Völlig daneben? Oder warum manche Bilder sich nicht in meine Vorstellung einfügen wollen.

  • Es kann vorkommen, dass ich ein Buch mit Begeisterung oder wenigstens gesteigertem Interesse lese, und dann kommt eine Szene , die mich vollkommen raushaut. Hier ist ein Beispiel:


    Zitat

    Doch ich lief nicht schnell genug. Denn jetzt schlüpfte etwas hinter mir aus dem Hauseingang. Nur aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie sich ein langer, ungelenker Körper auf mich zubewegte. Ein kurzer Pfeifton zerschnitt die Luft. Im nächsten Moment sah ich zwei weitere Menschen hinter mir auftauchen, auf jeder Straßenseite einen, ohne eine Ahnung zu haben, wo sie sich bisher versteckt hatten.


    Ich werde später, wenn über diese Textstelle diskutiert wurde, sagen, aus welchem Buch sie stammt.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Was mich verwirrt, ist, wie sich etwas oder jemand auf eine Person zubewegen kann, das/der hinter der Person aus einem Hauseingang hervorkommt? Wäre es nicht eher so, dass etwas jemandem folgt? Oder aufschließt?


    Hinzu kommt, dass der Erzähler sieht, wie zwei Personen hinter ihm auf verschiedenen Straßenseiten auftauchen - befindet er sich an einer (T-)-Kreuzung? Hat er hinten Augen im Kopf?


    Die ganze Perspektive erzeugt bei mir ein Gefühl der Desorientierung. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt, denn die Figur scheint sich genauso unsicher zu fühlen (das Pfeifen in den Ohren).

  • Ich finde das mit den Augenwinkeln viel irritierender (Plural, man erkennt eigentlich nichts im/aus dem Augenwinkel, und nach hinten ohnehin nicht). Aber ich empfinde nichts in dieser Passage als so ungewöhnlich störend, dass es mich völlig raushauen würde. Wobei das eine recht steile Behauptung ist, da ich den Rest nicht kenne und also auch nicht weiß, aus/von welchem Niveau man rausgehauen werden würde.

  • Es ist ja immer eine sehr individuelle Sache, ob man sich von bestimmten "Bildern" in Texten stören lässt oder nicht. Ich habe auch eine Toleranzgrenze, bei der ich über nicht so stimmige Details hinwegsehe, wenn mich die Lektüre fesselt oder sonst alles stimmt. In diesem Fall haben mich sowohl die "Augen hinten" als auch die "Augenwinkel" rausgeworfen, – die zerschnittene Luft war da gar nicht mehr nötig – ,obwohl ich das Buch nicht still für mich, sondern vorlese.


    Auch ein Beispiel dafür, dass nicht immer das Lektorat bei renommierten Verlagen greift.

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Auch ein Beispiel dafür, dass nicht immer das Lektorat bei renommierten Verlagen greift.

    Ich bin letztens über folgendes Schmankerl aus dem Goldmann Verlag gestolpert:

    "Offa stellte erstaunt fest, dass sie noch erstaunlich jung war und von atemberaubender Schönheit."


    Ich kam selbst aus dem Staunen kaum mehr raus. Das ist nur eine Stelle von vielen, wo ich eine Gänsehaut bekomme. Schlimmer ist eigentlich der totale Kitsch, der sich durch die gesamte Geschichte zieht. Mein Mann fragt mich schon, warum ich mir die restlichen 500+ Seiten antue, aber ich schätze, ich bin erstaunlich (haha!) schmerzresistent.

  • Zuweilen ist es so, dass die Passgenauigkeit einer Formulierung gegen andere Eigenschaften (Rhythmus, Geschwindigkeit, Melodie) abgewogen werden muss. Man erahnt als Leser, was zu sagen versucht wurde (die Figur muss sich eigentlich kurz um- oder zur Seite gedreht haben - eine Veränderung der Bewegung mit möglicherweise weiteren Folgen), und dann kommt es darauf an, ob man diese verfälschende Verkürzung kauft oder eben nicht. Was auch davon abhängt, in was sie sonst noch eingebettet ist. Außerdem hat das Phrasenschwein gerade wieder laut geoinkt. Die so genannten Augenwinkel sind Winkel zwischen den äußeren Lidern. Man kann aus ihnen sowieso nichts wahrnehmen, höchstens im Augenwinkel bzw. im Bereich, den er bildet oder als Sichtbereich begrenzt, aber tatsächlich glauben wir nur, dort etwas genau sehen zu können. Unserer optischer Wahrnehmungsfokus ist nämlich strikt zentriert. Wir können im Bereich der Augenwinkel Hell-Dunkel-Übergänge und diffuse Farbfelder wahrnehmen, aber genau sehen, was sich dort abspielt, können wir erst, wenn wir uns dem zuwenden, also den Winkel verlassen. Trotzdem ist die also sehr bildhafte und sehr genau genommen falsche Formulierung gebräuchlich und zulässig. Hier allerdings nicht, denn der Beobachter ist ja am Beobachteten vorbei, schaut also nicht mal mehr in diese Richtung.

  • Hm, es könnte sein, dass der Verfolgte den Kopf dreht, es aber nicht ausformuliert wird. Dann könnte das passen, einigermaßen. Ansonsten stelle ich erstaunt fest, dass mich die von HD zitierte Szene an genau jene Jerry-Cotton-Romane erinnert, die ich in meiner erstaunlich jungen John-Sinclair-Zeit (enttäuscht) auf dem Dachboden meines atemberaubenden Elternhauses gefunden hatte ...

  • Zitat

    Doch ich lief nicht schnell genug. Denn jetzt schlüpfte etwas hinter mir aus dem Hauseingang. Nur aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie sich ein langer, ungelenker Körper auf mich zubewegte. Ein kurzer Pfeifton zerschnitt die Luft. Im nächsten Moment sah ich zwei weitere Menschen hinter mir auftauchen, auf jeder Straßenseite einen, ohne eine Ahnung zu haben, wo sie sich bisher versteckt hatten.


    Es ist sprachlich und ablauflogisch unsauber, dazu überflüssige Worte.

    2. Satz: Etwas schlüpfte hinter mir aus dem Hauseingang.

    3. Satz: Ich wandte den Kopf und erkannte einen langen, ungelenken Körper, der sich auf mich zubewegte.

    4. und 5. Satz kombiniert: Ein kurzer schriller Pfeifton erklang, im nächsten Moment ...


    Damit wird auch die Erkenntnis der anderen beiden Figuren logisch nachvollziehbar.


    Ich weiß nicht, worum es in dieser Story geht, vermutlich irgendwelcher Horror.

  • Ich finde es auch dramaturgisch nicht gut. Viel zu viele Cliffhanger bei viel zu kurzen Kapiteln. Und für sich genommen ist jede einzelne Geschichte nicht wirklich auserzählt. Inhaltlich - also was die Bienen betrifft - bringt es auch nichts neues. Man wusste das alles schon. Die Situation ist Gebietsweise in China schon längst so wie beschrieben. Nur die Situation in Peking dürfte SF sein.


    Die Folgebände der Autorin werde ich nicht lesen.

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Neues über die Bienen habe ich bei Ewald Arenz erfahren, nämlich wie man mit Puderzucker bei den Bienen Milbenbefall erkennt. Inhaltlich, dramaturgisch und stilistisch ist Arenz der Autorin Maja Lunde weit überlegen. Sein Buch "Alte Sorten" kann ich uneingeschränkt empfehlen.

    ASIN/ISBN: 3832165304

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    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos