Nächste Schritte

  • Hallo zusammen!


    Ich bin neu in diesem Forum und erhoffe mir etwas Hilfe von den erfahrenen Autor:innen unter euch. Kurz zu mir: Mein Name ist Lea, ich bin Anfang 20 und habe bisher noch nichts veröffentlicht, obwohl ich schon sehr lange schreibe und nach wie vor mit viel Freude bei der Sache bin.


    Letztes Jahr hatte ich Kontakt mit einer Agentur, die mir einen Vertrag in Aussicht gestellt hat, wenn ich an meinem Manuskript einige gravierende Änderungen vornehme. Das habe ich getan - allerdings waren die Verantwortlichen trotzdem nicht zufrieden und haben mir eine Absage erteilt. Bei meinem Manuskript handelt es sich um einen Young-Adult-Roman. Nach der enttäuschenden Rückmeldung habe ich es über zwanzig weiteren Verlagen und Agenturen angeboten, bisher jedoch ohne Ergebnis.


    Nun würde ich gerne wissen, ob ihr vielleicht eine Idee habt, wie ich weiter vorgehen könnte. Mein Manuskript umfasst über 400 Seiten und ich fände es sehr schade, wenn dieses Werk, in das ich sehr viel Zeit und Herzblut gesteckt habe, in meiner Schublade verstauben würde. Aktuell fällt mir nichts Besseres ein, als einfach weiter zu suchen, bis sich ein Verlag oder eine Agentur findet, die bereit ist, meinen Roman zu publizieren. Selfpublishing wäre für mich aus Kostengründen eher eine der letzten Optionen. ?!?


    Wenn ihr Lust habt, könnt ihr gerne mal erzählen, wie ihr bei der Veröffentlichtung bzw. Vermarktung eures ersten Romans vorgegangen seid. Vielleicht kennt ja der/die eine oder andere von euch kleinere Verlage, die Jugendbücher im Programm haben oder seriöse Agent:innen, an die ich mich wenden könnte. Ich bin wirklich dankbar für jeden Tipp und würde mich freuen, wenn ihr mir weiterhelfen könntet!


    Vielen Dank schon mal im Voraus. Ich wünsche euch allen noch einen schönen (Vater)Tag bzw. eine schöne Restwoche!


    LG Lea

  • Herzlich willkommen in diesem Forum, Lea. Und herzlich willkommen im Club derjenigen, die Absagen sammeln. ;-) Im Ernst, es ist "normal" als Neueinsteiger Absagen zu bekommen. Und das ist auch für bereits erfahrene Autorinnen keine unbekannte Situation.


    Mein Tipp ist, bevor Du weiter nach Verlagen oder Agenturen suchst, zunächst den Text noch einmal prüfen zu lassen und mit anderen Autoren zu diskutieren.


    Wenn Du ein bisschen in diesem Forum stöberst, wirst Du auch festellen, dass diese Themen bereits vielfältig diskutiert wurden.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Ja, dass man es als Neueinsteiger besonders schwer hat, ist mir tatsächlich schon früh aufgefallen. ^^ Aber es ist beruhigend zu wissen, dass es auch etablierten Autor:innen so geht, obwohl sie schon Bücher veröffentlicht haben. Ich danke Dir für Deine Antwort. Ein professionelles Lektorat wäre sicher eine gute Sache. Unter anderem deshalb habe ich mich in diesem Forum angemeldet, um mich mit Leuten auszutauschen, die vielleicht Kontakte in dieser Branche haben und sich allgemein besser auskennen als ich. :) Ich werde mich auf jeden Fall umhören und weiterhin dranbleiben!

  • Hallo, Lea.


    Ja, das ist ungeheuer frustrierend, wenn man so viel Arbeit, Zeit und, äh, Herzblut investiert hat, und dann passiert nichts, obwohl man sich redlich bemüht. Da tröstet es auch nicht, dass man mit diesem Schicksal nicht nur nicht alleine ist, sondern einer Mehrheit angehört, denn Debüts sind sehr, sehr, sehr viel seltener als potentielle Debütanten und -innen. Das liegt natürlich daran, dass das Angebot deutlich größer als die Nachfrage ist. Es liegt aber auch daran, dass viele dieser potentiellen Debüts eher nicht so gut sind. Sich also nicht verkaufen würden.


    Aber die Alternative dazu, dass der Roman veröffentlicht wird und Leser findet, ist ja nicht die, dass man ihn verbrennt, löscht und restlos aus dem Leben tilgt. Mein ganz persönlicher Rat (ohne Dich persönlich zu kennen) wäre: Weitermachen. Die nächste Geschichte aufschreiben. Möglicherweise erklärt jene Agentur, die immerhin auf eine Überarbeitung gewartet hat, auf freundliche (persönliche, direkte!) Nachfrage, warum sie den Text doch nicht wollten. Und selbst wenn nicht - man wird in jeder Disziplin durch Übung noch besser. Mein erstes Romanmanuskript ist auch nicht veröffentlicht worden, und mein zweites und drittes ebenfalls nicht. Darüber bin ich rückblickend mehr als froh. Ja, es ist eine ordentliche Leistung, 400 Seiten vollgeschrieben zu haben, aber noch ordentlicher ist die Leistung, wenn diese 400 Seiten unterhaltsam, spannend, originell und mit einer einfach guten Geschichte vollgeschrieben sind. Mit einer guten Geschichte, die auch noch genug Leute interessieren könnte. Da müssen viele Faktoren zusammenkommen.


    Man kann natürlich auch immer tiefer greifen, die kleinen und noch kleineren Verlage abklappern, und irgendwann wird man möglicherweise eine One-Person-Show finden, die aus dem Text etwas wie ein Buch macht. Das werden dann hundert Leute kaufen, plusminus, während man händeringend darauf wartet, dass die Redaktion vom "Literarischen Quartett" oder wenigstens "Buchtipps auf MDR Jump" anruft, aber das wird leider nicht geschehen. Denn nur wenn ein Umschlag drumherum ist und "Verlag" draufsteht, löst das noch keinen Reflex dieser Art aus.

  • Hallo und herzlich willkommen Lea,


    ich freue mich immer sehr, wenn hier Leute reinschneien, die etwa in meinem Alter sind. Dann fühlt man sich nicht mehr so sehr wie ein Küken ;)

    Ich kann dir leider zu deinem Problem keine Tipps geben, weil ich selbst auch noch nicht veröffentlicht habe und mich (voraussichtlich) erst in ein paar Monaten dazu überwinden kann, mal ein Manuskript an Agenturen zu schicken. Und ich muss zugeben, ich habe eine Riesenangst davor. Ich würde mich freuen, zu hören, wie es bei dir weiterhin läuft und drücke ganz fest die Daumen.

    Caro:saint:

  • Hallo Lea,


    hattest du schon Testleser für deinen Roman? Wenn du die Leute in deinem Freundes- und Bekanntenkreis um ihre ehrliche Einschätzung bittest, erfährst du vielleicht, woran die Geschichte noch krankt.


    Eine andere Möglichkeit wäre, den Romananfang hier im Forum als Besprechungstext einzureichen. Da ist zwar manchmal ziemlich ernüchternd, hilft aber weiter.

    Davon abgesehen ist eine Absage immer subjektiv. Was die eine Agentur nicht mag, findet die andere toll. Manchmal ist auch der Zeitpunkt entscheidend. Daher würde ich auch nach der zwanzigsten Absage nicht aufgeben. Klar ist das Ganze deprimierend, aber jeder Autor kennt derartige Zurückweisungen. Das gehört schlichtweg dazu.


    Die meisten Kleinverlage haben zwar die von Tom erwähnten Mängel, aber das muss nicht per se schlecht sein. Für manche Stoffe und Themen eignen sich kleinere Verlage ohnehin besser als die großen Publikumsverlage, bei denen man sowieso nur sehr schwer einen Fuß in die Tür kriegt.


    Möglichkeiten gibt es jedenfalls viele. Und alle sind besser, als aufzugeben. Wäre ja schade um all die Arbeit, die du schon in deine Texte gesteckt hast. Vom Herzblut ganz zu schweigen.


    Viele Grüße,


    Sören

  • Hallo, Caro!


    Vielen Dank für Deine Nachricht. Mir geht's genauso - ich freue mich auch immer, wenn ich irgendwo auf Gleichgesinnte treffe, die auch noch ungefähr so alt sind wie ich :) Wahrscheinlich hilft Dir das nur bedingt weiter, aber ich denke, Du brauchst keine Angst davor zu haben, Dein Manuskript an verschiedene Agenturen zu schicken. Im schlimmsten Fall bekommst Du eine Absage, aber daran werden wir uns als Küken früher oder später gewöhnen müssen ;) Wichtig ist, dass du nie aufhörst, es zu versuchen! Ich wünsche Dir auf jeden Fall nur das Beste & bin gespannt, wie es bei Dir weitergeht - würde mich jederzeit über ein Update freuen! Auch ich werde weitermachen und hoffe, dass ich bald ein paar positive Neuigkeiten zu berichten habe :saint:


    Bis dahin, alles Gute!

    Lea

  • Wenn du die Leute in deinem Freundes- und Bekanntenkreis um ihre ehrliche Einschätzung bittest

    Äh. Hüstel. Das hat in etwa so viel Sinn wie die Frage "Steht mir das?" an Partner oder -in beim gemeinsamen Klamottenkauf. Meide Freundes- und Bekanntenkreis! Diesen Leuten ist es technisch vollkommen unmöglich, Dir gegenüber ehrlich zu sein, weil das die Freundschaft oder das Bekanntsein torpedieren würde. Jedes Urteil, das aus diesem Bereich kommt, ist absolut nichts wert. Hunderttausende tragisch versandeter Schriftsteller- und -innenkarrieren (und viele andere künstlerische Ambitionen, die wie Wassertropfen auf frischer Lava endeten) basieren auf dem Irrglauben, die Begeisterung, die man aus dem Freundeskreis oder gar der Familie für den Text erhalten hat, wäre mehr wert als zwanzig Ostmark. 8)

  • Wäre ja schade um all die Arbeit, die du schon in deine Texte gesteckt hast.

    Sorry, Sören, das geht nicht gegen Dich persönlich, aber Du bist es nun einmal, der all diese Sachen raustut. 8)


    Am Ende dieses Gedankens steht der verdammte Zuschussverlag. Weil ja die viele Arbeit, die viele Mühe irgendwie belohnt werden muss. Auf dem Literaturmarkt Fuß zu fassen, ist aber nicht in der Hauptsache das Ergebnis von Mühe und viel Arbeit. Das kann nämlich jede und jeder, viel arbeiten und sich total viel Mühe geben, aber nicht jede oder jeder hat eine Geschichte zu erzählen - und das auch noch gut. Ich habe mal wochenlang an einer Ritterburg aus Streichhölzern gebaut. Das war großartig, denn ich war beschäftigt und habe in der Zeit keinen Unsinn gemacht, und im fraglichen Alter habe ich in jeder freien Sekunde jede Menge Unsinn gemacht. Ich hatte mir total viel Mühe gegeben und alles, aber die Burg sah trotzdem scheiße aus und ist bei der ersten Erschütterung in sich zusammengefallen (Teile meiner Familie fanden sie aber super).


    Diese Gedanke, dass etwas künstlerisch oder gar professionell-künstlerisch etwas wert ist oder Bedeutung hat, nur weil man viel Mühe und Arbeit investiert hat, ist unsinnig. Man kann sogar als talentierte Künstlerperson viel Mühe und Arbeit in totalen Bullshit investieren; das haben wir alle schon gemacht und wir tun es immer wieder. Der noch größere Fehler wäre, daran festzuhalten, und es nicht loszulassen, obwohl niemand, auf dessen Urteil man etwas geben kann, es gut findet. Auf diese Art investiert man nämlich noch mehr Zeit und Mühe und Geld beim Versuch, das Zeug sozusagen im Einzelverkaufsgespräch an den Mann oder die Männin zu bringen. Und die Zeit verliert man dabei, besser zu werden und bessere Geschichten zu erzählen.


    Das ist natürlich auch alles eine Frage des Anspruchs. Aber trotzdem möchte ich vehement widersprechen. Es ist nicht schade um all die Arbeit. Man hat dabei etwas gelernt, möglicherweise war es auch reines Detox, doch nicht jede Schreibarbeit muss damit gekrönt werden, dass ein Umschlag drumherum gewickelt wird. In den meisten Fällen ist das Gegenteil besser.

  • Äh. Hüstel. Das hat in etwa so viel Sinn wie die Frage "Steht mir das?" an Partner oder -in beim gemeinsamen Klamottenkauf. Meide Freundes- und Bekanntenkreis! Diesen Leuten ist es technisch vollkommen unmöglich, Dir gegenüber ehrlich zu sein, weil das die Freundschaft oder das Bekanntsein torpedieren würde. Jedes Urteil, das aus diesem Bereich kommt, ist absolut nichts wert. Hunderttausende tragisch versandeter Schriftsteller- und -innenkarrieren (und viele andere künstlerische Ambitionen, die wie Wassertropfen auf frischer Lava endeten) basieren auf dem Irrglauben, die Begeisterung, die man aus dem Freundeskreis oder gar der Familie für den Text erhalten hat, wäre mehr wert als zwanzig Ostmark. 8)


    Es gibt durchaus Freunde und Bekannte, die nicht alles über den grünen Klee loben. Manche können da durchaus objektiv an die Sache herangehen. Aber ich gebe zu, dass die eher die Ausnahme sind.

    Nichtdestotrotz braucht man Feedback, was die literarischen Qualitäten betrifft. Ohne Kritik kommt man nicht voran.

  • Am Ende dieses Gedankens steht der verdammte Zuschussverlag. Weil ja die viele Arbeit, die viele Mühe irgendwie belohnt werden muss. Auf dem Literaturmarkt Fuß zu fassen, ist aber nicht in der Hauptsache das Ergebnis von Mühe und viel Arbeit. Das kann nämlich jede und jeder, viel arbeiten und sich total viel Mühe geben, aber nicht jede oder jeder hat eine Geschichte zu erzählen - und das auch noch gut. Ich habe mal wochenlang an einer Ritterburg aus Streichhölzern gebaut. Das war großartig, denn ich war beschäftigt und habe in der Zeit keinen Unsinn gemacht, und im fraglichen Alter habe ich in jeder freien Sekunde jede Menge Unsinn gemacht. Ich hatte mir total viel Mühe gegeben und alles, aber die Burg sah trotzdem scheiße aus und ist bei der ersten Erschütterung in sich zusammengefallen (Teile meiner Familie fanden sie aber super).


    Selbstverständlich ist ein Druckkostenzuschussverlag ein absolutes No-Go. Es stimmt auch, dass viele erste Texte an zu vielen Dingen kranken, alsdass man daraus tatsächlich etwas Veröffentlichungswürdiges fabrizieren kann. Dennoch würde ich hier ebenfalls Abstriche machen. Wenn man viel und intensiv an einer Geschichte arbeitet, kann man sie auch im Nachhinein noch lesenswert machen. Von etlichen berühmten Romanen gab es mehrere Fassungen, die sich im Laufe der Überarbeitungen stark verändert haben, bis am Ende was wirklich Gutes daraus geworden ist.

    Auf jeden Fall lernt man bei diesen Überarbeitungen viel und allein das bringt einen voran.

  • Hallo Lea,

    erst einmal herzlich willkommen unter einer Menge Leute mit ähnlichen Problemen.

    Es ist wirklich bemerkenswert, dass du einen abgeschlossenen Langtext von 400 Seiten geschrieben hast, das gelingt wirklich nur wenigen ohne Weiteres.

    Allerdings wärest du eine noch größere Ausnahme, wäre dieser Text so gut gelungen, dass er sich an eine Agentur oder einen Verlag vermitteln ließe. Die allermeisten Erstlingswerke kann man in zwanzig Jahren noch einmal aus der Schublade holen und sich darüber amüsieren, was man damals für lustige Sachen gemacht hat.


    Klar gibt es Ausnahmen. Vielleicht bist du eine. Wer weiß?


    Meine Empfehlung wäre, sich ein dickes Fell anzuschaffen und einen Teil des Textes einmal in die Rubrik hier zu stellen, die wir "BT" nennen. Das ist ein eigener Bereich, für den man sich extra freischalten lassen muss und in dem man dann in (namentlich bekannter) Runde über Texte sprechen kann. Wie Sören Prescher bereits angedeutet hat, ist das manchmal ganz schön hart, wenn die Kritik ungeschönt ist und manchmal vielleicht auch nicht nachvollziehbar. Aber wie soll man denn sonst seine Chancen auf dem Markt verbessern? Irgendjemand muss doch mal sagen - Perspektive ist schon doch auch irgendwie wichtig, oder dreißig Protagonisten auf den ersten vier Seiten, das wollen die Leser eher nicht so.


    Ich mache in dieser Runde immer gerne mit und alle, die in diesem Thread bisher geschrieben haben, haben da schon schöne und auch weniger schöne Besprechungen bekommen. Übrigens auch die mit echten Autorenkarrieren.8)

    “Life presents us with enough fucked up opportunities to be evaluated, graded, and all the rest. Don’t do that in your hobby. Don’t attach your self worth to that shit. Michael Seguin

  • Hallo Lea,


    ich kann den Frust aus deinen Zeilen herauslesen, und ich kann dir ebenfalls versichern, du bist nicht allein.


    In meinem Fall war es so, dass mein erstes Manuskript gleich bei der ersten Agentur auf Begeisterung stieß - nun ja, die Leseprobe. Dann wurde das GM angefordert, und da bin ich dann mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Das tat sehr, sehr weh, weil es mein Ideal-Szenario gewesen wäre, genau hier unter Vertrag genommen zu werden. Ich habe dann nach Feedback gefragt und erstaunlicherweise auch bekommen.


    Jetzt wusste ich wenigstens, woran ich war. Zu dem Zeitpunkt spielte ich gerade mit dem Gedanken, ein drittes Manuskript zu schreiben. Ich habe mir das Feedback hinter die Löffel geschrieben und darauf geachtet, dieselben Fehler nicht noch einmal zu machen - unter anderem "Klischee" und "flache Charaktere"- autsch!


    Während dieses dritte Manuskript wieder die Runde machte bei den Agenturen und eine Absage nach der nächsten kassierte, bin ich zurück zu Stoff Nr.1 gegangen und habe ihn von vorn bis hinten neu geschrieben. Dann Stoff Nr. 2. Warum? Weil ich soooo viel gelernt hatte seitdem. Weil ich eine so viel bessere Geschichte erzählen konnte. Weil der Stoff eine bessere Erzählung verdient hatte. Im Endeffekt bin ich also erleichtert und froh, dass die Agentur das Manuskript abgelehnt hatte, denn es war unreif.


    Zurück zu Manuskript Nr. 3 - alle Agenturen lehnten es der Reihe nach ab, ein oder zwei machten sich wenigstens die Mühe, es einmal ganz zu lesen. Also begann ich bei den Verlagen. Einer meldete sich nach zehn Tagen mit einem Vertrag - voila.


    Was ich da gelernt habe, war, dass es oft das richtige Programm braucht, oder einen freien Programmplatz oder so - die Wahl des Verlags ist enorm wichtig. Das Manuskript kann noch so gut sein, es braucht auch einen Platz in der Welt.


    Was ich auch gelernt habe, ist, dass so etwas nicht über Nacht passiert. DSDS und GNTM - das sind die Erwartungen, die heute viele haben. Von Obskurität zum Star. Leider ist es aber so: Niemand wartet auf einen und es gibt unglaublich viele Mitbewerber. Ich habe lange dafür arbeiten müssen, dass jemand meinen literarischen Erguss überhaupt zur Kenntnis nimmt, und ich habe mir das Stück für Stück über Jahre aufgebaut. Ja, die beim Verlag haben das Manuskript quasi ungesehen nach zehn Tagen genommen, aber ich hatte auch eine bescheidene Bibliographie vorzuweisen (aber eben keinen Roman), was sicherlich geholfen hat bei der Einschätzung meiner Glaubwürdigkeit.


    Ich schließe mich den VorrednerInnen auf jeden Fall an, dass es Feedback braucht, damit man sich als AutorIn entwickeln kann. Ohne Feedback wäre ich noch immer bei Tag Null.


    Und: Nicht aufhören zu schreiben. Wenn es Manuskript 1 oder 2 nicht werden, dann vielleicht Manuskript 3.

  • Dieser Zyklus, den Silke da skizziert hat, ist eine gute Möglichkeit, um aus dem Ich-muss-meinen-ersten-Langtext-unbedingt-unterbringen-Dilemma herauszukommen.

    Meine Anmerkungen sollen nicht nur dazu dienen, irgendwen zu ärgern. ;) Das Schreiben ist ein dynamischer Prozess, etwas, das sich entwickelt, das eine Lernkurve hat, das manchmal auch mit Scheitern einhergeht. Es gibt viele Leute - auch hier -, die sich an ihren vermeintlichen Erstling klammern, als wäre das ein lebenswichtiges Organ. Sie schrauben und schnippeln da jahre- und jahrzehntelang dran herum, pflegen und hegen das Ding, bauen einen Schrein drumherum, beten es nachgerade an - talentierte Leute, die aber unfassbar viel Zeit und Energie damit verschwenden, ein einziges größeres Projekt feinzuschleifen und immer und immer wieder und immer weiter zu bearbeiten, weil sie meinen, dass es das und unbedingt nur das sein muss. Es wäre eine Amputation, das Monster mal eine Weile wegzulegen und sich mit etwas Neuem zu befassen, auch etwas neuem Langem, das wäre ein Frevel, ein Selbstmissbrauch (und man müsste sich endlich seinen Dämonen stellen). Also wird dieses Ding auf ewig geknetet, und dann steht man plötzlich da und hat nicht nur sein Talent, sondern auch noch einen Gutteil Lebenszeit verschwendet, weil man sich einem selbstauferlegten Dogma unterworfen hat. Es ist nur ein Text. Alles, was man für diesen Text, an diesem Text, mit diesem Text getan hat, bleibt, auch wenn er nicht zum Debüt wird. Man kann das nutzen, und vielleicht kriegt man ihn als zweiten oder dritten Roman unter, wenn nicht als ersten. Aber dieses "Weg damit", das kriegen sie nicht auf die Reihe.

    Davor wollte ich warnen.

  • Siegfried Lenz konnte sein zweites Manuskript, nachdem der erste Roman (Es waren Habichte in der Luft, 1951) gut angekommen war nicht unterbringen. Der Programmleiter wies es mit eigeneartigen Gründen zurück (ebenfalls 1951). Lenz probierte gar nicht erst es woanders und schrieb seinen nächsten Roman. Posthum erschien der zweite dann im Jahr 2016 (Der Überläufer). Man versteht die Ablehnung von damals heute nicht mehr, der Roman hätte gut in die Zeit gepasst. Was aber wäre aus Siegfried Lenz geworden, wenn er sich verbohrt hätte und versucht hättte auf Biegen und Brechen diesen Roman unterzubringen? Vermutlich hätte sein Talent doch irgendwann den Weg gefunden – wieviel Zeit hätte er aber verloren?

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    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


    Einmal editiert, zuletzt von Horst-Dieter ()

  • Ich bin mit meinem ersten Manuskript an dem Punkt angekommen, an dem ich sage: Ich habe es ewig lang aufgebaut, ich habe es einmal ganz neu geschrieben, ich habe unglaublich viel dazugelernt und mache jetzt mit all dem neuen Wissen, das ich in einem Jahr Schreibprozess dazugewonnen habe, EINE Korrektur-Runde. Dann werde ich es probieren und wenn es niemand will, dann kann ich mich endlich mal etwas Neuem widmen. Denn ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich weiß, dass ich mit meinem jetzigen Können an diesem Text nichts mehr verbessern und selbst nicht mehr daran wachsen kann. Irgendwann reichts. Und ich freue mich jetzt schon, mal etwas anderes zu schreiben. Ich liebe die Welt, die ich gebastelt habe, aber ich kann noch so viel mehr.

    (Ich lese übrigens manchmal meine alten Versionen, um mich zu amüsieren;))