Beiträge von ClaudiaF

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    Die nämlich, dass die sog. Chick Lit überwiegend von banaler und klischeehafter Art ist, gemacht für verbl ..., sorry, für anspruchslose LeserInnen.

    Aber Didi: Wikipedia definiert Chick Lit ausdrücklich als anspruchslose Frauenliteratur! Von versteckten Erkenntnissen, die du mit vehementem Einsatz ans Licht fördern müsstest, kann nun wirklich keine Rede sein.


    Um den Bogen gewaltsam zum Thema zurückzuführen (eine elegante Überleitung fällt mir grad nicht ein). H Dieters Textbeispiele fand ich toll. Mir als Leser würden sie genügen, um mein Kopfkino anzuregen.

    Es gibt Bücher, die treffen den Nerv ihrer Zeit, Werther ist dafür ein gutes Beispiel. Aus heutiger Sicht ist schwer nachvollziehbar, was die Männer in den Selbstmord getrieben hat, aber damals war das Buch revolutionär.


    Daneben gibt und gab es aber immer Bücher, die einfache Bedürfnisse befriedigen und daher auch schnell vergessen werden. Die Bücher von Hedwig Courts-Mahler sind dafür ein gutes Beispiel. Sie haben nichts verändert, sie haben schon gar nichts in der Gesellschaft hinterfragt, aber sie haben den Leserinnen abgelenkt und ein paar schöne Träumereien beschert. Auch das ist ein Wert an sich.


    Ähnlich sehe ich Chick Lit. Wobei ich Ironie als ersten, kleinen Schritt zur Distanzierung sehe, und das ist besser als nichts.


    Zu shades of grey sage ich jetzt mal nichts. Ich habe mir böse Blicke eingehandelt, als ich laut lachend in der Buchhandlung meines Vertrauens stand, mit dem Buch in der Hand. Scheinbar bin ich nicht die Zielgruppe! Dennoch fand ich die Autorin rührend, sie wirkte so harmlos und überwältigt in ihrem unvorteilhaften Kleid auf der Oscarverleihung. Und noch einmal: viele Frauen sind so. Das mag man wenig intellektuell finden, aber Fussballübertragungen sind das auch nicht.

    Ich kenne drei Bücher, die wirklich Umwälzungen in Gang gesetzt haben: die Bibel, den Koran und das Kapital. Die Wirkung von Literatur wird oft überschätzt. Und nein, ich glaube wirklich nicht, dass sich Frauenfeindlichkeit durch andere Chick Lit ändern lässt. Sie wird dann höchstens nicht gelesen.


    Wir leben in Zeiten großer Umwälzungen, es ist nichts weiter als normal, dass sich die Menschen in vertrautes Terrain wie ein überkommenes Familienbild (ewige Liebe, Mr. Right als Partner) zurückziehen. Zumindest einen Abend lang, wenn sie einen leichten Regiokrimi oder einen Chick Lit lesen.

    Dass ich das noch erleben darf: drei gesetzte Herren unterhalten sich ernsthaft (!) über chick lit. Bzeichnenderweisee diskutiert weder eine Autorin des Genres noch eine Leserin mit. Dabei wären sie doch die ersten, die da Thema beträfe?


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    Zitat von »Tom«





    ChickLit (in welcher Schreibung auch immer) ist frauenfeindlich, in Bezug auf die Rollenbilder antiemanzipatorisch, höchstgradig konservativ, eigentlich sogar reaktionär.

    Sicher, aber kannst du behaupten die Welt sei anders? Nach wie vor ist es einfacher für eine Frau, eine einflussreiche Position zu erheiraten (Schäffler, Liz Mohn) als sie sich zu erarbeiten (Merkel). Wobei Schäffler und Mohn gute Beispiele sind, dass Frauen genausogut führen können.


    Wenn ich mich in Spielzeugläden umsehe (rosa für Mädchen, hellblau für Jungs) beschleicht mich die leise Ahnung, dass auch in dieser Generation nur wenig weibliche Führungskräfte heranwachsen.


    Chick Lit halte ich für das kleinste Problem in diesem Komplex. Die Leserinnen lesen etwas, was sie selbst erleben und können darüber lachen. Man kann das Lachen auch als ersten Schritt zur Distanzierung werten.


    Wer etwas wirklich frauenfeindliches lesen möchte, sollte sich Artikel aus den Wirtschaftszeitungen zum Themenkomplex Übernahme Continental durch Schäffler bzw, die Schlacht um den Suhrkampverlag vornehmen. Beide halte ich für wesentlich einflussreicher als das 385. Buch um Mr. Right.

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    Ansonsten, liebe ClaudiaF, bin ich an deiner Bewertung der "Art meiner
    Darlegungen" nur mäßig interessiert. Es ist eine weit verbreitete
    Unsinne, sich über Stil und Form eines Beitrages zu ereifern, wenn einem
    inhaltlich nichts allzu Förderliches mehr einfällt. Wird aber stets
    bemerkt.

    Das steht dir völlig frei, lieber Didi. Dennoch ist es dir eine Kommentierung wert, was ich jetzt mal als Kompliment für meine Darlegungen werte.


    Was die Ironie angeht, musst du dich an H. Dieter bzw. den Deutschlandfunk wenden. Diese haben den Aspekt eingebracht, ich habe ihn lediglich aufgegriffen. Meine inhaltlichen Kenntnisse dieses Genres sind begrenzt, ich lese schlicht zu wenig dieser Bücher.


    Allerdings geht es mir wie dir - ich kenne viele Frauen. Und darunter sind einige, die Chick Lit lieben, Obwohl (oder gar weil?) sie intelligent sind und im Leben ihre Frau stehen. Vielleicht sind sie so souverän, dass sie sich auch unter Niveau amüsieren können? Diese Fähigkeit ist sehr entspannend. Geh mal auf eine Schlagerparty und gröhl mit, dann weisst du, was ich meine.

    Ich kann hier keine Betreoffenen erkennen höchstens eine/einen Betroffene/-n. Alle anderen Einwände bezogen sich auf die überzogene Art deiner Darlegungen nicht auf deren Inhalt.


    Jeder, der einmal eine Frauenzeitschrift gelesen hat oder einmal ein Brautkleidergeschäft besucht hat, wird um eine Einsicht nicht herumkommen: es gibt einfach viele Frauen, die so sind wie die Protas in den Chick Lit Romanen. Sonst würde das doch niemand lesen! Chick Lit ist eine übertriebene, ironische Darstellung dessen, was viele Frauen um die dreissig bewegt.


    Das ist leider immer noch ein Spagat zwischen herkömmlichen Rollenvorstellungen (Mr. Perfect) und heutigen Anforderungen (Karriere).


    Davon leben ganze Industriezweige (Kosmetik, Mode). Immerhin können die Leserinnen über sich schmunzeln.

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    Und wenn man die "Rezessionen" :evil zu den fraglichen Titeln liest, entsteht nicht eben der Eindruck, hier wären DoktorInnen der Quantenhomöopathie tätig.

    Diese Bücher sind wie ein Kaffee zwischendurch mit der besten Freundin. Süss, seicht, und erholsam. Aber manchmal braucht es eben genau das. Wenn man mir mit meiner Freundin zuhört, könnte man auf den Gedanken kommen, das mein Kopf nur dazu dient, eine Frisur zu tragen. =)

    Mir wurde das schon angekreidet. Ich gehöre zu denen, die über den Gedankengängen ihrer Figuren gern die 'Aussenwelt' vergessen. Mittlerweile streue ich ein bisschen mehr ein, als ich selbst es für notwendig halten würde, seitdem klappt es. Scheinbar braucht auch das Kopfkino ein paar Anhaltspunkte, damit der Film losgeht.

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    Die Diskussion kam neulich in meiner örtlichen "Laienschreibgruppe" auf,
    und da gab es tatsächlich Stimmen, die sich von den ersten Seiten eines
    Buches äußere Eindrücke des Prots erhoffen, das hat mich gewundert und
    ein bisschen verunsichert.

    Menschen (und damit Leser) nehmen ihre Welt auf unterschiedliche Weise wahr. Sehr viele brauchen visuelle Reize, andere haptische (das sind die, die ständig an etwas herumzupfen), oder über Gehör- und Geruchssinn.


    Falls deine indirekten Andeutungen zum Aussehen des Protas erst ab Seite 50 ff kommen, kann es schon sein, dass die visuell geprägten Leser etwas vermissen.

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    Derartige "Pauschalaussagen" von mir sind hingegen stets wohl bedacht:
    sie sollen provozieren, auf dass mal wieder Leben in die Bude komme. Ich
    wette immer schon mit mir selbst, wer wieder drauf anbeißt. Wird aber
    bald langweilig, weil ich meistens gewinne, q.e.d

    Von mir ausgehend, besteite ich dein gewinnen ganz energisch. Ich wäre durchaus in der Lage, dir Paroli zu bieten - wer mich von Parkett argumentieren möchte, muss früh aufstehen - aber meistens ist es mir das nicht wert. Zu zeitaufwendig für einen geringen Gewinn an Erkenntnis. 'Du hast recht, und ich meine Ruhe' sagt man im hessischen dazu.


    Möglicherweise denken andere genauso? Mit Sicherheit schreckst du damit Neulinge ab oder Menschen, die zwar etwas zu sagen hätten, aber weniger standhaft sind. Eigentlich ist das ein inhaltlicher Verlust für alle.

    Mich wundert ja vor allem, das Didi chicklit liest ! :D


    Bei mir haben sich Testleserinnen beschwert, dass es zu wenig Anhaltspunkte zum Äußeren der Protagonistin gab. Jetzt habe ich zu Anfang eine Szene, in der sie überlegt, was sie an ihrem ersten Arbeitstag anziehen soll. Da sie gerade umgezogen ist, und es noch keine Möbel gibt, gestaltet sich die Suche schwierig.


    Augenfarbe, Haarschnitt etc gibt es immer noch nicht, aber ein paar Anhaltspunkte zu modischen Vorlieben, Figur, der Art sich einzurichten, etc. sind jetzt vorhanden. Im Prinzip läuft es auf das hinaus, was du beschrieben hast.


    Im Gegensatz zu Ulli weiss ich, wie meine Prota für mich aussieht. Das bleibt aber meine private Anschauung. Wenn die Leser ein anderes Bild vor Augen haben, ist es mir auch recht, Hauptsache, es gefällt ihnen.