Was ist für euch eine Schreibblockade?

  • Eigentlich sagt der Titel des Threads schon alles.

    Was ist für euch eine Schreibblockade. Ich habe dazu eine ganz eigene Meinung, die aber nur von wenigen geteilt wird.

    Auf der Vorstellung des Buchs eines recht jungen Autoren, jung an Jahren und jung an Autorenerfahrung, fragte eine Besucherin, wie er mit Schreibblockaden umginge. Sein Antwort: "Es gibt keine Schreiblockade. Das ist alles nur mangelhafte Planung."

    Diese Aussage hat mich sehr beeindruckt.

  • Schreibschockolade ist die leckerste Motivation, um beim Schreiben zu bleiben. Pro gefüllter Normseite ein Stückchen – da kann man sich ausrechnen, wie weit man mit einer Tafel Schokolade kommt. 8-)

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen des Mittelalters

    ASIN/ISBN: 3955402630


    Man muss den Krimi wieder dahin zurückbringen, wo er hingehört. In den Dreck.


    Matthias Wittekindt (*1958)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 250, 29.10.2020

  • Unter dem Begriff werden viele unterschiedliche Phänomene zusammengefasst, von simpler und hausgemachter Prokrastination bis hin zur galoppierenden Ideenlosigkeit. Ich kenne das ganz persönlich hauptsächlich als Motivationsloch, als eine Phase, in der die Lust darauf, an einem konkreten Projekt weiterzuschreiben oder ein neues anzufangen, gegen null geht. Das ist meistens mit diesem Tretmühleding verbunden, mit dem Gefühl, irgendwie nicht voranzukommen, nichts zu sagen zu haben, sich im Kreis zu drehen und sowieso nur lauter Selbstzitate zu verfassen, die die Leute, wenn überhaupt, aus purer Freundlichkeit lesen, und nicht etwa, weil es ihnen was bringt. Aber all das ist sehr von äußeren Parametern und von der jeweiligen Tagesform abhängig. Sobald ich mich erfolgreich gezwungen habe, wenigstens einige Sätze aufzuschreiben oder ein paar Notizen durchzuarbeiten, wird es wieder besser. Oder ich lasse es ganz und vertage mich, wenn ich die Freiheit habe, das zu tun, es also keinen Termindruck gibt.

  • Ich muss zum Glück sagen, dass ich noch nie eine hatte (toi, toi, toi!).

    Es gibt Phasen, in denen ich nicht so motiviert bin, zu schreiben. Aber ich kann mich dann trotzdem in Schreibstimmung versetzen. Dann schaffe ich zwar meist nicht so viel, wie an motivierten Tagen, aber dennoch komme ich voran.

    Aber vielleicht empfinden andere eine solch fehlende Motivation bereits als Schreibblockade? Ich würde darunter aber eher verstehen, dass man keine Ideen hat, wie man den Roman fortsetzen soll und an einer Stelle festhängt (und würde dann empfehlen, einfach zunächst ein anderes Kapitel zu schreiben oder bestehende Kapitel zu überarbeiten).

  • Und dann gibt es da noch diese Sache mit der Irrsinnsidee für ein neues, fulminantes Projekt, mit dem man sofort euphorisch loslegt, um nach drei, vier Seiten ein Gefühl zu bemerken, als man wäre versehentlich in zu großen Gummistiefeln in einen Sumpf gestampft, außerdem zieht Nebel auf und es wird unangenehm kühl. Man kann sich kaum noch daran erinnern, was es war, das einen so begeistert und angetrieben hatte; die Idee für das scheußliche Zeug, vor dem man da sitzt, kann es jedenfalls nicht gewesen sein. ;)

  • Meine größte Schreibblockade ist Faulheit oder das "Verschieb ichs auf Morgen". Da brauch ich immer eine starke Ansage an meinen inneren Schweinehund. :bruell

    Naja, das ist ja eigentlich das, was ich nicht unter dem Phänomen Schreibblockade einsortiere.

    Im Übrigen kenne ich das ebenfalls Christian. Klar, Schreibblockade klingt natürlich nach professionellem Aussetzer als "Ich habe keine Lust" oder "mir fehlen die Ideen".

  • Schreibblockade ist die Plotidee für mäßige Fernsehfilme und -krimis, in denen ein ehemals schwerreicher und nun heruntergekommener Schriftsteller oder Schriftstellerin, das Geld für den dringend benötigten Koks nicht mehr aufbringen können und so in allen möglichen Schlamassel geraten.

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    Horst-Dieter Radke: Sagen des Mittelalters

    ASIN/ISBN: 3955402630


    Man muss den Krimi wieder dahin zurückbringen, wo er hingehört. In den Dreck.


    Matthias Wittekindt (*1958)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 250, 29.10.2020

  • Ich bin bisher davon verschont geblieben, denke ich, kann mir also nichts drunter vorstellen. Wenn ich nicht schreibe, dann liegt's an Gründen, die Christian schon genannt hat und die ich beim Vornamen kenne.


    Es gibt einen Nebenaspekt bei mir, vielleicht auch bei euch: Wenn ich an was schreibe, ob was Kurzes oder Langes, dann muss ich vieles aufgeben, was sonst noch Spaß macht. Ich zocke dann nicht mehr gerne am Rechner, gehe nicht mehr gerne aus, lese nicht mehr gerne, das bringt mir alles nichts mehr, macht keinen Spaß, schwer zu erklären. Und es gibt Zeiten, da scheint mir dieser Preis zu hoch und dann schreibe ich lieber nicht. Euch bekannt? Oder sollte ich doch in die Klapse? :auslach

  • Wenn ich nicht schreibe, dann liegt's an Gründen, die Christian schon genannt hat und die ich beim Vornamen kenne.

    Das ist ja auch meine Definition von so genannter Schreibblockade. Ich habe es oft gelesen in Schreibforen und vor allem von "Autoren", die noch nie etwas veröffentlicht haben. Außer vielleicht auf der eigenen Website.

    Aber diese Art von Ideenlosigkeit zähle ich nicht zu den Schreibblockaden. Sondern vielmehr zur falschen Wahl eines Hobbys, zu dem jemand ungenügend Fähigkeiten hat.

  • Die eine Schreibblockade gibt es m.E. nicht. Die Ursachen für einen - nennen wir es mal so - geringeren Ausstoss sind m.M.n. so vielfältig wie die Menschen selbst und können daher nicht nach einem herkömmlichen Muster gelöst werden. Manchmal sind schlicht unbrauchbare Ideen die Ursache. Ja, auch geringe Disziplin oder unzureichende Planung kommen infrage, es kann alles Mögliche sein.

    Vielleicht ist das Wort auch ein Zeichen unserer auf Effizienz und Nützlichkeit gepolten heutigen Gesellschaft. Vielleicht war man da im 17. Jahrhundert gnädiger und sprach einfach nur von "so einer Phase". Ich weiss es nicht.

    Auf jeden Fall würde ich da differenzieren, ohne pauschal jeden einzelnen Schreiber mit einem bestimmten Label zu versehen.

  • Auf der Vorstellung des Buchs eines recht jungen Autoren, jung an Jahren und jung an Autorenerfahrung, fragte eine Besucherin, wie er mit Schreibblockaden umginge. Sein Antwort: "Es gibt keine Schreiblockade. Das ist alles nur mangelhafte Planung."

    Diese Aussage hat mich sehr beeindruckt.

    Mich nicht. Ich weiß, dass ich einen Stoff auch zu Tode planen kann 😬

  • ohne pauschal jeden einzelnen Schreiber mit einem bestimmten Label zu versehen.

    Och, da erlaube ich mir schon meine eigene Meinung. Ich würde beispielsweise nie von mir behaupten, ich habe eine Schreibblockade.

    Andererseits unterstelle ich Hemingway eine Schreibblockade, der ja nach 1954 (als er den Literaturnobelpreis erhielt) so gut wie nichts mehr veröffentlichte und daran verzweifelte, wie er "Der alte Mann und das Meer" übertreffen sollte. Also die Schreibblockade nichts anderes darstellt, als ausgebrannt zu sein nach einem intensiven und erfolgreichen Autorenleben.

    Und soweit dürften die wenigsten von uns sein.

  • Mich nicht. Ich weiß, dass ich einen Stoff auch zu Tode planen kann 😬

    Da stimme ich dir zu. Ich aber weiß auch aus eigener Erfahrung, dass eine konsequente Planung sehr hilfreich ist, ein Manuskript zügig und ohne große Pausen zu Ende zu bringen. Und wohlgemerkt, ich spreche von Planung, nicht von plotten. Da sehe ich für mich zumindest doch einen großen Unterschied.

  • Manche Leute meinen, dass Hemingway manisch-depressiv war.

    Das eine schließt für mich das andere nicht aus. Vielleicht ist auch das eine die Ursache fürs andere.


    Andererseits unterstelle ich Hemingway eine Schreibblockade,

    Es ist ja auch nur meine durch nichts untermauerte Ansicht. Außerdem weiß ich nicht, ob das damals schon ein anerkanntes und therapiertes Krankheitsbild war.

  • Zitat

    Das eine schließt für mich das andere nicht aus. Vielleicht ist auch das eine die Ursache fürs andere.

    Ja, genau das frage ich mich auch gerade. Ob so etwas die Ursache dafür sein kann, dass jemand nichts mehr zustande bringt.

    "Die Literatur hat ihren eigenen Wahrheitsgrund." Jan Drees

    Einmal editiert, zuletzt von Sabrina () aus folgendem Grund: Zitat eingefügt

  • Nur aus eigener Erfahrung: Bei Heftromanen kenne ich Schreibblockaden nicht. Selbst wenn es blockiert, schreibe ich einfach. Gnadenlos. Die Überarbeitung holt es dann schon wieder raus. Es hat meiner Meinung nach auch was mit dem eigenen Anspruch zu tun. Hier zweifle ich nicht, dass ich es kann.


    Jetzt beim ersten "richtigen" Roman geht es mir anders. Der Anspruch ist natürlich höher, außerdem aber verlangt die Story mehr "Stütze". Beim Heftroman fange ich davongelaufene Figuren schon irgendwie wieder ein, zwischendurch auftauchende Ideen finden problemlos ihren Platz im Kapiteltreatment, und der herzzerreißende Schluss ereignet sich auf wenige hundert Anschläge genau. Kürzen ist kein Problem, Zeilen schinden aber auch nicht.


    Ich würde also sagen: Die jetzige (Teil-)Blockade besteht zur Hälfte aus zu ungenauer Planung (obwohl Plot und Exposé stehen) und zur Hälfte - klingt erst einmal seltsam - aus zu wenig Einschränkung. Ständig wäre noch so viel mehr möglich, jedenfalls in der Vorstellung, dass es manchmal regelrecht lähmt.

  • Es gibt einen Nebenaspekt bei mir, vielleicht auch bei euch: Wenn ich an was schreibe, ob was Kurzes oder Langes, dann muss ich vieles aufgeben, was sonst noch Spaß macht. Ich zocke dann nicht mehr gerne am Rechner, gehe nicht mehr gerne aus, lese nicht mehr gerne, das bringt mir alles nichts mehr, macht keinen Spaß, schwer zu erklären. Und es gibt Zeiten, da scheint mir dieser Preis zu hoch und dann schreibe ich lieber nicht. Euch bekannt? Oder sollte ich doch in die Klapse?

    Nö, in die Klapse musst Du nicht :nein1

    Ich verstehe, was Du meinst. Ich - die ich ja bekanntermaßen dieses Jahr viel Zeit zum Schreiben habe, hadere auch damit. In den ersten Wochen, als ich aus Afrika zurück war, habe ich mich auf eine sehr merkwürdige Art "geweigert", weiter zu schreiben, weil ich dachte: Ich habe frei und ich darf: Einen ganzen Tag lesen, mit Freunden telefonieren, einfach nur lange schlafen, meine Wohnung entrümpeln und so. Zum Glück bin ich da jetzt drüber hinweg, aber das war schon merkwürdig. Aber ich glaube, das war ein bisschen sowas wie Du beschreibst.

    "Eine Geschichte darf unwahrscheinlich sein, aber sie darf nie banal sein. Sie sollte dramatisch und menschlich sein. Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock

  • Antwort: "Es gibt keine Schreiblockade. Das ist alles nur mangelhafte Planung."

    Diese Aussage hat mich sehr beeindruckt.

    Ich plane im Bezug aufs Schreiben so gut wie nichts und lebe immer noch ;) Alles geschieht sehr Spontan und ohne großartige Abwägung von Risiken, dennoch wurde ich bisher von solch einer "Blockade" verschont. Das Liegt vermutlich auch daran, dass ich "nur zum Spaß" schreibe und mir meine
    Zeit nicht vorher schon einteile.
    Wenn das kreative Teufelchen auf meiner Schulter trotzdem den Dienst verweigert, helfen meist zwei Tassen Darjeeling und eine LP von Kraftwerk, Falco oder E.A.V um wieder etwas Kraft zu tanken.


    Mein Freund macht gerade die Weiterbildung zum Ausbilder in unserem Unternehmen, der kann ein Lied von "Schreibblockaden" singen. Selber schuld, er verplant schließlich jede Sekunde seines Lebens und verbaut sich damit das letzte bisschen kreativen Raum.


    So, jetzt hast du auch meinen Senf zu diesem Thema bekommen, ich hole dann mal ein paar Würstchen vom Grill ;)