Was mein Lieblingsgedicht ist? … äh …

  • Ich kann auch kein einzelnes Gedicht nennen. Aber ich mag fast alles von Eichendorff, gleich gefolgt von Heine. "Der Erlkönig" ist auch schön oder vielleicht eher: atmosphärisch sehr dicht.

    Und dann (kam noch gar nicht vor bisher) finde ich auch bei den Dichtern des Barock immer wieder sehr hübsche Gedichte.

  • Auch wenn ich sonst eher die zeitgenössischen und experimentellen Lyriker wie Jan Wagner oder Martina Weber schätze oder wenn schon traditionell eher ein Hesse-Fan bin,

    bleibt doch für mich ungeschlagen "Der Panther" von Rilke, berührend und in genialer Weise auskomponiert, trifft doch immer wieder direkt ins Herz und in die eigene Urangst und Einsamkeit.

    Und ja, ich kanns sogar auswendig.

    Der Interpret des Gedichts "on the top" ist für mich Otto Sander im Rahmen des Rilke-Projekts, das ich ebenfalls jedem Lyrikbegeisterten nur ans Herz legen kann. Hier werden Rilke-Gedichte von bekannten Künstlern und Musikern vertont und interpretiert- sensationell!


    Aber Rilke liebt man oder hasst ihn- dazwischen gibt es scheinbar nicht...dafür kann ich Eichendorff nicht ab...





    Rilke - Projekt - Bis an alle Sterne

    Musik komponiert & arrangiert von
    Richard Schönherz & Angelica Fleer

    (Der Panther/Otto Sander)

  • Es stimmt - mit Musik kann man Lyrik aufpeppen. Ich habe hier noch einen Klassiker von Fritz Löhner, interpretiert von Willi Rose.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Hallo Ulli,

    Aber Rilke liebt man oder hasst ihn- dazwischen gibt es scheinbar nicht...dafür kann ich Eichendorff nicht ab...

    "hassen" würde ich jetzt nicht gerade sagen, aber seine Texte sprechen mich nicht besonders an.

    Und weil Du Otto Sander ansprichst: Für mich ist und bleibt einer der ganz großen Rezitatoren Will Quadflieg! Ja, ich weiß, viele mögen ihn nicht, zu viel Pathos, zu viel gerolltes R, zu altbacken. Aber ich steh total auf seine Art, Gedichte zu lesen.

    Und, was ich gar nicht gedacht hätte, auch Jan Josef Liefers gefällt mir sehr gut, ich habe mir mal einen Heine-Zyklus mit ihm angehört. Er ist in gewisser Weise das genaue Gegenteil von Quadflieg, sehr zurückgenommen und eher leise, aber sein lakonischer Tonfall, den er für Heine herausholt, passt sehr gut, finde ich.


    Die Edits: Ich hasse TippfehlerX(

  • Unter dem Titel obigen Gedichts erschien auch ein Büchlein von Kinski , das sich glücklicherweise in meinem Besitz befindet. Ich war mal ein Riesenfan von ihm.

    Aber auf dieses Niveau mit dem Kinski Francois Villon artikuliert, kommen nur wenige. Oskar Werner war sicher einer dieser Ausnahmetalente.

    Wenn ein Schriftsteller nur noch sich selbst kopiert, hört er auf, ein Künstler zu sein.

    (Xaver Bayer)

    2 Mal editiert, zuletzt von Zwitscherlerche ()

  • Hallo HD,


    ich gebe zu, ich kenne nur wenig von Kinski. Aber hat der denn diesen besonderen, manchmal fast schon etwas weihevollen Ton von Quadflieg? Denn genau das mag ich nämlich an Letzterem, und ja, ich weiß, genau DESHALB mögen andere seine Rezitation überhaupt nicht.

    Kinski ist doch der, der alles. was er liest oder spielt, in die Nähe zur Psychopathologie rückt, oder ;)?

  • Hallo HD,


    ich gebe zu, ich kenne nur wenig von Kinski. Aber hat der denn diesen besonderen, manchmal fast schon etwas weihevollen Ton von Quadflieg? Denn genau das mag ich nämlich an Letzterem, und ja, ich weiß, genau DESHALB mögen andere seine Rezitation überhaupt nicht.

    Kinski ist doch der, der alles. was er liest oder spielt, in die Nähe zur Psychopathologie rückt, oder ;)?

    Nein, das hat er nicht von Quadflieg. Ich meine nur, dass er diese Art auf die Spitze getrieben hat. Das empfinde ich teilweise als grandios, größtenteils aber als unerträglich.


    Kinski brauchte nichts in die Nähe zur Psychopathologie rücken. Er war längst dort, als er angefangen hat zu spielen und zu sprechen.

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    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Hallo HD,


    ich bin mir gerade nicht sicher, ob wir nicht aneinander vorbeigeschrieben haben: Ich meinte natürlich nicht, dass sich Kinski irgendwas bei Herrn Quadflieg abgeschauat hat. Sondern dass er eben nicht Quadfliegs (mit Genitiv geht einiges besser!) weihevolles Pathos hat, das ich gerade bei mancher Lyrik ziemlich gut finde.


    Kinski ist natürlich anders. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen:).


    Meinst Du, Kinski hat das nicht nur gemimt, sondern auch gelebt? Ich hätte jetzt eher gedacht, er habe dieses Image des Exzentrikers gehegt und gepflegt. Aber, wie gesagt, ich bin weder eine große Kinski-Kennerin noch mag ich das Wenige, was ich von ihm kenne.

  • Gedichte, ich liebe sie, kann aber keines aufsagen.

    Das muss ich ändern :/


    Ich liebe Heine und Goethe


    Vor allem müssen Gedichte für mich romantisch sein :)


    Helmina von Chézy (1783-1856) - Liebesgedichte


    Sehnsucht

    Ach! hätt ich nur Worte, zu singen

    Der Liebe unendliches Lied!

    Ach! könnt' ich mit Flügeln mich schwingen

    Zur Stelle, wo Wiedersehn blüht!


    Da schau ich so träumend ins Weite,

    Der Himmel ist wolkig und grau,

    Ach! wär mir der Liebste zur Seite

    Stünd Alles in Blüthe und Thau.


    In Blicken, da blühte die Minne,

    Auf Lippen, da blühte der Kuß -

    Ach! wie ich so träume und sinne,

    Und einsam stets einsam seyn muß!


    Doch so auch, im bangenden Triebe,

    Willkommen mir, himmlische Pein!

    Das Leben ist Tod ohne Liebe,

    Wie möcht' ich gelassen doch seyn?

  • Helmina von Chézy (1783-1856) - Liebesgedichte

    Helmina von Chézy war eine interessante Dichterin, eine unangepasste Persönlichkeit. Weil sie sich auch nicht an Männer binden wollte, wurde ihr so einiges nachgesagt. Carl Maria von Weber lobte sie als Dichterin, nannte sie aber eine unausstehliche Frau. Während der Befreiungskriege arbeitete sie freiwillig in Lazaretten, kritisierte aber die Zustände darin, weshalb sie wegen Verleumdung angeklagt wurde. Der vorsitzende Richter des Berliner Kammergerichts - E.T.A. Hoffmann - sprach sie jedoch von diesem Vorwurf frei.


    Im nahen Amorbach im Odenwald hat sie mal für ein paar Monate gewohnt und dort wohl auch das zum Volkslied gewordene "Ach wie ists möglich dann" gedichtet. An dem Haus, in dem sie damals gewohnt hat, hängt heute ein Erinnerungstafel.

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    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Vielleicht kann mir jemand sagen, ob sich folgendes Gedicht an eine Geliebte oder an Gott wendet.

    Ich wurde gerügt, da ich schrieb: das ist "süß" verfasst. Bin von verliebter Lyrik ausgegangen.

    Naja, Klugs... gibts ja zu Hauf und die Rüge interessiert mich wenig, aber an wen das Gedicht denn nun gerichtet wurde, das würde mich schon interessieren.


    Nun die Schatten dunkeln,
    Stern um Stern erwacht:
    Welch ein Hauch der Sehnsucht
    flutet durch die Nacht!

    Durch das Meer der Träume
    steuert ohne Ruh,
    steuert meine Seele
    deiner Seele zu!

    Die sich dir ergeben,
    nimm sie ganz dahin!
    Auch, du weißt,
    dass nimmer ich mein Eigen bin.


    Emanuel Geibel

  • Aber auf dieses Niveau mit dem Kinski Francois Villon artikuliert, kommen nur wenige. Oskar Werner war sicher einer dieser Ausnahmetalente.

    Ich mag die Gedichte von Kinski auch sehr, aber was Christian Redl musikalisch daraus macht, hat mich begeistert. Leider finde ich bei Youtube nur dieses Lied, aber die ganze CD ist wirklich lohnenswert (wenn man sie noch bekommt) ")"

  • Es ist zeitlos, immer und überall auf der Welt gültig, und beschreibt ein Wesensmerkmal der Menschheit.


    Gryphius: Es ist alles eitel


    Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden,

    Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;

    Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiesen sein,

    Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.


    II Was itzund prächtig blüht, soll bald zutreten werden.

    Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;

    Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.

    Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.


    III Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.

    Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?

    Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,


    IV Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,

    Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind't!

    Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten!


  • Wie der WDR zu berichten weiß, stammt das weiter oben verlinkte Gedicht: "Ich bin so wild ..." nicht von Francois Villon, sondern von Paul Zech. Man lernt nie aus.


    Zitat:

    "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund / Ich schrie mir schon die Lungen wund / nach deinem weißen Leib, du Weib." Klaus Kinskis sinnlich-diabolische Interpretation dieses Gedichts machte François Villon in den 1950er Jahren auch in Deutschland bekannt. Dabei stammt es gar nicht von Frankreichs wohl bedeutendstem Lyriker des Spätmittelalters, sondern von seinem Wiederentdecker, dem Expressionisten Paul Zech, enthalten in dessen Buch "Die lasterhaften Lieder und Balladen des François Villon" (1930). Die teils dralle Erotik und der mit Gaunerjargon durchdrungene Stil des Franzosen sind hier perfekt imitiert.

    Wenn ein Schriftsteller nur noch sich selbst kopiert, hört er auf, ein Künstler zu sein.

    (Xaver Bayer)

  • Hallo Bettina,


    ausgerechnet dieses Gedicht von Gryphius ist für mich der Prototyp von Schullektüre;).

    Bestimmt ist es für sich genommen ein gelungenes Gedicht, aber bei mir läutet da vor allem: aha! Vanitas-Motiv.

    Warst Du nicht u.a. Deutschlehrerin?:)

    Sonst gibt's aus dem Barock viele schöne Gedichte.