Was ist für euch eine Schreibblockade?

  • Es gibt Bestseller, da bin ich beim Vorwort eingeschlafen und dann widerrum ein eBook einer unbekannten Autorin, wo ich entsetzt war, dass eine fünfteilige Buch-Serie schon zu Ende war, weil mich die Handlung und der Schreibstil einfach begeistert hat.

    Dem kann ich nur zustimmen. Zwei meiner Lieblingsautoren haben auch als Selfpublisher angefangen. :)

  • Meistens wird dieser Begriff in der Tat von Leuten benutzt, die ich Schreibschwärmer zu nennen pflege, Menschen also, die (oftmals mangels anderen messbaren Erfolgs ihres schreiberischen Wirkens) das Schreiben mystifizieren, indem sie geradezu enthusiastisch behaupten, schreiben sei eine Lust, die blanke Glückseligkeit, gar ihr Lebensinhalt.


    Sondern vielmehr zur falschen Wahl eines Hobbys, zu dem jemand ungenügend Fähigkeiten hat.

    Das sind ja durchaus legitime Positionen. Naturgemäß vertreten von Leuten, die schon Veröffentlichungen vorzuweisen haben, die sie selbst für relevant halten. Das kommt halt etwas überheblich rüber, daher kommt dann wohl dieser "ganze Hass".


    Ich verstehe das ja. "Schreibblockade" ist so ein kitschiges Schriftstellerklischee. Ein armer Autor sitzt in einer kargen Pariser Hinterhofwohnung und so weiter. Genies haben Schreibblockaden. Handwerker eher nicht.

    Wir Dilettanten halten uns aber leider alle für Genies und darum leiden wir auch an jedem einzelnen Zipperlein, das irgendein Hemingway oder Sartre jemals erfunden hat.


    Es gibt aber auch ganz nette Dilettanten. Ich zum Beispiel8)

    “Life presents us with enough fucked up opportunities to be evaluated, graded, and all the rest. Don’t do that in your hobby. Don’t attach your self worth to that shit.” Michael Seguin

  • Es gibt aber auch ganz nette Dilettanten. Ich zum Beispiel8)

    :dhoch^^

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen des Mittelalters

    ASIN/ISBN: 3955402630


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Man kann es ja Schreibhemmung nennen. Passt vielleicht auch besser und klingt in meinen Ohren eh aktiver. Bei "Blockade" hat einem eher ein anderer das Hindernis in den Weg gebaut, kann man nichts dafür. Bei Hemmung müsste man einfach nur wieder anfangen. Oder wäre andernfalls gezwungen, sich die Gründe anzuschauen, aus denen man es nicht tut.

  • Man kann es ja Schreibhemmung nennen. Passt vielleicht auch besser und klingt in meinen Ohren eh aktiver. Bei "Blockade" hat einem eher ein anderer das Hindernis in den Weg gebaut, kann man nichts dafür. Bei Hemmung müsste man einfach nur wieder anfangen. Oder wäre andernfalls gezwungen, sich die Gründe anzuschauen, aus denen man es nicht tut.

    Den Begriff finde ich prima! :) Diesen habe ich neulich in Walter Moers' Liebeserklärung an das Lesen, "Die Stadt der Träumenden Bücher", gefunden. Ein plötzlicher auftauchender Text eines völlig Unbekannten sei das Beste, was der Protagonist je gesehen habe - einschliesslich der Texte der grossen Autoren über ihre "Schreibhemmung". Natürlich ist das alles nicht hundertprozentig ernst gemeint. ^^

  • Vor ein paar Jahren war ich mit einem jungen Mann befreundet, der sich für extrem gutaussehend hielt, und der davon träumte, Model zu werden. Er hat sein gesamtes Umfeld praktisch unaufhörlich damit genervt, bis er zum Geburtstag als Sammelgeschenk ein „professionelles“ Shooting bekam, bei einem Fotografen, der sonst Hochzeiten fotografiert hat, und der ihm während der Aufnahmen pausenlos davon erzählt hat, wie toll er aussehen und wie talentiert er sein würde. Im Nachgang dieser Session ließ besagter Freund Mappen und Fotokarten herstellen, und er nannte sich selbst „Model“, was auch auf seinen frisch gedruckten Visitenkarten stand. Wenn ihn jemand gefragt hat, was er machen würde, dann sagte er das, also, dass er Model wäre, obwohl er eigentlich in einem Computerladen Software vertickt hat. Und er hat sich für Dutzende, vielleicht Hunderte Castings angemeldet, überwiegend in der oberen Liga, aber auch für Versandhauskataloge und solches Zeug. Er hat nie irgendeine Reaktion außer, wenn überhaupt, Absagen bekommen. Irgendwann kam eine Frau in den Laden, in dem wir zusammen gearbeitet haben, und es stellte sich heraus, dass sie für die Kataloge eines kleinen Versenders zuständig war. Mein Freund hat sie natürlich sofort zugetextet, und sie hat mit hochgezogenen Augenbrauen zugehört. Er sah tatsächlich gut aus – die Leute im Supermarkt haben nicht nach ihm gegriffen, wenn sie eigentlich Kartoffeln kaufen wollten –, und wenn wir zusammen unterwegs waren, was aber nicht so oft passiert ist, haben mich die Frauen kaum eines Blickes gewürdigt. Aber diese Frau im Computerladen hat irgendwann gelächelt und sinngemäß zu ihm gesagt: „Wissen Sie, junger Mann, Model ist man, wenn Leute dafür bezahlen, Fotos von einem machen oder anschauen zu dürfen. Vorher ist man jemand, der Model sein möchte. Und zu diesem Job gehört etwas mehr als nur ein bisschen nett auszusehen. Man muss Ausstrahlung haben, und so viel Selbstbewusstsein, dass man bereit dazu ist, die Klamotten, die man trägt, besser aussehen zu lassen als sich selbst. Man muss wissen, wie das geht. Es gibt noch einige weitere Voraussetzungen, aber Sie, mein Freund, sehen nur recht gut aus. Das reicht nicht, um Model zu sein. Tut mir leid.“ Sie ließ seine Visitenkarte auf dem Tresen liegen. Er war allerdings nur kurz enttäuscht, wischte das Ereignis dann beiseite, unterstellte der Frau Ahnungslosigkeit und irritierenderweise Neid, und er hat es weiter versucht. Wir haben den Kontakt verloren, als ich aufgehört habe, in dem Laden zu arbeiten, aber ich habe später gehört, dass er Tierarzt geworden ist.


    Wenn man sich auf eine Definition einigt, wenn man eine Tätigkeitsbeschreibung zu erstellen versucht, dann macht man das nicht notwendigerweise, um sich von jenen abzugrenzen, auf die diese Beschreibung nicht oder noch nicht zutrifft. Man macht das, um zu wissen, worüber man sich unterhält, um ein gemeinsames Niveau, eine Gesprächsebene, die Gemeinsamkeit, einen Grad der Professionalität zu definieren. Natürlich ist das nicht unproblematisch, und auch wenn man es nicht tut, um auszugrenzen, werden sich Leute ausgegrenzt fühlen, die der Definition (noch) nicht genügen. Aber ein Autor ist eben nicht einfach nur ein Urheber irgendeines Textes – das ist die technische Definition des Begriffs. Ein Autor ist im Rahmen einer Tätigkeitsbeschreibung eine Person, die Texte herstellt, für deren Lektüre oder Veröffentlichung andere Personen oder Institutionen bezahlen, direkt oder indirekt (etwa durch Werbung in einem vielgelesenen Blog). Vorher ist man jemand, der Autor sein möchte. Damit geht keine Qualifizierung dieser Person, ihrer Fähigkeiten oder ihres Talents einher; das ist nur eine Zustandsbeschreibung. Dass sich viele dahinter verstecken, dass es vermeintlich keine objektiven Maße für Textqualität gibt, während sie im gleichen Atemzug behaupten, dass viel Scheiße für viel Geld veröffentlicht wurde, hat mit dieser Frage nur insofern zu tun, dass sie skizziert, wie wichtig es ist, sich auf eine Definition zu einigen – ohne zu qualifizieren. Ich habe erst sehr spät damit angefangen, mich selbst als Autor zu bezeichnen, und sogar heute noch, nach fast einem Dutzend Romanen, Hördramatisierungen, vielen veröffentlichten Kurzgeschichten, Auslandsrechten und einer Verfilmung, zucke ich manchmal zusammen, wenn ich mich selbst sagen höre, dass ich Schriftsteller bin. Ich finde immer noch, dass es sehr viele andere gibt, die diese Bezeichnung mehr als ich verdient haben. Weil sie eben nicht einfach nur Leute umfasst, die irgendwie schreiben.


    Wir betreiben dieses Forum mit seinen Vorgängern seit fast drei Jahrzehnten, seit 1999 gibt es den 42erAutoren e. V. Wir haben hier zusammen und ich selbst im direkten Umgang schon so oft als Steigbügelhalter gearbeitet, dass es sich kaum zählen lässt. Denn das ist hier unsere gemeinsame Aufgabe: Wir wollen einander helfen, Autoren zu werden und gute Autoren zu sein. Das verstehen wir unter Literaturförderung. Dafür gibt es das Forum und einige andere Aktivitäten. Dazu gehört aber auch, dass man einander unmissverständlich und ohne „Hass“ oder andere Implikationen sagen kann (oder sich anhören muss), dass man (noch) kein Autor ist. Dass es hier und da fehlt, dass dieses oder jenes zu verbessern wäre, und dass es ein Trugschluss ist, wenn man glaubt, es würde ausreichen, ganz viele Texte zu schreiben, die man selbst großartig findet. Es gibt tatsächlich ein gerüttelt Maß an weltfremder Träumerei in diesem Bereich (wozu fraglos auch gehört, dass Leute, die nicht einmal wissen, was ein literarisches Genre ist, von sich behaupten, sie würden schlimm unter Schreibblockade leiden), und wir führen diese Diskussion ja auch nicht zum ersten Mal. Wir führen sie allerdings jedes Mal unter anderen Bedingungen, weil sich die Welt ändert und wir mit ihr. Im Zeitalter der jederzeit gefühlten Beleidigung und der gnadenlosen Chancengleichheit um absolut jeden Preis wird es immer schwieriger, berechtigte (möglicherweise sogar konstruktiv intendierte) Kritik zu üben, oder die Positionen bezogen auf Definitionen aufzuzeigen, ohne sich dafür Rüffel oder sogar kleine Scheißestürme einzufangen. Im Ergebnis sind eben einfach alle Autoren, die sich so nennen wollen, weil natürlich jeder Mensch unbedingt das Recht haben muss, sich so nennen zu können, wie er sich nennen möchte, aber das ändert nichts daran, dass die Bezeichnung nicht zutrifft. Isso. :achsel



    Ich schließe mit zwei persönlichen Anmerkungen. Ich habe einen Beitrag (aber nicht diesen hier) verfasst, der nicht vollständig meiner Überzeugung entsprach, weil ich einen sich abzeichnenden Konflikt verhindern wollte. Das ist nicht gelungen, ganz im Gegenteil. Ich bedaure beides. Und hier hat jemand, der stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist, der dieses Forum betreibt, in, wie ich finde, äußerst unangemessener Weise jemanden dazu aufgefordert, sich gefälligst zu verpissen, der sich fraglos auch nicht immer vorbildlich benimmt und benommen hat, aber keineswegs in der aktuellen Situation. Ich missbillige dieses Verhalten.

  • Ich schließe mit zwei persönlichen Anmerkungen. Ich habe einen Beitrag (aber nicht diesen hier) verfasst, der nicht vollständig meiner Überzeugung entsprach, weil ich einen sich abzeichnenden Konflikt verhindern wollte. Das ist nicht gelungen, ganz im Gegenteil. Ich bedaure beides. Und hier hat jemand, der stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist, der dieses Forum betreibt, in, wie ich finde, äußerst unangemessener Weise jemanden dazu aufgefordert, sich gefälligst zu verpissen, der sich fraglos auch nicht immer vorbildlich benimmt und benommen hat, aber keineswegs in der aktuellen Situation. Ich missbillige dieses Verhalten.

    Na Gottseidank. Für die Klarstellung beider Punkte. Ich fing schon an zu zweifeln.

  • Hallo Kerstin,


    ich denke, bei den Aggressionen, die Didi hier öffentlich erfahren hat (sie kamen ja nicht ausschließlich von Alexander), sind ein paar Dinge, die früher einmal mehr oder weniger vereinsintern waren, ins offene Forum geraten. Ich kann mir vorstellen, dass Dich als "Neue" das alles sehr irritiert hat. Die Vereinsmitglieder dürften sich weniger gewundert haben.


    An sich ist das hier eine eher freundliche Runde:).

  • Ich stimme Anja zu. Der aktuelle post von Didi ist nicht für diese Reaktionen verantwortlich. Hier wird so getan, als sei Didi ein ganz normaler Neuankömmling gewesen, der einfach ne starke Meinung hat, die nicht zugelassen sei. Das stimmt nicht.


    Schade, dass die 42er vor allem für die Neuen so ein Bild abgeben. Sorry dafür. :blume

  • Hallo Kerstin,


    ich denke, bei den Aggressionen, die Didi hier öffentlich erfahren hat (sie kamen ja nicht ausschließlich von Alexander), sind ein paar Dinge, die früher einmal mehr oder weniger vereinsintern waren, ins offene Forum geraten. Ich kann mir vorstellen, dass Dich als "Neue" das alles sehr irritiert hat. Die Vereinsmitglieder dürften sich weniger gewundert haben.


    An sich ist das hier eine eher freundliche Runde:).

    Hallo Anja,


    ich habe nichts gegen Meinungsverschiedenheiten. Und es kann dabei auch gern mal ein bisschen heftiger zugehen. Aber ich hatte mich hier angemeldet, um konstruktiv zu diskutieren. Wie ich das anderswo auch mache.


    Formulierungen wie "Prinz von und zu Bestseller" - meine Güte, wäre das nicht auch im geschlossenen Bereich Kindergartenniveau gewesen? Was spricht denn aus so einer Formulierung? Und dass der stellvertretende Vorsitzende öffentlich jemanden zum "sich Verpissen" auffordert, mal echt, das wirft kein besonders gutes Licht auf den Verein.


    Ich selbst bin relativ unempfindlich auch gegen harte Kritik, sofern sie oberhalb der Gürtellinie bleibt. Aber diese persönliche Ebene, die das hier erreichte, da haben einige Hunde schon mehr gebissen als gebellt. Und das sagt auch was. In diesem Sinne mein Gottseidank, dass es da auch noch andere Sichtweisen gibt.

  • Scheint so, als hätte ich einen Schneeball geworfen und eine Lawine ausgelöst. Was gar nicht in meinem Sinn war und ist. Und hätte ich die Folgen voraus gesehen, hätte ich die Frage vermutlich nicht gestellt.

    Andererseits habe ich sie HIER gestellt, weil ich die sowohl die 42er-als auch die Forumsmitglieder eben nicht in diese Gruppierung einordne, die ich so beschrieben habe:

    "Sondern vielmehr zur falschen Wahl eines Hobbys, zu dem jemand ungenügend Fähigkeiten hat …" und Didi so:

    "Meistens wird dieser Begriff in der Tat von Leuten benutzt, die ich Schreibschwärmer zu nennen pflege, Menschen also, die (oftmals mangels anderen messbaren Erfolgs ihres schreiberischen Wirkens) das Schreiben mystifizieren, indem sie geradezu enthusiastisch behaupten, schreiben sei eine Lust, die blanke Glückseligkeit, gar ihr Lebensinhalt."


    Für mich ist weder an der einen Formulierung noch an der anderen etwas Verwerfliches oder Arrogantes. Ich sehe in Didis Worten auch keinen Angriff auch irgendjemanden im Forum. Wer sich diesen Schuh anzieht, möge sich bitte überlegen, warum er das tut.


    Schreiben als Autor hat meiner Auffassung nach das Ziel, das Geschriebene einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wer das tut, muss immer damit rechnen, kritisiert zu werden. In den Jahren des Internets, insbesondere der sozialen Medien, hat die Kultur der Kritik wie auch die Streitkultur allerdings einen Tiefpunkt erreicht, dessen Boden noch nicht absehbar ist.

    Ich hoffe, die 42er kriegen sich wieder in den Griff und besinnen sich wieder auf ein Miteinander.


    Bevor ich mit meinem Text hier zu Ende war, kam mir dankenswerterweise Tom zuvor, der einige Dinge zurecht rückt. Und letztlich mit seinem Model-Beispiel genau das trifft, was ich (ich nenne mich bewusst zuerst, denn bei mir bin ich sicher) auch über manche "Autoren" denke und was Didi vermutlich auch gemeint hat.

    weil natürlich jeder Mensch unbedingt das Recht haben muss, sich so nennen zu können, wie er sich nennen möchte

    Mit dieser Formulierung bin allerdings nicht einverstanden. Klar kann sich jeder Autor nennen, wenn er sich so bezeichnen möchte. Jeder kann sich Journalist nennen, wenn er das will. Aber keiner darf sich ungestraft Arzt oder Rechtsanwalt nennen, ohne über die entsprechende Ausbildung und Zulassung verfügen. Andererseits: Käme jemand auf die Idee, sich Flugkapitän zu nennen, weil er erfolgreich ein Flugmodell steuert, einen Flugsimulator am PC beherrscht? Auch diese Bezeichnung ist nicht geschützt.


    Ich betreute - verzeiht, wenn ich schon wieder auf das Beispiel zurückgreife, aber da habe ich eben ausreichend Erfahrung - als Redakteur in mehreren Jahrzehnten viele Praktikanten und Volontäre. Es gab tatsächlich einige, denen die Talentlosigkeit sofort anzumerken war. Ihnen habe ich durchaus geraten, sich in einem anderen Job zu versuchen. Es genügt eben nicht, Buchstaben zu Worten und Worte zu Sätzen aneinander zu reihen. Einiges kann man lernen. Aber wer nur die Technik beherrscht, ist deshalb noch lange kein guter Autor. Oder ein guter Flugkapitän. Oder ein guter Fotograf. Oder ein guter Liebhaber.


    Das wisst Ihr alle im Verein, nicht umsonst habe ihr einen Aufnahmeausschuss, der zuvor prüft, ob ein Bewerber hier rein passt. Wenn mir bisher die Aufnahmekriterien auch noch weitgehend fremd sind. Aber ihr nehmt eben nicht jeden. Das ist gut so. Das ist im Syndikat nicht anders und wird bei Montségur deutlich strenger gehandhabt. Das zeigt ja schon: Autor ist eben nicht gleich Autor. Gleichgültig, ob er sich so nennt.

  • Ich stimme Anja zu. Der aktuelle post von Didi ist nicht für diese Reaktionen verantwortlich. Hier wird so getan, als sei Didi ein ganz normaler Neuankömmling gewesen, der einfach ne starke Meinung hat, die nicht zugelassen sei. Das stimmt nicht.


    Schade, dass die 42er vor allem für die Neuen so ein Bild abgeben. Sorry dafür. :blume

    Finde ich zu einfach. Verantwortlich für seine Reaktion ist der Reagierende. Hat Tom vorgemacht, als er den Vorwurf des Oberlehrerhaften mit dem einfachen Hinweis abschmetterte, dafür sei seine Schreibe viel zu cool.

    Auf einen künftigen produktiven Austausch. :freuhuepf

  • Finde ich zu einfach. Verantwortlich für seine Reaktion ist der Reagierende. Hat Tom vorgemacht, als er den Vorwurf des Oberlehrerhaften mit dem einfachen Hinweis abschmetterte, dafür sei seine Schreibe viel zu cool.

    Auf einen künftigen produktiven Austausch. :freuhuepf

    Die Bemerkung von Tom, dazu eine Schreibe zu cool, habe ich durchaus als selbstironische Anmerkung gesehen. Für keine, sie auf die Goldwaage zu legen.

  • Hallo Ben,


    was mir allerdings nicht ganz klar ist: Meinst Du, von "Schreibblockaden" sprechen vor allem diejenigen, die noch kein Buch zu Ende gebracht haben und sich damit herausreden bzw. einen Künstlernimbus samt Künstlerwehwehchen geben möchten?

    Diese sogenannten Schreibblockaden können doch auch bereits veröffentlichte Autoren haben, aus verschiedenen Gründen. Skeptisch werde ich immer erst, wenn jemand das als eine Art Künstlerstatus vor sich herträgt.

  • Stimmt, Kerstin, verantwortlich für meine Reaktion bin natürlich ich. Und das kann man kritisieren. Ich wollte darauf raus, dass es andere Ursachen hat als eine starke Meinung in diesem thread. Bitte in dem Zushang auch das Zitat im entsprechenden post von mir einbeziehen.

    Ich will dich aber nicht in das wirklich aufreibende Thema reinziehen, deshalb belasse ich's dabei und freue mich ebenso auf produktiven Austausch. Die BT-Abteilung wartet auf Texte :)

  • was mir allerdings nicht ganz klar ist: Meinst Du, von "Schreibblockaden" sprechen vor allem diejenigen, die noch kein Buch zu Ende gebracht haben und sich damit herausreden bzw. einen Künstlernimbus samt Künstlerwehwehchen geben möchten?

    Hallo Anja,


    genauo meinte ich es, weil es mir fast ausschließlich aus diesem Kreis bekannt ist. Deshalb habe ich ja auch immer wieder auf Foren wie Leselupe oder Wortkrieger und FB-Gruppen verwiesen, in denen sich die tummeln, die sich gern einen Künstlernimbus andichten.

    Mir ist kein engagierter Autor bekannt, ob veröffentlicht oder nicht, der sich (zumindest mir gegenüber) mit einer Schreibblockade für sein Nichtsstun entschuldigte.


    Andererseits kenne ich die "Angst vor dem weißen Blatt Papier". Aber die steht auf einem anderen Blatt.

  • Ich komme mal zurück auf den Schneeball, bevor er zur Lawine wurde:


    „Schreibschwärmer“ – origineller Begriff. Schreiben ist in, warum auch immer, jedenfalls in der Blase, in der ich mich bewege. Die große Mehrheit wird’s immer noch nicht jucken. Wer sich damit aber befasst, kommt nicht umhin zu merken, dass es einen Markt für Schreibratgeber aller Art gibt. Ich kann mit dem esoterischen Überbau von Julia Cameron nichts anfangen und auch nicht mit dem Enthusiasmus, dass alles Geschriebene (oder sonst wie kreativ Geschaffene) toll ist.


    Wo ich mit Didi nicht übereinstimme: dass es nur diese „Schreibschwärmer“ sind, die Blockaden entwickeln können. Schreiben ist mehr als das Abarbeiten eines Plot-Plans nach Schema F. Und weil das so ist, kann es auch viele Hürden geben. Abgesehen von den hier schon genannten Gegenbeispielen, soll es auch Leute geben, die einen einzigen Hit landen und danach wieder in der Versenkung verschwinden. Warum, darüber lässt sich trefflich spekulieren: vielleicht denkt der eine, dass er diesen Erfolg nie mehr toppen kann, ein anderer vielleicht hat sein Pulver tatsächlich mit diesem einen Roman verschossen, der nächste kann mit dem Geschäft nichts anfangen und will lieber zurück in die Versenkung. Gründe mag’s viele geben. Allem gemein dürfte eines sein: Druck.


    Wer mit dem Schreiben ganz am Anfang steht, hat Druck wenig entgegenzusetzen. Es kann dann aber auch keine Alternative sein, alles in den Himmel zu loben, wie ich, die ich mich auch im Dilettieren übe 😊, das manchmal erlebe. Eine ausgewobene Balance wäre gut, zwischen Ermutigung und Kritik. Wenn ich Dörrie oder Cameron lese, dann ziehe ich daraus: erstmal schreiben – dann überarbeiten. Überarbeiten muss sein, wenn man nicht fürs Tagebuch schreibt oder tatsächlich genial ist. Kritik, ja, aber zur rechten Zeit. So, dass es die Kreativität nicht abwürgt.


    Doch, Blockaden gibt’s. Man muss es auch nicht mit diesem Schlagwort verbrämen. Ich habe lange nicht geschrieben, weil der innere Kritiker zu groß war. Zu viel wollen, zu wenig können – und auch nicht dran glauben, dass das, was da aufs Papier gelangt, zu IRGENDWAS gut sein kann, ein Anfang sein kann, dass es überarbeitet besser werden kann. Das ist eine Art Selbstkasteiung, die nicht zuletzt auch mit Hybris einhergeht. Auch das.

  • Warum in Gottes Namen dürfen Menschen, die nur zum Spaß schreiben nicht genauso über ihr Hobby schwadronieren wie Leute, die Aquarelle malen, Gitarre oder Fußball spielen? Niemand findet irgendwas dabei, wenn die Ü40 Kneipenband nach Genuss von fünf Bier über die Details der Bühnenshow diskutiert, oder wenn die Altherrenmannschaft taktische Winkelzüge plant. Die träumen auch alle vom nächsten großen Erfolg, so what?

    Niemand käme auf die Idee, dass die das nur machen dürfen, wenn sie davon leben können! Das sind Musiker und Maler und Fußballer, auch wenn es im Hauptberuf vielleicht Versicherungsvertreter sind.


    So ungefähr sehe ich mich selbst. Und ihr könnt mir glauben, dass ich wirklich dankbar dafür bin, in diesem Forum unvoreingenommen mit Leuten sprechen zu können, die das beruflich machen. Und ich weiß auch, dass ihr da in einer Liga spielt, für die mir die Chops fehlen. Aber darum muss ich mir doch kein anderes Hobby suchen! Ich nehme mir auch das Recht heraus, in einer Band zu spielen, sogar wenn ich nicht auf Eins live gespielt werde. Und versteige ich mich tatsächlich manchmal zu Kommentaren über die ratlosen Gesichter im Publikum angesichts meiner alteriert lokrischen Skala, obwohl ich eigentlich genau weiß, dass das klingt wie Kreide auf Tafel.


    Allerdings ist das kreative Schreiben als Hobbyist offensichtlich peinlich oder verwerflich oder beides. Warum nur? Werdet ihr wirklich zugemüllt mit anmaßenden Kommentaren von Leuten, die keine Ahnung haben, was Erzählperspektive bedeutet?


    Und aus dieser Perspektive des freundlichen, selbstironischen Noobs jetzt das Folgende zur "Schreibblockade":


    Ein großer Teil dessen, was passiert, wenn ich fiktionale Texte schreibe, folgt keinen abstrakten Regeln, die man lernen und sich als "Knochenjob" einfach durch Willensanstrengung zu Diensten machen könnte. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum ich noch nicht in der ersten Bundesliga spiele.

    Diese unerklärliche Inspiration, die sich offensichtlich nur besprechen lässt, wenn man bereit ist, sich zum Hanswurst zu machen, die fehlt mir einfach sehr oft. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich in meinem Beruf ("Knochenjob") genug auspowere, dass nichts mehr übrig bleibt an Energie. Ehrlich gesagt halte ich das aber für unwahrscheinlich. Ich weiß nicht, warum ich manchmal keine Ideen habe, oder mir die Ideen, die ich habe, alle doof vorkommen. Es bleibt mir ein Rätsel.

    Und genau das nenne ich in überheblich verstiegener, total selbstverliebter, schwurbeliger Weise jetzt einfach mal "Schreibblockaden". Und die gibt es mal mehr mal weniger. Meistens mehr.


    Und ihr, die ihr Romane veröffentlicht und dafür bezahlt werdet. Ich bewundere euch wirklich. Ich beneide euch. Ich versuche mir nur ab und zu etwas abzuschauen, so wie ich mir die Solos von alten Rockplatten raushöre.

    “Life presents us with enough fucked up opportunities to be evaluated, graded, and all the rest. Don’t do that in your hobby. Don’t attach your self worth to that shit.” Michael Seguin