei Kiel. Geboren wurde ich 1966 in Krefeld, "groß" geworden (haha) bin ich bei Bielefeld, und der erste, der jetzt wieder sagt, dass es Bielefeld nicht gibt, kriegt Haue ;-)


    Ich habe mit sechs Jahren mit dem freien Schreiben angefangen und dann auch bald wieder aufgehört. Vor zwei Jahren habe ich das Ganze dann wiederentdeckt. In den ersten anderthalb Jahren habe ich am liebsten Kurzgeschichten und Erzählungen geschrieben. Seit einem dreiviertel Jahr ist ein Roman in Arbeit - und ich glaube, es ist das Schwierigste und das Interessanteste, was ich je gemacht habe. Ich freue mich auf spannenden Austausch mit Euch über Kreatives und Handwerkliches (das mit dem Veröffentlichen kriege mer vielleischt später), bin sehr neugierig auf das, woran Ihr so arbeitet - und gehe jetzt mal suchen, wo ich ein bestimmtes Thema loswerden bzw. lostreten kann ...


    Bis hierher und bis bald, Kristin.